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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Dolochow, Denissow und Rostow saßen Pierre gegenüber und schienen sehr vergnügt zu sein. Rostow unterhielt sich lustig mit seinen zwei Freunden, von denen der eine ein flotter Husar, der andere ein bekannter Raufbold und Tunichtgut war, und schielte ab und zu spöttisch zu Pierre hinüber, der bei diesem Essen durch seine Versunkenheit und Zerstreutheit sowie durch seine massige Gestalt auffiel. Rostow stand Pierre wenig wohlwollend gegenüber, erstens, weil dieser nach seiner Ansicht als Husar weiter nichts als ein reicher Zivilist, der Mann einer schönen Frau und überhaupt weibisch und eine Memme war, und zweitens weil Pierre vorhin in seiner grüblerischen und zerstreuten Gemütsverfassung Rostow nicht sogleich erkannt und seinen Gruß nicht erwidert hatte. Als auf das Wohl des Kaisers getrunken wurde, war Pierre in Gedanken versunken sitzengeblieben und hatte nicht zum Glase gegriffen.

»Was ist mit Ihnen?« rief Rostow ihm zu und sah ihn mit begeisterten und entrüsteten Augen an. »Hören Sie denn nicht, daß auf das Wohl des Kaisers getrunken wird?«

Pierre seufzte, stand ruhig auf, trank sein Glas aus, wartete, bis sich die anderen wieder hinsetzten, und wandte sich dann mit seinem gutmütigen Lächeln an Rostow.

»Ich hatte Sie gar nicht erkannt«, sagte er. Aber Rostow hörte jetzt nicht auf ihn, er schrie weiter: »Hurra!«

»Warum erneuerst du denn deine Bekanntschaft mit ihm nicht?« fragte Dolochow Rostow.

»Ach, hol ihn der Teufel, er ist ein närrischer Kerl«, erwiderte Rostow.

»Mit den Männern schöner Frauen darf man es nicht verderben«, warf Denissow ein.

Pierre verstand nicht, was sie sagten, aber er wußte, daß sie über ihn sprachen. Er wurde rot und wandte sich ab.

»Jetzt auf das Wohl aller schönen Frauen«, rief Dolochow mit ernsthafter Miene, aber mit einem Lächeln in den Mundwinkeln, und wandte sich mit seinem Glase an Pierre.

»Auf das Wohl aller schönen Frauen und ihrer Liebhaber, Petruscha!« sagte er.

Pierre hob die Augen nicht auf und trank, ohne Dolochow anzusehen oder ihm eine Antwort zu geben, aus seinem Glas. Ein Diener, der die gedruckten Blätter der Kutusowschen Kantate verteilte, legte auch Pierre, als einem der vornehmsten Gäste, ein Exemplar hin. Gerade wollte er es aufnehmen, als sich Dolochow über den Tisch beugte, ihm das Blatt aus der Hand nahm und anfing zu lesen. Pierre sah Dolochow an, seine Augen bohrten sich ganz in ihn hinein, und das Entsetzliche, Widerliche, das ihn während des ganzen Mahles gequält hatte, stieg wieder in ihm auf und bemächtigte sich seiner ganz.

»Unterstehen Sie sich nicht, das Blatt wegzunehmen!« schrie er ihm zu.

Neswizkij und Pierres Nachbar zur Rechten wandten sich hastig und erschrocken an Besuchow, als sie die lauten Worte hörten und sahen, an wen sie gerichtet waren.

»Hören Sie auf! Seien Sie still! Was haben Sie denn?« flüsterten erschrockene Stimmen ringsum.

Dolochow sah Pierre mit lustig blitzenden, grausamen Augen und einem Lächeln an, als wollte er sagen: Das macht mir gerade Spaß!

»Ich gebe es nicht wieder her«, sagte er klar und deutlich.

Da riß ihm Pierre bleich und mit zitternden Lippen das Blatt aus der Hand.

»Sie … Sie sind … ein ganz gemeiner Mensch!… Ich fordere Sie!« schrie Pierre, stieß seinen Stuhl zurück und stand vom Tisch auf.

Im selben Augenblick, als Pierre dies tat und diese Worte aussprach, fühlte er, daß die Frage über die Schuld seiner Frau, die ihn in den letzten vierundzwanzig Stunden so sehr gequält hatte, nun endgültig, einwandfrei und entschieden mit Ja beantwortet war. Er haßte sie und war für immer von ihr geschieden.

Obgleich Denissow Rostow bat, sich nicht in diese Angelegenheit zu mischen, willigte dieser doch ein, Dolochows Sekundant zu sein, und besprach nach der Tafel mit Neswizkij, dem Sekundanten Besuchows, die Bedingungen zum Duell. Pierre war nach Hause gefahren, aber Rostow, Dolochow und Denissow saßen noch bis zum späten Abend im Klub und hörten sich die Zigeuner und Sänger an.

»Also morgen auf Wiedersehen in Sokolniki«, sagte Dolochow, als er sich auf der Freitreppe des Klubs von Rostow verabschiedete.

»Du bist so ruhig?« fragte Rostow.

Dolochow blieb stehen.

»Siehst du, in zwei Worten kann ich dir das ganze Geheimnis eines Duells offenbaren. Wenn man vor einem Duell sein Testament macht und zärtliche Briefe an seine Eltern schreibt, wenn man überhaupt nur daran denkt, daß man getötet werden könnte, so ist man ein Narr und wird sicherlich dran glauben müssen. Geht man aber mit der festen Absicht hin, seinen Gegner so schnell und so sicher wie möglich um die Ecke zu bringen, dann wird alles gut gehen. Wie mir unser Bärenjäger in Kostroma immer sagte: ›Natürlich muß man sich vor einem Bären fürchten, steht man ihm aber Aug in Auge gegenüber, ist die Furcht auch schon vorbei. Dann hat man nur noch die eine Angst, daß er entweichen könnte.‹ Siehst du, so geht es mir beim Duell. A demain, mon cher!«

Am nächsten Morgen war Pierre mit Neswizkij pünktlich um acht Uhr im Sokolnikiwäldchen zur Stelle und fand Dolochow, Denissow und Rostow bereits dort vor. Pierre machte den Eindruck eines Menschen, der mit Gedanken beschäftigt ist, die mit dem vorliegenden Fall nicht das mindeste zu tun haben. Sein eingefallenes Gesicht sah gelblich aus. Offenbar hatte er die ganze Nacht nicht geschlafen. Er sah sich zerstreut um und blinzelte mit den Augen wie bei grellem Sonnenlicht. Zwei Gedanken beschäftigten ihn ausschließlich: die Schuld seiner Frau, über die ihm nach dieser schlaflosen Nacht nicht der geringste Zweifel mehr verblieben war, und die Schuldlosigkeit Dolodiows, der doch keinerlei Grund gehabt hatte, die Ehre eines ihm fremden Menschen zu schonen. Vielleicht hätte ich an seiner Stelle auch nicht anders gehandelt, dachte Pierre. Ich hätte es sogar ganz sicherlich so gemacht. Warum also dieses Duell, dieser Mord? Entweder strecke ich ihn nieder oder er schießt mir eine Kugel durch den Kopf, durch den Ellbogen, durchs Knie. Man sollte von hier fortgehen, weglaufen, sich irgendwohin verstecken, schoß es ihm durch den Sinn. Doch im selben Augenblick, als ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, fragte er mit ruhiger, zerstreuter Miene, die jedem, der ihn ansah, Achtung einflößen mußte: »Geht es bald los? Sind Sie bereit?«

Als alles fertig war, die Säbel im Schnee steckten, die die Grenze bezeichnen sollten, bis zu welcher vorgegangen werden mußte, und die Pistolen geladen waren, trat Neswizkij auf Pierre zu.

»Ich würde meine Pflicht nicht erfüllen, Graf«, fing er mit zaghafter Stimme an, »und das Vertrauen und die Ehre, die Sie mir erwiesen, indem Sie mich zu Ihrem Sekundanten auserwählt haben, nicht rechtfertigen, wenn ich Ihnen in diesem ernsten, sehr ernsten Augenblick nicht die volle Wahrheit sagen würde. Ich bin der Ansicht, daß kein genügender Grund vorliegt, und die Sache gar nicht wert ist, daß ihretwegen Blut vergossen wird … Sie sind im Unrecht oder wenigstens nicht ganz im Recht, Sie waren erregt …«

»Ach ja, es war furchtbar dumm …« sagte Pierre.

»So gestatten Sie wohl, daß ich dem Gegner Ihr Bedauern übermittle; ich bin überzeugt, daß er bereit sein wird, Ihre Entschuldigungen entgegenzunehmen«, sagt Neswizkij, der wie auch die übrigen Teilnehmer und überhaupt alle, die sich in ähnlicher Lage befinden, noch nicht daran glaubte, daß es wirklich zu einem Duell käme. »Sie wissen, Graf, daß es bei weitem edler ist, einen Fehler einzugestehen, als eine Sache so weit zu treiben, daß sie nicht wiedergutzumachen ist. Eine Beleidigung liegt auf keiner Seite vor. Wenn Sie gestatten, werde ich noch einmal verhandeln …«

»Nein, was ist da noch zu verhandeln!« sagte Pierre. »Das ist ja alles ganz gleich … Also fertig?« fuhr er fort. »Sagen Sie mir nur noch, wohin ich gehen und wohin ich schießen muß«, fügte er mit einem unnatürlich sanften Lächeln hinzu.

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