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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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Neswizkij war, als altes Mitglied des Klubs, ebenfalls da. Pierre, der auf Verlangen seiner Frau sich die Haare wachsen ließ, die Brille abgenommen hatte und nach der letzten Mode gekleidet ging, schritt traurig und mit niedergeschlagener Miene durch den Saal. Ihn umringte hier wie überall dieselbe Schar Menschen, die sich alle vor seinem Reichtum beugten, er aber, gewohnt zu herrschen, behandelte sie mit zerstreuter Geringschätzung.

Seinem Alter nach hätte er sich zur Jugend halten müssen, seinem Reichtum aber und seinen Verbindungen nach gehörte er zu dem Kreis der älteren, ehrwürdigen Mitglieder und Gäste, und deshalb ging er von einer Gruppe zur anderen. Die vornehmsten älteren Herren bildeten immer den Mittelpunkt eines Kreises, zu dem dann ehrerbietig auch Unbekannte hinzutraten, um diese bekannten Größen reden zu hören. Ein großer Kreis hatte sich um den Grafen Rastoptschin, um Walujew und Naryschkin gebildet. Rastoptschin erzählte, wie russische Soldaten durch fliehende Österreicher so eingekeilt gewesen seien, daß sie sich mit dem Bajonett einen Weg durch die Fliehenden hätten bahnen müssen.

Walujew teilte ganz im Vertrauen mit, daß Uwarow aus Petersburg hierher gesandt sei, um das Urteil der Moskauer über Austerlitz in Erfahrung zu bringen.

In einem dritten Kreise erzählte Naryschkin von einer Sitzung des österreichischen Kriegsrats, wo Suworow als Antwort auf die Dummheiten der österreichischen Generäle wie ein Hahn gekräht habe. Schinschin, der daneben stand, wollte einen Witz machen und sagte, daß Kutusow anscheinend nicht einmal diese unschwere Kunst, wie ein Hahn zu krähen, von Suworow gelernt habe, aber die alten Herren sahen den Witzbold nur streng an und gaben ihm dadurch zu verstehen, daß es bei einer solchen Gelegenheit und an einem solchen Tage höchst unpassend sei, so über Kutusow zu sprechen.

Graf Ilja Andrejewitsch Rostow eilte geschäftig in seinen weichen Stiefeln aus dem Speisesaal in den Salon und wieder zurück, begrüßte hastig und immer in derselben Weise sowohl die bedeutenden als auch die unbedeutenden Persönlichkeiten, die er alle kannte, suchte ab und zu seinen schlanken, schneidigen Sohn mit den Augen, ließ seine Blicke stolz auf ihm ruhen und nickte ihm zu. Der junge Rostow stand mit Dolochow am Fenster, den er erst kürzlich kennengelernt hatte, und dessen Bekanntschaft er sehr schätzte. Der alte Graf trat auf die beiden zu und drückte Dolochow die Hand.

»Besuche uns doch einmal! Du bist ja mit meinem Recken hier bekannt … ihr habt ja doch zusammen … zusammen heldenhaft gekämpft … Ah, Wassilij Ignatitsch! Wie geht’s, alter Freund?« wandte er sich an einen vorübergehenden alten Herrn, aber er hatte seine Begrüßung noch nicht zu Ende gesprochen, als alles in Bewegung geriet, da ein Diener hereingelaufen war und mit erschrockenem Gesicht gemeldet hatte: »Die Herrschaften geruhen zu kommen!«

Man hörte Klingelzeichen, die Vorstandsmitglieder stürzten nach vorn. Die in den verschiedenen Zimmern zerstreuten Gäste drängten sich wie Roggenkörner, die man auf einen Haufen zusammengeschaufelt hat, an einer Stelle zusammen und nahmen im großen Salon an der Saaltür Aufstellung.

Bagration erschien in der Tür des Vorzimmers, ohne Hut und Degen, die er, wie es im Klub Sitte war, beim Portier abgegeben hatte. Er trug diesmal keine Lammfellmütze und keine Nagaika über der Schulter, wie ihn Rostow in der Nacht vor der Schlacht bei Austerlitz gesehen hatte, sondern eine neue, enganliegende Uniform mit vielen russischen und ausländischen Orden und dem Georgenstern auf der linken Brustseite. Er hatte sich sichtlich noch soeben vor dem Festessen das Haar und den Bart schneiden lassen, wodurch sein Gesicht unvorteilhaft verändert schien. Der naiv feierliche Ausdruck, den es jetzt zeigte, wirkte auf seinen männlichen, wetterharten Zügen sogar etwas komisch. Bekleschow und Fjodor Petrowitsch Uwarow, die mit ihm zusammen gekommen waren, blieben an der Tür stehen in der Absicht, ihn, als den Ehrengast, zuerst eintreten zu lassen. Bagration wurde verwirrt und wollte diese Höflichkeit nicht annehmen, es entstand eine Verzögerung an der Tür, und endlich trat Bagration doch als erster ein. Verlegen und unfrei, ohne zu wissen, was er mit seinen Händen anfangen sollte, schritt er über das Parkett des Empfangszimmers: gewohnter und freier wäre es ihm gewesen, inmitten eines Kugelregens über einen frischgepflügten Acker zu laufen, wie er bei Schöngrabern dem Kursker Regiment vorangegangen war. Die Herren vom Vorstand waren ihm bis zur ersten Tür entgegengegangen, sprachen hier ein paar Worte, daß sie sich freuten, einen so teuren Gast bei sich zu sehen, umringten ihn dann, ohne eine Antwort abzuwarten, als wollten sie sich seiner ganz bemächtigen, und führten ihn in den Salon. Es war aber gar nicht möglich, durch die Tür zum Salon hindurchzukommen, weil sich hier alle Gäste und Mitglieder zusammengeschart hatten, einander drängten und stießen und einer dem anderen über die Schulter zu sehen versuchte, um Bagration wie ein seltenes Tier anzustaunen. Graf Ilja Andrejewitsch lachte und rief energischer als alle anderen: »Machen Sie Platz, mon cher, machen Sie Platz!« Er drängte die Menge zurück, geleitete so die Gäste in den Salon und ließ sie auf einem Sofa in der Mitte Platz nehmen. Die Matadore, die vornehmsten Mitglieder des Klubs, scharten sich von neuem um die Ehrengäste, Graf Ilja Andrejewitsch brach sich noch einmal Bahn durch die Menge und verließ den Salon, um gleich darauf mit einem anderen Vorstandsmitglied wieder zu erscheinen, der eine große silberne Schale in der Hand trug, die er dem Fürsten Bagration präsentierte. Auf der Schale lag ein gedrucktes Gedicht, das zu Ehren des Helden verfaßt war. Bagration sah die Schale an und blickte sich erschrocken und hilfesuchend um. In allen Augen las er die Forderung, daß er dies annehmen solle. Da er sich ganz in der Gewalt der anderen fühlte, ergriff er mit beiden Händen entschlossen die Schale und sah den Grafen, der sie ihm gereicht hatte, grimmig und vorwurfsvoll an. Doch einer der Umstehenden nahm Bagration dienstfertig die Schale wieder ab – sonst hätte er sie wahrscheinlich den ganzen Abend so in den Händen gehalten und wäre auch mit ihr zu Tisch gegangen – und lenkte seine Aufmerksamkeit auf das Gedicht. Meinetwegen, auch das werde ich lesen, schien Bagrations Miene zu sagen. Er heftete seine müden Augen auf das Papier und schickte sich an, mit aufmerksamer, ernster Miene zu lesen. Doch der Dichter selber griff nach dem Blatt und las die Verse vor. Fürst Bagration senkte das Haupt und hörte zu.

»Heil dir und Ruhm![82]« ruft Alexanders Reich, Hältst vor dem Throne unsres Zaren Wacht, Dem Feind ein Graus und edler Mensch zugleich, Ein Fels dem Vaterland, ein Cäsar in der Schlacht. Selbst der sonst siegreiche Napoleon Verspürt’ die wucht’gen Hiebe von Bagration, Nun wagt er nicht mehr, Rußlands tapfre Söhne …

Aber er hatte das Gedicht noch nicht zu Ende gelesen, als der Haushofmeister mit lauter Stimme meldete: »Es ist angerichtet!« Die Türen zum Speisesaal taten sich auf, und dröhnend spielte die Musik als Polonäse:

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82

Heil dir und Ruhm!: Gedicht von N. P. Nikolew (1758-1815).

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