Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Borowski rannte zwischen den beiden Wagen auf die schwarze Limousine zu — sie war höchstens fünfzig Meter von ihm entfernt. Er konnte die zwei Männer sehen; sie arbeiteten sich auf d'Anjou zu, der immer noch vor der Marmortreppe auf und ab ging. Ein einziger, gezielter Schuß eines der beiden Männer, und d'Anjou würde tot sein. Und Treadstone Seventy-One würde mit ihm zum Teufel gehen. Jason rannte schneller, und die Hand unter seiner Jacke umfaßte die schwere Automatic.
Carlos' Soldaten waren nur noch wenige Meter entfernt und beeilten sich jetzt ebenfalls, die Liquidierung rasch zu erledigen. Der Verurteilte sollte niedergeschossen werden, ehe er begriff, was vor sich ging.
«Medusa!« schrie Borowski, ohne zu wissen, weshalb er diesen Namen und nicht den d'Anjous rief. »»Medusa — Medusal«
D'Anjous Kopf fuhr in die Höhe, Schrecken überzog sein Gesicht. Der Fahrer der schwarzen Limousine war herumgefahren, die Waffe auf Jason gerichtet, während sein Begleiter sich auf d'Anjou zu bewegte, die Pistole auf den ehemaligen Medusa-Mann gerichtet. Borowski warf sich nach rechts, und streckte die Automatic aus, von der linken Hand gestützt. Er feuerte im Sprung, zielte genau, und der Mann, der d'Anjou bedrohte, bäumte sich nach rückwärts auf, als seine Beine plötzlich erlahmten; dann brach er auf dem Kopfsteinpflaster zusammen. Über Jasons Kopf sausten zwei Kugeln und prallten gegen das Metall hinter ihm. Er rollte sich nach links, stützte die Waffe erneut, zielte auf den zweiten Mann. Zweimal drückte er ab; der Fahrer schrie auf, und dann breitete sich eine Lache aus Blut über seinem Gesicht aus, ehe er zusammenbrach.
Hysterie erfaßte die Menge. Männer und Frauen schrien, Eltern warfen sich über ihre Kinder. Andere rannten die Treppen hinauf, durch die großen Tore des Louvre, während die Wachen von drinnen nach draußen stürzten. Borowski stand auf, sah sich nach d'Anjou um. Der Ältere hatte sich hinter den weißen Granitblock geworfen. Die hagere Gestalt kroch jetzt unsicher und verstört hervor. Jason rannte durch die von Panik erfüllte Menge, schob die Automatic in den Gürtel, drängte zwischen Menschen, zwischen hysterisch schreienden Menschen, die zwischen ihm und dem Mann standen, der Antworten liefern konnte. Treadstone. Treadstonel
Er erreichte den grauhaarigen Medusa-Mann.»Aufstehen!«befahl er.»Wir wollen hier weg!«
«Delta!.. Das war Carlos' Mann! Ich kenne ihn, ich habe ihn benutzt! Er wollte mich töten!«
«Ich weiß. Kommen Sie jetzt! Schnell! Die anderen kommen gleich zurück; dann werden sie uns suchen. Kommen Sie schon!«
Etwas Schwarzes schob sich in Borowskis Gesichtskreis, genau über dem Augenwinkel sah er es. Er wirbelte herum und stieß instinktiv d'Anjou zu Boden, als vier Schüsse aus einer Waffe peitschten, die eine dunkle Gestalt hielt, die neben der Reihe von Taxis stand. Ringsum splitterten Granitbrocken ab. Das war er! Die breiten, kräftigen Schultern, die vor ihm auftauchten, die schmalen Hüften, von dem eng einliegenden schwarzen Anzug betont… Das dunkelhäutige Gesicht. Carlos!
Carlos! Du mußt Carlos in die Falle locken! Cain ist für Charlie und Delta ist für Cain!
Falsch!
Treadstone finden! Eine Nachricht finden; für einen Mann! Du mußt Jason Borowski finden!
Er glaubte wahnsinnig zu werden. Verschwommene Bilder aus der Vergangenheit vermischten sich mit der schrecklichen Realität und trieben ihn in ein Land, das er nicht mehr verstand. Es war, als hätte sein Hirn Türen, die sich öffneten und sich schlossen, die aufflogen, und wieder zukrachten. Licht, Dunkel — Licht. Ein Schmerz — diese scharfen, bohrenden Stiche in seinen Schläfen, Donner grollte, der ihn betäubte. Er lief hinter dem Mann in dem schwarzen Anzug mit dem weißen Seidentuch, das der sich vors Gesicht gebunden.hatte, her. Dann sah er die Augen und den Lauf der Pistole, drei dunkle Kreise, die auf ihn gerichtet waren — wie schwarze Löcher. Bergeron?… War es Bergeron? War er das? Oder Zürich… oder… Keine Zeit!
Er sprang nach links und rollte dann nach rechts aus der Feuerlinie. Kugeln peitschten gegen den Stein. Pfeifen der abprallenden Geschosse. Jason duckte sich hinter einem Wagen und sah zwischen den Rädern die schwarze Gestalt wegrennen. Der Schmerz blieb, aber der Donner hörte auf. Er kroch auf das Kopf Steinpflaster hinaus, erhob sich und rannte zu den Stufen des Louvre zurück.
Was hatte er getan? D'Anjou war verschwunden. Wie war es dazu gekommen? Seine Falle war gar keine Falle. Seine eigene Strategie war gegen ihn eingesetzt worden und hatte dem einzigen Mann, der ihm die Antworten liefern konnte, die Flucht gestattet. Er war Carlos' Soldaten gefolgt, aber Carlos war ihm gefolgt! Seit der Rue Saint-Honore. Alles war umsonst; eine Übelkeit erregende Leere breitete sich in ihm aus.
Und dann hörte er die Worte, sie kamen hinter einem parkenden Wagen hervor, und jetzt tauchte Philippe d'Anjou vorsichtig auf.
«Tam Quan ist nie sehr weit entfernt, scheint es. Wo wollen wir hingehen, Delta? Hier können wir nicht bleiben.«
Sie saßen in einer von einem Vorhang verdeckten Nische in einem überfüllten Cafe an der Rue Pilon, einer kleinen Nebenstraße in Montmartre. D'Anjou nippte an seinem doppelten Brandy, und seine Stimme war leise, nachdenklich.
«Ich werde nach Asien zurückkehren«, sagte er.»Nach Singapur oder Hongkong, oder vielleicht sogar den Seychellen. Frankreich war nie besonders gut für mich, und jetzt ist es tödlich.«
«Das müssen Sie vielleicht nicht«, sagte Borowski und schluckte den Whisky hinunter, spürte, wie die warme Flüssigkeit sich schnell ausbreitete und ein wohliges Gefühl erzeugte.»Das, was ich vorhin gesagt habe, war mir ernst. Sie sagen mir, was ich wissen möchte. Und ich verrate Ihnen — «Er hielt inne, Zweifel überkamen ihn; nein, er würde es wagen.»Ich verrate Ihnen, wer Carlos ist.«
«Das interessiert mich nicht im entferntesten«, erwiderte der ehemalige Medusa-Mann und musterte Jason scharf.»Ich werde Ihnen sagen, was ich kann. Warum sollte ich irgend etwas verschweigen? Ich gehe ganz bestimmt nicht zur Polizei. Aber ich möchte nicht in die Sache hineingezogen werden.«
«Sie sind nicht einmal neugierig?«
«Das habe ich mir abgewöhnt. Also stellen Sie Ihre Fragen und dann können Sie mich ja in Erstaunen versetzen.«
«Sie werden schockiert sein.«
Ohne Warnung sagte d'Anjou leise den Namen.»Bergeron?«
Jason machte keine Bewegung; er starrte den Älteren sprachlos an. D'Anjou fuhr fort:
«Ich habe immer wieder darüber nachgedacht. Jedesmal, wenn wir miteinander sprechen, sehe ich ihn an und frage mich. Aber dann komme ich immer wieder zu demselben negativen Schluß.«
«Warum?«unterbrach Borowski.
«Damit wir uns richtig verstehen, ich bin nicht sicher — ich habe nur einfach das Gefühl, daß es falsch ist. Vielleicht weil ich mehr von Rene Bergeron über Carlos erfahren habe als von sonst jemandem. Er ist von Carlos besessen; er hat jahrelang für ihn gearbeitet und ist ungeheuer stolz auf das Vertrauen,
das er genießt. Was den Verdacht entkräftet, ist, daß er zuviel über ihn redet.«
«Das Ego, das durch den vorgeschobenen Zweiten spricht?«
«Wäre möglich, paßt aber nicht zu den außergewöhnlichen Vorsichtsmaßnahmen, die Carlos trifft. Die Mauer aus Geheimnissen, die er um sich herum errichtet hat, ist undurchdringlich. Ich weiß es natürlich nicht mit Bestimmtheit, aber ich glaube nicht, daß es Bergeron ist.«
D'Anjou lächelte.»Stellen Sie Ihre Fragen, Delta!«
Jason wußte nicht weshalb, aber das abgehärmte Gesicht Andre Villiers' schob sich plötzlich in sein Bewußtsein. Er hatte sich vorgenommen, für den alten Soldaten was er konnte in Erfahrung zu bringen. Die Gelegenheit würde sich nicht wieder bieten.