Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
»Ein Taschenspielermagus, mehr ist er nicht«, lachte Boëndal und wies mit dem Mundstück der Pfeife auf ihn.
Rodario hob den Zeigefinger. »Aber das Entscheidende ist, dass die Zuschauer darauf hereinfallen. Und das taten selbst die kleinen, hässlichen Bogglins. Ich nenne so etwas einen Erfolg.«
»Also sind eure Kniffe Fingerfertigkeit, Geschwindigkeit und Alchimie?«, fasste Tungdil zusammen.
Furgas nickte und warf einen kurzen Blick zu der hoch gewachsenen Frau. »Und Schminke«, fügte er hinzu. »Sie macht viele Einbildungen wahr. Narmora verwandelt sich durch sie in eine Albin, vor der sich die jüngeren Spectatores auch schon mal fürchten und zu ihren Eltern flüchten.« Er lachte. »Und wir lieben es natürlich, wenn dergleichen geschieht.«
»Seid froh, dass der Wahnsinnige nicht in eurem Theater war«, meinte Bavragor finster. »Er hätte die Bühne gestürmt.«
»Sie sieht wirklich fast aus wie ein Spitzohr«, meinte Boëndal abwesend. »Die Natur hat es nicht gut mit ihr gemeint.«
Für diese Bemerkung erntete er böse Blicke von Narmora und ein breites Grinsen der Männer. Tungdil und Bavragor mussten so laut lachen, dass Goїmgar aufschreckte und hinter seinem Schild hervorschaute.
»Oh, verzeih, ich habe es nicht so gemeint«, entschuldigte sich Boëndal schnell, und man sah ihm die Verlegenheit an.
»Vielleicht bin ich ja eine Albin und bringe euch heute Nacht einen Albtraum?«, erwiderte Narmora mit einem erbosten Funkeln in den fast schwarzen Augen. »Wundert euch nicht, wenn ihr schreiend erwacht.« Sie stand auf, richtete ihr Kopftuch und verließ die schützende Ruine. Sogleich verschmolz sie mit der Dunkelheit.
»Ihr Götter, ist sie gut in ihrer Rolle!«, rief Rodario entzückt. »Sie glänzt ganz ausgezeichnet darin, findet ihr nicht auch? Aber sagen würde ich es ihr niemals. Am Ende verlangt sie noch mehr Lohn.« Begeistert wandte er sich den Zwergen zu, die seine Meinung stumm teilten. Boëndal machte sich ernsthaft Sorgen über das, was er in seinem Schlummer erleben würde.
Die Männer kümmerten sich weiter um ihren Fang, und bald roch es nach gebratenem Fisch. Hungrig langten die Reisenden zu.
»Eines muss ich noch wissen. Wie habt ihr das alles auf der Bühne entstehen lassen?«, erkundigte sich Tungdil bei Furgas. »Den Wald, den Palast... Es sah so echt aus.«
»Behältst du es für dich?«
»Ja.«
»Wirklich und ehrlich?«
»Sicher!«
»Schwörst du es bei deiner Axt?«
Tungdil schwor es. »Und?«
»Magie«, sagte Furgas, blinzelte ihm heiter zu und wischte sich über den Oberlippenbart.
»Ach«, machte der Zwerg enttäuscht und ärgerte sich, auf die vorgetäuschte Geheimnistuerei hereingefallen zu sein.
Als Boëndal aus seinem Traum aufschreckte, gab er sich alle Mühe, nicht aufzuschreien. Zugleich war er froh, seinen wirren nächtlichen Phantastereien entkommen zu sein.
Der nächste Schreck aber ließ nicht lange auf sich warten. Als er zur Sicherheit nach dem Krähenschnabel griff, war die Waffe verschwunden, und eine feingliedrige Hand schloss sich fest um seine.
Der Zwerg wandte sich um und schaute geradewegs in das schmale, grausame Gesicht einer Albin, die in voller Rüstung neben ihm hockte und ihn aus kalten schwarzen Augen anstarrte. Das kann nicht sein! Ich träume immer noch!
»Lass es dir eine Lehre sein«, raunte sie drohend, und schon fielen ihm die Lider zu, ohne dass er etwas dagegen unternehmen konnte.
Als er geraume Zeit später wieder aufwachte, sprang er keuchend auf die Füße und schaute sich um. Seinen Krähenschnabel fand er dieses Mal sofort und ergriff ihn hastig.
Narmora kuschelte sich in den Armen von Furgas, Rodario hatte sich am schwach brennenden Feuer zusammengerollt und lag mit dem Gesicht in den Schuppen der Schleie.
Boëndal betrachtete die drei ganz genau, fand aber keinen Hinweis darauf, dass sie einen Scherz mit ihm trieben. Sein wild pochendes Herz erholte sich langsam von dem Schrecken, und er schwor sich, nie mehr eine abfällige Bemerkung über die Frau zu machen.
Er schaute nach Goїmgar, der auf dem Bruchstück sitzen und Wache schieben sollte. Der erhöhte Platz war leer. Fußspuren führten nach draußen, doch die Ponys und Pferde standen noch dort, wo sie angebunden worden waren.
Er wird doch nicht so verrückt sein, im Schneesturm flüchten zu wollen? Der Zwerg machte ein paar Schritte ins Freie. Sogleich stürzte sich der Schnee auf ihn, die Flocken versuchten, ihn niederzuringen. Er entdeckte eine Gestalt auf dem verschneiten Boden.
»Goїmgar!«, rief er und eilte zu ihm, doch der schmächtige Zwerg rührte sich nicht. Blut sickerte aus einer schmalen Wunde an der Stirn. Boїndil trug ihn in die Ruine, legte ihn neben das Feuer und warf zwei Scheite nach.
»Ich...«, sagte er Zähne klappernd, »bin hingefallen.«
Der Krieger legte ihm zwei Decken um. Beim Pissen beinahe erfroren, dachte er und behielt die Worte lieber für sich, um ihn nicht vollends zu entwürdigen. Ihm war es rätselhaft, wieso Tungdil ausgerechnet dieses Gemmenschneiderlein mitgenommen hatte, wo die Auswahl doch so groß gewesen war. Vraccas wird sich etwas dabei gedacht haben, dachte er bei sich, während er das Häuflein Elend betrachtete, das nach und nach auftaute. Eis und Schnee schmolzen aus Bart, Haaren und Augenbrauen.
Er beugte sich vor. »Goїmgar, wolltest du etwa da draußen sterben?«
»Nein«, kam es langsam.
»Pass besser auf dich auf. Du bist wichtig für unsere Mission.«
»Wichtig für den Hochstapler, um auf den Thron zu kommen, der ihm nicht gebührt«, erwiderte der bibbernde Zwerge feindselig.
Boëndal sparte sich seinen Atem; Goїmgar hatte es noch immer nicht begriffen, dass es um mehr ging als um das Amt des Großkönigs, und das trotz aller gut gemeinten Predigten Tungdils. So etwas Uneinsichtiges. Er verschließt sich nur aus Trotz der Einsicht und dem Verständnis für die Verantwortung, die auf uns lastet.
Goїmgar hatte aufgehört zu zittern und schaute an ihm vorbei in den rückwärtigen Teil des Raumes, in dem die Statuen standen. Er schluckte. »Wie viele?«, raunte er.
»Was?«
»Wie viele Statuen standen bei unserer Ankunft hier?«
Der Kämpfer überlegte. »Sieben. Drei kleine und vier größere.«
Goїmgar schloss die Augen. »Es sind acht«, flüsterte er, »davon fünf größere. Was machen wir jetzt?«
»Welche ist die neue?« Boëndals Finger fassten den Griff des Krähenschnabels, und sein Körper spannte sich.
»Es müsste die dritte von rechts sein...«
»Ich schlage gleich zu und schreie dabei laut, damit die anderen erwachen. Du nimmst deinen Schild und stehst mir bei, bis Boїndil an meiner Seite ist.«
»Ich?«
»Wer sonst?«
Seine Arme rissen die schwere Waffe urplötzlich in die Höhe und beschrieben eine halbkreisförmige Bewegung. Die lange Spitze hielt genau auf den Punkt etwas oberhalb der Hüfte zu. An dieser Stelle gab es keine Knochen, welche den Krähenschnabel aufhalten konnten, die Wunde würde tief und tödlich. Wie eine kleine, dünne Fahne folgte der Zopf seiner Bewegung.
»Vraccas!«, dröhnte sein Kampfruf.
Klirrend barst die Statue unter der Wucht des Schlages. Wie eine Spitzhacke fuhr der Krähenschnabel in das porös gewordene Gestein und brachte es zum Splittern. Das Kunstwerk, das einst von einem Bildhauer zu Ehren eines Menschengottes geschaffen worden war, zersprang in viele kleine Stückchen.
»Nein, von mir aus rechts«, korrigierte Goїmgar unglücklich, doch da war es bereits zu spät.
Die riesige, bis dahin leblose Gestalt erwachte zum Leben. Hinter dem Visier glommen violette Augen auf.
»Du Idiot!«, beschimpfte Boëndal ihn, ehe er zu einem neuerlichen Schlag ansetzte.