The Mysterious Mr Quin
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «The Mysterious Mr Quin». Краткое содержание книги:
Und nur eine Agatha Christie bringt es fertig ihren Geschichten so brilliante Pointen aufzusetzen . . .
The Mysterious Mr Quin was first published in 1930.
Aus dem Englischen von Günter Eichel, Rolph Gail, Adi Oes und Ute Forsyte-Jauch.
»Sie ging, glaube ich, nach Kanada. Oder war es Australien? Ein Onkel oder irgendein Verwandter bot ihr an, zu ihm zu kommen. Übrigens das Beste, was sie unter diesen Umständen tun konnte.«
Fasziniert starrte Mr Sattersway auf Alex Portals rechte Hand, die das Glas umklammerte. Und wie fest sie es umklammerte!
Du zerdrückst es gleich, wenn du nicht aufpasst, dachte Mr Sattersway.
Evesham erhob sich und goss sein Glas wieder voll.
»Na ja, aber bis jetzt wissen wir immer noch nicht genauer, warum der arme Derek Capel sich erschoss«, bemerkte er. »Ein großer Erfolg war unsere Untersuchung wohl nicht, Mr Quin?«
Mr Quin lachte…
Es war ein sonderbares Lachen – spöttisch, aber zugleich traurig. Es ließ alle zusammenfahren.
»Verzeihung«, sagte er. »Sie leben immer noch in der Vergangenheit, Mr Evesham. Sie werden immer noch von Ihrer vorgefassten Meinung gehemmt. Aber ich, der Mann von draußen, der vorüberkommende Fremde, sehe nur eines: Tatsachen!«
»Tatsachen?«
»Was soll das heißen?«, fragte Evesham.
»Ich sehe eine klare Folge von Tatsachen, die Sie selbst geschildert, deren Bedeutung Sie jedoch nicht erkannt haben. Gehen wir einmal um zehn Jahre zurück, und schauen wir uns an, was wir da sehen unbekümmert um irgendwelche Vorstellungen oder Gefühle.«
Mr Quin war aufgestanden. Er wirkte sehr groß. Das Feuer hinter ihm loderte sehr wirkungsvoll.
»Sie sitzen beim Essen. Derek Capel gibt seine Verlobung bekannt. Sie glauben, es handle sich um Marjorie Dilke. Jetzt sind Sie sich dessen nicht mehr so sicher. Er ähnelt in seinem Verhalten einem ruhelosen, aufgeregten Menschen, der das Schicksal erfolgreich herausgefordert hat – der, mit Ihren eigenen Worten, trotz überwältigender Widerstände einen großen Coup gelandet hat. Dann klingelt es. Er geht hinaus, um die längst überfällige Post in Empfang zu nehmen. Er öffnet zwar keinen der Briefe; Sie erwähnten jedoch selbst, dass er die Zeitung durchblätterte, um zu sehen, was es Neues gäbe. Das alles liegt zehn Jahre zurück. Wir wissen also nicht, was es an diesem Tag Neues gab: ein Erdbeben in irgendeiner entlegenen Gegend, eine politische Krise in einem nahen Land? Das Einzige, das wir über den Inhalt der Zeitungen wissen, ist eine kleine Mitteilung, die Mitteilung, dass das Innenministerium vor drei Tagen die Erlaubnis erteilt hat, Mr Appletons Leiche zu exhumieren.«
»Wieso?«
Mr Quin fuhr fort.
»Derek Capel geht nach oben auf sein Zimmer, und dabei sieht er durch das Fenster irgendetwas. Sir Richard Conway hat uns berichtet, dass der Vorhang nicht zugezogen war und dass man auf die Auffahrt hinunterblicken konnte. Was aber sah er? Was konnte er gesehen haben, das ihn veranlasste, sich das Leben zu nehmen?«
»Was meinen Sie? Was hat er gesehen?«
»Ich glaube«, sagte Mr Quin, »dass er den Polizisten erblickte. Einen Polizisten, der wegen des Hundes gekommen war – was Derek Capel nicht wusste. Er sah lediglich – einen Polizisten.«
Es folgte eine längere Stille – als dauerte es einige Zeit, die Folgerung zu begreifen.
»Mein Gott!«, flüsterte Evesham schließlich. »Das kann doch nicht Ihr Ernst sein? Appleton? Aber er war doch zu der Zeit gar nicht da. Appleton starb. Der alte Mann war allein mit seiner Frau…«
»Aber eine Woche vorher könnte er dort gewesen sein. Strychnin ist nur in Form von Hydrochlorid leicht löslich. Schüttet man es in Portwein, wird der weitaus größte Teil erst in das letzte Glas gegossen – vielleicht eine Woche, nachdem er dort war.«
Portal sprang auf. Seine Stimme klang heiser, seine Augen waren blutunterlaufen.
»Warum hat sie die Karaffe fallen gelassen?«, schrie er. »Warum? Sagen Sie mir das!«
Zum ersten Mal an diesem Abend wandte Mr Quin sich unmittelbar an Mr Sattersway.
»Sie besitzen große Lebenserfahrungen, Mr Sattersway. Vielleicht können Sie es uns erklären.«
Mr Sattersways Stimme zitterte ein bisschen. Endlich war sein Stichwort gefallen. Er hatte die Aufgabe, einige der entscheidenden Sätze in diesem Stück zu sprechen. Er war also jetzt auch Schauspieler – nicht mehr Zuschauer.
»Meiner Ansicht nach aus folgenden Gründen«, sagte er leise und bescheiden. »Sie… mochte Derek Capel. Sie war, glaube ich, eine gute Frau – und hatte ihn abgewiesen. Als ihr Mann dann… starb, ahnte sie die Wahrheit. Und um den Mann, den sie liebte, zu retten, versuchte sie, alle Beweise, die für seine Täterschaft sprachen, zu beseitigen. Später gelang es ihm, wie ich annehme, sie zu überzeugen, dass ihr Verdacht unbegründet sei, und sie erklärte sich einverstanden, ihn zu heiraten. Aber selbst dann zögerte sie noch. Frauen haben, glaube ich, sehr viel Instinkt.«
Mr Sattersway hatte seine Rolle gesprochen.
Plötzlich erfüllte ein langer zitternder Seufzer die Luft.
»Mein Gott!«, rief Evesham und fuhr zusammen. »Was war das?«
Mr Sattersway hätte ihm sagen können, dass dieser Seufzer von Eleanor Portal kam, die oben am Geländer kauerte; er war jedoch zu sehr Künstler, um einen guten Effekt zu zerstören.
Mr Quin lächelte.
»Mein Wagen wird wieder in Ordnung sein. Ich danke Ihnen für Ihre Gastfreundschaft, Mr Evesham. Ich habe, wie ich hoffe, für meinen Freund etwas tun können.«
In offensichtlicher Verwirrung starrten sie ihn an.
»Ist Ihnen diese Seite der Angelegenheit wirklich noch nicht klar geworden? Sie wissen, er liebte diese Frau. Er liebte sie so sehr, dass er um ihretwillen sogar Selbstmord verübte. Als die Vergeltung ihn – wie er irrtümlich annahm – erreichte, nahm er sich das Leben. Ohne es zu wollen, überließ er es so jedoch ihr, die Folgen auf sich zu nehmen.«
»Sie wurde freigesprochen«, murmelte Evesham.
»Aber doch nur, weil man ihr nichts nachweisen konnte. Und ich kann mir vorstellen – es ist allerdings nur eine reine Überlegung –, dass sie selbst heute noch an den Folgen zu tragen hat.«
Portal war in einen Sessel gesunken, das Gesicht in den Händen verborgen.
Quin wandte sich an Mr Sattersway.
»Auf Wiedersehen, Mr Sattersway. Das Drama hat Sie sehr interessiert, nicht wahr?«
Mr Sattersway nickte überrascht.
»Eigentlich sollte ich die Harlekinade Ihrer Aufmerksamkeit empfehlen. Die Posse stirbt heutzutage zwar langsam aus, aber wenn man sich mit ihr beschäftigt, dann lohnt es sich. Das können Sie mir glauben. Ihre Symbolik ist manchmal etwas schwer zu begreifen aber die Unsterblichen sind immer unsterblich, wissen Sie. Ich wünsche Ihnen allen eine Gute Nacht.«
Sie sahen, wie er in die Dunkelheit hinaustrat. Wie bei seinem Eintritt hatte das bunte Glas die Wirkung, dass er ein Narrengewand zu tragen schien…
Mr Sattersway ging nach oben. Er hatte die Absicht, sein Fenster zu schließen, denn die Luft war kalt. Mr Quin ging gerade die Auffahrt entlang, und aus einer Nebentür erschien plötzlich die Gestalt einer Frau. Sie rannte. Für einen Augenblick sprachen sie miteinander; dann kehrte die Frau auf demselben Weg zum Haus zurück. Unmittelbar unter seinem Fenster kam sie entlang, und Mr Sattersway war wiederum von der Lebendigkeit ihres Gesichts überrascht. Ihre Bewegungen glichen jetzt allerdings einer Frau, die sich in einem glücklichen Traum befindet.
»Eleanor!« Alex Portal war plötzlich bei ihr. »Eleanor, verzeih mir! Verzeih mir… Du hast die Wahrheit gesagt, aber ich habe an dir gezweifelt…«
Mr Sattersway interessierte sich sehr für die Angelegenheiten anderer Leute. Außerdem war er jedoch ein Gentleman. Und deshalb war es für ihn selbstverständlich, dass er das Fenster schloss.
Allerdings dauerte es etwas länger, bis er es geschlossen hatte. Er hörte noch Mrs Portal mir ihrer schönen Stimme sagen:
»Ich weiß, ich weiß! Es muss die Hölle für dich gewesen sein! So etwas habe ich auch einmal erlebt. Man liebt und möchte glauben, und immer wieder zweifelt man… dann versucht man, die Zweifel zu unterdrücken, doch sie erheben immer wieder ihr böses Gesicht – ich kenne das, Alex! Aber es gibt noch eine größere Hölle: die Hölle, in der ich mit dir gelebt habe! Ich habe deine Zweifel genau gesehen… deine Angst vor mir… unsere Liebe war davon vergiftet. Jener Mann, der Unbekannte, der zufällig vorbeikam, hat mich gerettet. Ich hätte es nicht mehr länger ausgehalten, verstehst du, Alex? Heute Abend – heute Abend wollte ich mich umbringen…«