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El Silbador

Электронная книга - «El Silbador». Краткое содержание книги:

In Spanien nennt man ihn El Silbador — der Pfeifer, denn Michel Baum beherrscht die Kunst des Pfeifens vollendet. Nicht selten verdankt er dieser Kunst Rettung aus Not und Gefahr. Unbändiger Freiheitsdrang ist es, der ihm das Leben in der geknechteten Heimat unerträglich macht; unbändiger Freiheitsdrang treibt ihn von Abenteuer zu Abenteuer. Eine Schar ungleicher Gefährten, darunter die zwielichtige Gräfin Marina und der treue Riese Ojo, sammeln sich um ihn.
In buntbewegten Szenen wird die Welt des ausgehenden 18. Jahrhunderts gegenwärtig.
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»Wie kannst du es wagen, dem Herrn Leutnant eine derart vorlaute Antwort zu geben!«

Der junge Eberstein wandte sich abermals an Charlotte.

»Könnt Ihr mir vielleicht Auskunft geben, in welche Richtung ich meine Leute schicken müßte, um den Musketier Baum abzufassen, noch bevor er an die Grenze gelangt?« Charlotte sah ihn nur verächtlich an. Sie sagte kein Wort.»Weißt du nicht, wohin er sich gewandt hat?« fragte der Vater.

»Natürlich weiß ich das. Ganz genau sogar, Vater. Aber Ihr werdet doch nicht im Ernst glauben, daß ich meinen Verlobten verrate?«

»Ha... ha... ha«, meckerte der alte Eberstein jetzt vor Vergnügen. »Verlobter ist gut, ha ... ha ... ha ...!«

»Nun, Vater«, fragte Charlotte, »habt Ihr nicht immer gesagt, daß Ihr es gern sehen würdet, wenn ich Michel einmal heiratete?«

Frau Eck sah« ihren Mann verlegen an. Der schlug seinen Blick zu Boden. Dann meinte er: »Kind, das hat sich nun natürlich grundlegend geändert. Früher war die Familie Baum aller Ehren wert. Nun, da der Sohn aber zum Deserteur geworden ist, werden wir wohl diesen Plan aufgeben müssen.«

Da brach es aus Charlotte heraus: »Deserteur ... Deserteur ... wenn ich das schon immer höre! Ist er denn freiwillig Musketier geworden?«

»Äh ... äh ... gnädiges Fräulein vergessen«, mischte sich jetzt der alte Graf ein, »daß er sich an meinem Sohn vergriffen hat. Deshalb ist er ins Gefängnis ...«

Charlotte lachte dem Grafen schallend ins Gesicht. »Ist es nicht mehr erlaubt, unerzogene Jungen in die Schranken zu verweisen, wenn sie sich an wehrlosen Mädchen vergreifen?« »Huch«, ließ sich da Frau Eck vernehmen und war dicht daran, in Ohnmacht zu versinken. »Nein, wie du sprichst, Kind! Es ist ja furchtbar, was für Worte so ein Mädchen von heute in den Mund nimmt.«

Dem alten Grafen schien das Thema zu heikel zu werden. Er erhob sich unvermittelt und verbeugte sich zu Frau Eck hin.

»Ich glaube, wir werden uns jetzt verabschieden, meine Gnädigste«, und zu Herrn Eck, »Äh... die geschäftlichen Sachen besprechen wir dann wohl am besten morgen.« Charlotte stand dicht an der Tür und lauschte nach draußen. Es war kein Laut zu hören. Ob Michel wohl schon in Sicherheit war?

Vater Eck öffnete die Tür, um seine Gäste hinauszulassen, und prallte erschrocken zurück. Im Lichtschein stand Michel. Er hatte nicht mehr zur rechten Zeit vorbeikommen können. »Da ist er ja!« schrie Rudolf von Eberstein.

Michel trat, da er sich nun einmal ertappt sah, ins Zimmer und begann — — zu pfeifen, laut und schrill. Schaurig. Seine Augen blitzten. Sein Blick lag fest auf seinem Widersacher. Charlotte hatte die Augen geschlossen und stand an der Wand. Wie mit Kreide überzogen war ihr Gesicht.

Rudolf von Eberstein sah seine Chancen schwinden, als er den Degen an der Hüfte Michels bemerkte. Der alte Graf stand ziemlich verdattert da; denn er wußte beim besten Willen nicht, wie er seinem Sohn helfen konnte, die Situation zu meistern.

»Hör zu, Rudolf Eberstein«, sagte Michel plötzlich in die lastende Stille. »Du hast mir genug angetan. Ich lasse dir zwei Möglichkeiten offen, und du kannst selbst wählen: entweder machen wir jetzt einen Gang, wobei ich es dann allerdings nicht nur auf deine Hose abgesehen hätte, oder ...?«

»Oder?« fragte der alte Eberstein schnell, der offensichtlich Angst um seinen Sohn hatte. »Oder wir machen ein Geschäft. Du gibst mir dein Pferd, das du draußen im Hof angebunden hast, als Sühne für deine Gemeinheiten. Jeder freie Bürger kann von einem gerechten Gesetz Entschädigung für eine angetane Schmach verlangen. Du siehst, es ist kein unbilliges Geschäft. Dann sind wir quitt.«

»Nehmen Sie den Gaul«, sagte der alte Geck aufatmend, froh, seinen Sohn so billig losgekauft zu

haben.

Rudolf, der gehörigen Respekt vor der Fechtkunst Michel Baums hatte, tat zwar im Anfang, als sei er nicht einverstanden, fügte sich dann aber dem Beschluß seines Vaters. Innerlich wurmte es ihn, daß er sich vor dem Mädchen, das er im stillen verehrte, nicht als Held aufspielen konnte. Die Tür fiel mit einem Krach zu. Draußen hörte man hastige Schritte sich entfernen. Dann scholl Hufgetrappel an die Ohren der Zurückgebliebenen.

Charlotte weinte leise vor sich hin. Mit jedem Hufschlag entfernte sich der Geliebte weiter von ihr.

Zwischen dem Vignemale und dem Mont Perdu, zwei über dreitausend Meter hohen Bergen in den Pyrenäen, liegen hart an der spanisch-französischen Grenze, aber schon auf spanischem Boden das Dorf Bielsa und das Schloß Villaverde.

Es war im Spätherbst 1774, als eines Abends der Schäfer Pedro Jorge, der auf den Hängen des Gebirges die Schafe und Ziegen hütete, die dem Grafen de Villaverde y Bielsa gehörten, erschrocken von seinem Wiesenplatz aufsprang und ängstlich um sich blickte. Aus dem windschiefen Gebirgswald klang ein eigenartiges Pfeifen herüber, wie es der Schäfer noch nie gehört hatte. Irgendein fremdartiges Wesen mußte die Töne verursachen. Von hier bis hinüber in die baskischen Provinzen hatte Pedro Leute pfeifen gehört. So wie jetzt jedoch noch nie.

Plötzlich erinnerte er sich an eine Geschichte, die er vor ein paar Wochen unten in Benasque gehört hatte. Dort erzählte man sich Wunderdinge von einem Mann, der bereits seit Monaten im Gebirge lebte, ohne daß ihn bisher jemand zu Gesicht bekommen hatte. Wenn die Hirten und Jäger von ihm sprachen, so nannten sie ihn »E1 Silbador«, was zu deutsch einfach »der Pfeifer« heißt.

Diesem Mann rühmte man die unerhörtesten Abenteuer nach. Aber niemand wußte, was Wahrheit und was Dichtung war.

El Silbador, ging es Pedro jetzt durch den Kopf. Vielleicht war der Pfeifer dort drüben im Wald tatsächlich jener geheimnisvolle Fremde? Wer konnte es wissen? Pedro bekreuzigte sich und flüsterte: »Hilf, Santa Maria, Madre de Dios.« Plötzlich krachte ein Schuß. Das Pfeifen verstummte für einen Augenblick, um bald erneut einzusetzen. Pedro schmiegte sich ängstlich an einen Baum. Da sah er, wie ein Mann aus dem Wald trat und einen ausgeweideten Gemsbock auf der Schulter trug. Der Fremde blieb stehen und musterte die Gegend. Dann schien er gefunden zu haben, was er suchte. Er schritt mit weit ausgreifenden Schritten auf eine windgeschützte Steinschlaghöhle zu. Dort warf er den Bock auf die Erde und entfachte ein Feuer. Ausgetrocknetes Reisig gab es an Ort und Stelle in Menge.Pedro wagte sich langsam hinter dem Baum hervor und starrte neugierig zu dem Fremden hinüber. Wenn er jetzt den Majordomo holte, so würde dieser den Jäger ohne weiteres gefangen nehmen, denn die Jagd in dieser Gegend war allein der gräflichen Familie vorbehalten, durch ein Dekret des Königs, wie Pedro wußte.

Pedro hatte vor Aufregung gar nicht gemerkt, daß er dem Fremden immer näher gekommen war. Er wurde erst stutzig, als dessen Pfeifen plötzlich verstummte. »Heda, hombre«, hörte er sich plötzlich angerufen. »Komm her und hilf mir, dieses Prachtexemplar von einem Bock zu zerlegen. Wirst auch nicht alle Tage Gelegenheit haben, so ein saftiges Stück Wildpret zwischen die Zähne zu bekommen.«

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