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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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Der elegante Schloßbewohner betrachtete den Fremden nochmals eingehend durch die Gläser seines Lorgnons.

»Soso«, sagte er dann. »Ich bin der Graf. Was willst du von mir?« Michel steckte eine Hand in die Tasche und fixierte sein Gegenüber.

»Ich habe angenommen, daß in den Pyrenäen, wie überall in der Welt, Gastfreundschaft herrscht. Weshalb läßt du mich hier draußen stehen, Graf?«

Graf Esteban de Villaverde y Bielsa blickte seine Frau an. Dann richtete er seine Augen abermals auf Michel und fragte:

»Weshalb sprichst du in so respektloser Weise mit mir, hombre? Noch dazu in Gegenwart einer Dame?«

Michel legte gleichgültig die Hand auf den Knauf seines Degens und warf sich die schwere Muskete, die bis jetzt an seinem Fuß gelehnt hatte, über die Schulter.»Deine Frage, Graf Villaverde, verblüfft mich etwas. Ich habe in meinem Leben die Menschen stets so behandelt, wie sie mich behandelt haben. Du nennst mich sogar hombre. Daß ich ein Mensch bin, weiß ich allein. Du siehst, deine Aufklärung in dieser Hinsicht war völlig überflüssig, nicht wahr?« Jetzt lief der Graf vor Zorn rot an.

»Juan!« rief er, »bring mir meinen Degen. Ich will diesen Burschen Mores lehren. So eine Frechheit ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen.« Michel machte eine lässige Handbewegung.

»Laß deinen Säbel, wo er ist. Du würdest doch den kürzeren ziehen. Und nun sage mir, ob du mir Gastfreundschaft gewähren wirst, wie es unter caballeros üblich ist, oder nicht. Andernfalls ziehe ich weiter.«

»Ihr seid kühn, Senor«, ergriff jetzt Marina das Wort, die mit dem sicheren Instinkt der Frau erkannte, daß sich die Lage zuspitzte. »Wir lieben es, kühne Menschen im Hause zu haben, nicht wahr, Esteban?« Michel verbeugte sich tief.

»Ihr seid bezaubernd, Madonna« (er gebrauchte diese italienische Anrede, um der Dame seine ganz besondere Reverenz zu erweisen). »Ich danke Euch für die Einladung.« Der Graf räusperte sich.

»Natürlich seid Ihr willkommen, Senor ... Senor ...«

»Ich vergaß, mich unter meinem richtigen Namen vorzustellen. Verzeiht, Don Esteban. Michel Baum heiße ich. Nennt mich einfach Miguel. Das wird Euch besser über die Zunge gehen.« Der Graf zwang ein verbindliches Lächeln auf seine Lippen.

»Glaubt nicht, daß ich Euren Namen nicht aussprechen könnte. Er ist zwar schwer für eine spanische Zunge. Aber ich meistere fremde Sprachen, wie Ihr wissen müßt«, fügte er nicht ohne Stolz hinzu.

»Dürfen wir Euch nun ins Haus bitten? Juan, trage den Dienern auf, ein Zimmer für den Senor vorzubereiten.«

Gerade, als sich die Gruppe dem Portal zuwenden wollte, erscholl aus der Tiefe des Parks eine wütende Stimme:

»Don Esteban, werft den Kerl aus dem Hause. Er ist ein ganz gefährlicher Bursche. Er hat mich tödlich beleidigt.«

Die Stimme gehörte dem Majordomo. Der Graf blieb stehen und sah seinen Gast mißtrauisch an. Dann streifte er das Gesicht seiner Frau und lächelte.

»Wir können später darüber sprechen, Manuel«, rief er zurück in den Garten. »Fürs erste gilt, was ich gesagt habe.«

Als Michel am Tisch Platz nahm, fragte ihn die Gräfin erstaunt:

»Weshalb bringt Ihr Waffen mit zum Essen, Senor? Traut Ihr uns nicht?« Michel lächelte beschwichtigend. »Wie könnte mich bei Euerm Anblick auch nur ein Hauch des Mißtrauens überfallen, Madonna! Es ist eine alte Gewohnheit, die Waffen nie von meiner Seite zu lassen. Wenn sie Euch jedoch stören, dann stelle ich sie gern beiseite.«

Er erhob sich und lehnte Gewehr und Degen an die Wand. Sie standen so da, daß er sie jeden Augenblick an sich reißen konnte. Michel traute dem Grafen nicht. Er konnte nicht sagen, warum. Aber es gibt für einen erfahrenen Mann einen untrüglichen Instinkt, den erniemals außeracht lassen darf, wenn er nicht sein Leben verspielen will.

Als sie Vorspeise und Suppe genossen hatten, entschuldigte sich Don Esteban für einen Augenblick und ging hinaus.

»Einen schönen Besitz nennt Ihr Euer Eigen«, ergriff Michel das Wort. »Es ist schön, eine

Heimat zu haben. Das sollte man keine Stunde vergessen.

»Habt Ihr kein Zuhause?« stellte Marina die Gegenfrage.

»Leider nicht mehr. Ich verlor es vor nicht ganz einem halben Jahr.«

»Und warum, wenn man fragen darf?«

»Weil ich die Freiheit liebte und mich nicht in die menschenverachtenden Pläne eines geldgierigen Landesfürsten einspannen lassen wollte. Aber das werdet Ihr kaum verstehen, Madonna. Es gibt ein Land, dort herrschen schlimme Zustände. Die Obrigkeit maßt sich das Recht an, frei über die Untertanen zu verfügen.« »Ihr seid aus Deutschland, Senor?«

»Ja, Madonna. Und Deutschland ist schön. Das Wort Heimat ist dort geprägt worden. Aber Deutschlands Fürsten sind Leuteschinder.«

»So seid Ihr wohl ein Anarchist, der keinen Staat über sich duldet?«

»So ähnlich«, lächelte Michel. »Ihr scheint schon so manches von der Politik gehört zu haben, Madonna. Ich habe das Wort Anarchist noch nie aus dem Munde einer Dame vernommen.« Marina lachte auf. »Müssen Frauen stets dumm sein?«

»Keineswegs, Madonna, ich wollte Euch nicht etwa beleidigen.« Die Gräfin betrachtete angelegentlich ihre Fingernägel.

»Wenn ich offen sprechen darf, Senor Baum, so glaube ich, daß Ihr durch Eure Wanderung nach Spanien vom Regen in die Traufe geraten seid. Die Freiheit, die Ihr Euch vorstellt, werdet Ihr wohl nirgends finden auf der Welt. Ich glaube aber, Ihr werdet gar nicht mehr weiterzuziehen

brauchen; denn---«, ihr Gesicht nahm plötzlich einen ganz anderen Ausdruck an, alle

Güte schien wie weggeblasen, grünlich funkelten ihre Augen, »deine Freiheit ist hier zu Ende, Bursche!«

Sie lachte höhnisch auf.

Michel schnellte von seinem Stuhl empor und wollte an die Wand, wo seine Waffen standen. So lief er direkt in die Arme von vier starken Männern, die — der Teufel mochte wissen, woher sie gekommen waren, — plötzlich hinter ihm standen.

Im Nu war er gepackt. Und ehe er sich's versah, war er an Händen und Füßen gefesselt. Jetzt betrat auch der Graf wieder den Raum. »Nun, haben wir das nicht gut gemacht?« fragte er seine Frau.

Marina trat mit blitzenden Augen auf Michel zu, holte aus und schlug ihm mit der flachen Hand auf die Wange. Sie hatte sich völlig gewandelt. Wie eine Katze wirkte sie jetzt. Graf Villaverde y Bielsa stand mit hämischem Grinsen dabei.

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