The Mysterious Mr Quin
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «The Mysterious Mr Quin». Краткое содержание книги:
Und nur eine Agatha Christie bringt es fertig ihren Geschichten so brilliante Pointen aufzusetzen . . .
The Mysterious Mr Quin was first published in 1930.
Aus dem Englischen von Günter Eichel, Rolph Gail, Adi Oes und Ute Forsyte-Jauch.
Mr Sattersway, der an einen kleinen aufgeplusterten Vogel erinnerte, schritt vor der Dorfgarage auf und ab, während sich sein Fahrer leise mit dem einheimischen Fachmann unterhielt.
»Mindestens eine halbe Stunde«, lautete das endgültige Urteil.
»Wobei wir noch von Glück sagen können«, bemerkte Masters, der Fahrer. »Eher drei viertel Stunden, schätze ich.«
»Wie heißt eigentlich dieser – Ort?«, fragte Mr Sattersway verdrossen. Er wollte keineswegs verletzend sein, darum sagte er »Ort« statt »gottverlassenes Nest«, was ihm näher gelegen hätte.
»Kirtlington Mallet.«
Jetzt war Mr Sattersway zwar genauso klug wie vorher, aber der Name kam ihm ganz entfernt bekannt vor. Verzweifelt sah er sich um. Kirtlington Mallet schien nur aus einer lang gezogenen Straße zu bestehen, mit Garage und Postamt auf der einen und drei undefinierbaren Geschäften auf der anderen Seite. Immerhin konnte Mr Sattersway weiter unten etwas knarrend im Wind Baumelndes erkennen, und seine Laune besserte sich sofort.
»Das muss ein Gasthof sein«, bemerkte er.
»Zu den Schellen und Narren«, erklärte der Mechaniker. »So heißt er.«
»Darf ich mir einen Vorschlag erlauben?«, warf Masters ein. »Warum nicht einen Versuch wagen? Sie werden dort bestimmt etwas zu essen bekommen – wenn auch nicht in der gewohnten Qualität.« Er schob eine entschuldigende Pause ein, denn Mr Sattersway war an die Kochkünste der besten Küchenchefs des Kontinents gewöhnt und hatte sogar einen eigenen Spitzenkoch in seinen Diensten, dem er ein fürstliches Gehalt zahlte.
»Wir werden in den nächsten drei viertel Stunden nicht weiterfahren können, Sir, das ist sicher. Und es ist bereits nach acht Uhr. Sie könnten Sir George vom Gasthof aus anrufen, Sir, und ihm den Grund Ihrer Verspätung mitteilen.«
»Sie scheinen alles besser zu wissen, Masters«, sagte Mr Sattersway giftig.
Masters war tatsächlich dieser Ansicht und hielt sich daher respektvoll zurück.
Mr Sattersway war in einer Stimmung, wo er jeden Vorschlag, der ihm unterbreitet wurde, am liebsten abgelehnt hätte. Trotzdem sah er mit Interesse die Straße hinunter zum knarrenden Wirtshausschild. Er hatte einen Appetit wie ein Vogel, aber auch ein Vogel musste sich ernähren.
»Zu den Schellen und Narren«, murmelte er nachdenklich, »ein seltsamer Name für ein Wirtshaus. Ich glaube nicht, ihn je schon gehört zu haben.«
»Auf jeden Fall verkehren dort merkwürdige Leute«, meinte der Mechaniker. Er beugte sich über das Rad und war daher nur dumpf und undeutlich zu hören.
»Merkwürdige Leute? Was soll das heißen?«, fragte Mr Sattersway.
Der Mann schien es nicht genau zu wissen. »Leute, die kommen und gehen. Von dieser Sorte«, sagte er unklar.
Mr Sattersway überlegte, dass jeder, der einen Gasthof betrat, ihn notgedrungen auch wieder verlassen musste. Die Erklärung kam ihm zu wenig präzise vor. Aber seine Neugier war erwacht. Er musste in jedem Fall drei viertel Stunden opfern. In diesem Wirtshaus war es bestimmt nicht schlechter als anderswo.
Mit gewohnt gezierten Schritten ging er die Straße hinunter. In der Ferne hörte man Donnergrollen. Der Mechaniker sah auf und sagte zu Masters: »Es kommt ein Gewitter. Ich spüre es schon lange.«
»Ach, du meine Güte, und noch vierzig Meilen zu fahren«, jammerte Masters.
»Es ist sinnlos, sich jetzt zu beeilen. Sie können doch nicht weiter, bevor das Unwetter vorüber ist. Ihr kleiner Boss sieht nicht so aus, als habe er Freude an Donner und Blitz.«
»Hoffentlich kümmert man sich ordentlich um ihn«, murmelte der Fahrer. »Ich werde dort auch was essen.«
»Jones ist in Ordnung«, beruhigte ihn der Mechaniker. »Er hat eine gute Küche.«
Mr William Jones, ein großer, bulliger Mann von fünfzig Jahren, der Inhaber des Wirtshauses, beugte sich zu diesem Zeitpunkt schmeichelnd zu dem kleinen Mr Sattersway hinunter.
»Ich kann Ihnen ein schönes Steak braten, Sir, und Kartoffeln dazu. Danach gibt’s den besten Käse, den Sie sich vorstellen können. Hier durch, Sir, in das Frühstückszimmer. Wir sind gegenwärtig nicht sehr besetzt, weil die letzten Sportfischer eben weg sind. Aber bald werden wir zur Jagd wieder alles belegt haben. Nur ein Gentleman ist zurzeit hier, ein Mr Quin – «
Mr Sattersway blieb wie angewurzelt stehen. »Quin? Sagten Sie Quin?«, fragte er aufgeregt.
»Ja, so heißt er. Vielleicht ein Freund von Ihnen?«
»Und ob! O ja, ganz bestimmt!« Zitternd vor Erwartung bedachte Mr Sattersway gar nicht, dass es mehr als einen Mann dieses Namens auf der Welt geben konnte. Es bestand für ihn überhaupt kein Zweifel. Auf seltsame Weise passte es zu dem, was der Mechaniker gesagt hatte: Leute, die kommen und gehen. Eine sehr glückliche Beschreibung von Mr Quin. Und der Name des Gasthofs passte seltsamerweise auch genau.
»Du meine Güte! Ein sehr merkwürdiger Zufall, dass wir uns hier wiedersehen! Mr Harley Quin, stimmt’s?«
»Ja, Sir. Er ist im Frühstückszimmer, Sir. Hier sitzt der Gentleman.«
Dunkel, groß und lächelnd erhob sich die bekannte Gestalt von Mr Quin, und die vertraute Stimme sagte:
»Ach, Mr Sattersway, so treffen wir uns also wieder! Welch ein Zufall!«
Mr Sattersway schüttelte ihm herzlich die Hand. »Ich bin entzückt. Was für ein Glück, dass ich eine Panne hatte! Wohnen Sie längere Zeit hier?«
»Nur eine Nacht.«
»Dann habe ich wirklich ausgesprochenes Glück.« Mr Sattersway setzte sich mit einem kleinen zufriedenen Seufzer seinem Freund gegenüber und betrachtete erwartungsvoll dessen lächelndes Gesicht.
Der andere schüttelte leicht den Kopf.
»Ich versichere Ihnen, dass ich kein Glas mit Goldfischen oder ein Kaninchen aus dem Ärmel zaubern werde.«
»Wie schade!« Mr Sattersway war ein wenig enttäuscht. »Ja, ich muss gestehen, dass ich Ihnen gegenüber diese Erwartung hege. Sind Sie ein Magier. Ha, ha! So sehe ich Sie – als Zauberer!«
»Und doch«, wandte Mr Quin ein, »machen Sie die Zauberkunststücke, nicht ich!«
»Aber ohne Sie kann ich sie nicht ausführen«, widersprach Mr Sattersway sofort. »Mir fehlt – sagen wir – die Fantasie.«
Mr Quin wehrte lächelnd ab. »Das ist zu hoch gegriffen. Ich liefere Ihnen die Stichworte, das ist alles.«
In diesem Augenblick brachte der Wirt Brot und gelbe Butter. Als er beides auf den Tisch stellte, zuckte ein greller Blitz auf, dem sofort ein Donnerschlag folgte.
»Eine stürmische Nacht, Gentlemen.«
»In einer Nacht wie dieser – «, hob Mr Sattersway an, hielt aber inne.
»Sehr seltsam«, meinte der Wirt. »Das wollte ich auch gerade sagen. In einer Nacht wie dieser führte Captain Harwell seine Braut heim, genau am Tag, bevor er für immer verschwand.«
»Ach ja!«, rief Mr Sattersway. »Natürlich!«
Jetzt hatte er das Stichwort gefunden. Er wusste nun, warum ihm der Name Kirtlington Mallet bekannt vorgekommen war. Vor drei Monaten hatte er jede Zeile über Captain Richard Harwells erstaunliches Verschwinden gelesen. Wie alle Zeitungsleser in ganz England hatte er an den Details dieses Verschwindens herumgerätselt und darüber seine eigene Theorie entwickelt.
»Natürlich«, wiederholte er, »das war ja in Kirtlington Mallet.«
»In diesem Hause stieg er letzten Winter zur Jagd ab«, erzählte der Wirt. »Ich kannte ihn gut. Ein sehr gut aussehender junger Mann. Nicht dass Sie glauben, er war nicht ganz normal gewesen! Meiner Meinung nach wurde er umgebracht. Ich habe ihn oft mit Miss Le Couteau vorbeireiten sehen. Das ganze Dorf glaubte, sie würden bald ein Paar, und so geschah es dann auch. Eine sehr schöne junge Dame und sehr angesehen, obwohl sie Kanadierin und eine Fremde war. Ach, es ist eine tragische Geschichte! Wir werden die Wahrheit nie erfahren. Es brach ihr das Herz, das ist sicher. Sie haben bestimmt gehört, dass sie das Haus verkaufte und ins Ausland zog. Sie konnte es nicht ertragen, dass alle sie anstarrten und mit dem Finger auf sie zeigten – obwohl sie ganz unschuldig war, das arme Ding. Eine düstere Geschichte, das ist mal sicher.«