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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Was ist geschehen?«

«Ich habe jetzt keine Zeit für Erklärungen. Ich möchte, daß du Les Classiques anrufst und Rene Bergeron verlangst. D Anjou wird vermutlich an der Zentrale sein, laß dir einen Namen einfallen und sag ihm, du hättest schon eine Stunde lang versucht, Bergeron über die Sonderleitung der Lavier zu erreichen. Sag, daß es dringend ist, daß du mit ihm sprechen mußt.«

«Und wenn er kommt, was soll ich dann sagen?«

«Ich glaube nicht, daß er kommen wird, aber wenn ja, legst du einfach auf. Und wenn d'Anjou wieder am Apparat ist, dann frag ihn, wann man Bergeron erwartet. Ich rufe dich in etwa drei Minuten wieder an.«

«Darling, ist auch alles in Ordnung?«

«Ich hatte ein tiefschürfendes religiöses Erlebnis. Ich werde dir später davon erzählen.«

Jason wandte den Blick nicht vom Zifferblatt seiner Uhr, die winzigen Sprünge des dünnen, zarten Sekundenzeigers bereiteten ihm fast körperlichen Schmerz. Er begann seine eigene, persönliche Zählung bei dreißig Sekunden, kalkulierte den Herzschlag, der in seiner Kehle widerhallte, auf zirka zweieinhalb pro Sekunde. Bei zehn Sekunden fing er zu wählen an, schob die Münzen bei vier Sekunden ein und sprach um minus fünf mit der Vermittlung des >Terrasse<. Marie nahm den Hörer in dem Augenblick, da das Telefon zu klingeln begann.

«Was ist geschehen?«fragte er.»Ich dachte, du würdest vielleicht noch sprechen.«

«Es war ein sehr kurzes Gespräch. Ich glaube, d'Anjou war gewarnt. Er hat vielleicht eine Namensliste jener Leute, denen man die Privatnummern gegeben hat — aber das weiß ich nicht. Aber er wirkte irgendwie zurückhaltend, unsicher.«

«Was hat er gesagt?«

«Monsieur Bergeron ist auf einer Geschäftsreise am Meer. Er ist heute morgen abgereist und wird erst wieder in einigen Wochen zurückkehren.«

«Möglicherweise habe ich ihn gerade ein paar hundert Meilen von seinem Reiseziel entfernt gesehen.«

«Wo?«

«In der Kirche. Wenn es Bergeron war, hat er mit der Spitze eines sehr scharfen Instruments die Absolution erteilt.«

«Wovon redest du?«

«Die Lavier ist tot.«

«O mein Gott! Was wirst du jetzt tun?«

«Mit einem Mann sprechen, den ich zu kennen glaube. Wenn er auch nur einen Funken Gehirn im Kopf hat, wird er mir zuhören. Sonst ist er dem Tod geweiht.«

Kapitel 30

«D'Anjou.«

«Delta? Ich habe mich schon gefragt, wann… ich glaube, ich würde Ihre Stimme überall erkennen.«

Er hatte es gesagt! Der Name war ausgesprochen. Der Name, der ihm nichts und doch irgendwie alles bedeutete. D'Anjou wußte es. Philippe d'Anjou war Teil der Vergangenheit, an die er sich nicht erinnerte. Delta. Cain ist für Charlie. Und Delta ist für Cain. Delta. Delta. Delta! Er hatte diesen Mann gekannt, und dieser Mann besaß die Antwort! Alpha, Bravo, Cain, Delta, Echo, Foxtrott… Medusa.

«Medusa«, sagte er leise und wiederholte den Namen, der ein stummer Schrei in seinen Ohren war.

«Paris ist nicht Tam Quan, Delta. Es gibt keine unbeglichenen Schulden mehr zwischen uns. Warten Sie nicht auf Zahlung. Wir arbeiten jetzt für verschiedene Auftraggeber.«

«Jacqueline Lavier ist tot. Carlos hat sie vor weniger als dreißig Minuten in Neuilly-sur-Seine getötet.«

«Versuchen Sie es gar nicht erst. Jacqueline ist seit zwei Stunden unterwegs. Sie hat mich vom Flughafen Orly aus angerufen. Sie trifft sich mit Bergeron — «

«Zum Stoffe-Einkaufen in Südfrankreich?«unterbrach Jason.

D'Anjou hielt inne.»Die Frau, die angerufen und sich nach Rene erkundigt hat. Ich habe es mir doch gedacht. Das ändert nichts. Ich habe mit ihr gesprochen; sie rief von Orly aus an.«

«Sie hatte Auftrag, Ihnen das zu sagen. Klang ihre Stimme so, als hätte sie sich unter Kontrolle?«

«Sie war erregt, und niemand weiß besser als Sie, warum. Sie haben hier Beachtliches geleistet, Delta. Oder Cain. Oder wie Sie sich sonst hier nennen mögen. Natürlich war sie außer sich, deshalb geht sie ja auf eine Weile weg.«

«Deshalb ist sie tot. Sie sind der nächste.«

«Die letzten vierundzwanzig Stunden waren Ihrer würdig. Das jetzt nicht.«

«Man hat sie verfolgt; man verfolgt auch Sie. Beobachtet Sie jeden Augenblick.«

«Wenn das geschieht, dann zu meinem eigenen Schutz.«

«Warum ist die Lavier dann tot?«

«Ich glaube nicht, daß sie tot ist.«

«Würde sie Selbstmord begehen?«

«Niemals.«

«Dann rufen Sie doch in der Kirche des Geheiligten Sakraments in Neuilly-sur-Seine an. Erkundigen Sie sich nach der Frau, die sich im Beichtstuhl getötet hat. Was haben Sie denn zu verlieren? Ich rufe Sie wieder an.«

Borowski legte auf und verließ die Telefonzelle. Er trat auf die Straße und sah sich nach einem Taxi um. Wenn er Philippe d'Anjou das nächste Mal anrief, würde er das wenigstens zehn Häuserblocks entfernt tun. Der Mann von Medusa würde sich nicht leicht überzeugen lassen, und bis dahin würde Jason kein Risiko eingehen.

Delta? Ich glaube, daß ich Ihre Stimme überall erkennen wurde — Paris ist nicht Tam Quan. Tam Quan… Tam Quan, Tam Quan! Cain ist für Charlie und Delta für Cain. Medusa!

Hör auf damit! Du darfst nicht an Dinge denken, die… an die du nicht denken kannst. Konzentriere dich auf das, was ist, jetzt. Du. Nicht auf das, was andere sagen, das du bist — nicht einmal auf das, was du glaubst, das du bist. Nur das Jetzt. Und das ist ein Mann, der dir Antworten geben kann.

Wir arbeiten für unterschiedliche Auftraggeber…

Das war der Schlüssel.

Sag es mir! Um Himmels willen, sag es mir doch! Wer ist er? Wer ist mein Auftraggeber, d'Anjou?

Ein Taxi bremste gefährlich nahe seiner Kniescheibe. Jason öffnete die Tür und stieg ein.»Place Vendöme«, sagte er, weil er wußte, daß das nahe bei der Rue Saint-Honore war. Es war von großer Wichtigkeit, daß er so nahe wie möglich am Ort des Geschehens war, um dort die Strategie in Gang zu setzen, die ihm immer klarer wurde. Der Vorteil lag auf seiner Seite; es kam jetzt darauf an, ihn zu einem doppelten Ziel einzusetzen. D'Anjou mußte überzeugt werden, daß jene, die ihn verfolgten, seine Henker waren. Aber was jene Männer nicht wissen konnten, war, daß ein anderer sie verfolgte.

Der Place Vendöme war wie immer überfüllt, der Verkehr wie immer mörderisch. Borowski sah die Telefonzelle an der Ecke und stieg aus dem Taxi. Er betrat die Zelle und wählte die Nummer von Les Classiques; seit seinem Anruf aus Neuilly-sur-Seine waren vierzehn Minuten verstrichen.

«D'Anjou?«

«Eine Frau hat sich während der Beichte das Leben genommen, das ist alles, was ich weiß.«

«Kommen Sie schon, damit würden Sie sich niemals begnügen. Medusa würde sich damit nicht begnügen.«

«Lassen Sie mir einen Augenblick, bis ich hier auf einen anderen Apparat umschalte.«

Ein kurzes Knacken — dann nichts mehr.

Die Leitung war knapp vier Minuten tot. Dann kehrte d'Anjou zurück.»Eine Frau in mittleren Jahren mit silbernem und weißem Haar, teurer Kleidung und einer Yves St. LaurentHandtasche. Das beschreibt zehntausend Frauen in Paris. Woher weiß ich denn, daß Sie sich nicht eine gesucht und sie getötet haben, um damit diesem Anruf eine Grundlage zu verschaffen?«

«O sicher. Wie eine Pieta habe ich sie in die Kirche getragen, und das Blut ist aus ihren offenen Stigmata auf den Gang zwischen den Stühlen getropft. Seien Sie doch vernünftig, d'Anjou. Wollen wir mit den konkreten Beweismitteln beginnen. Die Handtasche war nicht die ihre; sie trug eine weiße Ledertasche. Schließlich würde sie ja nicht Reklame für eine Konkurrenzfirma machen.«

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