The Mysterious Mr Quin
- Автор: Кристи Агата
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «The Mysterious Mr Quin». Краткое содержание книги:
Und nur eine Agatha Christie bringt es fertig ihren Geschichten so brilliante Pointen aufzusetzen . . .
The Mysterious Mr Quin was first published in 1930.
Aus dem Englischen von Günter Eichel, Rolph Gail, Adi Oes und Ute Forsyte-Jauch.
»Soviel ich verstehe, Gentlemen«, sagte der Inspektor, »hatten Sie einen Spaziergang unternommen. Sie kehrten zum Haus auf einem Pfad zurück, der an der linken Seite des so genannten ›Verschwiegenen Gartens‹ vorbeiführt. Stimmt das bis hierher?«
»Es stimmt, Inspektor.«
»Sie hörten zwei Schüsse und den Schrei einer Frau?«
»Ja.«
»Sie liefen, so schnell Sie konnten, aus dem Wald und auf den Eingang zu diesem ›Verschwiegenen Garten‹ zu. Wenn jemand den Garten verlassen hätte, würde er diesen Eingang benützt haben. Die Stechpalmenhecke ist ein undurchdringliches Hindernis. Wenn jemand hinausgerannt und nach rechts eingebogen wäre, hätten ihn Mr Unkerton und Mr Scott gesehen. Wenn er sich nach links gewandt hätte, wäre er auf Sie gestoßen. Ist das richtig?«
»Das ist richtig«, antwortete Major Porter. Sein Gesicht war sehr bleich.
»Damit ist der Fall klar«, fuhr der Inspektor fort. »Mr und Mrs Unkerton und Lady Cynthia Drage saßen auf dem Rasen. Mr Scott befand sich im Billardzimmer, das auf den Rasen hinausgeht. Um zehn Minuten nach sechs Uhr trat Mrs Staverton aus dem Haus, wechselte ein paar Worte mit den Herrschaften auf dem Rasen und bog um die Hausecke in Richtung des ›Verschwiegenen Gartens‹. Zwei Minuten später hörten Sie die Schüsse. Mr Scott stürzte aus dem Haus und lief zusammen mit Mr Unkerton zum ›Verschwiegenen Garten‹. Zur gleichen Zeit trafen Sie und Mr – hm – Sattersway von der entgegengesetzten Seite aus ein. Mrs Staverton stand in dem Garten mit einer Pistole in der Hand, aus der zwei Schüsse abgegeben worden waren. So wie ich die Sache sehe, erschoss sie die Dame von rückwärts, während diese auf der Steinbank saß. Dann sprang Captain Allenson auf und wollte sich auf sie stürzen, und sie schoss ihm in die Brust. Soviel ich hörte, hat früher einmal eine gewisse – hm – Bindung zwischen ihr und Mr Richard Scott…«
»Das ist eine verdammte Lüge«, warf Porter ein.
Seine Stimme klang rau und trotzig. Der Inspektor reagierte nicht darauf, sondern schüttelte nur den Kopf.
»Was hat sie selbst denn gesagt?«, fragte Mr Sattersway.
»Sie sei in den ›Verschwiegenen Garten‹ gegangen, um eine Weile allein zu sein. Gerade ehe sie um die letzte Biegung der Hecke kam, hörte sie die Schüsse. Dann sah sie die Pistole im Gras liegen und hob sie auf. Niemand ging an ihr vorbei, niemand war im Garten außer den beiden Opfern.« Der Inspektor schaltete eine bedeutsame Pause ein. »Das behauptet sie, und obwohl ich sie gewarnt habe, bestand sie darauf, eine Aussage zu machen.«
»Wenn sie das sagt«, erklärte Major Porter, dessen Gesicht immer noch sehr blass war, »dann ist es die Wahrheit. Ich kenne Iris Staverton.«
»Nun, Sir«, bemerkte der Inspektor, »es wird noch viel Zeit bleiben, sich näher mit allen Umständen zu befassen. Inzwischen muss ich meine Pflicht tun.«
Mit einer heftigen Bewegung wandte sich Porter an Mr Sattersway. »Und Sie! Können Sie nicht etwas unternehmen? Können Sie nichts tun?«
Gegen seinen Willen fühlte sich Mr Sattersway äußerst geschmeichelt: Man bat ihn um Hilfe, ihn, einen so unbedeutenden Menschen, und ausgerechnet ein Mann wie John Porter.
Er wollte gerade eine bedauernde Antwort hervorstoßen, als der Butler Thompson mit einer Visitenkarte auf einem silbernen Tablett eintrat, das er seinem Herrn mit einem entschuldigenden Hüsteln reichte. Mr Unkerton saß immer noch zusammengesunken in seinem Sessel und hatte an dem Gespräch nicht teilgenommen.
»Ich habe dem Gentleman erklärt, dass Sie ihn vermutlich nicht empfangen würden, Sir«, sagte Thompson, »doch er behauptete, eine Verabredung mit Ihnen zu haben. Es sei äußerst dringend.«
Unkerton nahm die Karte. »Mr Harley Quin«, las er laut. »Ich erinnere mich, dass er mich wegen eines Bildes aufsuchen wollte. Ich traf eine Verabredung mit ihm, doch so, wie die Dinge liegen…«
Da trat Mr Sattersway vor. »Mr Harley Quin, sagten Sie?«, rief er. »Wie seltsam, wie außerordentlich seltsam! Major Porter, Sie fragten mich, ob ich Ihnen nicht helfen könnte. Ich glaube, ich kann Ihnen helfen. Dieser Mr Quin ist ein Freund – oder besser gesagt, ein Bekannter von mir. Ein höchst bemerkenswerter Mann.«
»Einer dieser Amateurdetektive, soviel ich weiß«, bemerkte der Inspektor verächtlich.
»Nein«, wehrte Mr Sattersway ab. »Zu dieser Sorte von Leuten gehört er ganz und gar nicht. Aber er verfügt über die Gabe – eine beinahe unheimliche Gabe –, einem zu zeigen, was man mit den eigenen Augen wirklich gesehen hat, einem klarzumachen, was man mit den eigenen Ohren tatsächlich gehört hat. Auf jeden Fall sollten wir ihm in groben Umrissen erzählen, was passiert ist, und uns anhören, was er dazu zu sagen hat.«
Mr Unkerton sah den Inspektor an, der nur die Nase rümpfte und den Blick zur Decke hob. Dann nickte ersterer Thompson kurz zu, und dieser ging hinaus. Kurze Zeit darauf erschien er wieder und ließ einen großen schlanken Fremden ins Zimmer.
»Mr Unkerton?« Der Fremde reichte ihm die Hand. »Es tut mit leid, dass ich hier gerade in einem solchen Augenblick eindringe. Wir müssen wohl unser kleines Gespräch über das Bild auf ein andermal verschieben. Ah, mein Freund Sattersway. Immer noch eine Schwäche für das Dramatische, wie eh und je?«
Ein feines Lächeln spielte bei den letzten Worten um den Mund des Fremden.
»Mr Quin«, sagte Mr Sattersway bedeutungsvoll. »Es hat sich hier gerade ein Drama abgespielt. Wir sind noch mitten drin. Ich würde gern Ihre Meinung darüber hören. Und Major Porter, mein Freund, auch.«
Mr Quin setzte sich. Die Lampe mit dem roten Schirm warf ein breites Band von farbigem Licht über das Karomuster seines Mantels und ließ sein Gesicht im Schatten. Es war, als trüge er eine Maske. In knapper Form berichtete Mr Sattersway über die wesentlichen Punkte der Tragödie. Dann schwieg er und wartete gespannt auf den Spruch des Orakels.
Doch Mr Quin schüttelte nur den Kopf. »Eine traurige Geschichte«, meinte er. »Eine sehr traurige, entsetzliche Geschichte. Das Fehlen eines Motivs ist sehr bedeutsam.«
Unkerton starrte ihn entgeistert an. »Verstehen Sie denn nicht!«, sagte er. »Mrs Staverton drohte Richard Scott. Sie war wegen seiner Frau entsetzlich eifersüchtig. Eifersucht ist…«
»Ganz meiner Meinung«, antwortete Mr Quin. »Eifersucht oder teuflische Besessenheit – es ist alles dasselbe. Doch Sie missverstehen mich. Ich meinte nicht den Mord an Mrs Scott, sondern an Captain Allenson.«
»Sie haben Recht!«, rief Porter aufgeregt. »Da liegt der Fehler! Wenn Iris je daran gedacht hätte, Mrs Scott zu erschießen, würde sie es getan haben, wenn sie allein war. Ja, wir sind auf der falschen Spur. Und ich glaube, ich sehe eine andere Lösung. Nur jene drei Menschen gingen in den Garten. Das steht unbestreitbar fest, und ich beabsichtige nicht, es anzuzweifeln. Doch lassen Sie mich die Tragödie anders rekonstruieren! Angenommen, Jimmy Allenson erschoss zuerst Mrs Scott und dann sich selbst. Das ist doch möglich, nicht wahr? Im Fallen schleudert er die Waffe von sich – und Mrs Staverton entdeckt sie im Gras und hebt sie auf, wie sie gesagt hat. Wie klingt das?«
Der Inspektor schüttelte den Kopf. »Es ist nicht stichhaltig, Major Porter. Wenn Captain Allenson diesen Schuss nahe an seiner Brust abgegeben hätte, müssten seine Kleider versengt sein.«
»Vielleicht hat er die Pistole, so weit er konnte, von sich weggehalten.«
»Warum? Klingt nicht glaubwürdig. Außerdem – es fehlt das Motiv.«
»Vielleicht hat er plötzlich durchgedreht«, murmelte Porter ohne große Überzeugung. Er verfiel wieder in Schweigen. Dann sagte er abrupt: »Nun, Mr Quin?«
Dieser schüttelte den Kopf. »Ich bin kein Zauberer. Auch kein Kriminalist. Aber ich möchte Ihnen etwas verraten: Ich glaube an den Wert des ersten Eindrucks. In jeder Krisensituation gibt es immer einen Moment, der hervorsticht, das Bild einer Szene, das im Gedächtnis haften bleibt, wenn alles andere längst verblasst ist. Ich vermute, dass Mr Sattersway von allen Anwesenden der unparteiischste Beobachter ist. Würden Sie sich noch einmal rückerinnern, Mr Sattersway, und uns von dem Augenblick berichten, der den stärksten Eindruck bei Ihnen hinterließ? War es die Sekunde, als Sie die Schüsse hörten? Als Sie die Toten entdeckten? Als Sie die Pistole in Mrs Stavertons Hand sahen? Machen Sie sich von allen vorgefassten Werturteilen frei und sagen Sie es uns!«