Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Der Lichtstrahl schoß zur Wand des weißen Mausoleums hinüber; der Mann mit dem Gewehr zog sich schnell zurück, schlüpfte hinter eine Säule, die vielleicht zwanzig Fuß von dem Mann mit der Lampe entfernt war.
Jason brauchte nicht zu überlegen; er wußte, was er tun mußte. Wenn es eine Erklärung für die tödliche Waffe gab, sollte ihm das recht sein, aber ihm gegenüber würde man sie nicht gebrauchen. Er kniete nieder, schätzte die Entfernung ab und suchte nach einem Schlupfwinkel. Dann setzte er sich in Bewegung, wischte sich die Regentropfen vom Gesicht und spürte die Pistole in seinem Gürtel, er wußte, daß er sie nicht benutzen konnte.
Von einem Grabstein zum anderen, von einer Statue zur nächsten, huschte er, zuerst nach rechts, dann langsam nach links hinüber, bis er den Halbkreis fast vollendet hatte. Er war jetzt noch fünfzehn Fuß von dem Mausoleum entfernt; der Mann mit der mörderischen Waffe stand hinter der Säule an der linken Ecke unter dem kurzen Vordach, das ihm Schutz vor dem Regen bot. Er liebkoste seine Waffe, als wäre sie ein sexuelles Objekt, klappte die Kammer auf und konnte einfach der Versuchung nicht widerstehen, hineinzuschauen. Er fuhr mit der Handfläche über die Patronen, eine geradezu obszöne Geste.
Jetzt. Borowski kroch hinter dem Grabstein vor, und seine Hände und Knie trieben ihn über das feuchte Gras, bis er nur noch sechs Fuß von dem Mann entfernt war. Er sprang auf, ein lautloser, tödlicher Panther, und eine Hand schoß nach dem Gewehrlauf, die andere auf den Kopf des Mannes zu. Er erreichte beide, packte beide, umklammerte den Lauf mit den Fingern seiner linken Hand und das Haar des Mannes mit der rechten. Der Kopf fuhr zurück, seine Kehle war gespannt, so daß er keinen Laut herausbrachte. Er schmetterte den Kopf mit solcher Gewalt gegen den weißen Marmor, daß der keuchende Laut, der dann zu hören war, eine schwere Gehirnerschütterung verriet. Der Mann wurde schlaff, Jason stützte ihn und ließ den bewußtlosen Körper leise zwischen den Säulen zu Boden sinken. Jetzt durchsuchte er den Mann, entfernte eine.357 Magnum Automatic aus einem Lederetui, das in sein Jackett eingenäht war, ein rasiermesserscharfes Schuppenmesser aus einer Scheide am Gürtel und einen kleinen.22 Revolver aus einem Knöchelhalfter. Keine der Waffen stammte aus dem Regierungsfundus; das hier war ein bezahlter Killer.
Brich ihm die Finger. Die Worte drängten sich Borowski auf; ein Mann mit einer goldgeränderten Brille in einer großen Limousine hatte sie in der Brauerstraße gesprochen. Es gab einen Grund für die Brutalität. Jason griff nach der rechten Hand des Mannes und bog die Finger zurück, bis er es knacken hörte; dann tat er das gleiche mit der linken Hand, wobei er ihm den Ellbogen zwischen die Zähne trieb, um ihn am Schreien zu hindern. Kein Laut übertönte den Regen und keine der beiden Hände würde eine Waffe bedienen oder selbst als Waffe gebraucht werden können, wobei Borowski die Waffen selbst im Schatten außer Reichweite ablegte.
Jason stand auf und näherte sein Gesicht langsam der Säule. Der Mann von Treadstone richtete den Lichtkegel jetzt direkt vor sich auf den Boden. Er wandte sich dem Tor zu, tat einen zögernden Schritt, als hätte er etwas gehört, und jetzt sah Borowski zum erstenmal den Stock, bemerkte sein Hinken. Der Mann von Treadstone Seventy-One war ein Krüppel… so wie auch er ein Krüppel war.
Jason schoß zum ersten Grabstein zurück, huschte dahinter und spähte um die Marmorkante herum. Der Mann von Treadstone blickte immer noch zu dem Tor hinüber. Borowski sah auf die Uhr; es war ein Uhr siebenundzwanzig. Noch Zeit. Er kroch vom Grabstein weg, dicht an den Boden gedrückt, bis er außer Sichtweite war und stand dann auf und rannte los, zurück zum Hügelkamm. Dort blieb er einen Augenblick stehen, bis sein Atem und sein Herzschlag sich wieder beruhigt hatten, und griff dann in die Tasche nach einer Streichholzschachtel. Er schützte sie vor dem Regen, nahm ein Streichholz heraus und riß es an.»Treadstone?«sagte er laut genug, daß man ihn von unten hören konnte.
«Delta!«
Cain ist für Charlie und Delta ist für Cain. Warum benutzte der Mann von Treadstone den Namen Delta und nicht Cain? Delta hatte nichts mit Treadstone zu tun; er war gleichzeitig mit Medusa verschwunden. Jason fing an, den Hügel hinunterzugehen, der kalte Regen peitschte sein Gesicht, und seine Hand griff instinktiv unter seine Jacke nach der Automatic, die in seinem Gürtel steckte.
Er trat auf das Rasenstück vor dem weißen Mausoleum. Der Mann von Treadstone kam auf ihn zugehinkt und blieb dann stehen. Er hob seine Taschenlampe. Das grelle Licht zwang Borowski, die Augen zusammenzukneifen und den Kopf abzuwenden.
«Das ist lange her«, sagte der Mann mit dem Stock und ließ die Lampe sinken.»Ich heiße übrigens Conklin, falls Sie es vergessen haben.«
«Danke. Das hatte ich vergessen. Aber das ist nur eines unter anderen, unter vielen.«
«Wieso?«
«Eines von vielen Dingen, die ich vergessen habe.«
«Aber an diesen Ort hier haben Sie sich erinnert. Das hatte ich angenommen. Ich habe Abbotts Aufzeichnungen gelesen; hier hatten Sie sich zuletzt getroffen, zuletzt eine Lieferung getätigt. Während eines Staatsbegräbnisses für irgendeinen Minister, nicht wahr?«
«Das weiß ich nicht. Darüber müssen wir sprechen. Sie haben seit mehr als sechs Monaten nichts mehr von mir gehört. Dafür muß es eine Erklärung geben.«
«Wirklich? Lassen Sie hören.«
«Am einfachsten kann ich es so ausdrücken, daß ich verwundet war, angeschossen, und die Auswirkungen der Wunden verursachten eine schwere… Verwirrung. Desorientierung ist, denke ich, ein besseres Wort dafür.«
«Klingt nicht schlecht. Was wollen Sie damit sagen?«
«Ich habe einen totalen Gedächtnisverlust erlitten. Ich habe Monate auf einer Insel im Mittelmeer verbracht — südlich von Marseille — ohne zu wissen, wer ich war oder woher ich kam. Es gibt dort einen Arzt, einen Engländer namens Washburn, der eine Krankenakte geführt hat. Er kann bestätigen, was ich Ihnen hier sage.«
«Sicher kann er das«, sagte Conklin und nickte.»Und ich wette, das sind umfangreiche Akten. Herrgott, schließlich haben Sie genügend bezahlt!«
«Was wollen Sie damit sagen?«
«Wir haben auch Aufzeichnungen. Ein Bankbeamter in Zürich, der der Meinung war, Treadstone wolle ihn überprüfen, hat eineinhalb Millionen Schweizer Franken nach
Marseille überwiesen. Danke, daß Sie uns den Namen genannt haben.«
«Das ist ein Teil dessen, was Sie erfahren müssen. Ich wußte das nicht. Er hat mir das Leben gerettet, mich wieder zusammengeflickt. Als man mich zu ihm brachte, war ich fast schon eine Leiche.«
«Also beschlossen Sie, daß eine reichliche Million Dollar dafür angemessen wäre, nicht wahr? Treadstone hat's ja.«
«Ich sagte Ihnen doch, ich wußte es nicht. Treadstone hat für mich nicht existiert; in vieler Hinsicht tut es das heute noch nicht.«
«Das hatte ich vergessen. Sie haben ja das Gedächtnis verloren. Wie haben Sie das genannt? Desorientierung?«
«Ja, aber das stimmt nicht ganz. Das richtige Wort lautet Amnesie.«
«Bleiben wir bei Desorientierung. Mir scheint nämlich, daß Sie sich schon richtig nach Zürich orientiert haben, zur Gemeinschaftsbank.«
«Ich hatte ein Negativ, das in der Nähe meines Hüftknochens eingesetzt war.«
«Das war es allerdings; Sie hatten darauf bestanden. Nur wenige von uns haben das damals begriffen. Das ist die beste Versicherung, die es gibt.«
«Ich weiß nicht, wovon Sie reden. Können Sie das denn nicht verstehen?«
«Sicher. Sie haben das Negativ gefunden, auf dem nur eine Nummer stand und haben sofort den Namen Jason Borowski angenommen.«