Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Wer kann das um diese Uhrzeit sein?« fragte Mrs. Mering.
Himmel, dachte ich, bitte, laß es Mr. C sein.
»Natürliche Gewalten! Bevölkerung!« schäumte Professor Peddick. »Wie paßt der Sieg von Khartum in diese Theorie?«
Vom Vestibül her hörte ich Gemurmel, Baines Stimme und die eines anderen Mannes. Ich schaute zu Verity hinüber, die an ihrem Finger lutschte, und dann wieder auf die Tür des Salons.
Baine erschien darin. »Reverend Arbitage«, sagte er, und der Geistliche stürzte ins Zimmer. Regen tropfte von der Krempe seines flachen breitkrempigen Hutes.
»Ich weiß, es ist unverzeihlich von mir, zu so später Stunde zu erscheinen«, sagte er und gab Baine seinen Hut, »aber ich mußte einfach vorbeischauen und Ihnen sagen, welch ein Erfolg das Kirchfest war. Ich war drüben in Lower Hedgebury zu einem Treffen des Armenviertel-Komitees, und jedermann war baß erstaunt über unseren Erfolg. Ein Erfolg…« — er lächelte dümmlich —, »den ich vollkommen Ihrer Idee mit dem Wohltätigkeitsbasar zuschreibe, Mrs. Mering. Reverend Chichester möchte nun bei seinem Mittsommerfest zugunsten der Mission für gefallene Mädchen auch so einen Basar organisieren.«
»Reverend Chichester?« Ich beugte mich vor.
»Ja«, sagte er eifrig. »Er wollte wissen, ob Sie ihm eventuell bei dieser Überraschung Ihre Erfahrung zugute kommen lassen würden, Mrs. Mering. Und Sie beide, Miss Brown und Miss Mering, natürlich auch.«
»Reverend Chichester?« fragte ich. »Ich glaube, ich habe schon mal von ihm gehört. Jung, unverheiratet, mit dunklem Schnurrbart?«
»Reverend Chichester?« fragte der Geistliche. »Um Himmels willen, nein. Neunzig, wenn nicht noch mehr. Außerdem ziemlich rheumatisch, aber immer noch aktiv, wenn’s um gute Werke geht. Und sehr interessiert am Jenseits.«
»Wundert mich nicht«, murmelte Colonel Mering aus den Tiefen seiner Zeitung. »Steht ja auch mit einem Fuß schon über der Schwelle.«
»Der Tag des Gerichts liegt vielleicht für uns alle nur einen Schritt entfernt«, sagte Reverend Arbitage, die Lippen schürzend. »›Fürchtet Gott, und erweist ihm die Ehre! Denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen.‹ Offenbarung, vierzehntes Kapitel, Vers sieben.«
Er war wirklich ein Kriecher. Etepetete, selbstgerecht, langweilig. Der perfekte Partner für Tossie. Und andere schienen auch nicht in Sicht zu sein.
»Arbitage«, sagte ich. »Ist das Ihr vollständiger Name?«
»Bitte?«
»Es gibt heutzutage so viele Menschen mit Doppelnamen«, sagte ich. »Edward Burne-Jones, Elizabeth Barrett Browning, Edward Bulwer-Lytton. Ich dachte, Arbitage sei vielleicht eine Kurzform für Arbitage-Culpep-per oder Arbitage-Chutney.«
»Arbitage ist mein vollständiger Name«, erwiderte er, sich zu voller Größe aufrichtend. »Eustace Hieronymus Arbitage.«
»Und auch kein Spitzname? Nein, sicher nicht, bei Ihrem Beruf«, setzte ich hinzu. »Aber vielleicht in Kindertagen? Meine Schwester nannte mich immer Curls, wegen meiner Babylocken. Hatten Sie lockiges Haar?«
»Ich glaube, ich war bis zum Alter von drei Jahren ziemlich kahl«, sagte Reverend Arbitage.
»Aha. Chuckles vielleicht? Oder Chubby?«
»Mr. Henry«, sagte Mrs. Mering. »Reverend Arbitage möchte uns das Ergebnis des Festes mitteilen.«
»Also«, sagte der Reverend und zog ein in Leder gebundenes Notizbuch aus der Tasche, »wenn man die Unkosten abzieht, bleiben unterm Strich achtzehn Pfund, vier Schilling und acht Pence, mehr als genug, um die Wandgemälde übertünchen und eine neue Kanzel bauen zu lassen. Vielleicht bleibt sogar noch genug übrig, um ein Ölgemälde für die Marienkapelle zu kaufen. Vielleicht einen Holman-Hunt.«
»Was ist Ihrer Meinung nach der Zweck von Kunst, Mr. Arbitage?« fragte Tossie plötzlich.
»Zu erbauen und zu belehren«, sagte er prompt. »Alle Kunst sollte eine Moral ausdrücken.«
»Wie ›Das Licht der Welt‹«,[73] sagte Tossie.
»Ja. ›Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an… ‹ Offenbarung Kapitel drei, Vers zwanzig.« Er wandte sich an Mrs. Mering. »Darf ich Reverend Chichester sagen, daß er mit Ihrer Hilfe rechnen kann?«
»Ich fürchte, nein«, sagte Mrs. Mering. »Wir reisen übermorgen nach Torquay.«
Verity schaute hoch wie vor den Kopf geschlagen. Der Colonel ließ die Zeitung sinken.
»Meine Nerven.« Mrs. Mering warf Professor Peddick einen erbitterten Blick zu. »Zuviel Aufregendes ist in den letzten Tagen geschehen. Ich muß unbedingt Doktor Fawleigh aufsuchen. Sie haben vielleicht schon von ihm gehört. Er ist ein Experte auf dem Gebiet des Spiritismus. Und von dort aus werden wir nach Kent fahren, um Mr. St. Trewes Eltern kennenzulernen und die Hochzeit zu planen.«
»Ach, so«, sagte Reverend Arbitage. »Aber bis August werden Sie doch hoffentlich wieder zurück sein. Unser Sommerfest war ein solcher Erfolg, daß ich beschlossen habe, auch ein Fest am St. Bartholomäustag abzuhalten, und wir brauchen dazu auf jeden Fall eine Wahrsagerin. Und einen Wohltätigkeitsbasar. Mrs. Chattisbourne war eigentlich mehr für ein Whistturnier, aber ich sagte ihr, daß der Wohltätigkeitsbasar unbedingt Tradition werden muß. Und das alles Dank Ihnen. Ich habe bereits Sachen dafür gesammelt. Miss Stiggins hat einen Stiefelknecht gespendet, und meine Großtante sendet mir einen Kupferstich der Schlacht von Naseby.«
»Ah ja, Naseby!« sagte Professor Peddick. »Prinz Ruperts Kavallerieangriff. Ein klassisches Beispiel, wie jemand schon fast den Sieg in der Tasche hat und plötzlich doch noch verliert, und das alles nur aus mangelnder Voraussicht.«
Es entspann sich ein kleines Gespräch über die Nachteile unüberlegten Handelns, dann segnete Reverend Arbitage uns alle und verabschiedete sich.
Tossie nahm kaum Notiz davon. »Ich bin ziemlich müde«, sagte sie, sobald Baine den Reverend hinausgebracht hatte. Sie küßte erst ihren Vater, dann ihre Mutter.
»Du bist so blaß«, sagte Mrs. Mering. »Die Seeluft wird dir guttun.«
»Ja, Mama«, erwiderte Tossie mit einer Stimme, als dächte sie an etwas ganz anderes. »Gute Nacht.« Dann stieg sie die Treppe hoch.
»Es wird Zeit, daß wir uns alle zur Ruhe begeben«, meinte Mrs. Mering und erhob sich. »Es war ein langer und…« — sie fixierte Professor Peddick mit einem Blick so durchdringend wie ein Handbohrer — »ereignisreicher Tag für uns alle, und du, Mesiel, mußt morgen früh aufstehen, um Professor Peddick auf seiner Reise zu begleiten.«
»Zu begleiten?« stotterte Colonel Mering. »Kann meinen rotgepunkteten Silbertancho doch nicht allein lassen.«
»Ich bin sicher, daß es auch dein Wunsch ist, daß Professor Peddick nicht plötzlich wieder von der Bildfläche verschwindet«, sagte Mrs. Mering bestimmt. »Ich bin sicher, daß du nicht dafür verantwortlich sein möchtest, daß eine Familie ein zweites Mal uninformiert und aller Hoffnung beraubt bleibt.«
»Nein, natürlich nicht«, entgegnete Colonel Mering bezwungen. »Freut mich, Sie nach Hause bringen zu dürfen, Professor Peddick.«
Während sie mit Baine über die Abfahrtszeiten sprachen, ging ich zu Verity und flüsterte: »Sobald ich Cyril morgen früh in den Stall gebracht habe, werde ich nach Oxford springen.«
Sie nickte wie betäubt. »In Ordnung.« Ihr Blick schweifte noch einmal umher, als hoffte sie, Mr. C erschiene doch noch. »Gute Nacht«, sagte sie dann und ging die Treppe hoch.
»Komm, Cyril.« Terence warf mir einen bedeutungsvollen Blick zu. »Zeit für dich, in den Stall zu gehen«, aber ich schenkte ihm keine Beachtung. Ich schaute auf den Schreibtisch, wo Tossie ihr Tagebuch hatte liegenlassen.
73
Gemälde (heute im Keble College Oxford) von William Holman-Hunt (1827–1910) einer der Begründer der prärafaelitischen Schule. — Anm. d. Ü.