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The Mysterious Mr Quin

Электронная книга - «The Mysterious Mr Quin». Краткое содержание книги:

Der undurchdringliche Mr. Quin, der Gentleman mit dem Gespür für Dinge, die nicht ganz sauber sind, und sein kauziger Gehilfe, Mr. Sattersway, scheinen auf den ersten Blick ein unmögliches Gespann zu sein. Und doch lösen die beiden Fälle, wie sie sich nur eine Agatha Christie ausdenken kann.
Und nur eine Agatha Christie bringt es fertig ihren Geschichten so brilliante Pointen aufzusetzen . . .
The Mysterious Mr Quin was first published in 1930.
Aus dem Englischen von Günter Eichel, Rolph Gail, Adi Oes und Ute Forsyte-Jauch.
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Die Ankunft des Mr Quin

Es war Silvesterabend.

Die älteren Mitglieder der Hausgesellschaft in Royston hatten sich in der großen Halle versammelt.

Mr Sattersway war sehr froh, dass die jungen Leute zu Bett gegangen waren. Junge Leute in Herden mochte er nicht. Es mangelte ihnen dann an einer gewissen Feinheit, und je weiter das Leben fortschritt, desto größer wurde seine Vorliebe für gewisse Feinheiten.

Mr Sattersway war zweiundsechzig: Ein kleiner, etwas gebeugter und ausgedörrter Mann mit einem aufmerksamen Gesicht, das seltsam zwergenhaft war, sowie einem heftigen und ausschweifenden Interesse für das Leben anderer Leute. Sein ganzes Leben lang hatte er, wie man so sagt, in der ersten Reihe gesessen und zugesehen, wie verschiedene Dramen der menschlichen Natur vor ihm abrollten. Er selbst hatte immer nur den Zuschauer gespielt. Jetzt allerdings, da das Alter ihn in seinen Klauen hielt, merkte er, dass er dem ihm vorgeführten Drama gegenüber immer kritischer wurde. Er verlangte etwas, das ein wenig vom Üblichen abwich.

Es bestand kein Zweifel daran, dass er für diese Dinge eine Witterung, einen Spürsinn, besaß. Instinktiv wusste er, wenn die Bestandteile eines Dramas zusammengekommen waren. Wie ein Schlachtross witterte er es. Und seit seinem Eintreffen in Royston am gleichen Nachmittag hatte sich dieser seltsame innere Sinn wieder einmal bemerkbar gemacht und ihm zu verstehen gegeben, dass er sich bereithalten solle. Irgendetwas Interessantes spielte sich ab oder bereitete sich vor.

Die Hausgesellschaft war nicht sehr groß. Da war einmal Tom Evesham, ihr großzügiger und gut gelaunter Gastgeber, sowie dessen ernste und politisch interessierte Frau, die vor ihrer Heirat Lady Laura Keen gewesen war. Anwesend waren ferner Sir Richard Conway, Soldat, Weltreisender und Sportsmann, zu dem noch sechs oder sieben junge Leute kamen, deren Namen Mr Sattersway nicht behalten hatte, und schließlich die Portals.

Mr Sattersway interessierte sich für die Portals besonders.

Alex Portal hatte er bisher zwar nicht gekannt, aber sonst wusste er über ihn Bescheid. Seinen Vater und seinen Großvater hatte er gekannt. Alex Portal verkörperte beinahe einen bestimmten Typ. Er war ein Mann von bald vierzig, blond und blauäugig wie alle Portals, sportbegeistert, ein guter Spieler und bar jeder Fantasie. Ungewöhnlich war an Alex Portal überhaupt nichts: der übliche gute und gesunde englische Schlag.

Aber seine Frau war ganz anders. Sie war, wie Mr Sattersway wusste, Australierin. Vor zwei Jahren war Portal in Australien gewesen, hatte sie dort kennen gelernt, hatte sie dann geheiratet und hierher gebracht. Vor ihrer Ehe war sie nie in England gewesen. Trotzdem hatte sie so gar keine Ähnlichkeit mit anderen Australierinnen, die Mr Sattersway bisher kennen gelernt hatte.

Er beobachtete sie aufmerksam. Eine interessante Frau – sehr sogar. So ruhig und trotzdem so… lebendig. Lebendig! Das war es genau! Im Grunde keine Schönheit, nein – als schön konnte man sie kaum bezeichnen. Statt dessen besaß sie jedoch einen unglücklichen Zauber, den niemand an ihr hätte missen mögen – den kein Mann an ihr hätte missen mögen. Das fand zumindest Mr Sattersways maskuline Seite, während seine feminine Seite – und Mr Sattersways feminine Seite war keineswegs unbedeutend – sich für eine andere Frage interessierte: Warum färbte Mrs Portal sich die Haare? Ein anderer Mann hätte vermutlich gar nicht bemerkt, dass sie sich die Haare färbte; Mr Sattersway wusste es jedoch. Er kannte sich in diesen Dingen aus. Und es irritierte ihn. Viele dunkelhaarige Frauen färben ihr Haar blond; aber noch nie war ihm eine blonde Frau begegnet, die ihr Haar schwarz gefärbt hatte.

Alles an ihr erregte seine Neugierde. Auf eine merkwürdige, intuitive Art war er überzeugt, dass sie entweder sehr glücklich oder sehr unglücklich war – was von beiden sie war, wusste er allerdings nicht, und das ärgerte ihn. Hinzu kam jene seltsame Wirkung, die sie auf ihren Mann ausübte.

Er betete sie an, sagte sich Mr Sattersway, aber manchmal ist er… ja, manchmal hat er vor ihr Angst! Das ist sehr interessant. Ungewöhnlich interessant ist das!

Portal trank zu viel. Das war sicher. Und er hatte eine komische Art, seine Frau zu beobachten, wenn sie es nicht merkte.

Die Nerven, sagte sich Mr Sattersway. Der Mann ist ein Nervenbündel. Sie weiß es zwar auch, tut jedoch nichts dagegen.

Die beiden hatten ihn ausgesprochen neugierig gemacht. Irgendetwas ging hier vor, das er nicht ergründen konnte.

Aus seinen Überlegungen riss ihn das feierliche Schlagen der großen Uhr in der Ecke.

»Zwölf Uhr«, sagte Evesham. »Neujahr! Ein glückliches neues Jahr! Übrigens geht die Uhr fünf Minuten vor… Ich weiß gar nicht, warum die Kinder nicht aufgeblieben sind und das neue Jahr abgewartet haben?«

»Ich bin fest davon überzeugt, dass sie in Wirklichkeit noch gar nicht schlafen gegangen sind«, sagte seine Frau gelassen. »Wahrscheinlich verstecken sie Haarbürsten und derartige Dinge in unseren Betten. Solche Sachen machen ihnen viel Spaß. Warum, ist mir jedoch nicht ganz verständlich. In meiner Jugend hätte man uns so etwas nicht erlaubt.«

»Autres temps, autres mœurs«, sagte Conway lächelnd.

Er war groß und soldatisch aussehend. Evesham und er waren sich im Typ überhaupt sehr ähnlich: ehrlich, aufrichtig, freundlich und ohne große geistige Ansprüche.

»In meiner Jugend stellten wir uns im Kreise auf, fassten uns an den Händen und sangen Auld Lang Syne«, fuhr Lady Laura fort. »Should auld acquaintance be forgot – ich finde diese Worte immer richtig bewegend.«

Evesham wurde unruhig.

»Lass das doch, Laura«, sagte er leise. »Nicht hier!«

Er schlenderte durch die Große Halle, in der sie saßen, und schaltete eine weitere Lampe an.

»Wie dumm von mir«, sagte Lady Laura gedämpft. »Das erinnert ihn immer an den armen Mr Capel. Meine Liebe, ist Ihnen das Feuer vielleicht zu warm?«

Eleanor Portal machte eine unwirsche Bewegung.

»Danke. Ich werde meinen Sessel etwas zurückschieben.«

Welch eine bezaubernde Stimme sie hatte – eine dieser tiefen, leisen und doch hallenden Stimmen, die man so leicht nicht vergisst, überlegte Mr Sattersway. Ihr Gesicht lag jetzt im Schatten – jammerschade. Als sie im Schatten saß, sagte sie: »Mr… Capel?«

»Ja. Das ist der Mann, dem dieses Haus ursprünglich gehörte. Er erschoss sich… Ist ja gut, Tom, ich höre schon auf! Für Tom war es nämlich ein großer Schock, weil er hier war, als es passierte. Sie doch auch, nicht wahr, Sir Richard?«

»Ja, Lady Laura.«

Eine alte Standuhr in der Ecke ächzte, stöhnte und fauchte asthmatisch, und dann schlug sie zwölf.

»Prost Neujahr, Tom«, knurrte Evesham mechanisch.

Lady Laura packte ziemlich entschlossen ihre Stricksachen zusammen.

»So, das neue Jahr hätten wir begrüßt«, bemerkte sie, und mit einem Blick auf Mrs Portal fügte sie hinzu: »Was meinen Sie, meine Liebe?«

Eleanor Portal stand schnell auf.

»Ich finde, wir sollten zu Bett gehen«, sagte sie leichthin.

Sie ist sehr blass, dachte Mr Sattersway, als er ebenfalls aufstand und begann, sich mit den Kerzenhaltern zu beschäftigen. So blass ist sie sonst nicht.

Er zündete ihre Kerze an und überreichte sie ihr mit einer komischen altmodischen Verbeugung. Mit einem Wort des Dankes nahm sie sie ihm ab und ging langsam die Treppe hinauf.

Plötzlich überkam Mr Sattersway ein sehr merkwürdiger Wunsch: Am liebsten wäre er ihr gefolgt, hätte sie getröstet – denn irgendwie hatte er das höchst seltsame Gefühl, dass sie sich in irgendeiner Gefahr befand. Aber auch das ging vorüber, und er schämte sich. Jetzt fing er tatsächlich auch schon an, nervös zu werden.

Sie hatte ihren Mann nicht angesehen, als sie nach oben ging; jetzt wandte sie ihm allerdings den Kopf zu und betrachtete ihn lange und forschend, und dieser Blick hatte eine eigenartige Intensität. Mr Sattersway fand es höchst sonderbar.

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