Der Graf von Sainte-Hermine
- Автор: Дюма Александр
- Год: 2009
- Язык: немецкий
- Год: Blanvalet Verlag
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Graf von Sainte-Hermine». Краткое содержание книги:
Die Originalausgabe erschien 2005 unter dem Titel »Le Chevalier de Sainte-Hermine« bei Éditions Phébus, Paris.
»Ich schweige nicht«, widersprach der Priester, »sondern ich frage Sie: Wagten Sie es, seine Freunde zu verurteilen, wenn Sie mit ihm in Verkehr geblieben wären und sich darum bemühten, dem Vogelfreien die Staatsbürgerschaft wieder zu verschaffen?«
Thuriot war außer sich.
»Meine Herren«, rief er voller Zorn und richtete den Blick auf die anderen Richter und die Gerichtsdiener, »was wir soeben vernommen haben, ist so unangebracht …«
Doch Abbé David fiel ihm ins Wort. »Meine Herren Richter«, sagte er ruhig, »mein Leben liegt in Ihren Händen; den Tod fürchte ich nicht, denn ich weiß, dass man sich in Zeiten der Revolution auf alles gefasst machen und mit allem rechnen muss, wenn man sich ein reines Gewissen bewahren will.«
Die Aussagen der Angeklagten, die wir anführten, wurden von den anderen Angeklagten wiederholt, und die Verhandlung schloss mit einer neuerlichen Zärtlichkeitsbekundung der Brüder Polignac.
»Meine Herren«, sagte Jules und beugte sich mit flehend gefalteten Händen den Richtern entgegen, »nach den Worten meines Bruders war ich zu aufgewühlt, um meine eigene Verteidigung klaren Kopfes vorzubringen; nun bin ich ruhiger, und ich wage zu hoffen, dass das, was Armand sagte, Sie nicht veranlassen wird, so zu handeln, wie er es wünscht. Ich wiederhole im Gegenteiclass="underline" Muss einer von uns sich als Sühneopfer darbringen, muss einer von uns sterben, dann ist noch Zeit, Armand zu retten und ihn seiner Frau zurückzugeben; ich hingegen habe keine Frau, ich kann dem Tod ohne Bedauern ins Auge blicken, denn ich bin so jung, dass ich das Leben nicht gut genug kenne, um seinen Verlust zu bedauern.«
»Nein, nein!«, rief Armand, schloss seinen Bruder in die Arme und presste ihn ans Herz. »Nein, du darfst nicht sterben! Ich werde sterben, ich, darum bitte ich dich, mein lieber Jules; dieser Platz gebührt mir.«
Diese Szene bewegte das Gewissen der Richter.
»Die Verhandlung ist beendet«, rief der Vorsitzende.
Es schlug elf Uhr morgens, als das Gericht sich zur Beratung zurückzog. Die Zuschauermenge war jeden Tag gewachsen, statt abzunehmen: Jeder wusste, dass dieses Gerichtsverfahren zwei Prozesse in sich vereinigte, den Moreaus und den Bonapartes; und obwohl man voraussehen konnte, dass das Urteil spät gefällt werden würde, verließ niemand den Saal.
Was die Beratung übermäßig in die Länge zog, war Réals Mitteilung an die Richter, dass Moreau unbedingt verurteilt werden müsse, sei die Strafe noch so unbedeutend, denn wenn er freigesprochen würde, wäre die Regierung zum Staatsstreich entschlossen.
Es erforderte wahrhaftig eine lange Beratung, um einen Angeklagten abzuurteilen, der erwiesenermaßen unschuldig war.
Schließlich ertönte am 10. Juni um vier Uhr morgens eine Glocke, deren Ton den Anwesenden durch Mark und Bein ging; sie verkündete, dass die Richter zurückkommen und ihr Urteil verkünden würden. Erstes schwaches Tageslicht fiel durch die Fenster herein und mischte sich in das letzte Kerzenlicht; es gibt, wie man weiß, nichts Bedrückenderes als dieses morgendliche Licht, das Tag wie Nacht gleichermaßen angehört.
Mitten in diesem Erschrecken traten Bewaffnete ein, die sich überall im Saal verteilten. Die Glocke erklang zum zweiten Mal, lauter diesmal, die Tür wurde aufgerissen, und ein Gerichtsdiener rief: »Das hohe Gericht!«
Der Vorsitzende Hémard erschien, gefolgt von der feierlichen Prozession der übrigen Richter, und nahm Platz. In der Hand hielt er ein langes Blatt Papier: das Urteil des Tribunals. Sodann wurden die Angeklagten hereingeführt.
Und als die erste Abteilung der Angeklagten vorgeführt war und dem Richter gegenüberstand, verlas dieser, die Hand auf die Brust gelegt, mit düsterer Stimme das umständlich begründete Todesurteil, gefällt über die Angeklagten Georges Cadoudal, Bouvet de Lozier, Rugulion, Rochelle, Armand de Polignac, Charles d’Hozier de Rivière, Louis Ducorps, Picot, Lajolais, Roger, Coster Saint-Victor, Deville, Armand Gaillard, Léhan, Pierre Cadoudal, Joyaut, Lemercier, Burban und Mérille.
Man kann sich denken, in welch schier unerträglicher Spannung die Zuhörer der langsamen, feierlichen Verlesung lauschten, die nach jedem Namen eine lange Pause hatte. Jeder der Anwesenden, die mit offenen Ohren, angehaltenem Atem und stockendem Herzschlag lauschten, musste fürchten, unter diesen ersten Namen, den Namen der Todgeweihten, den eines Verwandten oder Freundes zu vernehmen.
Obwohl einundzwanzig Namen auf dieser Liste figurierten, machte sich im Publikum große Erleichterung breit, als sie beendet war. Daraufhin ergriff der Vorsitzende das Wort und verkündete das weitere Urteiclass="underline"
»Da Jean-Victor Moreau, Jules de Polignac, Le Ridant, Roland und die Dirne Izaï zwar der Beteiligung an der Verschwörung schuldig sind, sich jedoch mildernde Umstände zu ihren Gunsten ergeben haben, setzt das Gericht die Strafe, die es ihnen bemisst, auf zwei Jahre Gefängnis hinunter.
Alle übrigen Angeklagten sind freigesprochen.«
Die Verurteilten hörten das Urteil mit unbewegter Miene an, weder prahlerisch noch verächtlich. Nur Georges, der sich neben Monsieur de Rivière befand, neigte sich zu diesem und sagte: »Jetzt, da wir mit dem König der Welt abgeschlossen haben, müssen wir danach trachten, uns mit dem König des Himmels zu verständigen.«[3]
47
Die Hinrichtung
Doch die größte Besorgnis herrschte möglicherweise nicht in dem Gerichtssaal, in dem über das Los der Angeklagten entschieden wurde. Joséphine, Madame Murat und Madame Louis, die der Tod des Herzogs von Enghien und der fragwürdige Selbstmord Pichegrus so schwer geprüft hatten, konnten nicht ohne Entsetzen an die Hinrichtung von einundzwanzig Menschen denken, eine Zahl von Verurteilten, die an die schönen Tage der Schreckensherrschaft erinnern musste.
Ja, ein Gemetzel an einundzwanzig Personen auf der Place de Grève hatte wahrhaftig etwas Grauenerregendes.
Fouchés Worte »Die Luft ist voller Dolche« waren für Joséphine eine ständige Drohung geblieben; sie dachte an den neuen Hass, den einundzwanzig Hinrichtungen schaffen mussten, und sah ununterbrochen den Dolch der alten und neuen Rachegier der Brust ihres Mannes dräuen. Sie war es, an die man sich wendete. Madame de Polignacs Tränen fielen als Erste auf ihre kaiserliche Schleppe; sie eilte in Bonapartes Kabinett, um ihn anzuflehen, den jungen Edelmann zu verschonen, der gewissermaßen seinen Kopf verkauft hatte, um den seines Bruders zu retten.
Bonaparte weigerte sich. Weder Bitten noch Tränen konnten ihn erweichen. »Sie nehmen also immer noch Anteil an meinen Feinden, Madame!«, sagte er schroff. »Ob Royalisten oder Republikaner, die einen sind so unverbesserlich wie die anderen. Wenn ich ihnen vergebe, fangen sie von vorne an, und Sie werden sich genötigt sehen, mich für neue Opfer um Gnade zu bitten.«
Ach! Indem sie alterte und Bonaparte mit jedem Tag weniger Hoffnung auf Nachwuchs ließ, begann Joséphine ihren Einfluss zu verlieren; sie ließ Madame de Polignac kommen und sich Napoleon in den Weg stellen; Madame de Polignac warf sich ihm zu Füßen, nannte ihren Namen und bat ihn um Gnade für ihren Ehemann Armand de Polignac.
»Armand de Polignac!«, rief Bonaparte. »Mein Gefährte an der Militärschule in Brienne! Und er musste unbedingt gegen mich konspirieren? Oh, Madame«, sagte er, »die Prinzen haben sich wahrhaftig mit Schuld beladen, als sie ihre treuen Gefolgsmänner in Gefahr brachten, ohne sich selbst zu kompromittieren.«
Madame de Polignac verließ den Tuilerienpalast, als Murat und seine Frau ihn betraten, um für Monsieur de Rivière um Gnade zu bitten. Murat mit seinem guten Herzen war der Verzweiflung nahe wegen der Rolle, die er unbeabsichtigt in der Affäre des Herzogs von Enghien gespielt hatte, und er wollte diesen Blutfleck, wie er es nannte, mit dem Bonaparte seinen Soldatenrock befleckt hatte, wegwaschen. Die Gnade, die Monsieur de Rivière gewährt wurde, war Folge der Gnade für Armand de Polignac, und sie wurde fast widerstandslos gewährt. Monsieur Réal eröffnete Monsieur de Rivière, dass er begnadigt worden sei, doch tat er dies in der Absicht, aus der Begnadigung Nutzen für die Begnadigenden zu ziehen.
3
Wer sich über diesen merkwürdigen Prozess eingehender informieren möchte, wird die erforderlichen Informationen in dem hervorragenden Werk meines Freundes Marco de Saint-Hilaire mit dem Titel Deux Conspirations finden.