Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
Das aber ließ sein titanischer Gegner nicht zu. Schneller, als der Zwerg es ihm wegen der Größe zutraute, war er heran. Die Pranken schlossen sich um seine Oberarme, dann wurde er emporgehoben und befand sich mindestens zwei Schritte über dem Boden. Scheppernd prallte die Waffe auf die gerissenen Platten.
Sein Bruder stand schon auf seinem Lager und erfasste die Lage mit einem Blick. »Lass ihn los!« Er riss die Beile hoch und wollte sich eben auf den übermächtigen Gegner werfen, als ihn ein gleißendes Licht blendete und er sich abwenden musste.
»Zurück, Boїndil!«, befahl ihm eine Frauenstimme. Die grelle Helligkeit wandelte sich zu einem schwachen Schimmern, das ausreichte, den Innenraum zu erleuchten.
Eine Frau in einem scharlachroten Mantel, auf dem die letzten Schneeflocken schmolzen, trat aus dem Schutz einer Statue und stellte sich an die Seite des Giganten; in ihrer Hand schwebte eine Lichtkugel. »Du kannst ihn absetzen, Djerůn. Ich denke, sie haben verstanden, wer wir sind.«
»Andôkai!«, rief Tungdil überrascht und senkte seine Axt. »Also doch!«
Sie schlug die Kapuze zurück, um ihnen ihr Gesicht zu zeigen.
»Die Stürmische?«, hakte Rodario nach, der nicht bemerkte, dass Fischschuppen auf seiner Wange hingen und ihn nicht gut aussehen ließen. »Andôkai die Stürmische? Die Maga? Ich dachte, sie sei tot?« Er betrachtete sie schamlos von oben bis unten. »Nein, sie lebt. Sie lebt! Verdammt!« Er wandte sich zu Furgas und Narmora. »Wir müssen das Stück umschreiben.«
»Stück?« Andôkai begab sich ans Feuer, ließ die Sphäre aus Licht verschwinden und hielt die Hände gegen die Flammen, während ihr Begleiter den Zwerg absetzte. »Von was redet er? Wer ist er überhaupt?«
»Schauspieler«, meinte Tungdil entschuldigend und konnte sich kaum zurückhalten, sie mit Fragen zu überhäufen.
»Oh? Dann wurde ich schon Gegenstand einer Aufführung? Ich hoffe, es ist eine Ehre...«
Rodario setzte zu einer schmeichelnden Erklärung an, wurde aber rüde daran gehindert.
»Was sollte das mit deinem Ungeheuer?«, wollte Boëndal aufgeregt wissen. »Wieso hat er uns bespitzelt? Ich hätte ihn um ein Haar getötet!«
»Er hat euch nicht bespitzelt, er lauerte. Und getötet hättest du ihn sicherlich nicht«, stellte sie herablassend richtig und legte ihren Mantel ab, damit die Wärme des Feuers schneller zu ihr drang. Darunter trug sie ihre Rüstung, dicke Winterkleidung und ihr Schwert. Die Vielzahl der Sachen ließ sie noch breiter wirken, als sie ohnehin schon war. »Er eilte auf mein Geheiß voraus, um die Albae abzufangen, die euch seit Mifurdania verfolgen.«
»Ich wusste es«, stieß Goїmgar unglücklich hervor.
Ingrimmsch lachte. »Das hätte mir noch gefehlt, dass eine Bestie uns vor anderen Bestien rettet.« Seine Finger streichelten die kurzstieligen Beile. »Wir machen sie schon fertig.«
»Wenn ihr sie bis jetzt nicht bemerkt habt, hättet ihr sie auch nicht wahrgenommen, wenn sie in euer Lager gekommen wären«, meinte die Maga ernst. »Djerůn hat zwei von ihnen drei Meilen von hier getötet, zwei weitere entkamen. Weil ich annahm, sie würden sich nicht länger auf eure Verfolgung beschränken, sandte ich ihn voraus.«
»Ich wusste es! Er war es, der mich in Königsstein vor dem Pfeil gerettet hat«, sagte Tungdil.
Andôkai nickte. »Der Alb entkam ihm leider.«
»Ich hätte die Spitzohren nicht entkommen lassen«, grummelte Boїndil. »Mir entkommt kein Gegner, und wenn ich hinter ihm herlaufen muss.«
»Er wurde von ihm angeschossen.« Sie schenkte ihm einen mitleidigen Blick. »Wenn du jedem hinterherrennst, ist es leicht, dich in eine Falle zu locken.«
»Ich lasse mich in keine Falle locken«, widersprach der Zwerg bockig und erklomm den umgestürzten Pfeiler, um seine alte Wachposition einzunehmen.
Oben angekommen, befand er sich mit dem Kopf des Hünen auf einer Ebene. Neugierig spähte er in den Helm, wollte die Schwärze darin erkunden, aber selbst seine an die Dunkelheit gewöhnten Augen erkannten nichts. Es war, als befände sich ein bodenloser Abgrund unter dem Metall.
Die anderen nahmen rings um die Feuerstelle Platz.
Die Menschen waren hellwach, Rodario hielt sein Schreibpapier in der Hand, um dann festzustellen, dass die Tinte eingefroren war. Narmora hatte ihre wundersamen Waffen bereits wieder verstaut, Djerůn gesellte sich zurück ins Halbdunkel des hinteren Teiles der Ruine und wurde wieder zu einem Denkmal.
»Was hat Eure Meinung geändert, Maga?«, wollte Tungdil endlich wissen, nachdem sich die Aufregung gelegt hatte. »Und wie habt Ihr uns gefunden?«
»Kann ich denn frei vor euren neuen Reisegefährten sprechen?«
»Sie haben uns geholfen, Ihr könnt ihnen vertrauen.«
»Na, na, na«, grummelte Ingrimmsch von oben.
»Und wie man uns vertrauen kann«, rief Rodario laut hinauf und übernahm in seiner unnachahmlichen Weise die Vorstellung seiner Truppe. »Wir wissen von der Feuerklinge und sprangen den angehenden Helden und Figuren künftiger Epen in höchster Not bei, um sie vor den Schwertern und Klauen der Bogglins zu erretten, ehrenwerte Maga«, schloss er gestenreich ab. »Wir sind treue Begleiter.«
Sein Lächeln brachte gewöhnlich das dickste Eis zum Schmelzen und Steine zum Erweichen, doch bei Andôkai versagte es, sie blieb unbeeindruckt.
»Du bist schuld.« Ihre blauen Augen fixierten Tungdil. »Deine Rede ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Ich hörte dich ständig über die Verantwortung meinem Reich gegenüber sprechen. Es gelang mir nicht, mein Gewissen zum Schweigen zu bringen. Und den Tod hat Nôd’onn aus hunderten von Gründen verdient.«
Die zuckenden Flammen nahmen ihrem Antlitz einen Teil des Herben, zeichneten die Züge weicher, weiblicher. Rodario blickte sie unentwegt an und hing an ihren Lippen. Ihr strenger Charme und ihre Sprödigkeit schienen ihn als Verführer herauszufordern.
»Also kehrte ich zu den Zweiten zurück und nahm mir die Passage vor, die ich zunächst nicht übersetzen konnte. Du erinnerst dich, die letzte Unsicherheit in eurem Plan?«, sprach sie und schaute ins Feuer. Sie machte eine Handbewegung, und aus den wirbelnden Funken formten sich Buchstaben in der Gemeinsprache. Worte entstanden und verschwanden gleich darauf wieder.
»Die Feuerklinge, geschmiedet von den Untergründigen, wird ihre Wirkung gegen das Böse erst entfalten, wenn sie von dem Feind der Untergründigen geführt wird«, las Rodario laut mit. Er langte neben die Feuerstelle, wo ein verkohltes Stückchen Holz lag, und kritzelte sich Stichworte auf. »Ich muss es notieren. Ich würde mich ohrfeigen, vergäße ich das alles.«
»Ohrfeigen? Da helfe ich dir gern dabei«, bot sich Bavragor an.
»Die Götter mögen mich vor diesen Pranken bewahren«, lehnte er ab. »Das wird das beste Stück, das jemals im Geborgenen Land aufgeführt wurde«, schwelgte er vor sich hin und kratzte mit der Kohle auf dem Papier herum. »Die Häuser werden sich füllen...« Furgas versetzte ihm zum Zeichen, dass er still sein sollte, einen Stoß mit dem Ellenbogen.
»Der Feind der Untergründigen«, sagte Tungdil leise. Seine Enttäuschung in der Stimme konnte er nicht verbergen. Was kann damit gemeint sein?
»Feinde haben wir wahrlich genug«, meinte Boëndal ratlos. »Orks, Oger«, dabei schaute er kurz zu Djerůn, »Bogglins und alles, das Tion gegen uns und die Menschen und Elben schuf. Fällt dir nichts ein, Gelehrter? Dein Wissen wäre endlich von echtem Nutzen«, sagte er halb neckend.
Bavragor nahm seinen Lederschlauch mit Branntwein. »Das wird ein Spaß. Sollen wir uns einen Ork fangen und ihn abrichten, damit er sich auf den Magus stürzt? Oder müssen wir einen Oger bitten, Nôd’onn eins mit unserer Waffe überzubraten?«
»Das war es wohl für die Expedition«, fasste Goїmgar die Bedeutung der von Andôkai übersetzten Passage schwarzseherisch zusammen. Plötzlich wurde er bleich. »Mein König! Er weiß es nicht!«