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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Pater Roche ließ ihn vorsichtig zurücksinken. »Glaubt Ihr, es ist das Fleckfieber?« fragte er, und sie fand es seltsam, daß es beinahe hoffnungsvoll klang.

»Ich weiß nicht«, sagte sie.

Rosemund reichte ihr den Lappen. Sie hatte Kivrin wörtlich genommen. Er troff von eiskaltem Wasser.

Kivrin beugte sich über ihn und legte den Lappen auf die Stirn des Kranken. Der riß plötzlich die Arme hoch, stieß den Lappen rückwärts aus Kivrins Hand, dann richtete er sich auf und schlug mit beiden Händen und stieß mit den Füßen nach ihr. Seine Faust traf ihre Hüfte und brachte sie aus dem Gleichgewicht, daß sie beinahe über ihn gefallen wäre.

»Verzeiht, verzeiht«, sagte Kivrin, bemüht, das Gleichgewicht wiederzufinden und seine Hände festzuhalten. »Verzeiht mir.«

Seine blutunterlaufenen Augen waren jetzt weit offen und starrten geradeaus. »Gloriam tuam«, lallte er mit einer seltsam hohen Stimme, die beinahe ein Schrei war.

»Ihr müßt Euch niederlegen«, sagte Kivrin. Sie ergriff sein Handgelenk und wollte ihn sanft zurückdrehen, aber sein anderer Arm schoß heraus und traf sie voll vor die Brust.

»Requiem aeternam dona eis«, schrie er, erhob sich auf die Knie und dann auf die Füße, daß er mitten im Bett stand. »Etlux perpetua lucent eis.«

Kivrin begriff plötzlich, daß er die Totenmesse zu singen versuchte.

Pater Roche faßte nach seinem Nachthemd, und der Sekretär stieß mit dem Fuß nach ihm und stieß weiter, bis er wie ein tanzender Derwisch im Bett herumsprang.

»Miserere nobis.«

Er war der Wand zu nahe, als daß sie ihn hätten erreichen können, schlug mit den Füßen und den fuchtelnden Armen gegen die Wand und die Holzverkleidung, ohne es anscheinend zu bemerken. »Wenn er in Reichweite kommt, müssen wir ihn bei den Knöcheln fassen und niederwerfen«, sagte Kivrin.

Pater Roche nickte, außer Atem. Die anderen standen starr, ohne einen Versuch, den Tobenden zur Ruhe zu bringen. Imeyne war zur Truhe zurückgewichen, den Mörser und ihren Umschlag noch in den Händen. Maisry zwängte sich in die Fensternische, hatte die Augen fest zusammengekniffen und die Hände über die Ohren gelegt. Rosemund hatte den nassen Lappen aufgehoben und hielt ihn in der ausgestreckten Hand, als dächte sie, Kivrin könnte versuchen, ihn wieder auf die Stirn des Kranken zu legen. Agnes starrte mit offenem Mund auf den halb entblößten Körper des Sekretärs.

Der Kranke warf sich herum, daß er ihnen zugewandt war. Seine Hände krallten unkoordiniert nach den Bändern seines Nachthemdes, wie um sie loszureißen.

»Jetzt«, sagte Kivrin.

Pater Roche und sie griffen nach seinen Knöcheln. Der Sekretär fiel auf ein Knie, dann stieß er sich mit ausgebreiteten Armen ab und warf sich vom hohen Bett direkt auf Rosemund. Sie hielt instinktiv die Hände mit dem Lappen hoch, und er prallte auf sie und riß sie mit sich zu Boden.

»Packt ihn bei den Armen, bevor er sie verletzt«, sagte Kivrin, aber der Sekretär hatte plötzlich aufgehört, um sich zu schlagen. Er lag bewegungslos auf Rosemund, die Arme schlaff ausgebreitet, den Mund fast auf ihrem.

Pater Roche faßte einen der erschlafften Arme und wälzte den Mann von Rosemund. Er fiel auf die Seite und atmete schnell und kurz, aber nicht mehr keuchend.

»Ist er tot?« fragte Agnes. Als hätte der Klang ihrer Stimme die anderen aus der Erstarrung gelöst, drängten sie alle vorwärts. Frau Imeyne hielt sich am Bettpfosten fest.

»Blackie ist gestorben«, sagte Agnes, an die Röcke ihrer Mutter geklammert.

»Er ist nicht tot«, sagte Imeyne. Sie kniete neben ihm nieder. »Aber das Fieber in seinem Blut ist zum Gehirn gegangen. So geschieht es oft.«

Kivrin war ratlos. Es war kein Krankheitssymptom, von dem sie je gehört hatte. Was konnte es sein? Veitstanz, Epilepsie? Spinale Hirnhautentzündung?

Sie kauerte neben Rosemund nieder. Das Mädchen lag steif am Boden, die Augen zugedrückt, die Hände zu weißen Fäusten geballt. »Hat er dich verletzt?«

Rosemund schlug die Augen auf. »Er stieß mich zu Boden«, sagte sie. Ihre Stimme bebte.

»Kannst du stehen?«

Rosemund nickte, und Eliwys, der Agnes noch am Rock hing, faßte mit an, und sie halfen Rosemund auf die Beine.

»Mein Fuß schmerzt«, sagte sie, auf ihre Mutter gestützt, aber bald konnte sie darauf stehen. »Er… auf einmal…«

Eliwys führte sie zum Ende des Bettes und setzte sie auf die geschnitzte Truhe. Agnes kletterte zu ihr hinauf. »Der Sekretär des Bischofs ist auf dich gesprungen«, sagte sie.

Der Kranke murmelte etwas, und Rosemund schaute angstvoll zu ihm. »Wird er wieder aufstehen?«

Eliwys schüttelte den Kopf, aber sie stützte Rosemund und führte sie zur Tür. »Geh mit deiner Schwester hinunter zum Herdfeuer und bleib bei ihr«, befahl sie Agnes.

Agnes nahm Rosemund bei der Hand und führte sie hinaus. »Wenn der Mann stirbt, werden wir ihn auf dem Friedhof begraben«, konnte Kivrin sie sagen hören, als sie die Treppe hinunterstieg. »Wie Blackie.«

Der Sekretär sah bereits wie ein Toter aus. Seine Augen waren halb offen, zeigten aber nur das blutunterlaufene Weiße. Pater Roche kniete neben ihm nieder und hob ihn scheinbar mit Leichtigkeit über die Schulter, daß der Kopf und die Arme des Kranken schlaff herabhingen, geradeso wie Kivrin Agnes von der Christmette nach Haus getragen hatte. Kivrin zog die Decke zurück, und Roche ließ den Mann wieder ins Bett sinken.

»Wir müssen ihm das Fieber aus dem Gehirn ziehen«, sagte Frau Imeyne. »Es sind die Gewürze, die sein Gehirn fiebrig gemacht haben.« Sie kehrte zu ihrem Umschlag zurück.

»Nein«, flüsterte Kivrin. Der Kranke lag auf dem Rücken, die Arme neben sich ausgestreckt, die Handflächen nach oben gekehrt. Das dünne seidene Nachthemd war vorn halb aufgerissen und gab die linke Schulter frei, so daß der ausgestreckte Arm bis zum Ellbogen bloß lag. Unter dem Arm war eine rote Anschwellung. »Nein«, hauchte sie.

Die Anschwellung war hellrot und beinahe so groß wie ein Hühnerei. Hohes Fieber, geschwollene Zunge, Intoxikation des Nervensystems, Beulen unter den Armen und an den Leisten.

Kivrin trat unwillkürlich vom Bett zurück. »Das kann es nicht sein«, sagte sie. »Es ist etwas anderes.« Es mußte etwas anderes sein, vielleicht ein Blutgeschwür. Sie streckte den Arm aus, um den Ärmel von der anderen Schulter zu ziehen.

Die Hände des Kranken zuckten. Roche ergriff seine Handgelenke und drückte sie nieder. Auch unter dem anderen Arm war eine ähnliche Anschwellung. Sie fühlte sich hart an, und in ihrem Umkreis zeigte die Haut ein geflecktes Purpurschwarz.

»Es kann nicht sein«, murmelte sie. »Das ist unmöglich.«

»Dies wird das Fieber herausziehen«, sagte Imeyne. Sie hielt den Umschlag mit beiden Händen vor sich. »Zieht ihm das Nachthemd weiter herunter, daß ich ihm den Umschlag auflegen kann.«

Kivrin hob abwehrend die Hände. »Nein! Bleibt weg! Ihr dürft ihn nicht berühren!«

»Ihr sprecht wirr«, sagte Imeyne. Sie blickte zu Pater Roche. »Es ist nichts als ein Fieber, das vom Leib ausgegangen ist.«

»Es ist kein Fieber!« sagte Kivrin. Sie wandte sich zu Pater Roche. »Laßt seine Hände los und geht weg von ihm. Es ist kein Fieber. Es ist die Pest.«

Pater Roche und Imeyne und Eliwys schauten sie ebenso verständnislos an wie Maisry.

Sie wußten nicht einmal, was es ist, weil es noch nicht existierte. In dieser Zeit gab es den Schwarzen Tod noch nicht. Erst 1333 nahm er von China seinen Ausgang. Und er erreichte England nicht vor 1348. »Aber es ist die Pest«, sagte Kivrin, mehr zu sich selbst als zu den anderen. »Er hat alle Symptome. Die Beulen und die geschwollene Zunge und die Blutergüsse unter der Haut.«

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