Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
»Wir haben es geschafft«, freute sich Tungdil. Erschöpft rieb er sich über den Bart, und das dünne Eis, das sich in den Haaren unter der Nase gebildet hatte, löste sich. Seine Haut fühlte sich kalt an, seine Füße spürte er fast nicht mehr, und wenn er sein Kettenhemd länger mit bloßer Hand berührt hätte, würde sie festfrieren. Ein gutes Bier wird die Kälte aus meinem Körper vertreiben. »Da vorne liegt der Eingang!«, rief er laut.
Die Kriegerzwillinge blickten skeptisch auf die sechs Hindernisse, die zu überwinden waren. »Ich frage mich, warum sie diese vielen Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben«, machte Boëndal sein Unbehagen angesichts der vielen Mauern deutlich. Er hatte seinen Zopf wie einen Schal um den Hals gewickelt, um sich vor der Kälte zu schützen. »Man könnte meinen, dass die Kreaturen Tions von dieser Seite und nicht von Westen gegen den Durchgang anrennen.«
»Können wir darüber nachdenken, wenn wir im Warmen angelangt sind?«, bat Rodario zähneklappernd. »Meine Zehen lassen sich nicht länger hinhalten und drohen zu erfrieren.« Auch bei ihm hingen kleine Eiszapfen unter der Nase.
»Schauspieler sind wie kleine Mädchen«, meinte Bavragor abschätzig, »oder wie Schimmerbart. Was überhaupt keinen Unterschied macht.«
»Trink doch noch etwas von deinem Branntwein, damit du besoffen in den Schnee fällst und stirbst«, zischte Goїmgar wütend.
»Du wirst mit deinen zittrigen Händen nicht einen einzigen Widerhaken für die Klinge passend fertigen, das spüre ich.«
»Was du spürst, das ist Drücken zwischen deinen Backen, weil du ständig die Hosen voll hast, mein Kleiner«, gab er zurück und würdigte ihn nicht mal eines Blickes.
Boëndal wies sie an, in einer kreisförmigen Formation zu reiten. Vorsichtig und mit gezückten Waffen bewegten sie sich durch das Tal und näherten sich schließlich dem ersten verwitterten Bollwerk, das vierzig Schritte vor ihnen in den Winterhimmel ragte. Ein eisernes, runenverziertes Tor versperrte ihnen das Weiterkommen. Die Ersten kümmerten sich nicht sonderlich um das Verzieren der Steine, sondern hatten einfache Quader aufeinander geschichtet.
Tungdil las die alten Zeichen laut vor, das Portal blitzte auf, die Flügel schwenkten zurück und erlaubten ihnen den Eintritt. »Wenn nur alles so einfach wäre wie Lesen und Schmieden.« Der Tross setzte sich in Bewegung.
»Für dich ist es einfach. Wissen lohnt sich zuweilen, Gelehrter«, meinte Boëndal lachend und deckte ihnen den Rücken. »Du beweist es mir immer wieder. Ohne dich...« Die Ringe seines Panzerhemds klingelten leise. Er verstummte abrupt, und seine Augen weiteten sich. »Was, bei Vraccas...«, stammelte er und langte hinter sich.
Ein schwarzer Pfeil ragte aus seinem Rücken, und schon zischte ein zweiter heran, durchbohrte seine Hand und die Rüstung und verschwand in seinem Leib. Das Geschoss flog mit solcher Wucht, dass die Spitze vorn wieder austrat. Ächzend rutschte Boëndal aus dem Sattel.
»Halt!«, rief Rodario voller Schreck, um die anderen aufmerksam zu machen, und zügelte sein Pferd. Er hörte, wie etwas gefährlich nahe an seinem Hals vorbeiflog und statt ihn das Tier in den Nacken traf. Wiehernd brach es zusammen, und der Schauspieler verschwand in einer weißen Schneestaubwolke.
Djerůn wandte sich um und erhielt ebenfalls einen Treffer. Mit einem seltsamen Geräusch durchschlug der lange Pfeil die Rüstung knapp neben Andôkais Brust, doch selbst jetzt hörte man hinter dem Helm keinen Laut hervordringen. Sofort drehte er sich um, damit seine Herrin nicht von einem der Geschosse getroffen wurde.
Die Maga fluchte laut und wirkte einen Zauber.
»Was ist?«, rief Furgas und wendete wie alle anderen der Gruppe.
»Da!«, machte Narmora sie auf die hoch gewachsene Gestalt mit den langen blonden Haaren am Eingang des Tales aufmerksam. Der Alb legte soeben den nächsten Pfeil auf die Sehne des langen Bogens. Das Geschoss flog heran und hielt geradewegs auf Tungdil zu.
Er wollte aus dem Sattel springen, um dem gefiederten Tod zu entkommen, verhedderte sich dabei aber in den Steigbügeln, sodass er nicht mehr rechzeitig ausweichen konnte. Leise sirrend flog der Pfeil heran, um eine Fingerlänge vor ihm regungslos in der Luft zu stehen, die Spitze genau auf sein Herz gerichtet. Er erschauderte.
»Schnell, nehmt Boëndal und lasst uns von hier wegreiten«, keuchte die Maga. »Ich kann den Zauber nicht mehr lange aufrecht halten.«
»Verfluchter Alb!«, schrie Boїndil, die Tobsucht in den Augen, und wollte sein Pony antreiben. »Da ist noch einer! Sie gehören mir!«
»Nein«, hielt ihn Tungdil auf und schaute nach vorn. Tatsächlich standen nun zwei Albae nebeneinander; sie warteten auf einen Hinweis, dass der Schutzzauber brach. »Du würdest Andôkais Schutz verlassen und von den Geschossen durchbohrt werden. Dein Bruder ist wichtiger als sinnlose Rache.« Er griff in die Zügel des Ponys.
»Weg!« Ingrimmsch starrte ihn an, ohne ihn zu erkennen. Ein Beil hob sich zum Schlag.
Boëndal richtete sich blutend auf. »Bruder, nein! Lass es nicht noch einmal geschehen«, stöhnte er und versuchte, sich mithilfe seines Krähenschnabels auf die Beine zu stemmen, schaffte es aber nicht. Eine Hand war ihm durch den Pfeil auf den Rücken genagelt. Der Schmerz trieb ihm das Wasser in die Augen, dann verstummte er, und sein Körper entspannte sich.
»Nein! Vraccas, lass nicht zu, dass er stirbt!« Boїndil sprang aus dem Sattel und kniete neben ihm nieder. »Sein Herz schlägt noch.« Hastig schnitt er die Schäfte der Pfeile ab und hob seinen Bruder auf. »Wir müssen ihn in die Festung bringen.«
Schnell hievten sie den Leblosen auf das Pony und zerrten das vom Geschrei völlig verstörte Tier auf das nächste Tor zu.
Tungdil befiel das kalte Grausen, als er die Blutspur des Zwergs im pulvrigen Weiß sah. Selbst über die Krieger bringt die Expedition Verderben.
Er warf einen Blick zu den Albae hinüber. In dem Blonden glaubte er Sinthoras wieder zu erkennen. Verfluchte Bestie! Er muss den Angriff Djerůns in der Oase überstanden haben. Jetzt kehrte er zurück und nahm Rache für sich und seine Gefährtin, die sie in Grünhain getötet hatten.
Sinthoras riss sich ein Band vom Hals, wickelte es um sein nächstes Geschoss und zielte. Der Abstand bis zu ihnen betrug zweihundertfünfzig Schritt, aber Tungdil zweifelte nicht daran, dass der tödliche Pfeil bis zu ihnen gelangte. Die Sehne schnellte nach vorn, und kurz darauf schoss auch Sinthoras’ Begleiter.
»Gebt Acht!«, warnte Tungdil die anderen und verlor die Pfeile aus den Augen; sie waren zu schnell, um ihren Flug zu verfolgen.
Der magische Schild, den Andôkai errichtet hatte, flimmerte, als der erste Pfeil ihn brach. Der zweite schlug im Rücken Djerůns ein und bohrte sich durch das Metall.
Dieses Mal drang ein dumpfer Laut unter dem Kopfschutz des Kriegers hervor, und aus der Wunde sprühte eine grellgelbliche Flüssigkeit, als hätte die Spitze eine prall gefüllte Blase getroffen.
Tungdil hatte dieses Zeug in Königsstein gesehen, es schwamm in der Pfütze, kurz nachdem er gerettet worden war. Er wurde damals wirklich verletzt. Der Krieger schwankte, schüttelte benommen den Kopf und ging weiter, dieses Mal deutlich langsamer. »Nicht stehen bleiben!«
Sie rannten und ritten auf das zweite Tor zu. Tungdil öffnete es, und als das Portal sich hinter ihnen schloss, fühlten sie sich einigermaßen sicher.
»Schneller!« Boїndil trieb sie zur Eile an, während das Blut seines Bruders die Flanke des Ponys tränkte.
Aus der gelblichen Flüssigkeit, die aus Djerůns Wunde sickerte, war eine dunkelgraue geworden, und seine Geschwindigkeit verringerte sich beständig.
Die Beine der Zwerge, Menschen und Tiere sanken im tiefen Schnee ein, als sie sich den sanften Abhang hinunter auf das nächste Tor zukämpften.
Tungdil erinnerte sich bei dem Anblick an den sanften Abhang neben dem Stollen in Ionandar, auf dem er mit Frala und Sunja im Winter Schlitten gefahren war. Kurz entschlossen nahm er Goїmgar den Schild weg und drehte ihn um. »Legt Boëndal drauf. Wir rutschen hinunter, das geht schneller.«