Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- Переводчик: Christian Lautenschlag
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Farben der Zeit [To Say Nothing of the Dog - de]». Краткое содержание книги:
»Professor Overforce!« Mrs. Mering winkte Verity, ihr das Riechsalz zu reichen. »Sie sagten doch, Professor Peddick fiel in den Fluß.«
»Eigentlich wurde er mehr gestoßen.«
»Gestoßen!«
Es war zwecklos. Was immer meine Ahnung gewesen war, sie war verschwunden. Und es war eindeutig Zeit, zu intervenieren.
»Professor Peddick rutschte aus und fiel ins Wasser«, sagte ich, »und wir retteten ihn und wollten ihn eigentlich nach Oxford bringen, aber er bestand darauf, mit uns flußabwärts zu kommen. Wir hielten in Abingdon, damit er seiner Schwester ein Telegramm schicken konnte, um sie von seinen Plänen in Kenntnis zu setzen, aber offenbar ging etwas schief, und als er nicht mehr auftauchte, muß sie angenommen haben, er sei tot. Während er mopsfidel und bei uns war.«
Sie roch tief an dem Riechsalz. »Bei Ihnen«, sagte sie und schaute Terence grübelnd an. »Ein kalter Windstoß fuhr ins Zimmer, und als ich hochschaute, standen Sie da im Türrahmen, in der Dunkelheit. Woher soll ich wissen, daß Sie nicht allesamt Geister sind?«
»Hier. Fühlen Sie mal«, sagte Terence und hielt ihr seinen Arm hin. »›Ach, dies allzufeste Fleisch.‹«[70] Sie kniff vorsichtig in seinen Ärmel. »Sehen Sie«, sagte er. »Alles echt.«
Mrs. Mering wirkte nicht überzeugt. »Der Geist von Katie Cook fühlte sich auch solide an. Bei einer Seance legte Mr. Crookes seinen Arm um ihre Taille und sagte, sie fühle sich völlig menschlich an.«
Wofür es eine Erklärung gab und ebenso für den Umstand, daß Geister eine ungewöhnliche Ähnlichkeit mit Menschen hatten, die mit Seihtüchern behangen waren. Mit dieser Art von Argumentation würden wir jedenfalls nie beweisen können, daß wir lebendig waren.
»Und Prinzessin Arjumand war bei Ihnen«, sagte Mrs. Mering, die sich immer mehr für ihre Theorie erwärmte, »von der Madame Iritosky gesagt hatte, sie hätte längst die Schwelle zur Anderen Seite überschritten.«
»Prinzessin Arjumand ist kein Geist«, sagte Verity. »Baine hat sie heute morgen am Fischteich erwischt, als sie gerade Colonel Merings Schwarzen Mauren fangen wollte. Ist es nicht so, Baine?«
»Genau, Miss«, erwiderte er. »Es gelang mir aber, sie zu entfernen, bevor irgendein Schaden entstand.«
Ich schaute ihn an und überlegte, ob dieses ›Entfernen‹ die Mitte der Themse bedeutete oder ob er durch den Zwischenfall mit Verity zu verschreckt war, um dieses Exempel noch einmal zu statuieren.
»Arthur Conan Doyle sagt, daß Geister im Jenseits essen und trinken wie wir auch«, sagte Mrs. Mering. »Er sagt, sie leben genau wie wir, nur reiner und glücklicher, und die Zeitungen würden nie etwas drucken, was nicht stimmte.«
So ging es weiter, bis wir in Reading umstiegen, wo das Thema dazu wechselte, wie unmöglich sich Professor Peddick benommen habe.
»Seine Lieben in solch schreckliche Seelenqualen zu stürzen«, sagte Mrs. Mering, während sie auf dem Bahnsteig stand und Baine zusah, wie er sich mit dem Gepäck abmühte, »zuzulassen, daß sie am Fenster sitzen und verzweifelt auf seine Rückkehr warten, bis nach Stunden alle Hoffnung schwindet — das ist doch der Gipfel der Grausamkeit! Hätte ich gewußt, wie sorglos er den Gefühlen seiner Angehörigen gegenüber ist, nie hätte ich ihm unser Haus geöffnet und unsere Gastfreundschaft angeboten! Niemals!«
»Sollten wir nicht besser telegrafieren und Professor Peddick vor dem Unwetter warnen, das sich nähert?« flüsterte ich Verity zu, als wir in den anderen Zug stiegen.
»Als ich den Fächer holte«, sagte sie und beobachtete Tossie, die mit Terence vor uns herging, »kam da irgend jemand in unser Abteil?«
»Nicht eine Menschenseele«, erwiderte ich.
»Und Tossie war die ganze Zeit über da?«
»Sie ging Baine holen, nachdem ihre Mutter in Ohnmacht gefallen war«, sagte ich.
»Wie lange blieb sie weg?«
»Nur solange, wie sie brauchte, Baine zu holen«, sagte ich und setzte, als ich ihre niedergeschlagene Miene sah, hinzu: »Vielleicht ist sie auf dem Gang mit jemandem zusammengestoßen. Wir sind immer noch nicht zu Hause. Vielleicht trifft sie hier im Zug jemanden. Oder auf dem Bahnhof in Muchings End.«
Doch der Bahnhofsvorsteher, der Tossie ins Abteil half, war mindestens siebzig und auf dem regennassen Bahnsteig in Muchings End kein Mensch. Und zu Hause auch nicht, wenn man von Colonel Mering und Professor Peddick absah.
Ich hätte telegrafieren sollen.
»Hatte eine großartige Idee«, sagte Colonel Mering und kam freudestrahlend durch den Regen geeilt, um uns zu begrüßen.
»Mesiel, wo ist dein Schirm?« unterbrach ihn Mrs. Mering. »Wo ist dein Mantel?«
»Brauch’ beides nicht«, befand der Colonel. »War nur mal draußen, um meinen neuen rotgepunkteten Silbertancho anzuschauen. Bin vollkommen trocken«, setzte er hinzu, obwohl er ziemlich durchweicht aussah und sein Schnurrbart schlaff herabhing. »Konnte nicht abwarten, dir von unserer Idee zu erzählen. Großartig, einfach großartig. Dachten, wir sagen dir’s sofort, stimmt’s, Professor Peddick? Griechen!«
Mrs. Mering, der Baine, einen Schirm über sie haltend, gerade aus der Kutsche half, beäugte Professor Peddick argwöhnisch, als sei sie sich seiner Leibhaftigkeit immer noch nicht ganz sicher. »Kriechen? Wer?«
»Thermopylae«, sagte der Colonel freudig. »Marathon, der Hellespont, die Straße von Salamis. Habe die Schlacht heute durchdacht. Fiel mir so ein. Die einzige Möglichkeit, die Gegend richtig zu beurteilen. Sich die Armeen vorzustellen.«
Es tat einen unheilverkündenden Donnerschlag, den er ignorierte. »Ferien für die ganze Familie. Bestellen Tossies Aussteuer in Paris und besuchen Madame Iritosky. Bekam heute ein Telegramm, daß sie ins Ausland reist. Angenehmer Ausflug.« Er hielt inne und wartete lächelnd auf die Reaktion seiner Gattin.
Diese hatte sich augenscheinlich entschieden, Professor Peddick für lebendig zu halten, zumindest im Augenblick. »Professor Peddick«, sagte sie mit einer Stimme, die so kalt war, daß sie gut und gern mehrere Schals vertragen hätte, »bevor Sie zu diesem Ausflug aufbrechen wollen, beabsichtigen Sie da vielleicht, Ihre Familie über Ihre Pläne zu informieren? Oder lassen Sie zu, daß sie weiter Trauerkleidung tragen wie bisher?«
»Trauerkleidung?« Der Professor holte sein Monokel hervor.
»Wie bitte, meine Liebe?« fragte der Colonel.
»Mesiel«, sagte Mrs. Mering. »Du hast eine Schlange an deinem Busen genährt.« Ihr anklagender Finger richtete sich auf Professor Peddick. »Dieser Mann hat diejenigen getäuscht, die ihm ihre Freundschaft angeboten, ihn aufgenommen haben, aber was noch weitaus schlimmer ist, auch seine Lieben zu Hause.«
Professor Peddick nahm sein Monokel ab und prüfte die Gläser.
»Schlange?«
Es dämmerte mir, daß wir auf diese Art die ganze Nacht hier draußen stehen würden, ohne daß Professor Peddick das Unglück, das ihn heimgesucht hatte, verstehen würde, und ich überlegte, ob ich mich besser einmischte, vor allem, weil es gerade wieder zu regnen begann. Ich schaute zu Verity, aber sie blickte sehnsüchtig auf die leere Auffahrt.
»Professor Peddick…«, begann ich, aber Mrs. Mering hielt ihm schon die Oxford Chronicle vor die Nase.
»Lesen Sie das!« befahl sie.
»Wahrscheinlich ertrunken?« Er setzte das Monokel auf und wieder ab.
»Haben Sie Ihrer Schwester nicht ein Telegramm geschickt?« fragte Terence. »Und ihr mitgeteilt, daß Sie mit uns flußabwärts fahren?«
»Telegramm?« Professor Peddicks Stimme klang unsicher, und er drehte die Zeitung herum, als stünde die Antwort auf der Rückseite.
70
William Shakespeare, Hamlet, Akt 1, 2. Szene. — Anm. d. Ü.