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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Der Unglaubliche Rodario, Narmora und Furgas warteten wie vereinbart bei den ersten Sonnenstrahlen am Tor, wobei sich der Schauspieler nervös nach allen Seiten umblickte; seine Garderobe sah aus, als hätte er sie in großer Eile angelegt. Narmora trug einen Lederumhang um ihre Schultern, das rote Kopftuch schien sie niemals auszuziehen. Furgas schützte sich mit einem Kutschermantel gegen die Nässe, die von oben auf sie herabtrommelte.

Die Zwerge kamen mit Ponys und Proviant.

»Albae?«, fragte Boїndil sofort. »Habt ihr Albae gesehen?«

»Es sind Ehemänner, die mein Freund fürchtet«, sagte der Techniker mit einem Tonfall, als hätte sich das Spiel in der Vergangenheit bereits oft zugetragen. »Nach unserem kleinen Auftritt gab der Unglaubliche eine Sondervorstellung bei der Frau des Wirtes und ihrer Tochter.«

»Schweig! Soll es die ganze Stadt erfahren und mich hetzen?«, zischte Rodario, und sein Kopf ruckte hin und her, um in der Menge nach Gesichtern zu fahnden, vor denen er Reißaus nehmen musste. »Sie haben beide besagt, sie seien geschieden.«

»Ja, eine Ausrede hast du schnell«, grinste Narmora. »Nur zu dumm, dass es dir bei den beiden gehörnten Gatten nichts bringen wird.«

»Die Mutter und die Tochter?«, lachte Ingrimmsch.

»Vierundreißig und sechzehn Lenze. Sommer und Frühling in einem einzigen Bett, mit dem König der Jahreszeiten«, sagte der Mime prahlerisch.

»Es ist wohl eher ein brünstiger Bauer, der jede Furche beackert, die er sieht«, ruinierte Narmora seinen Vergleich. »Ich muss nicht hinzufügen, dass die meisten Furchen sehr dankbar für das Umgraben sind, weil sie von ihren eigenen Bauern selten gepflügt werden. Oder sie haben gar Mitleid mit dem kleinen Pflugblatt«, stichelte sie weiter.

Rodarios Aufmerksamkeit wurde durch ihre Bemerkungen abgelenkt; er wandte sich ihr zu, um das Rededuell anzunehmen. »Du hättest mein gewaltiges Ackergerät gewiss gern zu spüren bekommen, liebste Narmora, ich weiß, aber ich suche mir nur ausgewählte Felder. Dürre Wiesen, auf denen man sich blaue Flecken holt, wenn man darauf liegt, überlasse ich gern anderen.« Er lächelte Furgas an, um dann schlagartig ernst zu werden. »Albae? Sind sie in der Stadt? Wieso...«

»Da ist der Verführer!«, brüllte ein Mann. Eine Mistgabel wurde geschwenkt, und der Mime nahm die Beine in die Hand, rannte zum Tor hinaus und tauchte geschickt zwischen den wartenden Wagen ab. Kurz darauf eilten vier Leute an ihnen vorbei und nahmen die Verfolgung auf.

Bavragor und Boїndil bogen sich vor Lachen, Boëndal schüttelte nur den Kopf, Goїmgar klammerte sich an seinen Schild und hielt sich bereit, ihn notfalls schützend vor sich zu halten, sollten die Menschen ihre Wut an ihnen auslassen wollen.

Aber die Gehörnten und ihre Freunde dachten gar nicht daran, sondern richteten ihr Augenmerk allein auf die Ergreifung Rodarios, dem es gelang, sich ungesehen davonzustehlen und die Rächer im Regen stehen zu lassen.

Die Zwerge, Narmora und Furgas verließen Königsstein weniger überstürzt.

»Albae?«, nahm die Mimin den Faden auf. »Wo?«

»Gestern«, sagte Tungdil. »Es war einer. Aber Ihr habt keine gesehen?« Er fühlte eine leichte Abneigung gegen sie, vielleicht war es der leichte elbische Zug an ihr. Sie ist eine Schauspielerin, rief er sich in Erinnerung. Mehr nicht.

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, man ließ uns in Ruhe. Aber gut, dass du uns gewarnt hast.« Ihre Rechte legte sich an die Halbmond-Waffe.

Nicht lange darauf trafen sie auf den Weiberheld, der gut eine Meile vom Tor entfernt zum Schutz vor dem Regen unter einer mächtigen Tanne stand und auf sie wartete.

»Waren sie die Aufregung wenigstens wert?«, konnte es sich Bavragor nicht verkneifen zu fragen.

Rodarios Gesicht bekam einen abwesenden, sehr genießerischen Ausdruck. »O ja. Auch wenn ich das Gefühl hatte, dass ich nicht der Erste war, der die Kunst des gemeinsamen Verwöhnens der beiden Frauenzimmer spüren durfte.« Er trottete neben den Ponys her. »Aber das ist nun Geschichte! Sodann lasst uns ins Reich der Ersten ziehen und die Pracht sehen, die kein Mensch jemals zu Gesicht bekam.« Das Schmatzen des Schlamms unter seinen Sohlen beeinträchtigte die Wirkung seiner getragenen Worte ein wenig, aber als Entdecker gab er eine ganz passable Figur ab.

Tungdil verband mit der stolzen Menschenstadt Königsstein alles andere als gute Eindrücke. Er blickte auch nicht mehr zurück, sondern ging schneller, um Weyurns Stolz rasch hinter sich zu lassen. Die Banner konnten noch so herrlich im Wind flattern, die ziegelgedeckten Hausdächer und Kuppeln noch so schön leuchten, der Zwerg dachte nur an die mörderischen Augen des Albs.

Ich hoffe, der unbekannte Retter hat ihn getötet.

III

Das Geborgene Land, das Königreich Weyurn

im Winter des 6234sten Sonnenzyklus

Bei der nächsten Gelegenheit erstanden die Reisenden einen kleinen Wagen für das Gepäck sowie zwei Pferde; eines davon mussten sich Narmora und Furgas teilen. Danach ging es wesentlich einfacher und schneller in Richtung Westen.

Vor allem Rodario drängte darauf, rasch vorwärtszukommen, da er sich noch immer vor der Rache der gehörnten Gatten fürchtete - was ihn unterwegs nicht an neuen Eroberungen hinderte, die er mithilfe seines Charmes und seiner Redegewandtheit machte.

Der Nordwind jagte die ersten Schneeschauer über das Land, die Flocken blieben auf dem gefrorenen Boden liegen und bildeten eine weiße Schicht. Dieser Winter schien schneller und härter als gewöhnlich über die Natur und die Bewohner hereinbrechen zu wollen. Die Gruppe suchte sich nur noch wettergeschützte Orte, wo sie ihr Lager errichtete, und rastete unter Bäumen, Felsvorsprüngen oder den Ruinen verlassener Häuser und Festungen.

Die riesigen Seen, von denen Weyurn zu mehr als drei Vierteln bedeckt wurde, glitzerten eisig. Die Wolken sorgten für erhabene Licht- und Schattenspiele auf ihren Oberflächen, welche die Zwillinge schauernd betrachteten. Die Gefahr, in die nasse Tiefe gezogen zu werden, war ihnen einfach zu groß, und sie wollten Furgas und Rodario nicht einmal beim Eisangeln begleiten.

»Eis und Wasser sind gleich heimtückisch«, belehrte sie Ingrimmsch, während er ein Feuer in der alten Tempelruine entzündete, in der sie Zuflucht gesucht hatten. »Sie locken dich, und ehe du dich versiehst, verschwindest du für immer darin.«

»Das ist wie mit der Ehe. Zuerst locken dich die Weiber, aber wenn du brav in ihren Armen bleibst, ist das Leben allzu bald vorüber«, übertrug Rodario den Vergleich. »Ein Mann wie ich ist dazu geschaffen...«

»Anderen Männern die Hörner aufzusetzen, verprügelt zu werden und eines Tages an einer schmerzhaften Geschlechtskrankheit zu sterben«, fügte Narmora lächelnd an.

»Dein Neid ist meine Freude.« Er bleckte die Zähne und folgte Furgas zum Ufer des nahe gelegenen Gewässers.

»Er erinnert mich an einen Geißbock, den wir mal hatten«, sagte Boїndil. »Das Vieh besprang alles, was bei drei nicht aus dem Weg war.«

»Und wie endete er?«

»Er hat eine Geiß bestiegen, die nahe am Abgrund stand. Im Übermut sind beide die Klippen runtergefallen.« Er machte sich daran, die Haarstoppeln zu rasieren, damit sein schwarzer Zopf besser zur Geltung käme.

»Das heißt, dass er bei einem seiner Abenteuer aus dem Bett fällt und sich den Hals bricht?«, grinste Tungdil.

»Oder aus dem Fenster«, fügte Boëndal lachend hinzu, weil er die Vorstellung zu komisch fand, welch unrühmliches Ende für den Mann damit verbunden wäre.

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