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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Es kostete Kivrin eine halbe Stunde, sie wieder zu beruhigen. Sie wiegte die Kleine in den Armen, wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht und machte besänftigende Geräusche.

Vom Hof drangen Stimmengewirr und Geräusche herein. Es hörte sich an, als ob die Julfeier in den Gutshof verlegt worden wäre. Oder als ob die Männer zur Jagd ausritten. Hufschläge und das Wiehern von Pferden machten letzteres wahrscheinlich.

»Komm, laß uns sehen, was auf dem Hof geschieht«, sagte sie. »Vielleicht ist dein Vater gekommen.«

Agnes setzte sich aufrecht und wischte sich die Nase. »Ich will ihm von Blackie erzählen«, sagte sie und rutschte von Kivrins Schoß.

Sie gingen hinaus. Der Hof war voll von Menschen und Pferden. »Was tun sie?« fragte Agnes.

»Ich weiß nicht«, sagte Kivrin, aber was sie taten, war nur zu klar. Cob führte den Schimmelhengst des Gesandten aus dem Stall, und die Bediensteten trugen die Säcke und Kästen heraus, die sie erst am Morgen ins Haus geschafft hatten. Eliwys stand in der Tür und blickte mit besorgter Miene in den Hof.

»Reisen sie ab?« fragte Agnes.

»Nein«, sagte Kivrin. Nein, sie dürfen nicht abreisen. Ich weiß nicht, wo der Absetzort ist.

Der Mönch kam aus dem Haus; er hatte den Umhang über seine weiße Kutte gelegt. Cob verschwand wieder im Stall und führte die Stute heraus, die Kivrin geritten hatte, als sie ausgezogen waren, Efeu und Stechpalmenzweige zu suchen. Er trug einen Sattel auf der Schulter.

»Sie reisen doch ab«, stellte Agnes fest.

»Ich weiß«, sagte Kivrin. »Ich sehe es.«

23

Sie nahm Agnes bei der Hand und zog sie mit sich in die Sicherheit der Scheune. Sie mußte sich verstecken, bis sie fort waren. »Wohin willst du?« fragte Agnes.

Zwei von Sir Bloets Dienern trugen eine Kiste zum Hof heraus. Kivrin wich ihnen aus und eilte weiter. »Zur Tenne.«

Agnes blieb stehen und stemmte sich gegen ihre Hand. »Ich will nicht schlafen!« winselte sie. »Ich bin nicht müde!«

»Fräulein Katherine!« rief jemand über den Hof.

Kivrin nahm Agnes auf die Arme und eilte weiter zur Scheune. »Ich bin nicht müde!« kreischte Agnes. »Ich will nicht schlafen!«

Rosemund kam gelaufen. »Katherine! Hast du nicht gehört? Mutter sucht dich. Der Gesandte des Bischofs reist ab.« Sie nahm Kivrin beim Arm und drehte sie herum, daß sie zum Haus blickte.

Eliwys stand noch an der Tür, schaute jetzt herüber, und der Gesandte des Bischofs stand in seinem roten Umhang neben ihr. Imeyne war nirgends zu sehen. Wahrscheinlich war sie im Haus damit beschäftigt, Kivrins Kleider einzupacken.

»Der Gesandte des Bischofs hat dringende Geschäfte in der Priorei von Bernecestre«, sagte Rosemund. Sie zog Kivrin mit sich zum Haus, »und Sir Bloet geht mit ihnen.« Sie lächelte Kivrin glücklich zu. »Sir Bloet sagt, er will sie nach Courcy begleiten, daß sie dort übernachten und morgen in Bernecestre eintreffen können.«

Bernecestre. Bicester. Wenigstens war es nicht Godstow. Aber Godstow lag nicht weit abseits. »In welchen Geschäften?«

»Ich weiß es nicht«, sagte Rosemund in einem Ton, als wäre es absolut unwichtig, und Kivrin vermutete, daß es das für sie war. Sir Bloet reiste ab, und das war alles, worauf es ihr ankam. Fröhlich lief Rosemund durch das Wirrwarr von Bediensteten, Pferden und Gepäck zu ihrer Mutter.

Der Gesandte des Bischofs sprach zu einem seiner Diener, und Eliwys beobachtete ihn stirnrunzelnd. Niemand würde sie sehen, wenn sie kehrtmachte und schnell in der offenen Stalltür verschwand. Aber Agnes hielt sie bei der Hand und zog in die Richtung ihrer Mutter.

»Agnes, ich muß zurück in die Scheune. Ich habe meinen Umhang vergessen«, fing sie an.

»Mutter!« rief Agnes und zerrte sie noch einen Schritt weiter, ließ dann ihre Hand los und rannte zu Eliwys und beinahe in eines der Pferde. Es wieherte und warf den Kopf auf, und ein Pferdeknecht sprang hinzu und nahm es beim Zaumzeug.

»Agnes!« rief Rosemund erschrocken, und es war zu spät. Eliwys und der Gesandte des Bischofs hatten sie bereits gesehen, und Eliwys kam herüber.

»Du darfst nicht zwischen die Pferde laufen«, sagte Eliwys, als sie Agnes aus dem Gefahrenbereich gezogen hatte. Sie drückte die Kleine an sich.

»Mein Hund ist tot«, sagte Agnes.

»Das ist kein Grund, blindlings durch die Gegend zu rennen«, erwiderte Eliwys, und Kivrin merkte, daß sie Agnes nicht zugehört hatte. Schon wandte sie sich wieder zum Gesandten des Bischofs um.

»Sagt Eurem Gemahl, daß wir dankbar für die Ausleihe Eurer Pferde sind, damit unsere für den Ritt nach Bernecestre ausruhen können«, sagte er. Auch er wirkte zerstreut. »Ich werde sie mit einem Knecht von Courcy zurückschicken.«

Agnes zupfte an den Röcken ihrer Mutter. »Möchtest du meinen Hund sehen?«

»Sei still«, sagte Eliwys.

»Mein Sekretär reitet heute nachmittag nicht mit uns«, sagte er. »Ich fürchte, er war gestern abend zu vergnügt und spürt nun die Schmerzen im Übermaß genossenen Weines. Ich bitte um Eure Duldung, daß er bleiben darf, bis er sich erholt hat und uns folgen kann.«

»Selbstverständlich darf er bleiben«, sagte Eliwys. »Können wir etwas tun, ihm zu helfen? Die Mutter meines Gemahls…«

»Nein. Laßt ihn in Ruhe schlafen. Einem schmerzenden Kopf kann nichts außer Schlaf helfen. Er wird bis zum Abend wiederhergestellt sein«, sagte er. Auch ihm war anzusehen, daß er in der Christnacht zu vergnügt gewesen war. Er schien nervös und unaufmerksam, verzog immer wieder das Gesicht wie unter schädelspaltenden Kopfschmerzen, und sein schmales, aristokratisches Gesicht war im hellen Morgenlicht grau und faltig. Er fröstelte und zog den Umhang fester um sich.

Er hatte Kivrin kaum eines Blickes gewürdigt, und in ihr keimte die Hoffnung, daß er in der Eile des Aufbruchs sein Frau Imeyne gegebenes Versprechen vergessen habe. Besorgt blickte sie über den Hof zur Einfahrt. Konnte es sein, daß sie noch bei der Kirche war und Pater Roche tadelte, so wenig dies dem armen Dorfpfarrer zu wünschen war? Jetzt hing alles davon ab, daß sie nicht plötzlich auftauchte und den Gesandten an seine Zusage erinnerte.

»Ich bedaure, daß mein Gemahl nicht hier ist«, sagte Eliwys, »und daß wir Euch kein besseres Willkommen bereiten konnten. Mein Gemahl…«

»Verzeiht, aber ich muß nach meinen Bediensteten sehen«, unterbrach er sie. Er hielt ihr die Hand hin, und Eliwys ließ sich auf ein Knie nieder und küßte ihm den Ring. Bevor sie sich erheben konnte, war er zum Stall hinübergegangen. Eliwys schaute ihm sorgenvoll nach.

»Willst du ihn sehen?« fragte Agnes.

»Nicht jetzt«, erwiderte Eliwys. »Rosemund, du mußt dich von Sir Bloet und Frau Yvolde verabschieden.«

»Er ist so kalt«, sagte Agnes.

Eliwys wandte sich zu Kivrin. »Katherine, weißt du, wo Frau Imeyne ist?«

»Sie blieb in der Kirche zurück«, sagte Rosemund.

»Vielleicht ist sie noch bei ihren Gebeten.« Eliwys stellte sich auf Zehenspitzen und überblickte das Gewimmel auf dem Hof. »Wo ist Maisry?«

Sie tut, was ich gleich hätte tun sollen, dachte Kivrin, und hält sich versteckt.

»Soll ich sie suchen?« fragte Rosemund.

»Nein, du mußt dich von Sir Bloet verabschieden. Katherine, geh hinüber zur Kirche und geleite Frau Imeyne hierher, daß sie sich vom Gesandten des Bischofs verabschieden kann. Rosemund, was stehst du noch da? Du mußt deinem Verlobten Lebewohl sagen.«

»Ich werde Frau Imeyne suchen«, sagte Kivrin. Wenn sie erst vom Hof wäre und Imeyne sich noch bei der Kirche aufhielt, könnte sie an den Hütten vorbeischlüpfen und sich im Wald in Sicherheit bringen, bis die Luft rein wäre.

Sie wandte sich zum Gehen. Ein Diener führte ein unruhig tänzelndes Pferd vorbei, und Kivrin schlug einen Bogen, um ihm nicht zu nahe zu kommen.

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