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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Nichts als Ihre Unterschrift unter den Anforderungsschein«, sagte er und gab ihr das Formular.

Sie signierte es, ohne hinzusehen. »Heute früh war ich bei Gilchrist«, sagte sie, als sie ihm das Blatt zurückgab.

Er war so überrascht und gerührt, daß ihm die Worte fehlten.

»Ich dachte, ich könnte ihn überzeugen, das Netz früher zu öffnen. Ich erklärte, daß es nicht nötig sei, zu warten, bis volle Immunisierung erreicht sei. Immunisierung eines kritischen Prozentsatzes des Virusreservoirs begrenzt wirksam das Ansteckungsrisiko.«

»Aber Ihre Argumente machten auf ihn nicht den geringsten Eindruck.«

»Nein. Er ist überzeugt davon, daß der Erreger aus der Vergangenheit durchkam.« Mary seufzte wieder. »Er hat Tabellen der zyklischen Mutationsmuster von Myxoviren des Typs A zusammengestellt. Aus diesen geht hervor, daß ein 1318-19 existierender Myxovirus Typ A ein H9N2 war.« Sie rieb sich wieder die Schläfen. »Er wird das Laboratorium nicht öffnen, bis volle Immunisierung erreicht und die Quarantäne aufgehoben wird.«

»Und wann wird das sein?« fragte er, obwohl er eine gute Vorstellung hatte.

»Die Quarantäne muß bis sieben Tage nach der vollen Immunisierung in Kraft bleiben, beziehungsweise vierzehn Tage nach dem Auftreten des letzten Krankheitsfalles.«

Letztes Auftreten. Zwei Wochen ohne neue Krankheitsfälle. »Und wie lange wird die allgemeine Immunisierung in Anspruch nehmen?«

»Sobald wir hinreichende Mengen Impfstoff haben, nicht lange. Nach der Pandemie hatten wir die Immunisierung innerhalb von achtzehn Tagen erreicht.«

Achtzehn Tage. Nachdem ausreichende Mengen des Impfstoffes hergestellt waren. Ende Januar. »Das ist zu spät«, sagte er.

»Ich weiß. Wir müssen den Ursprung des Erregers positiv identifizieren, das ist alles.« Sie wandte sich der Konsole zu. »Die Antwort ist hier drinnen, wissen Sie. Wir suchen bloß am falschen Ort.« Sie drückte Tasten, und eine neue Tabelle erschien. »Ich habe Querverbindungen und Wechselbeziehungen untersucht, Veterinärstudenten, Primärkontakte, die in der Nähe eines Zoos leben, ländliche Anschriften. Unter den Sekundärinfektionen haben wir einen, der zur Moorhuhnjagd geht. Aber mit Wasservögeln hat keiner zu tun gehabt, außer in Form der Weihnachtsgans.«

Sie rief die Tabelle der Primärkontakte ab. Badris Name stand noch immer an erster Stelle. Sie saß da und blickte lange in den Bildschirm, so vertieft wie Montoya in ihre ausgegrabenen Knochen.

»Als erstes muß ein Arzt lernen, nicht zu hart mit sich selbst ins Gericht zu gehen, wenn er einen Patienten verliert«, sagte sie. Er wußte nicht, ob sie Kivrin oder Badri meinte.

»Ich werde das Netz aufbringen«, sagte er.

»Hoffen wir es.«

Die Antwort lag nicht in den Tabellen der Kontaktpersonen oder den Allgemeinheiten. Sie lag in Badri, der trotz aller Fragen, die sie den Sekundärpersonen gestellt hatten und trotz aller falschen Fährten die Primärquelle geblieben war. Badri war der Indexfall, und nirgendwann in den vier bis sechs Tagen vor der Absetzoperation war er mit einem Reservoir des Erregers in Berührung gekommen.

Er ließ sich von Mary einen Schutzanzug aus Papier geben und ging hinauf in die Isolierstation, um ihn zu besuchen. In der Station saß ein Krankenpfleger am Schreibtisch, ein großer, nervöser junger Mann, der nicht älter als siebzehn aussah.

»Wo ist…?« fing Dunworthy an und merkte, daß er den Namen der blonden Praktikantin nicht wußte.

»Sie hat sich angesteckt«, sagte der Pfleger. »Sie ist schon die Zwanzigste vom Pflegepersonal, und sie haben keine ausgebildeten Schwestern mehr. Das Gesundheitsamt hat Medizinstudenten vom sechsten Semester aufwärts dienstverpflichtet. Ich bin tatsächlich erst im zweiten Semester, habe aber eine Ausbildung in Erster Hilfe.«

»Wann ist Ihre Vorgängerin erkrankt?«

»Gestern.«

Gestern. Ein ganzer Tag war vergangen, und niemand hatte Badris Äußerungen aufgezeichnet. »Erinnern Sie sich an irgend etwas, was Badri sagte, während Sie bei ihm im Zimmer waren?« fragte er ohne viel Hoffnung. Ein Student im zweiten Semester. »Irgendwelche Worte oder Sätze, die Sie verstehen konnten?«

»Sie sind Mr. Dunworthy, nicht wahr?« sagte der Pfleger. »Eloise sagte, Sie wollten alles wissen, was der Patient sagt.«

Dunworthy legte den neu eingetroffenen Schutzanzug an. Er war weiß und entlang der Rückenöffnung mit winzigen schwarzen Kreuzen markiert.

»Es ging ihr ziemlich schlecht, aber sie sagte immer wieder, wie wichtig es sei.«

Der junge Mann führte Dunworthy in Badris Krankenzimmer, überprüfte die Kontrollanzeigen und beugte sich zu Badri. Wenigstens sieht er den Patienten an, dachte Dunworthy.

Badri hatte die Hände auf der Bettdecke und zupfte daran mit Händen, die denen in Colins Abbildung vom Sarkophag des Ritters glichen. Seine eingesunkenen Augen waren offen, aber er sah weder den Pfleger noch Dunworthy oder die Bettdecke, die seine unruhigen Hände anscheinend nicht greifen konnten.

»Ich habe in der Fachliteratur darüber gelesen«, sagte der junge Mann, »aber bisher nie einen Fall gesehen. Es ist bei Infektionen der Atmungsorgane ein verbreitetes Finalsymptom.« Er ging zur Konsole, gab etwas ein und zeigte zum Bildschirm. »Ich habe alles festgehalten.«

Er hatte, sogar das unverständliche Gefasel. Das hatte er phonetisch wiedergegeben mit Ellipsen zur Kennzeichnung von Pausen und Fragezeichen hinter Wörtern, die nicht verständlich waren. »Verschiebung«, hatte er geschrieben, und »Helfer?« und »Warum kommt er nicht?«

»Das ist hauptsächlich von gestern«, sagte er. Er bewegte einen Markierungspfeil zum unteren Drittel des Bildschirms. »Heute morgen hat er ein bißchen geredet. Jetzt sagt er natürlich nichts mehr.«

Dunworthy setzte sich neben Badri und nahm seine Hand. Sogar durch den Gummihandschuh fühlte sie sich kalt an. Er blickte zur Temperaturanzeige. Badri hatte kein Fieber mehr, und mit ihm war die dunkle Röte aus seinem Gesicht gewichen. Er schien alle Farbe verloren zu haben. Seine Haut war grau wie nasse Asche.

»Badri«, sagte er, »ich bin Mr. Dunworthy und gekommen, Ihnen ein paar Fragen zu stellen.«

Keine Reaktion. Die kalte Hand lag schlaff in Dunworthys behandschuhten Fingern, die andere zupfte weiter an der Bettdecke.

»Dr. Ahrens glaubt, Sie könnten Ihre Krankheit von einem Tier haben, einer Wildente oder Gans.«

Der junge Pfleger blickte interessiert von Dunworthy zu Badri und zurück, als hoffte er, Zeuge eines weiteren, bisher unbeobachteten medizinischen Phänomens zu werden.

»Badri, können Sie sich erinnern? Hatten Sie in der Woche vor der Absetzoperation irgendeinen Kontakt mit Enten oder Gänsen?«

Badris Hand bewegte sich. Dunworthy sah sie stirnrunzelnd an und überlegte, ob der Kranke versuchte, ihm etwas mitzuteilen, doch als er seinen Griff ein wenig lockerte, zupften die dünnen, skeletthaften Finger nur ziellos an seiner Handfläche, an den Fingern und am Handgelenk.

Plötzlich schämte er sich, daß er hier saß und Badri mit Fragen quälte, obwohl er jenseits allen Hörens war, jenseits aller Wahrnehmung.

Er legte Badris Hand auf die Bettdecke zurück. »Ruhen Sie sich aus«, sagte er und klopfte mit den Fingerspitzen leicht darauf. »Versuchen Sie zu ruhen.«

»Ich bezweifle, daß er Sie hören kann«, sagte der Pfleger. »Wenn sie so weit hinüber sind, ist kein Bewußtsein mehr da.«

»Ich weiß«, sagte Dunworthy, aber er blieb am Bett sitzen.

Der Pfleger kontrollierte den Tropf, beobachtete ihn nervös und stellte ihn ein. Er blickte besorgt zu Badri, justierte den Tropf ein drittes Mal und ging endlich hinaus. Dunworthy blieb sitzen und sah Badris Finger mechanisch an der Decke zupfen, sie zu greifen, ohne es zu können. Sich festzuhalten. Hin und wieder murmelte er etwas, zu leise, als daß Dunworthy es verstehen konnte. Er begnügte sich damit, behutsam den Arm des Kranken zu reiben. Nach einer Weile verlangsamte sich die zupfende Bewegung der Finger, aber Dunworthy wußte nicht, ob es ein gutes Zeichen war oder nicht.

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