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Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]

Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:

Der große Kritiker- und Publikumserfolg aus den USA! Connie Willis, preisgekrönt als beste SF-Autorin der 90er Jahre, schickt in diesem Buch Zeitreisende aus der Zukunft in das viktorianische England — ein unvergessliches Abenteuer …
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»Ich bin gleich oben«, sagte ich und stellte mich seitwärts davor. »Ich will mir nur noch ein Buch aussuchen.«

»Bücher!« bemerkte Mrs. Mering. »Entschieden zu viele Menschen lesen heutzutage Bücher!« und rauschte aus dem Zimmer.

»Komm mit, Cyril«, sagte Terence. Cyril taumelte hoch. »Regnet’s immer noch, Baine?«

»Ich fürchte ja, Sir«, erwiderte Baine und ging, ihnen die Haustür zu öffnen.

»Picketts Angriff!« sagte Professor Peddick zu Colonel Mering. »Die Schlacht von Gettysburg im amerikanischen Bürgerkrieg. Ein weiteres exzellentes Beispiel für unüberlegtes Handeln! Was sagt Overforce zu Picketts Angriff?« Und die beiden schritten aus dem Zimmer.

Ich schloß die Salontür hinter ihnen und eilte zum Sekretär. Das Tagebuch lag offen, der Federhalter und der nelkenförmige rosa Federhalterwischer verdeckten zwei Drittel des Blattes. Oben stand in verschnörkelter Handschrift: »15. Juni«, und darunter: »Heute fuhren wir nach Cov…«

Ich hob den Federhalterwischer. »… entry« las ich, das Y verlor sich im Nichts. Was immer sie auch schreiben wollte, um ihrer Nachkommenschaft den großen Tag zu schildern, sie hatte es noch nicht geschrieben, aber vielleicht gab es in früheren Einträgen Hinweise auf Mr. C.

Ich schloß das Tagebuch, zog Gibbons Verfall und Untergang des Römischen Reiches, Band Eins und Zwei aus dem Regal hinter dem Sekretär und schob das Tagebuch zwischen die beiden Bände. Dann drehte ich mich mit den Büchern in der Hand um.

Baine stand hinter mir. »Ich bringe Miss Merings Tagebuch gern nach oben zu ihr, damit Sie sich nicht die Mühe machen müssen, Sir«, sagte er.

»Ausgezeichnet«, erwiderte ich und zog es zwischen den Gibbonausgaben hervor. »Ich wollte es ihr gerade bringen.«

»Wie Sie wünschen, Sir.«

»Nein, nein«, sagte ich. »Bringen Sie es hoch. Ich glaube, ich mache vorm Zubettgehen noch einen kleinen Spaziergang.« Eine deutlich lächerliche Bemerkung, denn der Regen schlug gegen die Verandatüren, und eine, der er genauso wenig glauben würde wie die, daß ich Tossies Tagebuch hatte zu ihr hochbringen wollen. Aber er sagte nur: »Wie Sie wünschen, Sir.«

»Kam heute abend jemand an die Haustür?« fragte ich. »Abgesehen von Reverend Arbitage?«

»Nein, Sir.«

»Oder an die Küchentür? Ein Hausierer? Oder jemand, der Schutz vor dem Unwetter suchte?«

»Nein, Sir. Ist das alles, Sir?«

Ja, das war dann alles. Und in einigen Jahren? Die Luftwaffe würde die Royal Airforce hinwegfegen, und die Deutschen würden in Dover landen, und Tossie und Terences Enkel würden am Strand und in Gräben und in Christ Church Meadow und in Iffley gegen sie kämpfen, aber ohne Erfolg.

Die Nazis würden ihre Fahnen vom Balkon des Buckingham Palace flattern lassen und im Paradeschritt durch Muchings End und Oxford und Coventry marschieren. Nun, wenigstens würde Coventry nicht in Flammen aufgehen. Nur das Parlamentsgebäude. Und die Zivilisation.

Bis das Raumzeitkontinuum sich schließlich selbst reparieren würde. Wenn nicht Hitlers Wissenschaftler vorher die Zeitreise entdeckten.

»Ist das alles, Sir?« fragte Baine erneut.

»Ja«, sagte ich. »Das ist alles«, ging und öffnete die Tür. Regen stob herein, und irgendwie schien es passend, kalt und naß zu werden. Ich wollte hinausgehen.

»Ich habe mir erlaubt, Mr. St. Trewes’ Freund in Ihr Zimmer zu bringen, Sir«, sagte Baine.

»Danke«, entgegnete ich dankbar. Ich schloß die Tür, drehte mich und stieg hinter ihm die Stufen hoch.

»Mr. Henry…«

»Ja?« Doch was immer er hatte bemerken wollen, offenbar hatte er es sich anders überlegt. »Ein ausgezeichnetes Buch«, sagte er statt dessen.»Verfall und Untergang.«

»Erbauend und belehrend«, sagte ich und ging zu Bett.

22. Kapitel

»Nun küß mich, Kate! Sonntag bist du meine Frau.«

Petrucchio

Der Vorteil von Zeitreisen • Ein zeitiger Aufbruch • Ein Problem • Gladys und Gladys • Finch ist verschwunden… • Anekdoten über die Findigkeit von Katzenmüttern • Ein verzögerter Aufbruch • Belauschen • Kohlköpfe • Verity ist verschwunden • Baine zitiert Shakespeare • Ein Gesetz, das Dienstboten das Lesen verbietet • Das Rätsel des durchweichten Tagebuchs wird gelöst • Ein verfrühter Aufbruch

Am nächsten Morgen fühlte ich mich besser. Als ich mit Cyril um sechs Uhr aus dem Haus trat, hatte der Regen aufgehört, der Himmel war blau, und das feuchte Gras glitzerte wie Diamanten.

Und der Vorteil bei Zeitreisen lag in der Natur der Sache. Vermasselte man es beim ersten Mal, so hatte man noch weitere Chancen (wenn nicht ich, dann doch jemand anderes) und in einer Woche oder einem Jahr, wenn die Gerichtsmedizinerin es endlich geschafft haben würde, das Tagebuch zu entziffern, konnten Carruthers oder Miss Warder oder irgendein hohlköpfiger neuer Rekrut erneut zum fünfzehnten Juni 1888 springen und schauen, ob Mr. C diesmal sein Stichwort nicht verpaßte.

Zwar hatten wir keinen Erfolg gehabt, aber gerade in diesem Augenblick löste T. J. vielleicht das Geheimnis von Waterloo und der Selbstkorrektur. Genau in diesem Augenblick schickten T. J. und Dunworthy vielleicht jemanden durchs Netz, um mich auf meinem Weg zum Oxforder Bahnhof abzufangen und davon zurückzuhalten, Terence zu treffen und sein Liebesleben zu verpfuschen. Oder um Professor Peddick und Professor Overforce voneinander fernzuhalten. Oder um Verity abzuhalten, überhaupt erst in die Themse zu waten und Prinzessin Arjumand zu retten. Oder um mich in den Ersten Weltkrieg zu schicken, damit ich mich dort von meiner Zeitkrankheit erholte.

Die Katze würde ans Ufer schwimmen, Maud Terence treffen und die Luftwaffe London bombardieren. Und ich würde niemals Verity treffen. Ein geringer Preis, wenn man dafür das Universum rettete. Dieses Opfer war es wert.

Und ich würde den Verlust nicht merken, weil ich Verity nie begegnet war. Ich überlegte, ob Terence den seinen merkte, ob er ihn auf einer tieferen Ebene seiner selbst spürte, daß er nicht seine wahre Liebe getroffen hatte. Und wenn ja, wie würde er sich fühlen? Rührselig leidend, wie in einem seiner victorianischen Gedichte? Von einer nagenden ungestillten Sehnsucht erfüllt? Oder würde ihm einfach alles nur grau und eintönig vorkommen?

Ich brachte Cyril in den Stall. Prinzessin Arjumand hatte uns nach unten begleitet und stolzierte nun mit hocherhobenem Schwanz vor uns her durch das feuchte Gras. Ab und zu kam sie zu uns zurück, um sich um Cyrils Hinterbeine und meine Knöchel zu winden. Vom Stall hörte man Geräusche, und die großen Türen begannen sich knarrend zu öffnen.

»Deckung«, sagte ich, schnappte Prinzessin Arjumand und duckte mich in den Schutz der Küchentür. Der Stallknecht, der aussah, als wäre er grade erst erwacht, stieß die Türen auf, und der Kutscher führte zwei Pferde, die bereits vor die Kutsche gespannt waren, ins Freie. Die Kutsche, die Professor Peddick und Colonel Mering zum Bahnhof bringen sollte.

Ich schaute zum Haus hinüber, wo Baine gerade das Gepäck heraustrug und auf die Eingangsstufen stellte. Professor Peddick, in seinem akademischen Gewand und seinem Barrett, den Kessel mit Fischen an sich gepreßt, stand hinter ihm und unterhielt sich mit Terence.

»Komm«, flüsterte ich Cyril zu und eilte zur Stallseite. Prinzessin Arjumand wand sich wie wild in meinem Arm, und ich setzte sie auf die Erde. Sie schoß wie ein geölter Blitz über den Rasen und verschwand. Ich ließ Cyril zur Tür hinein, die der Stallknecht benutzte. »Tu so, als seist du die ganze Nacht hier gewesen«, flüsterte ich, und prompt lief Cyril auch zu seiner sackleinenen Unterlage, umrundete sie dreimal, ließ sich darauf fallen und fing an, laut zu schnarchen.

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