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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Wir gehen nicht nach Godstow«, sagte er und schwang sich mit ächzender Anstrengung in den Sattel. »Wir reisen nach Bernecestre.«

Gawyn hatte Gringolet bestiegen und ritt zum Ende der Kolonne. Er reitet mit ihnen, dachte Kivrin. Vielleicht kann ich ihn auf dem Weg nach Courcy überreden, daß er mich zum Absetzort führt. Oder daß er mir wenigstens sagt, wo er ist. Dann kann ich mich von ihnen davonmachen und ihn selbst finden.

»Kann sie dann nicht mit Euch nach Bernecestre reiten, daß ein Mönch sie von dort nach Godstow geleitet? Ich möchte, daß sie zu ihrem Kloster zurückkehrt.«

»Wir haben keine Zeit«, sagte er und nahm die Zügel auf.

Imeyne ergriff den Saum seines scharlachroten Umhanges. »Warum verlaßt Ihr uns so plötzlich, ehrwürdiger Herr? Hat jemand Euch beleidigt?«

Er blickte zu dem Mönch, der wartend auf dem Pferd saß, die Zügel in der Hand. »Nein.« Er machte ein unbestimmtes Kreuzzeichen über Imeyne. »Dominus vobiscum«, murmelte er. Er sah sie an, dann ihre Hand an seinem Saum.

»Könnt Ihr mir einen neuen Kaplan schicken?« drängte Imeyne.

»Ich lasse meinen Sekretär zurück, daß er Euch als Kaplan diene«, sagte er.

Kivrin hatte das sichere Gefühl, daß er log, und blickte scharf zu ihm auf. Er tauschte einen weiteren Blick mit dem Mönch, und Kivrin kam der Gedanke, daß ihre dringenden Geschäfte vielleicht nur darin bestanden, von dieser unzufriedenen alten Frau und ihren lästigen Klagen und Forderungen wegzukommen.

»Euren Sekretär?« sagte Frau Imeyne erfreut und ließ den Umhang los.

Der Gesandte trieb sein Pferd an und ritt im raschen Trab über den Hof und in die Zufahrt, gefolgt vom Zisterzienser. Hinter dem Wassertrog ritt er beinahe Agnes nieder, die ihm von der Seite her in den Weg lief und sich mit knapper Not zu Kivrin rettete, um den Kopf in ihren Röcken zu bergen.

»Gott mit Euch, ehrwürdiger Vater«, rief Frau Imeyne ihm nach, aber er war schon zum Tor hinaus.

Und dann waren sie alle fort, Gawyn als letzter im schneidigen Galopp, um vor Eliwys zu glänzen, und sie hatten sie nicht nach Godstow und außer Reichweite des Absetzortes mitgenommen. Kivrin war so erleichtert, daß sie sich nicht einmal Gawyns wegen sorgte. Nach Courcy war es nur ein halber Tagesritt. Vielleicht konnte er bis Dunkelwerden schon zurück sein.

Alle schienen erleichtert, oder es war nur die Ermattung nach der Geschäftigkeit und Aufregung des Festes, die ihnen seit dem Morgen des Vortags kaum Ruhe gegönnt hatten. Niemand machte Anstalten, die Tische abzuräumen, auf denen noch immer die benutzten Tranchierbretter, halbvollen Schüsseln und Trinkbecher standen. Eliwys sank in den Lehnstuhl ihres Mannes, ließ die Arme über die Seiten herabhängen und blickte müde über den Tisch hin. Nach ein paar Minuten rief sie nach Maisry, doch als das Mädchen nicht antwortete, unterließ sie es, noch einmal zu rufen. Sie lehnte den Kopf an die geschnitzte Lehne und schloß die Augen.

Rosemund stieg zum Dachboden hinauf, um sich hinzulegen, und Agnes setzte sich neben Kivrin ans Herdfeuer, legte den Kopf in ihren Schoß und spielte mit ihrer Glocke.

Nur Frau Imeyne weigerte sich, der Erschlaffung und Abgespanntheit nachzugeben. »Ich werde mit meinem neuen Kaplan sprechen, daß er die Vesper liest«, sagte sie und ging hinauf, um an die Tür der Schlafkammer zu klopfen. Eliwys erwiderte halbherzig und mit geschlossenen Augen, daß der bischöfliche Gesandte gesagt habe, sie sollten den Sekretär nicht stören, aber Imeyne klopfte mehrmals vernehmlich und ohne Ergebnis. Sie wartete ein paar Minuten, klopfte wieder und kam dann die Treppe wieder herunter, um an ihrem Fuß niederzuknien und ihr Stundenbuch zu lesen. Dabei konnte sie die Tür im Auge behalten und den Sekretär des Gesandten abfangen, sobald er sich zeigte.

Agnes gähnte ausgiebig, dann stieß sie mit einem Finger an ihre Glocke und brachte sie leise zum Erklingen. Ihre Augen waren am Zufallen.

»Warum gehst du nicht auf den Dachboden und legst dich mit deiner Schwester schlafen?« sagte Kivrin.

Agnes richtete sich auf. »Ich bin nicht müde. Erzähl mir, was mit dem bösen Mädchen geschah.«

»Nur wenn du dich hinlegst«, sagte Kivrin und begann die Geschichte. Agnes überdauerte keine zwei Sätze.

Am Spätnachmittag erinnerte Kivrin sich des Welpen. Alle schliefen inzwischen, sogar Frau Imeyne, die den Sekretär einstweilen aufgegeben und sich in ihre Kammer zurückgezogen hatte. Irgendwann war Maisry hereingekommen und unter einen Tisch gekrochen. Sie schnarchte vernehmlich.

Kivrin zog ihre Knie vorsichtig unter Agnes’ Kopf heraus und verließ die Diele, um den jungen Hund zu begraben. Der Hof lag menschenleer, und vom Dorfanger drangen keine Stimmen mehr herüber. Auch die Dorfbewohner mußten sich der weihnachtlichen Nachmittagsruhe hingegeben haben.

Kivrin nahm Blackies starren Körper an sich und ging in den Stall, um nach einem Spaten zu suchen. Nur Agnes’ Pony stand in seiner Box, und Kivrin betrachtete es nachdenklich: wie sollte der Sekretär dem Gesandten nach Courcy folgen, wenn kein Pferd für ihn da war? Vielleicht hatte er doch nicht gelogen und den Sekretär als neuen Kaplan zurückgelassen, ob es ihm gefiel oder nicht.

Im Geräteschuppen fand Kivrin einen hölzernen Spaten und trug Blackies steifen Leichnam über den Dorfanger und zur Nordseite des Friedhofes. Dort legte sie ihn ab und begann außerhalb der Einfriedungsmauer ein Loch in den verharschten Schnee zu stechen.

Der Erdboden darunter war buchstäblich steinhart. Der hölzerne Spaten drückte ihn nicht einmal ein, obwohl sie ihr ganzes Gewicht darauf verlagerte. Sie erstieg die Anhöhe bis zum Waldrand, scharrte am Fuß einer Esche den Schnee auf und begrub Blackie in der lockeren Deckschicht aus vermoderndem Laub und Moos.

»Requiescat in pace«, sagte sie, um Agnes versichern zu können, daß der Welpe ein christliches Begräbnis erhalten habe, und machte sich auf den Rückweg.

Während sie langsam über den Dorfanger ging, stellte sie sich vor, wie praktisch es wäre, wenn Gawyn jetzt geritten käme. Sie könnte ihn bitten, daß er sie zum Absetzort bringe, während alle anderen noch schliefen. Wahrscheinlich würde er die Straße nehmen. Sie lehnte den Spaten an den Flechtzaun des Schweineauslaufes und lauschte eine Weile nach Hufschlägen, aber alles lag in tiefer Stille.

Das Licht begann zu schwinden. Wenn Gawyn nicht bald käme, würde es zu dunkel sein, um zum Absetzort hinauszureiten. In einer halben Stunde würde Pater Roche zur Vesper läuten, und das mußte alle aufwecken. Für einen Ausritt in den Wald war es einfach zu spät, ganz abgesehen davon, daß Gawyn nach der Rückkehr aus Courcy kaum geneigt sein würde, ihr zuliebe noch einmal auszureiten. Aber er würde sein Pferd versorgen müssen, ganz gleich, um welche Zeit er zurückkehrte, und sie könnte zum Stall hinausschlüpfen und ihn bitten, daß er sie am Morgen zum Absetzort bringe.

Notfalls genügte es auch, wenn er ihr beschrieb, wo die Stelle war, vielleicht eine Skizze zeichnete, so daß sie selbst den Weg finden konnte. Das würde sie der Peinlichkeit entheben, allein mit ihm in den Wald gehen zu müssen, und wenn Frau Imeyne ihn am Tag des Rückholtermins zu einem weiteren Botendienst fortschickte, könnte sie eines der Pferde nehmen und selbst hinausreiten.

Sie wartete beim Tor, bis ihr zu kalt wurde, dann kehrte sie in den Hof zurück. Noch immer war niemand zu sehen, aber im Durchgang zum Herdraum war Rosemund in ihrem Umhang.

»Wo bist du gewesen?« sagte sie. »Ich habe dich überall gesucht. Der Sekretär…«

Kivrin krampfte sich das Herz zusammen. »Was ist mit ihm? Will er abreisen?« Sicherlich hatte er seinen Rausch ausgeschlafen und wollte fort. Und Frau Imeyne hatte, da sie ihn nicht halten konnte, überredet, Kivrin mit sich nach Godstow zu nehmen…

»Nein«, sagte Rosemund und ging voraus in die Diele. Sie war leer. Eliwys und Imeyne mußten bei ihm in der Schlafkammer sein. Das Mädchen öffnete Sir Bloets Brosche und nahm den Umhang ab. »Er ist krank. Pater Roche schickte mich, dich zu suchen.« Sie stieg die Treppe hinauf.

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