The Mysterious Mr Quin
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «The Mysterious Mr Quin». Краткое содержание книги:
Und nur eine Agatha Christie bringt es fertig ihren Geschichten so brilliante Pointen aufzusetzen . . .
The Mysterious Mr Quin was first published in 1930.
Aus dem Englischen von Günter Eichel, Rolph Gail, Adi Oes und Ute Forsyte-Jauch.
Diesem Kind darf man nicht wehtun, dachte Mr Sattersway im Stillen. Es wäre schrecklich, wenn einem Kind wie ihr wehgetan würde.
Lady Cynthia begrüßte die Ankömmlinge, indem sie das neueste Modell eines Sonnenschirms schwenkte. »Setzen Sie sich und unterbrechen Sie uns nicht«, sagte sie. »Mr Sattersway erzählt gerade eine Geistergeschichte.«
»Ich liebe Geistergeschichten«, antwortete Moira Scott und ließ sich ins Gras sinken.
»Handelt es sich um den Geist von Greenways House?«, fragte Richard Scott.
»Ja. Wissen Sie über ihn Bescheid?«
Scott nickte. »Früher war ich oft hier«, erklärte er. »Bevor die Elliots verkaufen mussten. Er heißt ›Der Kavalier am Fenster.‹«
»›Der Kavalier am Fenster‹«, sagte seine Frau leise. »Das gefällt mir. Es klingt sehr interessant. Bitte, erzählen Sie doch, Mr Sattersway!«
Aber Mr Sattersway schien aus irgendwelchen Gründen keine Lust zu haben. Er versicherte ihr, dass die ganze Geschichte gar nicht so spannend sei.
»Jetzt ist es um Sie geschehen, Sattersway«, meinte Scott spöttisch. »Mit Ihrem Zögern haben Sie sich nur noch mehr hineingeritten.«
Alle baten ihn jetzt so eindringlich, dass sich Mr Sattersway nicht länger weigern konnte.
»Es ist wirklich nicht besonders interessant«, begann er entschuldigend. »Ich glaube, in der Originalversion handelte es sich um einen Edelmann der Familie Elliot, dessen Frau einen Puritaner zum Liebhaber hatte. Es spielt zuzeiten Karls I. Der Liebhaber tötete den Ehemann in einem Zimmer im ersten Stock, und das Pärchen floh. Doch sie wandten sich noch einmal zum Haus um und sahen das Gesicht des Toten am Fenster, wie er ihnen nachblickte. So ist die Legende, aber in der Geistergeschichte geht es eigentlich nur um eine Scheibe in einem Fenster dieses Zimmers, auf der sich ein unregelmäßig geformter Fleck befindet. Aus der Nähe betrachtet fällt er fast nicht auf, doch wenn man ihn von Weitem sieht, gleicht er einem menschlichen Gesicht.«
»Welches Fenster ist es?«, fragte Mrs Scott und blickte zum Haus.
»Von hier aus kann man es nicht sehen«, erklärte Mr Sattersway. »Es befindet sich auf der andern Seite. Vor einigen Jahren – ich glaube, vor genau vierzig – wurde es von innen vernagelt.«
»Warum hat man das getan? Sagten Sie nicht, der Geist könne nicht laufen?«
»Das kann er auch nicht«, versicherte Mr Sattersway. »Ich vermute – nun, vermutlich geschah es aus einem gewissen Aberglauben heraus. Das ist alles.«
Dann brachte er es sehr geschickt fertig, dem Gespräch eine andere Wendung zu geben. Jimmy Allenson war mehr als bereit, von den ägyptischen Wüstenwahrsagern zu berichten.
»Die meisten von ihnen sind Betrüger, durchaus willens, Ihnen irgendwelches Zeug aus Ihrer Vergangenheit zu erzählen, doch was die Zukunft betrifft, so wollen sie sich nicht festlegen.«
»Ich hätte gedacht, es wäre genau umgekehrt«, bemerkte John Porter.
»Die Zukunft vorauszusagen ist in diesem Land doch illegal, nicht wahr?«, sagte Richard Scott. »Moira überredete eine Zigeunerin, ihr wahrzusagen, doch dann gab ihr die Frau den Shilling zurück und erklärte, sie könnte es doch nicht tun.«
»Vielleicht entdeckte sie etwas so Schreckliches, dass sie es nicht verraten wollte«, meinte Moira.
»Malen Sie den Teufel nicht an die Wand«, sagte Allenson fröhlich. »Ich für meinen Teil weigere mich zu glauben, dass auch nur der Schatten eines Unglücks Sie bedroht.«
Hoffentlich hat er Recht, dachte Mr Sattersway. Hoffentlich…
Dann blickte er ruckartig auf. Zwei Frauen kamen den Weg vom Haus entlang, eine kleine gedrungene Person mit schwarzem Haar in einem jadegrünen Kleid, das ihr nicht stand, und eine große schlanke Gestalt in Weiß. Die Erstere war ihre Gastgeberin, Mrs Unkerton, von der anderen hatte Mr Sattersway schon viel gehört, doch er kannte sie nicht persönlich.
»Hier ist Mrs Staverton«, verkündete Mrs Unkerton im Ton größter Befriedigung. »Alles Freunde von Ihnen, glaube ich.«
»Diese Leute haben eine ungeheure Begabung, immer die größten Taktlosigkeiten zu sagen«, murmelte Lady Cynthia, doch Mr Sattersway hörte ihr nicht zu. Er beobachtete Mrs Staverton.
Sehr gewandt – sehr natürlich. Ein sorgloses »Hallo, Richard!«, dann: »Jahre her, seit wir uns gesehen haben! Tut mir leid, dass ich nicht zu deiner Hochzeit kommen konnte. Ist das deine Frau? Sicherlich haben Sie es satt, immer wieder wetterharte alte Freunde Ihres Mannes zu treffen.« Moiras Antwort – passend, eher scheu. Der rasche abschätzende Blick der älteren Frau, der sofort zu einem anderen alten Freund weiterwanderte.
»Hallo, John!« Der gleich leichte Ton, doch mit einem feinen Unterschied – eine gewisse Wärme schwang mit, die vorher gefehlt hatte. Und dann lächelte sie plötzlich. Es veränderte sie völlig. Lady Cynthia hatte Recht. Eine gefährliche Frau! Sehr helles Haar, dunkelblaue Augen – nicht der landläufige Typ der Sirene. Ein Gesicht, das wild wirkte, auch wenn es ohne Ausdruck war. Eine Frau mit einer trägen Stimme und einem plötzlichen bezaubernden Lächeln.
Iris Staverton setzte sich und wurde sofort und wie selbstverständlich zum Mittelpunkt der Gruppe. Sicherlich war es immer so gewesen.
Durch Major Porters Vorschlag, einen Spaziergang zu machen, wurde Mr Sattersway in die Wirklichkeit zurückgeholt. Im Allgemeinen hatte Mr Sattersway für so etwas wenig übrig. Doch diesmal war er einverstanden. Gemeinsam schritten die beiden Männer über die Wiese davon.
»Eine sehr interessante Geschichte, die Sie eben erzählt haben«, sagte der Major.
»Ich zeige Ihnen das Fenster«, sagte Mr Sattersway.
Er führte ihn um das Haus zur Westseite, an der ein kleiner gepflegter Garten lag – der »Verschwiegene Garten«, wie er genannt wurde, und dies nicht ohne Grund, denn er wurde von einer hohen Stechpalmenhecke umgeben, und selbst der Eingang führte durch einen Zickzackweg, der zu beiden Seiten ebenfalls von dieser hohen Hecke gesäumt war.
Wenn man erst einmal hineingelangt war, bezauberte einen der altmodische Charme der auf französische Art gestutzten Blumenbeete, die Plattenwege und eine niedrige Steinbank mit schöner Steinmetzarbeit. Mr Sattersway wandte sich um und wies auf das Haus. Greenways House verlief von Norden nach Süden. In der schmalen Westwand befand sich nur ein Fenster, im ersten Stock, vom Efeu fast völlig überwuchert, mit schmutzigen Scheiben, durch die man gerade noch die Bretter erkennen konnte, mit denen es vernagelt war.
»Das ist es«, sagte Mr Sattersway.
Porter legte den Kopf etwas schief und blickte hinauf. »Hm, in der einen Scheibe glaube ich so etwas wie eine Verfärbung zu entdecken, mehr sehe ich nicht.«
»Wir sind noch zu nahe«, antwortete Mr Sattersway. »Von der Lichtung im Wald dort drüben hat man eine bessere Aussicht.«
Sattersway führte den Major zum »Verschwiegenen Garten« hinaus, wandte sich scharf nach links und steuerte auf den Wald zu. Eine gewisse Freude an der Effekthascherei ergriff ihn, und er merkte gar nicht, dass der Mann an seiner Seite zerstreut war und ihm nicht zuhörte.
»Natürlich mussten sie ein anderes Fenster machen, als sie dieses hier vernagelten«, erklärte er. »Es geht nach Süden auf den Rasen hinaus, auf dem wir eben saßen. Ich glaube, die Scotts bewohnen das Zimmer. Aus diesem Grund wollte ich das Thema nicht näher erörtern. Mrs Scott hätte es vielleicht nervös gemacht zu wissen, dass sie gewissermaßen in einem Spukzimmer schläft.«
»Ja, ich verstehe«, sagte Porter.
Mr Sattersway blickte ihn forschend an und stellte fest, dass der andere nicht ein Wort des Gesagten in sich aufgenommen hatte.
»Sehr interessant«, erklärte Porter. Er hieb mit seinem Stock nach ein paar großen Fingerhutstängeln und runzelte die Stirn. »Sie hätte nicht herkommen dürfen. Niemals!«
Die Leute unterhielten sich häufig mit Mr Sattersway auf diese Art und Weise. Er wirkte so unbedeutend, er besaß so wenig Persönlichkeit. Er war nichts als ein guter Zuhörer.