Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Dann trat er hastig ein und ließ die Tür hinter sich zufallen.
»Sei gegrüßt, Botschafter Dannyl.« Tayend grinste. »Hast du mich vermisst?«
30
Hinhaltemanöver
Zuerst erschien Imardin als ein Schatten vor dem gelbgrünen Hintergrund der Felder. Als sie näher kamen, dehnte sich die Stadt zu beiden Seiten der Straße wie zwei ausgestreckte Arme, die sie in der Heimat willkommen hießen. Jetzt, Stunden später, brannten tausend Lampen vor ihnen und erhellten ihren Weg durch den Regen und die Dunkelheit zu den Nordtoren.
Als sie nahe genug waren, um das Prasseln des Regens auf dem Glas der ersten Lampe zu hören, zügelte Dorrien sein Pferd und drehte sich zu Akkarin und Sonea um. Gleichzeitig irrte sein Blick immer wieder zu den anderen Menschen hinüber, die die Straße benutzten. Sie durften mit dem Abschied nicht lange zögern, und sie mussten aufpassen, was sie sagten. Man würde es merkwürdig finden, wenn er sich seinen »gewöhnlichen« Gefährten gegenüber allzu vertraulich zeigte.
»Viel Glück«, sagte er. »Gebt auf euch Acht.«
»Ihr sitzt tiefer in der Patsche als wir, Mylord«, entgegnete Sonea mit dem typischen, gedehnten Tonfall der Hüttenleute. »Vielen Dank für Eure Hilfe. Und lasst Euch nicht von diesen fremdländischen Magiern fangen.«
»Ihr auch nicht«, erwiderte er und lächelte über ihren Akzent. Dann nickte er Akkarin zu, wendete sein Pferd und ritt davon.
Soneas Magen krampfte sich vor Furcht zusammen, als sie ihn auf die Tore zureiten sah. Nachdem er verschwunden war, wandte sie sich zu Akkarin um. Er war nur ein schlanker, hochgewachsener Schatten, dessen Gesicht in der Kapuze seines Umhangs verborgen war.
»Reite du voran«, sagte er.
Sie lenkte ihr Pferd von der Hauptstraße weg in eine schmale Gasse. Die Hüttenbewohner begafften sie und ihre heruntergekommenen Pferde. Untersteht euch, dachte sie. Wir mögen ja so aussehen wie Landpomeranzen, die nichts von den Gefahren der Stadt wissen, aber wir sind es nicht. Und wir können es uns nicht leisten, Aufmerksamkeit auf uns zu lenken.
Nachdem sie sich eine halbe Stunde lang durch das Gewirr der Gassen vorgetastet hatten, kamen sie zu den Pferdeverkäufern am Rand des Marktplatzes. Vor einem Schild mit einem aufgemalten Pferdehuf darauf machten sie Halt. Ein kräftig aussehender Mann humpelte durch den Regen auf sie zu.
»Seid mir gegrüßt«, sagte er schroff. »Wollt Ihr Eure Pferde verkaufen?«
»Vielleicht«, antwortete Sonea. »Hängt ganz vom Preis ab.«
»Dann lasst mal sehen.« Er winkte sie zu sich heran. »Und kommt rein, wo es trocken ist.«
Sie folgten dem Mann in einen großen Stall. In einigen der Boxen zu beiden Seiten standen Pferde. Sonea und Akkarin saßen ab und beobachteten den Mann dabei, wie er die Tiere begutachtete.
»Wie heißt der da?«
Sonea zögerte. Sie hatten dreimal die Pferde gewechselt, und sie hatte es aufgegeben, sich ihre Namen einzuprägen.
»Ceryni«, sagte sie. »Nach einem Freund von mir.«
Der Mann richtete sich auf und starrte sie an. »Ceryni?«
»Ja. Kennst du ihn?«
Plötzlich kam Gelächter aus einer der Boxen. »Du hast dein Pferd nach mir benannt?«
Eine Stalltür wurde geöffnet, und ein relativ kleiner Mann in einem grauen Umhang trat hindurch, gefolgt von Takan und einem dritten Mann. Sonea sah sich den Sprecher genauer an und schnappte dann nach Luft, als sie ihn erkannte.
»Cery!«
Er grinste. »Hey! Willkommen daheim.« Dann wandte er sich dem Pferdeverkäufer zu, und das Grinsen verschwand. »Du hast die beiden nie gesehen.«
»N-nein«, stimmte der Mann zu. Sein Gesicht war mit einem Mal sehr bleich.
»Nimm die Pferde und verschwinde«, befahl Cery.
Der Mann schnappte sich die Zügel, und Sonea beobachtete erheitert, wie er davoneilte. Akkarin hatte ihr erzählt, dass Takan sich bei einem Dieb versteckt halte. Wenn Cery ebenfalls für diesen Dieb arbeitete, dann musste der Dieb Faren sein – oder arbeitete Cery inzwischen für einen anderen? So oder so, nach der Reaktion des Pferdehändlers zu urteilen, musste er in den vergangenen Jahren einiges an Einfluss gewonnen haben. Sonea drehte sich um und sah, wie Takan vor Akkarin niederkniete.
»Meister.«
Takans Stimme bebte. Akkarin schob seine Kapuze zurück und seufzte.
»Steh auf, Takan«, sagte er leise. Obwohl sein Tonfall gleichzeitig energisch und ein wenig resigniert war, erkannte Sonea die Anzeichen von Verlegenheit in seinem Gesicht. Sie unterdrückte ein Lächeln.
Der Diener erhob sich. »Ich bin froh, Euch wiederzusehen, Meister, obwohl ich befürchte, dass Ihr in einer gefährlichen Situation zurückgekehrt seid.«
»Wie dem auch sein mag, wir müssen tun, was wir können«, erwiderte Akkarin und wandte sich dann an Cery. »Hat Takan dir erklärt, was wir vorhaben?«
Cery nickte. »Die Diebe werden morgen eine Versammlung abhalten. Anscheinend haben die meisten von ihnen gehört, dass irgendetwas im Gange ist, und sei es nur, dass die Häuser ihre Sachen packen und die Stadt verlassen. Ihr müsst mir erklären, wie viel ich ihnen sagen darf.«
»Alles«, erwiderte Akkarin, »falls das deinem Ansehen nicht abträglich ist.«
Cery zuckte die Achseln. »Langfristig wird es mir nicht schaden – und ich habe zunehmend das Gefühl, dass wir keine Stadt mehr haben werden, in der wir Handel treiben können, falls diese sachakanischen Magier siegen. Aber bevor wir zur Sache kommen, werde ich Euch aus diesem Stall wegbringen. Außerdem hättet Ihr gewiss gern etwas zu essen.«
Als er in die Box zurückkehrte, aus der er gekommen war, beobachtete Sonea ihn genau. Er strahlte eine Sicherheit aus, die sie zuvor nie bei ihm wahrgenommen hatte. Und er hatte Akkarin gegenüber nichts von der Furcht und dem Respekt gezeigt, die sie erwartet hätte. Die beiden Männer sprachen miteinander, als hätten sie schon früher zusammengearbeitet.
Zweifellos war Cery einer derjenigen, die Akkarin bei der Suche nach den Spionen geholfen haben. Aber warum hat Akkarin mir nicht erzählt, dass Cery mit der Sache zu tun hatte?
Cery öffnete eine kleine Tür an der hinteren Seite der Box und hielt sie auf.
»Geh voran, Gol.«
Der hochgewachsene, wortkarge Mann bückte sich und trat hindurch, dann stieg er eine Leiter hinunter. Takan und Akkarin folgten ihm. Sonea hielt kurz inne, um Cery anzusehen. Er grinste.
»Geh nur. Wir reden später, wenn wir in meinem Quartier sind.«
Sie kletterte die Leiter hinunter und gelangte in einen geräumigen Tunnel. Gol hielt eine Lampe in die Höhe. Vertraute Gerüche weckten Erinnerungen an die Straße der Diebe. Als Cery sie eingeholt hatte, nickte er Gol zu, und gemeinsam machten sie sich auf den Weg.
Nach einigen Minuten kamen sie durch eine große Metalltür in ein luxuriös möbliertes Empfangszimmer. Auf einem niedrigen Tisch in der Mitte des Raums standen mehrere Platten mit Essen, Gläsern und Weinflaschen.
Sonea ließ sich auf einen Stuhl sinken und bediente sich. Nachdem Akkarin sich neben sie gesetzt hatte, griff er nach einer der Flaschen. Er zog die Augenbrauen hoch. »Du lebst besser als die Magier, Ceryni.«
»Oh, ich lebe hier nicht«, erwiderte Cery, während er ebenfalls Platz nahm. »Das ist nur eins meiner Gästequartiere. Takan hat hier gewohnt.«
»Der Dieb ist sehr großzügig gewesen«, sagte Takan leise und deutete mit dem Kopf auf Cery.
Der Dieb? Sonea verschluckte sich und starrte Cery fassungslos an.
Als Cery ihren Blick auffing, grinste er. »Du hast es gerade erst kapiert, wie?«
»Aber…« Sie schüttelte den Kopf. »Wie ist das möglich?«