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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Tungdil schaute zu den rissigen Deckenbalken auf. Die feinen Linien erinnerten ihn an die Begegnung mit dem Alb und den Sprüngen, die sein Antlitz erhalten hatte. »Er kannte meinen Namen.«

»Was, Gelehrter?«, machte Boëndal im Halbschlaf.

»Der Alb kannte meinen Namen«, wiederholte Tungdil bedrückt. Unwillkürlich tastete er nach dem Halstuch Fralas, es gab ihm Halt und bedeutete Gutes, Vertrautes. »Ich bin bekannter als ich annahm.«

»Das Böse fürchtet sich vor einem Zwerg«, lachte Bavragor leise und steckte die Pfeife an. Bald roch es im Zimmer nach Tabak, der mit einer Spur Branntwein verfeinert worden war, und es roch nicht einmal schlecht. »In meinen Ohren klingt das gut.«

»Ich verstehe deine Sorge. Mir wäre auch nicht wohl, wenn ich wüsste, dass die Albae nach mir suchten und dabei genau wissen, wie ich aussehe«, meinte Goїmgar mitfühlend.

»Du bist ja auch ein Feigling«, kam es Bavragor schneller über die Lippen, als er wollte.

»Leg dich hin, ehe du noch mehr dummes Zeug von dir gibst«, wies ihn Tungdil zurecht. Sie geben keine Gelegenheit, Frieden entstehen zu lassen.

Goїmgar schaute ihn kurz an, ehe er Kurzschwert und Schild in die Hand nahm und sich so auf sein Bett setzte, dass er das Fenster und die Tür gleichzeitig im Auge behielt.

Der Thronanwärter dachte darüber nach, ob Goїmgar zum Schutz aller oder in erster Linie zu seinem eigenen Wohl die Augen offen hielt und die erste Wache übernahm, und während sein Verstand noch arbeitete, schlief er ein.

*

Es war bereits dunkel, als Tungdil erwachte.

Seine Kleidung und sein Schuhwerk waren trocken wie schon lange nicht mehr. Die anderen drei Zwerge schliefen, Goїmgar lehnte mit dem Kopf an der Wand und schnarchte mit. Der Schild verdeckte ihn bis zur Nasenspitze.

Er beschloss, sich um die Ponys und den Proviant zu kümmern, schlüpfte in die noch warmen Kleider und das trockene Leder, warf sich das Kettenhemd über und klemmte seine Axt in den Gürtel. Das wertvolle Stück Sigurdazienholz ließ er dieses Mal im Zimmer. Dann ging er die Stiegen zum Schankraum hinunter, gab dem Wirt rasch Bescheid, dass er seinen Freunden ausrichten sollte, er wäre in ein paar Stunden wieder zurück, und trat hinaus.

Es regnete immer noch. Kalt wehte der stinkende Wind durch die engen Gassen. Die schäbige Unterstadt ließ nichts von dem Prunk ahnen, der weiter oben herrschte. Ganz oben hocken die Reichen, unten leben die Ärmeren vor sich hin und bewundern und hassen die, die über ihnen thronen und sich alles leisten können.

Mehrmals musste er sich gegen aufdringliche Bettler wehren; zwei alte, verlebte Dirnen machten sich über ihn lustig und fragten, ob alles so klein und haarig an ihm wäre.

Tungdil ignorierte sie, denn sie zogen sein Bild von der romantischen Liebe, wie er es aus den Büchern oder von Frala und ihrem Mann kannte, in den Schmutz. Er berührte ihr Halstuch und dachte wiederum an sie. Dass er sie und seine Patenkinder nicht mehr wieder sehen würde, schmerzte mehr als der Tod Lot-Ionans. So gern hätte er auf Sunja und Ikana Acht gegeben.

Seine Stimmung sank, und der Regen und die grauen Wolken, die ganze Trostlosigkeit Königssteins machten es nicht besser. Weitab von ihrer zweifelhaften Herberge fand er einen Pferdehändler, der ihm die notwendige Anzahl von Ponys verkaufen wollte, doch dazu sollte er morgen noch einmal vorbeischauen. Bei einem Krämer bestellte er Proviant für die weitere Reise und erstand einen Kuchen, weil ihn der Anblick zu sehr lockte. Die Obstschnitze, die aus dem aufgegangenen braunen Teig hervorschauten, machten ihn hungrig. Hier und da hatten sich in der dünnen, goldgelben Schicht aus Zimtbutterstreuseln leckere Klümpchen gebildet, und die darunter gemischten Rumrosinen schauten als dunkle Punkte hervor. Tungdil musste schlucken und kaufte ihn ganz, um ihn mit in die Herberge zu nehmen. Vielleicht schaffte es der Kuchen, seine schlechten Gedanken zu vertreiben.

Als es in der Stadt stockdunkel geworden war, machte er sich zusammen mit seinem dick eingepackten Kuchen auf den Rückweg. Mit widerlichen Geräuschen hoben sich seine Stiefel aus dem Schlamm und Unrat; der Regen verwandelte den ungepflasterten Teil der Straße in eine schmierige Matschfläche.

Wie kann man nur freiwillig in so einer Stadt leben? Natürlich rutschte er aus. Sein rechter Fuß glitt in aufgeweichtem Pferdedung aus, er stolperte vorwärts und stützte sich mit einer Hand ab, um nicht ganz in den Dreck zu fallen. Der Kuchen entkam dem Schlammbad nur um Haaresbreite. Ein Stollen oder ein Gebirge sind mir tausendmal lieber.

Ein scharfer Wind zischte an seinem Kopf vorüber und streifte sein linkes Ohrläppchen. Ein brennender Stich ließ ihn vor Überraschung und Schmerz aufschreien. Er tastete nach seinem Ohr und fühlte warmes Blut an seinem Hals hinablaufen.

Tungdil wirbelte herum, die Axt flog in seine freie Hand. »Ihr werdet mir meine Börse und meinen Kuchen...« Er verstummte. Sie haben uns gefunden!

Am Ende der Gasse stand der Alb, der ihm in Mifurdania beinahe den Hals durchgeschnitten hätte; sein Umhang wehte im stinkenden Gossenwind. Ein zweiter Pfeil lag auf der Sehne seines großen Bogens, und die Finger gaben ihn in ebendiesem Augenblick frei.

Etwas Großes flog seitlich heran. Tungdil sah lilafarbenes Leuchten und eine glänzende Fratze aus Silber, dann erhielt er einen unglaublich harten Stoß, der ihn kopfüber in die nächste Seitenstraße schleuderte. Er fiel in den Matsch und rutschte vier Schritte weit, eine breite Spur hinter sich her ziehend.

Was ... Benommen rollte er sich auf den Rücken, zog die Axt heran und rechnete damit, dass der Alb erschien, um ihn zu töten, doch es tat sich nichts. Stöhnend richtete er sich auf. Bräunlicher Schlamm hatte sich in den kleinsten Ring seines Kettenhemds gedrückt. Er sah aus wie ein Schwein, das sich gesuhlt hatte.

Vorsichtig pirschte er um die Ecke. Die Gasse war bis auf den Kuchen leer, die wenigen Spuren wurden vom starken Regen verwaschen. Alles, was er fand, war ein schwarzer Albaepfeil und eine seltsame grellgelbe Flüssigkeit, die sich mit dem Wasser mischte.

Wieso hat er mich verschont? Sein Ohrläppchen brannte. Und wer hat mich gerettet? Es fühlte sich an wie eine Wand, die mich fortgeschleudert hat. Er versuchte, sich genauer zu erinnern. Wenn ich nicht wüsste, dass Djerůn...

Eilig und um den leckeren Kuchen trauernd, lief er zurück zu ihrer Unterkunft. Dabei hatte er seine Augen überall, um nicht doch noch dem Anschlag eines Albs zum Opfer zu fallen. Er fegte in das Wirtshaus und rannte ins obere Stockwerk, wo sich Boëndal gerade anzog und zu einem Ausflug bereit machte.

»Was ist passiert, Gelehrter?«, wollte er sofort wissen. »Du hattest einen abwechslungsreichen Abend, wie ich sehe.«

»Auf den ich hätte verzichten können.« Rasch berichtete Tungdil von dem Zusammentreffen mit dem Alb und der rätselhaften Rettung.

»Wir müssen morgen sofort verschwinden.« Boëndal sah sehr besorgt aus. »Wie bist du auf den Gedanken gekommen, allein durch eine fremde Stadt zu gehen, Gelehrter? Denkst du, dein Wissen und deine Axt schützen dich ausreichend?« Er dachte nach. »Die Albae sind also nicht mehr hinter dem Stück Holz her. Nôd’onn hat sie auf uns angesetzt, um uns zu töten, weil wir sein Geheimnis kennen.« Er weckte Bavragor und Goїmgar, um sie zu unterrichten, danach ging er zu seinem Bruder, um gemeinsam Wache zu halten. An Schlaf war nicht mehr zu denken.

Und wenn es doch Djerůn war?, grübelte Tungdil und verwarf den Gedanken gleich wieder. Der Krieger befand sich zusammen mit seiner Herrin Andôkai im Jenseitigen Land.

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