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Die Goldhändlerin

Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:

Deutschland im Jahre 1485 - Für die junge Jüdin Lea endet ein Jahr der Katastrophen: Ihr Vater und ihr jüngerer Bruder Samuel kamen bei einem Pogrom ums Leben. Um das Erbe ihres Vaters und damit ihr Überleben und das ihrer Geschwister zu sichern, muss Lea sich fortan als Samuel ausgeben. In ihrer Doppelrolle drohen ihr viele Gefahren, nicht nur von christlicher Seite, sondern auch von ihren Glaubensbrüdern, die »Samuel« unbedingt verheiraten wollen. Und dann verliebt sie sich ausgerechnet in den mysteriösen Roland, der sie zu einer mehr als abenteuerlichen Mission verleitet ...

Autorin

Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
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Als sie am nächsten Morgen erwachte, saß Albanez bereits wieder auf seinem Stuhl und las in seinem Brevier. Neben ihm stand Pablo mit dem Frühstück für sie und einer Kürbisflasche, die seinen Worten zufolge bis zum Rand mit Mohnsaft gefüllt war.

»Du musst dich stärken, Bruder Leon, denn es liegt ein anstrengender Tag vor uns.«

8.

Etwa zu derselben Zeit, in der Lea und Pablo das Kloster verließen, starrte Alvaro de Arandela fassungslos auf einen schmalen Streifen Papier, den er gerade einer Brieftaube abgenommen hatte. Die Nachricht stammte von seinem Bruder Diego und besagte nicht weniger, als dass der Teufelsknecht Orlando Terasa endlich in die Hände der Verteidiger des wahren Glaubens gefallen war. Für Don Alvaro bedeutete die Nachricht, dass er seinen Posten in diesem von Gott verlassenen Winkel Spaniens bald würde räumen dürfen. Er musste an sich halten, um seine Erleichterung nicht hinauszuschreien, denn er sah sich schon an der Seite seines Herrn in die letzte Schlacht um Granada reiten und großen Ruhm erwerben. Arandelas Blick schweifte zum Kloster hinüber, das mit seinen grauen Mauern mehr einer Festung als einem Bauwerk zur Ehre Gottes glich. Dicht neben den Klostermauern lag das kleine Vorwerk, in dem die Weiber Baramostas und seiner Ketzerbrut Zuflucht gefunden hatten. Jetzt, wo der Fuchs gefangen war, brauchte man den Köder nicht mehr, sagte er sich und beschloss, die Frauen noch am gleichen Tag gefangen nehmen zu lassen und die Männer mit ihnen zu erpressen, damit sie freiwillig herauskamen.

Vorher aber wollte er seinen Männern die gute Nachricht mitteilen, und so schickte er seinen Stellvertreter Vasco los, um alle zusammenzurufen. Es waren insgesamt vierzig Krieger, die er persönlich aus der Garde des Herzogs ausgewählt hatte. Sie würden ihm in die Hölle folgen und notfalls auch in ein Kloster, um es von den Feinden

Spaniens zu befreien. Als die Soldaten erwartungsvoll auf dem Platz vor der Fonda Aufstellung genommen hatten, konnte Alvaro sich ein triumphierendes Lachen nicht verkneifen. »Der Zweck unserer Wache ist erfüllt. Orlando Terasa wurde gefangen genommen.«

Zuerst herrschte ungläubiges Schweigen, dann fluchte einer der Männer. »Verdammt noch mal, ich wollte, wir hätten ihn erwischt und nicht irgendwelche anderen Kerle.«

Arandela war mit dieser Reaktion zufrieden. Selbst nach den ermüdenden Monaten, die sie hier auf der Lauer gelegen hatten, gierten seine Männer noch nach Taten. Vielleicht sollte er ihnen zum Dank die Weiber der Con-versos überlassen. Dem Teufel war es schließlich egal, wenn sie benutzt bei ihm ankamen.

»Auch wenn andere den Schuft gefangen haben, ist es doch ein Grund zu feiern«, brüllte einer der Soldaten von hinten.

»Womit denn? Mit Wasser?«, fragte einer seiner Kameraden bissig. »Der Keller der Fonda ist so trocken wie meine Kehle, und in den anderen Häusern ist auch nichts mehr zu holen. Die Einzigen, die noch zum Saufen haben, sind die Weißkittel im Kloster, und die wollen uns ja nichts abgeben.«

»Man sollte den Mönchen die Bude ausräumen«, forderte ein Dritter seine Kameraden auf.

Für einen Augenblick sah es so aus, als würden die Männer auf der Stelle zum Kloster marschieren, um dort ihre Wut an den ungastlichen Bernhardinermönchen auszulassen, und Arandela machte sich schon bereit, einzugreifen. Doch da lenkte sein Stellvertreter Vasco den Zorn der Männer auf ein anderes Opfer. Er wies auf die Fonda. »Schauen wir lieber nach, ob der Wirt nicht doch noch ein Fässchen Wein vor uns versteckt hält, um es selbst zu saufen. Der Kerl hat mir ein zu großes Schurkengesicht.«

Dieser Vorschlag wurde mit Jubel aufgenommen. Drei, vier Soldaten eilten in die Fonda und stiegen in den Weinkeller hinab. Man hörte von draußen durch das winzige Schachtfenster, wie sie darin herumrumorten. Kurz darauf kehrten sie mit einem Fässchen zurück.

»Der Kerl hat uns tatsächlich belogen. Dafür bezahlen wir diesen Wein auch nicht«, riefen sie den Wartenden zu. Der Wirt folgte ihnen händeringend. »Nicht doch, Seno-res. Dieser Wein ist nur noch als Essig zu verwenden.«

Vasco funkelte ihn spöttisch an. »Das werden wir ja sehen, du Schuft. Wenn der Wein zu trinken ist, erhältst du eine Tracht Prügel, die dich lehren wird, in Zukunft ehrlich zu sein.« Er schlug das Spundloch mit dem Knauf seines Schwertes ein, goss den hellroten Wein in einen Becher und nahm einen Schluck. Sofort lief sein Gesicht hochrot an, und er spie die Flüssigkeit mit einer Geste des Abscheus aus.

»Terrible! Das Zeug ist wirklich nicht zu trinken.«

»Verdammt, wir wollen Wein!«, brüllte ein Soldat den Wirt an.

»Also schaff welchen her, und wenn du ihn den Mönchen aus der Nase ziehst. Wir wollen feiern.«

Der Wirt eilte hastig davon und klopfte an mehrere Häuser, von denen er hoffte, dass ihre Besitzer ihm doch noch einmal helfen würden. Zu seinem Schrecken schüttelten jedoch alle bedauernd die Köpfe, Sie hatten den meisten Wein schon an die Soldaten abgegeben und wollten das wenige, das ihnen geblieben war, für sich behalten. Als der Wirt sich gerade schweren Herzens zum Kloster aufmachen wollte, gellte ein scharfer Pfiff durch das Dorf. Ein Soldat deutete auf eine Frau, die einen schreiend bunten Rock trug und mit einem Esel am Zügel den Hügel herunterkam. Die beiden Fässchen auf dem Packsattel des Tieres ließen die Soldaten aufjubeln.

»Da kommt genau das, was wir brauchen.« Vasco eilte Lea entgegen und hielt ihr fordernd seinen Becher hin. »Schenk ein, Weib, ich habe Durst.«

Der Empfang überrollte Lea. Ihre Ängste hatten ihr schon vorgegaukelt, dass man ihr den mit Mohnsaft versetzten und daher nicht besonders gut schmeckenden Wein über den Kopf schütten und ihr schlimmstenfalls sogar aus Ärger über das schlechte Gesöff Gewalt antun würde. Doch die Soldaten umringten sie und rissen ihr vor Gier beinahe die Fässer vom Esel. Sie konnte gar nicht so schnell einschenken, wie man ihr die Becher entgegenstreckte. Selbst der in grünem Samt und schimmernden Stahl gekleidete Edelmann mit dem scharf geschnittenen Gesicht und den krausen, schwarzen Haaren, der nur Al-varo de Arandela sein konnte, trank in großen Schlucken. Er war auch der Einzige, der ihr eine Münze zuwarf. Die anderen tranken, ohne zu bezahlen. Lea warf dem Anführer einen auffordernden Blick zu, so als wollte sie hinterher bei ihm kassieren, dankte aber innerlich dem Gott ihrer Väter, weil er die Feinde in ihre Hand gegeben hatte.

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