Die Goldhändlerin
- Автор: Lorentz Iny
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:
Autorin
Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
Als Lea das Gut der Familie de Llorza erreichte, begrüßte Thibaut de Poleur sie so überschwänglich, als hätte er einen lange verschollenen Verwandten wiedergefunden. Offensichtlich hatte er sie auf dem letzten Stück der Reise vermisst und berichtete ihr nun wortreich von den Wundern, die ihnen unterwegs begegnet waren. Da die Gruppe die Höhlenwohnungen bei Penas de San Pedro besucht und dort ein wenig gefeiert hatte, war sie erst am Vortag bei de Llorzas Eltern aufgetaucht. Als de Po-leur seinen Bericht endlich abgeschlossen hatte und seinen guten Freund Leon fragte, wie es ihm ergangen sei, lächelte Lea wehmütig.
»Ich war bei einem Geschäftspartner meiner Dienstherren und hatte dort einige Aufträge zu erledigen und nach der Post zu schauen. Es war jedoch nichts Wichtiges dabei. Das einzig Gute an dem Ritt ist die Tatsache, dass ich den nächsten Teil meiner Spesen abholen konnte und endlich wieder flüssig bin.«
»Da geht es dir besser als mir«, antwortete de Poleur mit einem säuerlichen Lachen. »Mein Beutel ist so leer, dass ihn der Wind davontragen könnte.«
»Ich kann durchaus ein paar Maravedis erübrigen und dir einen Kredit bei mir einräumen. Vergiss nicht, ich bin Bankier.«
De Poleur überlegte kurz und schüttelte dann den Kopf. »Führe mich nicht in Versuchung. Ich habe nämlich bei einem Waffenschmied in Murcia ein Schwert gesehen, das mir ausgezeichnet gefallen hat. Aber das kostet einige Maravedis mehr, als du mir leihen dürftest.«
Lea hörte aus der Stimme des Burgunders eine gewisse Hoffnung heraus, das Schwert doch noch erwerben zu können. Aber sein Stolz ließ nicht zu, dass er sich eine Abfuhr holte. Da sie sich de Poleurs Wohlwollen erhalten wollte, machte sie eine wegwerfende Geste. »Kauf dir die Waffe ruhig. Ich lege dir das Geld aus und warte, bis du es mir eines Tages zurückzahlen kannst.«
»Damit machst du aber ein schlechtes Geschäft, Leon. Mir fließt das Geld nämlich nur so zwischen den Fingern hindurch, und es bleibt nie genug übrig, um meine Schulden bezahlen zu können, geschweige denn, etwas zu sparen.«
»Dann nimm die Waffe als Geschenk.«
»Im Ernst? Ich nehme dich beim Wort!« Auf de Poleurs Gesicht machte sich ein zufriedenes Lächeln breit. »Du bist wirklich der beste Freund, den ein Mann haben kann, Leon. Aber jetzt muss ich dich endlich unseren Gastgebern vorstellen.«
Er wies einen Knecht an, Cereza in den Stall zu bringen und abzureiben, fasste Lea am Arm und führte sie auf das flache, wenig imposant wirkende Hauptgebäude des Gutes zu. Die aus Bruchsteinen errichteten Mauern waren mit Lehm bestrichen und weiß gekalkt und die kleinen Fenster kaum größer als Schießscharten, während die Tür so wirkte, als sei sie aus dicken, kaum bearbeiteten Brettern zusammengenagelt worden. Die wohnliche Einrichtung des Hauses machte das abweisende Äußere jedoch mehr als wett.
Don Esteban, Raul de Llorzas Vater, empfing sie in einem großen Zimmer, das trotz der kleinen Fenster hell und luftig wirkte. An der Wand standen große Truhen, die mit Teppichen und Decken bedeckt waren und als Sitzgelegenheiten dienten. Bequeme Stühle aus dunklem Holz, ein großer Tisch mit Intarsien, ein gemauerter Kamin, dessen wohlige Wärme das klamme Winterwetter fernhielt, und ein reicher Wandschmuck aus Teppichen, Waffen und Jagdtrophäen vervollständigten die Einrichtung.
»Seid mir willkommen, Don Leon«, begrüßte Don Es-teban Lea in der hier gebräuchlichen Mundart Aragons, die sich von der kastilischen Sprache, die sie gelernt hatte, so stark unterschied, dass sie ihn kaum verstand. Da sie nicht gleich antwortete, wiederholte Raul de Llorza die Worte seines Vaters auf Kastilisch. Don Esteban verzog das Gesicht, als hätte er auf etwas sehr Bitteres gebissen. Offensichtlich ärgerte er sich darüber, dass sein Sohn sich als Mann von Welt gab und ihn zum Provinzler degradierte.
»Ich danke Euch!« Lea verbeugte sich vor ihrem Gastgeber und wandte sich dann dessen Gemahlin zu. War der Hausherr ein großer, breit gebauter Mann mit dunkelbraunen Haaren, so wirkte Dona Estrella klein und puppenhaft. Sie hatte ihr pechschwarzes, leicht blau schimmerndes Haar mit einem geschnitzten Elfenbeinkamm aufgesteckt und trug ein dunkelgrünes Kleid, das eher bequem als modisch wirkte. Vor allem aber war sie eine Hausfrau, die alles daransetzte, ihre Gäste zu verwöhnen. Sie wartete kaum, bis Lea auch sie begrüßt hatte, sondern eilte mit einer Entschuldigung in die Küche, um, wie sie sagte, der Köchin auf die Finger zu sehen.
»Ich hoffe, Ihr hattet eine schöne Reise durch Aragon«, begann Don Esteban die Konversation.
»Wir sind nur zu einem kleinen Teil durch Aragon geritten, der größte Teil unseres Weges führte durch Kastilien«, berichtigte Don Raul seinen Vater.
Das Gesicht des alten Herrn färbte sich dunkel. »Unser Sohn hat ganz vergessen, woher er stammt, und ist ein Castellano geworden.«
Seine Stimme verriet den Grimm, der in ihm wühlte.
»Es ist Kastilien, das in Spanien den Ton angibt!«, verteidigte sein Sohn sich.
Don Esteban bedachte ihn mit einem vernichtenden Blick. »Ich glaube nicht, dass es unsere Gäste interessiert, wer in Spanien den Ton angibt. Hier in Aragon ist es jedenfalls Rey Fernando und nicht die Königin Kastiliens.«
»Bitte streitet euch nicht schon wieder!« Dona Estrella war ins Zimmer zurückgekehrt und bedachte Gemahl und Sohn mit tadelnden Blicken. »Was sollen unsere Gäste von euch halten?«
»Es ist nicht mein Streit«, brummte Don Esteban.
Dona Estrella ließ nicht locker. »Wir sollten lieber daran denken, dass wir uns auf das Weihnachtsfest vorbereiten müssen. Es sind nur noch wenige Tage bis dorthin.«
Es klang so mahnend und feierlich, dass Lea am liebsten in Tränen ausgebrochen wäre. Sie hatte die Festtage ihres Glaubens nicht begehen können, wie es sich gehörte, und sah sich nun gezwungen, an einer Feier zu Ehren des Mannes teilzunehmen, dessen Religion die Juden zu einem gejagten, erniedrigten und ständig gefährdeten Volk gemacht hatte. Am liebsten wäre sie noch vor Beginn der Festlichkeiten abgereist, doch wenn sie ihre Maske aufrechterhalten wollte, musste sie hier bleiben, in die Gebete der Christen einstimmen und ihr Knie beugen, wann immer der Priester es von ihr forderte.
Um mit sich ins Reine kommen zu können, schützte sie Erschöpfung vor und bat, sich zurückziehen zu dürfen. Zum Glück erhielt sie einen Raum für sich allein, eine winzige Kammer, gerade groß genug für ein Bett und einen Stuhl. Dona Estrella entschuldigte sich, weil sie dem Herrn de Santiago nichts Besseres anbieten konnte. Es waren jedoch so viele Freunde und Verwandte erschienen, um das Weihnachtsfest mit dem Sippenoberhaupt zu feiern, dass alle anderen Schlafräume besetzt waren.
Lea versuchte, die Hausherrin zu beruhigen. »Das Zimmer ist schön, und ich werde mich hier wohl fühlen.«
Dona Estrella wirkte nicht sonderlich erleichtert. Offensichtlich glaubte sie es dem Rang des Gastes schuldig zu sein, ihn besser zu behandeln. »Wenn Ihr etwas benötigt, so ruft. Eine der Mägde wird sofort kommen und Eure Wünsche erfüllen.«