Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]
- Автор: Уиллис Конни
- Год: 1993
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-06589-1
- Переводчик: Walter Brumm
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
»Krank?«
»Ja. Großmutter schickte Maisry hinauf, um ihm zu essen zu bringen.« Und ihn an seine Pflichten zu erinnern, dachte Kivrin. Sie folgte ihr die Treppe hinauf. »Und Maisry fand ihn krank?«
»Ja. Er hat ein Fieber.«
Er hat einen Kater, dachte Kivrin. Aber Pater Roche würde die Auswirkungen eines Rausches sicherlich von einem Fieber unterscheiden können, selbst wenn Frau Imeyne es nicht konnte oder wollte.
Ein schrecklicher Gedanke kam ihr in den Sinn. Er hatte in ihrem Bett geschlafen und sich mit ihrem Virus angesteckt.
Rosemund öffnete die Tür.
Die kleine Kammer bot kaum genug Platz für alle. Pater Roche stand neben dem Bett, und etwas hinter ihm stand Eliwys und hatte die Hand auf Agnes’ Kopf gelegt. Maisry stand beim Fenster, und Frau Imeyne war am Fuß des Bettes über ihren Arzneikasten gebeugt, den sie auf die Truhe gestellt hatte. Sie war mit der Zubereitung eines ihrer übelriechenden Umschläge beschäftigt, aber es hing noch ein anderer Geruch in dem engen Raum, widerwärtig und so stark, daß er den Senf- und Lauchgeruch des Umschlags zurückdrängte.
Alle bis auf Agnes hatten besorgte und ängstliche Gesichter. Agnes sah interessiert aus, wie sie zuvor den steifen Blackie interessiert betrachtet hatte, und Kivrin dachte: Er ist tot, er hat sich mit meinem Virus infiziert und ist daran gestorben. Aber das war lächerlich. Sie war seit Mitte Dezember hier. Das würde eine Inkubationszeit von annähernd zwei Wochen bedeuten, und niemand sonst war daran erkrankt, weder Pater Roche noch Eliwys, die während ihrer Krankheit ständig bei ihr gewesen waren.
Sie reckte den Hals und sah den Sekretär. Er lag aufgedeckt im Bett, nur in ein Nachthemd von gelber Seide gekleidet. Seine Tageskleidung war über das Fußbrett des Bettes drapiert, der purpurne Umhang schleifte am Boden. Die Bänder seines Nachthemdes waren offen und gaben seine Brust zur Hälfte frei, aber sie bemerkte weder seine haarlose Haut noch die Hermelinstreifen an den Ärmeln seines Nachthemdes. Er war wirklich krank. Ich war niemals so krank, dachte Kivrin, nicht einmal, als ich im Sterben lag.
Sie trat näher zum Bett, und ihr Fuß stieß gegen eine halbleere irdene Weinflasche, die mit Gepolter umfiel und unter das Bett rollte. Der Sekretär zuckte zusammen. Eine weitere Flasche, noch versiegelt, stand am Kopfende des Bettes.
»Er hat zuviel fettes Essen verzehrt«, sagte Frau Imeyne. Sie zerkleinerte und verrührte etwas in ihrem steinernen Mörser, aber was dem Mann fehlte, war sicherlich weder ein verdorbener Magen noch Fleischvergiftung. Auch nicht zuviel Alkohol, trotz der Weinflaschen. Er war nicht verkatert, sondern krank. Sehr krank.
Er atmete schnell durch den offenen Mund, japste wie der arme Blackie, und streckte dabei die Zunge heraus. Sie sah hellrot und geschwollen aus. Sein Gesicht war von einem noch dunkleren Rot, sein Ausdruck verzerrt, als hätte er Schmerzen oder schreckliche Angst.
War es möglich, daß man ihn vergiftet hatte? Der bischöfliche Gesandte war ziemlich überstürzt abgereist und hatte Eliwys zuvor gesagt, sie solle ihn nicht stören. Die mittelalterliche Kirche war über derlei Praktiken nicht erhaben gewesen. Mysteriöse Todesfälle in Klöstern und unter der römischen Kurie. Todesfälle, die gelegen kamen.
Aber das ergab keinen rechten Sinn. Der Gesandte des Bischofs und sein Begleiter wären nicht so eilig abgereist und hätten nicht Anweisung gegeben, das Opfer ungestört zu lassen, wenn der ganze Sinn einer Vergiftung darin lag, ihr den Anschein von Bauchfellentzündung oder einer der vielen anderen unerklärlichen Krankheiten zu geben, an denen die Menschen des Mittelalters gestorben waren. Und warum sollte der bischöfliche Gesandte einen seiner eigenen Untergebenen vergiften, wenn er ihn degradieren und in ein Kloster stecken konnte, wie Frau Imeyne Pater Roche zu degradieren wünschte?
»Ist es die Cholera?« sagte Eliwys.
Kivrin versuchte sich auf die Symptome zu besinnen. Durchfall und Erbrechen mit starkem Verlust von Körperflüssigkeit. Eingefallene Züge, bläuliche Verfärbung der Haut infolge Sauerstoffmangels im Blut, quälender Durst.
»Seid Ihr durstig?« fragte sie.
Der Sekretär gab nicht zu erkennen, daß er gehört hatte. Seine Augen waren halb geschlossen, und auch die Lider schienen geschwollen.
Kivrin legte ihm die Hand auf die Stirn. Er zuckte ein wenig, seine geröteten Augen öffneten und schlossen sich wieder.
»Er hat hohes Fieber«, sagte Kivrin. Soviel sie wußte, war Cholera nicht mit so hohem Fieber verbunden. »Gebt mir ein in Wasser getauchtes Tuch.«
»Maisry!« sagte Eliwys, aber Rosemund war schon mit dem schmutzigen Lappen neben ihr, den sie auch bei ihr verwendet haben mußten.
Wenigstens war er kühl. Kivrin legte ihn zu einem Rechteck zusammen und beobachtete die Züge des Kranken. Er atmete weiter keuchend, und sein Gesicht verzog sich, als sie ihm den Lappen auf die Stirn legte, als litte er Schmerzen. Er hatte eine Hand auf dem Bauch, und sie sah, daß die Fingerspitzen fest in die Haut eingedrückt waren. Blinddarmentzündung? Sie war zwar von Fieber begleitet, aber nicht so hohem. Typhus und Fleckfieber konnten Temperaturen bis vierzig Grad erzeugen, aber gewöhnlich nicht schon beim Ausbruch. Andererseits führte Fleckfieber zur Vergrößerung der Milz, was häufig mit Leibschmerzen verbunden war.
»Habt Ihr Schmerzen?« fragte sie. »Wo schmerzt es?«
Seine Augen öffneten sich wieder zur Hälfte, seine Hände bewegten sich unruhig auf dem Nachthemd. Dieses unruhige Zupfen und Streichen war ein Symptom von Fleckfieber, wenn sie sich recht erinnerte, aber nur in den letzten Stadien, acht oder neun Tage nach Ausbruch der Krankheit. War es möglich, daß der Mann bei seiner Ankunft bereits krank gewesen war?
Er war beim Absitzen gestolpert, und der Mönch hatte ihn stützen und ins Haus führen müssen. Kivrin hatte es als Trunkenheit gedeutet. Außerdem hatte er beim Festschmaus eine Menge gegessen und getrunken und Maisry ins Hemd gegriffen. Er konnte also nicht sehr krank gewesen sein. Typhus setzte allmählich ein, beginnend mit Kopfschmerzen und nur leicht erhöhter Temperatur. Neununddreißig Grad erreichte es erst in der dritten Woche.
Kivrin beugte sich näher und zog sein offenes Nachthemd beiseite, um nach dem rosafarbenen Hautausschlag zu suchen, der eine Begleiterscheinung bei Typhus war. Der Mann war frei davon. Die Seite seines Halses schien leicht geschwollen, aber Lymphdrüsenschwellungen gingen mit fast allen Infektionen einher. Sie zog seinen Ärmel hoch. Auch die Arme waren frei von rosa Flecken, aber seine Fingernägel zeigten eine bläulichbraune Verfärbung, die auf Sauerstoffmangel hindeutete. Und Sauerstoffmangel im Blut war ein Cholerasymptom.
»Hat er erbrochen oder Durchfall gehabt?«
»Nein«, sagte Frau Imeyne. Sie schmierte eine grünliche Paste aus ihrem Mörser auf ein Stück steifes Leinen. »Er hat zuviel Zuckerwerk und Gewürz gegessen, das hat sein Blut fiebrig gemacht.«
Ohne Erbrechen konnte es nicht Cholera sein, und in jedem Fall war das Fieber zu hoch. Vielleicht war es doch ihr Virus, aber sie hatte keine Leibschmerzen gehabt, und ihre Zunge war nicht in dieser Weise angeschwollen.
Der Sekretär hob die Hand und stieß den Lappen von seiner Stirn, dann ließ er den Arm zurückfallen. Kivrin nahm den Lappen vom Kissen. Er war völlig trocken. Und was, außer einem Virus, konnte so hohes Fieber verursachen? Das einzige, was ihr dazu einfiel, war Typhus.
»Hat er aus der Nase geblutet?« fragte sie Pater Roche.
»Nein«, sagte Rosemund. Sie nahm Kivrin den Lappen aus der Hand. »Ich habe kein Blut gesehen.«
»Tauche den Lappen in kaltes Wasser, aber wringe ihn nicht aus«, sagte Kivrin. »Pater Roche, helft mir, ihn zu heben.«
Roche schob seine Hände unter die Schultern des Kranken und richtete ihn auf. Unter seinem Kopf war kein Blut auf Kissen oder Laken.