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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Bislipur hat etwas in das Bier getan, was mich schwächt, das denkst du sicher«, sprach er. »Und ich denke, dass du damit Recht hast. Aber auch wenn er mit allen Mitteln kämpft, werde nicht wie er, Balendilín, um ihn zu besiegen, sonst wirst du ebenso schlecht und niederträchtig.«

Balendilín trat neben seinen Herrn und betrachtete ihn. »Was soll ich sonst gegen ihn tun? Bekämpft man Feuer nicht mit Feuer?«

»Er wird sich verraten, und dann musst du zur Stelle sein, um seine Falschheit allen vor Augen zu führen, damit selbst seine besten Freunde von ihm abfallen. Aber vorher bewahre Schweigen, sonst werden dich die Clans des Vierten einen Schreihals nennen. Wasser löscht das Feuer gründlicher und hinterlässt keine verbrannten Stellen, wie es ein Gegenfeuer tun würde.« Die trüben Augen Gundraburs richteten sich auf ihn. »Sei dieses Mal wie das Wasser, Balendilín, dem Wohl der Zwerge willen.« Sein Blick schweifte über den breiten Graben, in dem die verrotteten Gebeine zahlloser Bestien lagen. »Kein Ork kam während meiner Regentschaft auf diese Seite«, murmelte er, und ein wenig Stolz schwang in seiner Stimme mit. »Wir haben das Geborgene Land vor den Ausgeburten Tions bewahrt. Nun retten wir es vor der Bedrohung von innen heraus.«

Er schwieg eine Weile, ließ den Anblick der majestätischen Felsen auf sich wirken und sog den Abendwind prüfend ein.

»Hast du sie mir geschickt, mein treuer Freund?«, raunte er dankbar. »Wolltest du mir die Gelegenheit geben, wie ein Krieger zu sterben?« Er hob die Axt und prüfte ihre Schärfe mit dem Daumen.

Im gleichen Moment schlugen die Wachen auf den Zinnen Alarm: Die sich nähernden Ungeheuer waren bemerkt worden. Dröhnende Hörner riefen die Zwerge zu den Waffen, die Türen der Festung flogen auf, die am Wall stationierten Krieger verließen ihre Unterkünfte und eilten die Treppen zu den Wehrgängen hinauf.

Balendilín betrachtete das immer jünger wirkende Gesicht seines Königs. Der Geruch der verhassten Orks trug das Feuer in seine Lebensesse zurück, machte die Hand um den Griff fest und die Augen klar. Ein Wunder!

»Lass die Brücke ausfahren«, befahl Gundrabur und sprang auf. Die Beine, die eben noch unter der Last des Kettenhemds gezittert hatten, trugen ihn mit Leichtigkeit, und er schien um einige Fingerlängen gewachsen zu sein. »Ich möchte sehen, ob die Orks immer noch so wenig taugen wie zu meinen großen Zeiten und ob sie ein alter Zwerg in die Flucht schlagen kann.«

Als das Tor sich hob, die Stützpfeiler aus dem Boden des Grabens fuhren und sich die ersten Steinplatten zu einem Weg verbanden, der über die Schlucht führte, formierten sich fünfhundert Zwerge zu einer Eskorte für ihren Großkönig.

Balendilín unternahm einen letzten Anlauf. »Du wirst dabei sterben, Gundrabur. Ich bitte dich...«

Der alte Zwerg legte ihm die Hand auf die Schulter, danach reichte er sie ihm und drückte sie kräftig. »Ich will sterben, mein treuer Freund, ehe ich am Gift dahinsieche. Bislipur wird nicht die Genugtuung bekommen, mich heimtückisch umgebracht zu haben«, raunte er ihm zu und umarmte ihn lange. »Mein Tod wird ruhmreich sein, wie es sich für einen unseres Volkes gebührt. Man wird sich mit Achtung daran erinnern.« Er löste sich von seinem Freund und Berater. »Die ersten zehn Orks, die durch mich fallen, sind für deinen verlorenen Arm. Lebewohl, Balendilín. In der Schmiede von Vraccas sehen wir uns wieder«, lachte er ihm zu und wandte sich um. »Ihr Krieger aus dem Stamm Beroїns!«, rief er laut. Die Wände der Festung warfen seine Stimme zurück und trugen sie noch weiter. »Kämpft mit mir und verteidigt unser Reich und das Geborgene Land!«

Die Zwerge brachen in Jubelrufe aus und freuten sich, dass der Großkönig an ihrer Seite gegen die Orks zog, denn sie ahnten nichts von seinem heimtückisch beigebrachten Leid.

Wir sehen uns wieder. Balendilín schnürte es die Kehle zu, als er seinem Freund hinterherschaute, wie er erhaben durch das Tor schritt, die Brücke entlang, gedeckt von dem Feuer der Armbrustschützen und Katapulte, bis er und seine Krieger auf die ersten Reihen der Bestien trafen, um den Nahkampf zu beginnen.

Es dauerte lange, bis der Schreckensruf erschallte, dass Gundrabur gefallen sei. Im gleichen Augenblick beschloss Balendilín entgegen des Ratschlags des Großkönigs, Feuer zu sein und Bislipur zu töten. Es lag nicht in unserer Natur, Wasser zu sein, dachte er grimmig. Wir lieben das Feuer.

*

Am fünften Tag nach dem Tod des Großkönigs ruhten die Geschäfte im Reich der Zweiten noch immer. Die Zwerge aller Clans versammelten sich zu tausenden in der riesigen Halle der Trauer, deren Säulen unendlich weit nach oben zu ragen schienen.

In der Mitte stand der Steinsarkophag, den die besten Steinmetzen des Stammes angefertigt und mit den schönsten Gravuren versehen hatten, welche die Taten Gundraburs rühmten und vor allem nicht die letzte, siegreiche Schlacht gegen die Orks an der Hohen Pforte vergaßen.

In den Deckel war das vollkommene, wenn auch jugendlichere Ebenbild des Zwergs eingemeißelt worden, ein Gundrabur aus Marmor, in seiner besten Rüstung, die Finger um den Stiel seiner Axt gelegt.

Er war erhöht aufgebahrt worden, damit man ihn auch in der letzten Reihe und aus weiter Entfernung erkennen konnte. Dünne Sonnenstrahlen fielen durch die Lichtöffnungen des Berges aus allen vier Himmelsrichtungen auf ihn und tauchten ihn in einen überirdischen Glanz.

Die Zeit des Abschieds. Ein ernster Balendilín schritt die Stufen zum Sarkophage hinauf, näherte sich dem Fußende und blieb davor stehen. Er kniete nieder, und seine Stirn senkte sich, um dem Gefallenen den schuldigen Respekt zu erweisen. Danach erhob er sich und schaute gefasst über die Menge der Zwerge, deren Oberhaupt er jetzt sein sollte.

»Er hat die Feinde an der Hohen Pforte gerochen, ehe die Wachen sie erspähten. Er hat unsere Feinde immer vor allen anderen erkannt und uns vor ihnen bewahrt«, rief er laut. Unwillkürlich schaute er zu Bislipur, der sich mit den Clans der Vierten am Rand der Versammlung aufhielt, es sich aber nicht erlauben konnte, bei der Bestattung Gundraburs abwesend zu sein. »Unser König geht, ehe er seinen Traum von einer erstarkten Gemeinschaft der Stämme unseres Volks in die Tat umsetzen konnte, aber er begann etwas Neues, etwas Großartiges. Ich schwöre bei Vraccas dem göttlichen Schmied, dass seine Ziele nun meine Ziele sind und ich nicht eher ruhen werde, bis ich sie erreiche.«

Die Versammelten bekundeten ihre Zustimmung, indem sie mit den Stielen ihrer Äxte gegen den Boden stießen. Ein unterirdisches Gewitter rollte durch den Berg.

Mehr Worte brachte er nicht heraus, denn die Trauer schnürte ihm die Kehle zu. So ging er zum Kopfende des Steinsargs, wo er die Stirn des Abbilds küsste, noch einmal sein Knie beugte und hinabstieg.

Fünfzig Träger eilten herbei, schoben lange Stangen in die unauffällig angebrachten Ösen des Sarkophags und hoben ihn auf ein Kommando hin an. Sie trugen ihre Last schweigend die Treppen hinab und schritten durch die Halle, sodass die Zwerge sich ein letztes Mal vor dem toten Herrscher verbeugen konnten, ehe er in die Halle der Könige gebracht wurde.

Hinter dem Sarg ging Balendilín, der eine Nacht lang allein Wache bei dem König halten würde. Wenn er am nächsten Morgen aus der Grabkammer zurückkehrte, würde er die Krone der Zweiten tragen und eines Tages neben Gundrabur seine Ruhe finden.

Aus den Augenwinkeln heraus nahm er wahr, dass sich Bislipur in die erste Reihe schob. Seine Augen musterten ihn, als wollte er seine Gedanken ergründen, um zu wissen, was ihm von ihm drohte. Fürchte dich vor mir, Bislipur. Du entkommst der gerechten Rache nicht. Balendilín schaute unverwandt nach vorn und tat so, als hätte er den kräftigen Zwerg gar nicht bemerkt.

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