Die Goldhändlerin
- Автор: Lorentz Iny
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:
Autorin
Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
Lea legte die Hand an die Wange und überlegte. »Die Soldaten müssen wir ausschalten, ganz gleich, auf welchem Weg Eure Schützlinge das Kloster verlassen. Gibt es eine Möglichkeit, den Männern ein starkes Abführmittel oder eine große Dosis Schlafpulver ins Essen zu mischen?«
»Nein. Dazu müssten wir nämlich den Wirt der Fonda einweihen, und der verdient an Montoyas Männern zu gut, als dass er mitmachen würde.«
Pablo lachte auf und schnalzte mit den Fingern. »Vielleicht gibt es doch einen Weg. Wie ich gehört habe, sind die Weinvorräte des Wirtes zu Ende gegangen, und er wartet dringend auf eine Lieferung aus Almansa. Da die Straße durch den Regen aufgeweicht ist, kann es noch Tage dauern, bis die Karren ihn passieren können. Die Soldaten sind jedoch nicht gewöhnt, Wasser zu trinken, und Arandela hat bereits anfragen lassen, ob wir nicht aushelfen können.«
Lea nickte zufrieden. »Also könntet Ihr den Soldaten mit Schlafmittel versetzten Wein zukommen lassen.«
Der Abt hob abwehrend die Hände. »Nein, das geht nicht, Arandela wäre sofort klar, wer für diesen Streich verantwortlich ist, und sein Herr würde sich in seiner Wut an uns rächen. Die meisten meiner Mitbrüder sind brave Leute, die ich nicht schuldlos leiden sehen will.«
Lea spann den Gedanken jedoch weiter. »Der Wein muss ja nicht aus dem Kloster kommen. Ich habe unterwegs Hausierer gesehen, Männer und Frauen, die mit einem Esel und einem Fässchen unterwegs waren, um ihren Wein an Reisende und Hirten zu verkaufen.«
Albanez schüttelte den Kopf. »Ein Mann darf es auf keinen Fall sein. Arandela würde mit Sicherheit beschwören, dass sich einer meiner Mönche verkleidet und seine Leute vergiftet hätte, schon um seinem Herrn gefällig zu sein, dem ich schon lange ein Dorn im Auge bin.«
Plötzlich grinste Pablo über das ganze Gesicht. »Don Orlando hat sich schon öfter als Frau verkleidet, und ich kann mir vorstellen, Don Leon wäre ebenfalls in der Lage, in die Rolle eines Hausiererweibs zu schlüpfen.«
Natürlich wäre ich das, dachte Lea, die ihre plötzlich aufwallende Heiterkeit verbergen musste. »Damit ist klar, was wir tun müssen. Jetzt brauche ich nur noch den Wein, einen Esel und ein Mittel, um die Soldaten auszuschalten.«
Pablos Mundwinkel verzogen sich fast bis zu seinen Ohrläppchen. »Eine gute Wegstunde talaufwärts liegt ein
Meierhof, der zu unserem Kloster gehört, und dort gibt es sowohl Wein als auch Esel. Zum Glück sind die uns aufgezwungenen Mönche nicht so begierig, die schwere Feldarbeit zu verrichten, daher sind dort oben nur Freunde von mir. Den Mohnsaft kann ich aus der Klosterapotheke nehmen. Aber wie wir an geeignete Frauenkleider kommen, weiß ich nicht. Nichts von dem, was die Damen im Vorwerk tragen, ist für unsere Zwecke geeignet.«
Lea lachte wie befreit auf. »Orlando hat mir seine Ausrüstung zur Verfügung gestellt, und darunter ist auch die Kleidung einer armen Frau. Also steht unserem Befreiungsschlag gegen Montoyas Leute nichts mehr im Wege.«
Baramosta schüttelte zweifelnd den Kopf. »Ich weiß nicht, ob ...«
Pablo fuhr ihm ärgerlich über den Mund. »Wollt Ihr Spanien verlassen oder samt Eurer Familie und Eurem Gesinde zur Belustigung des Pöbels auf einem Scheiterhaufen enden?«
»Pablo, mäßige deine Stimme. Wenn dich jemand hört ...«, wies Albanez den Mönch zurecht.
»Ist doch wahr«, brummte dieser mürrisch.
Baramosta wandte sich Hilfe suchend an Lea. »Glaubt Ihr wirklich, es könnte gelingen, Senor?«
»Dieser Herr ist kein Senor, sondern Don Leon de Santiago.«
Der Abt betrachtete den eifernden Mönch nachsichtig. »Unser mutiger junger Freund ist wohl ein Edelmann, aber kein Spanier. Er stammt aus dem Heiligen Römischen Reich und heißt de Saint Jacques.«
»Genauer gesagt stamme ich aus Burgund«, verbesserte Lea ihn. Langsam hasste sie diese Lügen und Verstellungen und wünschte sich auf einmal nichts sehnlicher, als bald wieder sie selbst zu sein. »Es wäre mir lieb, die
Sache bald hinter mich zu bringen. Bitte, Pablo, besorge mir das Schlafmittel und bring mich zum Meierhof.«
Der Abt winkte ab. »Nicht so hastig, mein junger Held. Gleich beginnt die Abendmesse, Kein Mönch verlässt zu dieser Zeit das Kloster, und danach werden die Pforten geschlossen. Ihr werdet bis morgen früh mein Gast bleiben müssen. Ich bitte Euch jedoch, auf die Teilnahme an der Messe zu verzichten, denn wenn Ihr die Kirche betretet, werden die falschen Leute Fragen stellen. Wenn es Euch recht ist, würde ich nachher gerne noch ein wenig mit Euch plaudern. San Juan de Bereja ist so abgelegen, dass nur selten Neuigkeiten aus der fernen Welt den Weg hierher finden.«
Diesen Wunsch durfte Lea ihm nicht abschlagen. So sah sie sich nach einem Stuhl um, und Albanez, der ihren suchenden Blick bemerkte, wies Pablo an, die Bücher von einem der Stühle zu räumen.
»Verzeiht, dass ich Euch noch keinen Platz angeboten habe, aber ich war zu sehr in Gedanken«, entschuldigte er sich und schien sich auch daran zu erinnern, dass sein Gast hungrig und durstig sein musste. So schickte er Pablo mit einigen Ermahnungen in die Küche.
Der dicke Mönch war empört, dass sein Abt ihm zutraute, leichtsinnig zu sein. »Die Krähen, die Montoya uns ins Nest gesetzt hat, werden nichts bemerken.«
Baramosta verließ ebenfalls das Zimmer des Abtes, um die Messe zu besuchen. Echte oder vorgetäuschte Frömmigkeit und Glaubensinbrunst waren der einzige Schutz, den er und seine Leute in dieser Umgebung besaßen. Würden sie den anderen Mönchen durch gleichgültiges Verhalten oder gar jüdische Sitten auffallen, könnte selbst Albanez ihnen nicht mehr helfen. Der Abt wartete, bis Pablo Wein, Brot und ein Stück Lammbraten gebracht hatte, und entschuldigte sich dann, weil die Pflicht ihn rief. Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, flüsterte Lea ein hebräisches Gebet. Jetzt benötigte sie alle Kraft, die Gott ihr geben konnte, um das Notwendige zur richtigen Zeit zu tun.
7.
Als der Abt zurückkehrte, dunkelte es bereits. Lea hatte nicht gewagt, eine der Wachskerzen auf dem Schreibtisch anzuzünden, da sie niemand auf sich aufmerksam machen wollte. Jose Albanez entschuldigte sich, sie in der Dämmerung sitzen gelassen zu haben, schlug Feuer und hielt es an einen Docht. Das Wachs zischte und knallte leise, verbreitete aber sofort einen angenehmen Duft.
»So ist es besser«, sagte er lächelnd. »Ich habe Pablo angewiesen, uns frischen Wein zu bringen. Bei einem guten Schluck unterhält man sich besser.«
»Ich würde meinen Wein lieber mit Wasser verdünnen, denn ich muss einen klaren Kopf bewahren. Schließlich habe ich morgen so einiges zu tun.«
»Ihr haltet es wohl wie die alten Griechen, die jeden für einen Barbaren ansahen, der seinen Wein unvermischt trank.« Albanez nickte Lea lächelnd zu und sah in den noch fast vollen Krug, der auf dem Tisch stand. »Ihr habt ja kaum etwas getrunken. Dabei ist der Wein wirklich gut.«