Die Goldhändlerin
- Автор: Lorentz Iny
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Die Goldhändlerin». Краткое содержание книги:
Autorin
Iny Lorentz wurde in Köln geboren. Sie arbeitet heute als Programmiererin in einer Münchner Versicherung. Seit den frühen achtziger Jahren hat sie mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Kastratin, ihr erster Roman, war ein großer Erfolg, ebenso wie ihre anderen Bücher.
Sie verbeugte sich, ergriff aber nicht die Hand des Abtes, um sie zu küssen, wie ein echter Mönch es getan hätte.
Albanez warf Leas Begleiter einen fragenden Blick zu. »Willst du mir unseren Besucher nicht vorstellen, Pablo?«
»Er kommt von Don Orlando. Mehr weiß ich nicht.«
Lea verneigte sich noch einmal auf die Art eines Edelmanns.
»Mein Name ist Leon de Saint Jacques, und ich bin ein Freund von Orlando Terasa. Er hat mich geschickt, um Rodrigo Baramosta und den Seinen zur Flucht aus Spanien zu verhelfen.«
Albanez blickte zweifelnd an ihr hoch. »Ihr seid noch sehr jung.«
»Ich glaube nicht, dass Orlando älter war, als er seine ersten Leute rettete.«
Der Abt starrte sie einen Augenblick durchbohrend an, aber als er erkannte, dass sein Gast keine Anspielung hatte machen wollen, lächelte er wehmütig. »Bei Gott, das war er wirklich nicht. Verzeiht, ich wollte Euch nicht kränken. Doch unsere Situation wird von Tag zu Tag kritischer, und ich sehe keinen Ausweg mehr. Die Soldaten des Herzogs von Montoya bewachen das Kloster und werden niemanden entkommen lassen. Selbst wenn es unseren Gästen gelänge, San Juan de Bereja ungesehen zu verlassen, würden die Posten, die weiter unten am Fluss Wache halten, sie bald entdecken und dafür sorgen, dass die Verfolger sie nach kurzer Zeit einholen. Man müsste Baramosta und den Seinen einen Vorsprung von mindestens einem halben Tag verschaffen und für ein Schiff sorgen, das bei Cullera auf sie wartet.«
»Das Schiff steht bereit«, antwortete Lea. »Doch wegen der Soldaten zerbreche ich mir ebenfalls den Kopf.«
Der dickliche Mönch schlug mit der Faust in die offene Hand.
»Ihr Auftrag ist es, Don Orlando zu fangen! Sie haben oft genug in der Fonda von Bereja geprahlt, was sie mit ihm machen werden, wenn sie ihn in die Finger bekommen.«
»Sie sollen aber auch verhindern, dass Senor Baramos-ta entkommt«, setzte der Abt mit einem bitteren Lächeln hinzu.
»Wie geht es ihm? Ich wollte ihn schon lange kennen lernen.«
Erst, als sie die letzten Worte ausgesprochen hatte, begriff Lea, dass sie noch vorsichtiger sein musste, denn aus ihr hatte nicht der christliche Edelmann de Saint Jacques gesprochen, sondern der jüdische Kaufmann Samuel ben Jakob, der der persönlichen Bekanntschaft mit einem langjährigen Geschäftspartner interessiert entgegensah.
»Bitte, bringe unseren Gast unauffällig zu mir«, bat der Abt den Mönch. Während Pablo sich eifrig nickend entfernte, hob der Abt bedauernd die Hände. »Es tut mir Leid, Saint Jacques, dass ich Euch nicht wie einen hochgestellten Gast behandeln und meinen Mitbrüdern vorstellen kann. Meine Stellung im Kloster ist leider nicht mehr unangefochten wie früher, denn man hat mir Mitbrüder aufgenötigt, die mit dem Gedankengut der Inquisition konform gehen und für den Herzog von Montoya spionieren. Von ihnen wird Alvaro de Arandela, der Anführer unserer Bedränger in Bereja, über alles auf dem Laufenden gehalten, was hier drinnen vorgeht.«
Lea hob interessiert den Kopf. »Arandela? Ist der Mann mit Don Diego de Arandela verwandt?«
»Er ist sein jüngerer Bruder und genau wie jener einer von Montoyas Bluthunden.« Albanez schüttelte seufzend den Kopf, als verstände er die neue Zeit nicht mehr, und fragte Lea nach Orlando. In dem Moment erkannte Lea, wie wenig sie über ihren einstigen Quälgeist wusste, und schämte sich, weil sie den Abt mit ein paar belanglosen Floskeln abspeisen musste. Dabei sah sie Orlando so deutlich vor ihrem inneren Auge, als stünde er vor ihr. Er lächelte, als wollte er ihr Mut zusprechen, und mit einem Mal erschien ihr die Bedrohung durch Arandelas Soldaten weniger bedrohlich.
Kurz darauf klopfte es leise an der Tür. Bevor der Abt zum Eintreten auffordern konnte, wurde sie geöffnet, und Pablo schob einen groß gewachsenen Mann herein, dem eine Kutte wie ein Sack um die hagere Gestalt schlotterte. Baramostas Augen waren vor Angst weit aufgerissen, und seine Züge waren unnatürlich bleich, als erwarte er das Schlimmste. Als er einen Fremden vor sich sah, atmete er sichtlich auf. »Gott sei gedankt. Der Junge war klug genug, nicht selbst nach Spanien zu kommen. Er wäre Montoyas Falle gewiss nicht entgangen.«
Lea ärgerte das mangelnde Vertrauen in ihren Freund und bedachte Baramosta mit einem bösen Blick. »Don Orlando ist klüger als Montoyas Wachhunde und alle, die ihm sonst noch nachstellen.«
Baramosta schüttelte traurig den Kopf. »Irgendwann nützt auch die beste List nichts mehr.«
Albanez lächelte begütigend. »Verzeiht meinem Gast, Don Leon. Die Monate, die er hilflos in unserem Kloster verbringen musste, haben seinen Mut erschüttert.«
»Fasst Euch, Senor Baramosta. Spätestens übermorgen wirft das Schiff, das Euch und Eure Leute an Bord nehmen soll, vor Cullera Anker. Wir müssen nur noch einen Weg finden, Euch dorthin zu schaffen, ohne dass Don Alvaros Soldaten Euch abfangen können.«
»Das ist unmöglich«, erwiderte Baramosta düster. »Alvaro de Arandela gilt als treuer Diener seines Herrn und wird seine Befehle unter allen Umständen befolgen.«
»Welche Befehle sind das?«, fragte Lea scharf.
»Uns als Köder für meinen Neffen hier im Kloster festzuhalten. Bei Gott, wenn es nur um mich, meinen Sohn, meinen Schwiegersohn und unsere Knechte ginge, wäre alles ganz einfach. Wir wären bereit, uns auf ewig unter den Schutz des ehrwürdigen Abtes zu stellen und die Kutten der Mönche des heiligen Bernhards überzustreifen. Doch mein armes Weib, meine Töchter und die anderen Frauen wären dann der Gnade Gottes und der Barmherzigkeit der Mildtätigen anheim gegeben.«
»Wo sind die Frauen jetzt?«
»Wir haben sie in unserem Vorwerk untergebracht«, antwortete der Abt an Baramostas Stelle. »Es liegt zwar nicht hinter schützenden Mauern, doch die Soldaten haben sich bisher damit begnügt, die Damen über den Fluss hinweg mit Spott und üblen Reden zu belästigen.«
»Gibt es genug Boote, um alle zugleich den Fluss hinabzuschaffen?«
Albanez nickte bedrückt. »Die Boote reichen aus. Doch sobald ich den Befehl gebe, sie aus dem Bootshaus zu holen, läuft einer von Montoyas Spionen zu Arandela und berichtet es ihm. Die Soldaten würden den Fluss sofort absperren.«