Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
«Jules? Was ist passiert? Du fährst den Wagen?«Eine Gestalt ragte neben dem offenen Fenster auf.
Borowski hob seine Automatic und zielte auf das Gesicht des Mannes.»Treten Sie zwei Schritte zurück«, sagte er auf französisch.»Nicht mehr, nur zwei. Und dann bleiben Sie ganz ruhig stehen. «Er stieß den Lauf seiner Pistole leicht gegen den Kopf des Mannes namens Jules.»Steigen Sie aus. Langsam.«
«Wir sollten nur hinter ihnen herfahren«, protestierte Jules und trat auf die Straße hinaus.»Wir sollten Ihnen folgen und melden, wo Sie sind.«
«Sie werden etwas viel Besseres tun«, sagte Borowski und stieg aus dem Renault, wobei er seine Landkarte nahm.»Sie werden mich fahren. Eine Weile werden Sie mich fahren. Steigen Sie in Ihren Wagen, alle beide!«
Fünf Meilen außerhalb von Paris, auf der Straße nach
Chevreuse, erhielten die beiden Männer den Befehl, den Wagen zu verlassen. Es war eine dunkle, schlecht beleuchtete Landstraße. Die letzten drei Meilen hatte er keine Geschäfte, Gebäude, Häuser oder Telefonzellen gesehen.
«Wie hieß die Nummer, die Sie anrufen sollten?«fragte Jason.»Aber lügen Sie nicht. Da würden Sie nur noch mehr Ärger bekommen.«
Jules gab sie ihm. Borowski nickte und setzte sich hinter das Steuer des Chevrolet.
Der alte Mann in dem abgewetzten Mantel saß zusammengesunken im Schatten der leeren Nische neben dem Telefon. Das kleine Restaurant war geschlossen, und seine Anwesenheit war die Folge einer freundlichen Geste eines Freundes aus den alten, den besseren Tagen. Er sah immer wieder zu dem Telefon an der Wand hinüber und fragte sich, wann es klingeln würde. Es war nur eine Frage der Zeit, und wenn es dann klingelte, würde er seinerseits jemanden anrufen, und dann würden die besseren Tage wieder beginnen
— und nie mehr enden. Er würde der einzige Mann in Paris sein, der in Verbindung zu Carlos stand, die anderen alten Männer würden darüber tuscheln. Und man würde wieder Respekt vor ihm haben.
Der schrille Klang der Glocke brach aus dem Telefon heraus, hallte von den Wänden des verlassenen Restaurants. Der Bettler schob sich aus der Nische und eilte ans Telefon. Die Erwartung ließ sein Herz schneller schlagen. Das war das Signal. Cain saß in der Falle! Die Tage des geduldigen Wartens waren nur das Vorspiel zum schönen Leben. Er nahm den Hörer von der Gabel.
«Ja?«
«Jules. Ich bin es!«rief die Stimme keuchend.
Das Gesicht des alten Mannes wurde aschfahl und das Pochen in seiner Brust so laut, daß er kaum die schrecklichen Dinge hören konnte, die man ihm sagte. Aber er hatte genug gehört. Er war ein toter Mann. Er glaubte zu ersticken, so schnürte es ihm die Brust zusammen.
Der Bettler sank zu Boden, die Telefonschnur straff gespannt, den Hörer immer noch in der Hand. Er starrte das schreckliche Instrument an, das die furchtbaren Worte zu ihm getragen hatte. Was sollte er tun? Was im Namen Gottes würde er jetzt tun?
Borowski ging den Weg zwischen den Gräbern hinunter und zwang sich, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, so wie Washburn ihm das vor einem ganzen Leben in Port Noir aufgetragen hatte. Wenn er je ein Schwamm hatte sein müssen, so war jetzt die Zeit dafür; der Mann von Treadstone mußte das begreifen. Er mühte sich verzweifelt ab, den Bildern, die in seiner Erinnerung auftauchten, einen Sinn zu geben. Er wußte ja, daß er unschuldig war, immer wieder hämmerte er es sich ein, er war nicht übergelaufen, war nicht geflohen — er war ein Krüppel; so einfach war das.
Er mußte den Mann von Treadstone finden. Wo inmitten dieser umfriedeten Flächen des Schweigens würde er stecken? Wo erwartete er ihn? Jason hatte den Friedhof lange vor der verabredeten Zeit erreicht, der Chevrolet war ein schnellerer Wagen als der heruntergekommene Renault. Er hatte das Friedhofstor passiert, war ein paar hundert Meter die Straße hinuntergefahren, um so zu parken, daß man ihn nicht sehen konnte. Als er dann zum Tor zurückging, hatte es zu regnen angefangen. Es war ein kalter Regen, ein Märzregen, aber ein leiser Regen, der das Schweigen kaum störte. Er kam an einer Gruppe von Gräbern vorbei, die von einem niedrigen schmiedeeisernen Geländer umgeben war, und aus deren Mitte sich ein Alabasterkreuz acht Fuß in die Höhe reckte. Er blieb einen Augenblick lang davor stehen. War er schon einmal hiergewesen? Öffnete sich da in der Ferne wieder eine Türe für ihn? Oder suchte er nur verbissen danach, eine zu finden? Und dann kam es ihm plötzlich. Es war nicht diese Gruppe von Grabsteinen, nicht das hochragende Alabasterkreuz, und auch nicht das niedrige Eisengeländer, es war der Regen. Ein plötzlicher Regenfall. Eine große Zahl von Trauernden in schwarzer Kleidung, die sich um eine Grabstelle versammelt hatten, das Knacken von Schirmen, und zwei Männer, die aufeinander zugingen, deren Schirme sich berührten, kurze, leise gesprochene Entschuldigungsworte, und dann ein länglicher brauner Umschlag, der den Besitzer wechselte, von Tasche zu Tasche ging, unbemerkt von den Trauernden.
Und da war noch etwas. Ein Bild, das sich aus einem anderen Bild löste, das er erst vor wenigen Minuten gesehen hatte. Regen, der an weißem Marmor abfloß; nicht kalter, leichter Regen, sondern ein Wolkenbruch, der auf die glänzende weiße Fläche herunterprasselte — Die Säulen…
Reihen von Säulen ringsum. Auf der anderen Seite des Hügels. In der Nahe der Tore. Ein weißes Mausoleum, irgend jemand hatte sich eine naturgetreu verkleinerte Version des Parthenon gebaut. Vor höchstens fünf Minuten war er daran vorbeigekommen, hatte einen Blick darauf geworfen, es aber nicht gesehen. Das war der Ort, wo es plötzlich zu regnen begonnen hatte, wo sich die zwei Schirme berührt hatten und der längliche Umschlag den Besitzer gewechselt hatte. Er blickte mit zusammengekniffenen Augen auf das Leuchtzifferblatt seiner Uhr. Es war jetzt vierzehn Minuten nach eins; er fing an, den Weg hinaufzurennen. Er war noch früh dran; er hatte noch Zeit, die Scheinwerferkegel eines Wagens zu sehen, oder das kurze Flackern eines angerissenen Streichholzes, oder…
Der Lichtschein einer Taschenlampe. Dort am Fuße des Hügels — der Lichtkegel bewegte sich auf und ab und wanderte immer wieder zu den Toren zurück, als machte sich der Besitzer der Taschenlampe Sorgen, jemand könnte dort kommen. Borowski empfand den beinahe unwiderstehlichen Drang, zwischen den Reihen von Gräbern und Statuen hinunterzurennen und so laut er konnte zu schreien: Ich bin hier! Ich bin es. Ich verstehe Ihre Nachricht. Ich bin zurückgekommen! Ich habe Ihnen so viel zu sagen… und es gibt so viel, das Sie mir sagen müssen!
Aber er schrie nicht und rannte auch nicht. Wichtiger als alles andere war, daß er die absolute Kontrolle behielt und auch erkennen ließ, denn das, was ihm zugestoßen war, war unkontrollierbar. Er mußte den Eindruck erwecken, völlig klar und Herr seiner selbst zu sein — innerhalb der Grenzen seiner Erinnerung ohne Makel. Er begann, in dem kalten, leichten Regen den Hügel hinunterzugehen und wünschte sich, sein Gefühl, es eilig zu haben, hätte ihm erlaubt, an eine Taschenlampe zu denken. Die Taschenlampe. Irgend etwas an dem Lichtstrahl, fünfhundert Meter unter ihm, war seltsam. Er bewegte sich in kurzen, senkrechten Strichen, wie um etwas zu betonen… als redete der Mann mit der Lampe eindringlich auf einen anderen ein.
Und so war es auch. Jason kauerte sich nieder und spähte durch den Regen. Er kroch nach vorne auf den Lichtstrahl zu, dicht an den Boden gedrückt und legte in wenigen Sekunden praktisch hundert Fuß zurück. Jetzt konnte er deutlicher sehen; er stutzte und versuchte, mit seinen Augen die Dunkelheit zu durchdringen. Zwei Männer waren es; einer hielt die Lampe, der andere ein kurzläufiges Gewehr, dessen dicker Lauf Borowski nur zu gut bekannt war. Eine Waffe wie diese konnte auf Distanzen bis zu dreißig Fuß einen Mann sechs Fuß hoch in die Luft blasen. Eine höchst seltsame Waffe für jemanden, den Washington ihm geschickt hatte.