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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Da erschien Denissow im Salon, zu Rostows Verwunderung in einer nagelneuen Uniform, pomadisiert und parfümiert, genauso, wie er sich vor einer Schlacht gezeigt hatte, und erwies sich den Damen gegenüber als ein so liebenswürdiger Kavalier, wie es Rostow niemals von ihm erwartet hätte.

2

Als Rostow aus dem Feld auf Urlaub nach Moskau zurückgekehrt war, hatte man ihn im Elternhaus als Helden, als besten Sohn und Herzens-Nikoluschka aufgenommen. Die übrigen Verwandten empfingen ihn als lieben, neuen, achtbaren jungen Mann und seine Bekannten als hübschen Husarenleutnant, flotten Tänzer und als eine der besten Partien von ganz Moskau.

Die Rostows waren mit der ganzen Stadt bekannt. Der alte Graf hatte in diesem Jahr genügend Geld, weil er alle seine Güter neu mit Hypotheken belastet hatte, und Nikoluschka, der sich ein eignes Pferd hielt und die allermodernsten Reithosen von ganz besonderem Schnitt, wie sie in Moskau noch kein Mensch kannte, und dazu die allerelegantesten Stiefel mit ganz schmalen Spitzen und kleinen silbernen Sporen trug, verbrachte deshalb seine Zeit auf höchst vergnügte Weise. Vom Feld zurückgekehrt, empfand er es als ein angenehmes Gefühl, nach längerer Unterbrechung wieder die alten Gewohnheiten aufzunehmen. Er kam sich sehr männlich und erwachsen vor. An seine frühere Verzweiflung über ein nicht bestandenes Religionsexamen, an das Anpumpen Gawrilas um Geld für Droschkenfahrten, an seine heimlichen Küsse mit Sonja – an all das erinnerte er sich jetzt nur noch als an Kindereien, die weit, weit hinter ihm lagen. Jetzt war er Husarenleutnant, trug den silberverschnürten Dolman und das Georgskreuz auf der Brust und fuhr seinen Traber mit bekannten, vornehmen, älteren Sportsleuten zusammen zum Rennen ein. Abends besuchte er eine Dame, die am Boulevard wohnte. Er tanzte auf dem Ball bei den Archarows die Masurka vor, unterhielt sich mit dem Feldmarschall Kamenskij über den Krieg, besuchte den englischen Klub und nannte sich mit einem vierzigjährigen Obersten »du«, den er durch Denissow kennen gelernt hatte.

Seine leidenschaftliche Liebe für den Zaren verblaßte etwas in Moskau. Da er ihn nicht mehr sah und ihn zu sehen auch keine Gelegenheit hatte, sprach er oft von ihm und von seiner Zarenverehrung, ließ aber durchfühlen, daß er nicht alles aussprach, und daß da in seinem Gefühl für den Kaiser noch etwas war, was nicht alle verstehen konnten. Von ganzem Herzen teilte er das allgemeine Gefühl der Vergötterung, das die ganze Hauptstadt für den Kaiser Alexander Pawlowitsch empfand, dem man damals in Moskau den Beinamen »der verkörperte Engel« gegeben hatte.

Während seiner kurzen Urlaubszeit in Moskau kam Rostow Sonja nicht nur nicht näher, sondern wurde ihr im Gegenteil weit fremder. Sie war sehr hübsch und reizend und sichtlich leidenschaftlich in ihn verliebt, aber er befand sich jetzt in den Jahren, wo so viel auf einen jungen Mann einstürmt, daß er anscheinend gar nicht die Zeit hat, sich mit so etwas zu beschäftigen, weil er fürchtet, sich dadurch zu binden und seine Freiheit zu verlieren, die er doch über alles schätzt und für so vieles andere noch nötig hat. Wenn er während seines jetzigen Aufenthaltes in Moskau an Sonja dachte, so sagte er sich: Ach was, es gibt doch so viele, so viele, die ebenso sind und nicht nur hier, auch anderswo, die ich noch nicht kenne. Dazu werde ich immer Gelegenheit haben, mich mit der Liebe abzugeben, wenn ich einmal Lust dazu verspüre. Jetzt habe ich zu so etwas keine Zeit. Außerdem fand er weibliche Gesellschaft für seine Männerwürde erniedrigend. Zwar besuchte er Bälle und bewegte sich in Damengesellschaft, aber er gab sich den Anschein, als täte er es nur widerwillig. Die Rennen, der englische Klub, Zechereien mit Denissow, seine Besuche bei der Dame am Boulevard – das war etwas anderes, das stand einem schneidigen Husaren wohl an.

Anfang März war der alte Graf Ilja Andrejewitsch Rostow damit beauftragt worden, im englischen Klub ein Festessen zum Empfang Bagrations zu veranstalten.

Der Graf ging im Schlafrock im Saal auf und ab und erteilte dem Ökonomen und dem Koch des Englischen Klubs, dem berühmten Feoktist, Aufträge auf Spargel, frische Gurken, Erdbeeren, Kalbfleisch und Fische zum Festessen für den Fürsten Bagration. Der Graf war seit Gründung des Klubs dessen Mitglied und Vorstand. Ihm waren vom Klub die Vorbereitungen dieses Diners für Bagration übertragen worden, weil sonst wohl kaum jemand zu finden gewesen wäre, der ein Festessen so großzügig und gastlich auszurichten verstanden hätte, und hauptsächlich auch deshalb, weil sich selten jemand fand, der so von seinen eignen Mitteln zuschießen konnte und auch wollte, wenn die für das Essen angesetzte Summe einmal nicht ausreichte. Der Koch und der Ökonom hörten die Befehle des Grafen mit schmunzelnden Gesichtern an, weil sie wußten, daß bei einem solchen Diner, das mehrere tausend Rubel kostete, sie unter keiner anderen Leitung ihr Schäfchen so ins trockne bringen konnten wie unter der seinen.

»Und hörst du, Hahnenkämme, Hahnenkämme in die soupe en tortue, du weißt doch!«

»Also drei kalte Platten?« fragte der Koch.

Der Graf dachte nach.

»Ja, weniger ist nicht gut möglich, drei … erstens die Mayonnaise …« sagte er und bog einen Finger dazu ein.

»Befehlen Sie dazu die ganz großen Sterlets?« fragte der Ökonom.

»Je nun … Nimm sie nur, auch wenn die Händler nicht mit den Preisen heruntergehen. Aber, mein Gott, das hätte ich ja beinahe vergessen: wir brauchen ja noch eine andere Vorspeise. Und dann, ihr Heiligen!« Er griff sich verzweifelt an den Kopf. »Wer soll mir denn die Blumen besorgen? Mitenka! He, Mitenka! Reite mal schleunigst aufs Gut hinaus«, wandte er sich an den auf seinen Ruf herbeigeeilten Verwalter, »und sage dem Gärtner Maxim, er solle gleich alle Leute zur Fronarbeit antreten lassen. Sage ihm, er soll mir die ganze Orangerie hereinschaffen, soll aber alles gut in warme Decken einpacken. Daß ich bis zum Freitag wenigstens zweihundert Töpfe hier habe!«

Nachdem er noch diesen und jenen Befehl erteilt hatte, wollte er gerade zur Gräfin hinübergehen, um sich ein wenig zu erholen, als ihm noch etwas Wichtiges einfiel und er noch einmal umkehrte, den Koch und den Ökonomen zurückrief und abermals Befehle zu erteilen begann. Da hörte man flüchtige Männerschritte und Sporenklirren an der Tür, und herein trat der junge Graf mit seinem schwarzen Schnurrbärtchen, hübsch, frisch und gesund, er hatte sich bei dem ruhigen Leben in Moskau sichtlich erholt.

»Ach du bist es, mein Junge! Mir schwirrt der Kopf nur so«, sagte der Alte mit einem Lächeln, als schäme er sich vor seinem Sohn. »Du könntest mir auch ein bißchen helfen! Ich muß doch noch Sänger haben. Musik ist ja da, aber soll ich nicht lieber Zigeuner bestellen? Ihr Soldaten habt ja so etwas gern.«

»Wirklich, Papachen, ich glaube, die Schlacht bei Schöngrabern hat dem Fürsten Bagration weniger Kopfzerbrechen gemacht als Ihnen jetzt die Vorbereitung für dieses Diner«, versetzte der Sohn lachend.

Der alte Graf stellte sich erzürnt.

»Ja, du hast gut reden, mach du’s nur mal.«

Und der Graf wandte sich an den Koch, der mit ehrerbietig verschmitztem Gesicht daneben stand und Vater und Sohn aufmerksam und wohlgefällig beobachtete.

»So ist die Jugend von heutzutage, nicht war, Feoktist?« sagte der alte Graf. »Lacht uns alte Leute einfach aus!«

»Ja, ja, Durchlaucht, sie wollen nur immer gut essen, wie aber alles vorbereitet und serviert werden muß, darum kümmern sie sich nicht.«

»So ist es«, fiel der Graf ein, faßte seinen Sohn vergnügt an beiden Händen und rief: »Siehst du, du kommst mir gerade wie gerufen! Du kannst mal gleich mit dem zweispännigen Schlitten zum Grafen Besuchow fahren und ihm sagen, Graf Ilja Andrejewitsch ließe ihn um Erdbeeren und frische Ananas bitten. Die gibt es nämlich außer bei ihm nirgendwo. Er selber ist nicht da, du kannst es aber, wenn du hinkommst, den Prinzessinnen sagen. Und von dort aus fährst du dann gleich mal auf den Rasguljai-Platz – der Kutscher Ipatka weiß schon Bescheid – und machst dort den Zigeuner Iljuschka ausfindig, du weißt, der damals beim Grafen Orlow im weißen Kosakenrock tanzte, und den bringst du mir hierher.«

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