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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Wir kaufen Ponys und reisen weiter«, verkündete er, während sie auf die Tore von Königsstein zumarschierten. »Aber wir gehen nicht bis zum Kern der Stadt, wo die Reichen ihre Behausungen errichtet haben. Unseren Proviant und die Tiere sollten wir auch in den einfacheren Vierteln bekommen.«

»Äußerst bedauerlich«, meinte Rodario näselnd und ahmte den blasierten Tonfall eines Adligen nach. »Da lebte man in Nachbarschaft zu den Reichen und hatte doch niemals die Gelegenheit, einen Abstecher nach Königsstein zu tätigen.« Es beruhigte ihn, die massiven Mauern und zahlreichen Soldaten zu sehen. Diese Wälle boten ausreichend Schutz vor den Grün- und Schwarzhäuten. »Wir könnten ein kleines improvisiertes Gastspiel geben«, richtete er sich mit blitzenden Augen an seine beiden Begleiter. »Ein Stegreiftheater, wie wäre es? Mit dem bescheidenen Lohn füllen wir unsere leeren Beutel, damit wir nicht länger Hunger darben.«

»Kannst du auch normal sprechen?«, knurrte Ingrimmsch und fuhr sich über die stoppeligen Kopfseiten; eine Rasur wurde dringend notwendig.

»Ich spreche, wie mir es passt, Herr Zwerg«, gab der Schauspieler gekränkt zurück. »Es gibt Wesen, die beherrschen mehr Ausdrucksmöglichkeiten als Grummeln, Knurren und Rülpsen. Warum sollte ich meine Bildung verhehlen, wenn Ihr das Fehlen nicht hinterm Berg haltet?«

»Ich bin gespannt, was dir das Geschwätz gegen eine Schweineschnauze einbringt«, murmelte der Zwergenkrieger gehässig.

Boëndal dagegen wollte wissen, wie er den Flammenstrahl gegen die Bogglins zum Einsatz bringen konnte.

Rodario strahlte. »Das hat sich Furgas ausgedacht, es ist ein Röhrchen voller leicht brennbarer Bärlappsamen, die ich über einen glimmenden Docht aus dem falschen Bestienkopf blase, und schon speit es Feuer.« Er wickelte seinen Ärmel auf. »Für meine Auftritte als Magus gibt es das auch noch in der kleineren Variante. Ich habe ein Röhrchen am Unterarm befestigt. Das eine Ende mit dem kleinen Feuerstein zeigt nach vorn, am anderen Ende ist ein kleiner Lederbeutel, der mit Luft und Bärlappsamen gefüllt ist.« Er gestikulierte wild, um seine Beschreibung anschaulicher zu machen. »Wenn ich auf den Beutel drücke, schießen die Samen vorne heraus. Gleichzeitig wird durch das Drücken ein Schnürchen betätigt, der Feuerstein wird nach hinten gezogen, ein Funken sprüht und entzündet die herausfliegenden Samen.« Seine Hände täuschten die Bewegungen eines Feuerballs nach. »Fertig ist die Zaubermacht und mit ihr das magische Feuer.«

Boëndal hatte aufmerksam zugehört, dann schenkte er Furgas einen anerkennenden Blick. »Eine pfiffige Erfindung.« Der Magister technicus bedankte sich mit einem Kopfnicken.

Vor dem Tor stauten sich die Karren und Wagen von Händlern und Flüchtlingen, die dem Inferno von Mifurdania entkommen waren.

Die Gardisten untersuchten die Ladungen und hielten genau fest, was die Kaufleute und Bauern nach Königstein brachten; danach zogen sie Zoll von ihnen ein. Das blieb auch den Zwergen nicht erspart, und sie verloren etliche Münzen an die Beamten. Darüber hinaus durften sie als Fremde nur in die einfachen Stadtgebiete vordringen und erhielten genaue Anweisungen, wo sie übernachten sollten.

So marschierten sie eine steile, enge Straße hinauf und bogen in eine Gasse ein, durch die gerade einmal ein Mensch passte. Die oberen Stockwerke der Fachwerkhäuser rückten so dicht zusammen, dass ihre Wände einander fast berührten. Das Tageslicht fiel nur spärlich auf das unebene Pflaster. Die Zwerge fühlten sich sogleich an einen Stollen erinnert, nur stank es unter der Erde nicht nach Abwasser und Fäkalien. Ein Schild ragte von der Wand mitten ins Gässchen, auf das ein tanzendes Pony gemalt worden war; sie hatten die Kneipe gefunden.

Angewidert kramte Rodario in seinem nassen Mantel und holte ein Tuch hervor, das er sich vor Mund und Nase hielt.

»Bei allem Respekt, aber hier residiere ich gewiss nicht«, bekundete er, und auch Furgas und Narmora stand Abscheu ins Gesicht geschrieben. »Ich sage Euch, was wir machen: Wir suchen uns eine für uns angenehmere Bleibe und treffen uns morgen früh wieder am Tor, einverstanden? Bis dahin kann ein jeder von uns seiner Wege gehen. Meine Truppe und ich geben in einer Kneipe eine Vorstellung. Ist das ein akzeptabler Vorschlag?«

Ingrimmsch nickte sofort, weil er froh war, den Schwätzer loszusein.

Der Mime machte auf dem Absatz kehrt. Seine leuchtend bunten Gewänder flatterten im Wind, und wenn er seinen Seesack nicht geschleppt hätte, wäre er dem Bild eines Adligen wirklich sehr nahe gekommen. Narmora und Furgas folgten ihm; schmatzend lösten sich ihre Stiefel aus dem stinkenden Schlamm der Straße.

»Um ehrlich zu sein, ich finde es auch nicht besonders einladend«, meldete sich Goїmgar und spähte in das Sträßchen.

»Du hast die Garde gehört. Wir sollen hier absteigen.« Boëndal nahm die Ponys und führte sie in den Stall, während die vier auf den Eingang zusteuerten. »Ich passe auf sie und unsere Barren auf. Im Stall sind sie sicherer als im Zimmer, nehme ich an. Wenn ihr mein Horn hört, kommt mir zu Hilfe.«

»Einverstanden. Wir lassen dir Essen bringen.« Tungdil drückte die Tür auf und fand sich in einer Kaschemme wieder, in der die Rauchschwaden vom Kamin und den Pfeifen einen beinahe undurchdringlichen Dunstvorhang bildeten; der Schlot zog offensichtlich nicht so, wie er sollte. Sie schritten an den Gästen vorbei zu einem Tisch neben dem Kamin und reckten die nassen Schuhe hin zum Feuer.

»Wenigstens haben wir ein Dach über dem Kopf«, verkündete Goїmgar etwas versöhnter. »Ich hasse Regen.« Stumm stimmten ihm die Zwerge zu, denn nass wurden sie in ihren steinigen Reichen nur, wenn sie es wollten, und das war selten genug. »Nur... es hätte ein wenig angenehmer sein können.«

Tungdil war die Umgebung egal, solange kein Regen durchs Dach kam. Nach wenigen Lidschlägen spürte er die Wärme, die langsam in das Leder kroch, schloss die Augen und seufzte wohlig. Die Gespräche wurden undeutlicher, während die Müdigkeit seinen Verstand übermannte und ihn zum Dösen brachte. »Habt Ihr ein Zimmer für uns, das warm und trocken ist?«, fragte er den Wirt, als der ihnen auf Bavragors Wunsch hin Bier und Essen brachte.

»Sicher«, nickte er. »Folgt mir.« Der Mann ging voran, und die Zwerge schnappten sich ihre Sachen und das restliche Essen. Auf die Gesellschaft der wenig vertrauenswürdig aussehenden Menschen im Schankraum verzichteten sie gern.

Der Krüger lotste sie in eine Dachkammer, durch die der Schlot des Kamins führte. Der gemauerte Abzug strahlte enorme Wärme ab und heizte den Raum. »Noch ein Bier?« Bavragor nickte.

Sie hingen die nassen Kleider mithilfe eines Taus um den Kamin. Boїndil warf sich sein Kettenhemd über den blanken Oberkörper und stapfte nach draußen, um seinen Bruder als Stallwache abzulösen.

Nachdem Boëndal zu ihnen gestoßen war, stellte Tungdil die Stiefel zum Trocknen an das warme Mauerwerk, kletterte in das schlichte Bett und deckte sich zu. »Ich werde nach dem Mittagsschläfchen die Stadt erkunden und mich nach den Clans der Ersten umhören«, sagte er. »Wir brauchen jeden Hinweis auf sie, damit wir wissen, was uns dort erwartet.«

»Die Zeit des langen Schweigens kann alles Mögliche bedeuten«, befand Bavragor, während er den Humpen schwenkte und dem Bier beim Tanz zusah. »Ob es sie überhaupt noch gibt?«

»Es werden solche Griesgrame sein wie du«, zog ihn Boëndal mit einem Augenzwinkern auf und legte sich in Unterwäsche und Kettenhemd in die Kissen.

Der Steinmetz trank das Bier, rülpste und leerte die Platte vom letzten Krümel, den der Zwilling ihm gelassen hatte. »Ich bin sehr neugierig auf die Ersten«, gestand er und stopfte sich die Pfeife. »Ich bete zu Vraccas, dass mit ihnen alles in bester Ordnung ist.«

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