Die Meisterin
- Автор: Канаван Труди
- Серия: Die Gilde der Schwarzen Magier #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Переводчик: Michaela Link
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:
Dann trat er wieder näher und strich mit der Kante des Glasstücks über Rothens Wange. Auf die Berührung folgte ein scharfer Schmerz, dann spürte Rothen, wie ihm ein warmes Rinnsal übers Gesicht lief. Kariko legte eine Hand unter Rothens Kinn, bis sich eine kleine Blutpfütze darin gebildet hatte.
Der Sachakaner hielt die Glasscherbe hoch. Die Spitze begann langsam zu glühen und zu schmelzen, bis sich eine kleine Kugel geformt hatte. Diese fiel von der Scherbe in Karikos Hand.
Kariko schloss die Finger darum und senkte die Lider. Am Rande von Rothens Gedanken regte sich etwas. Er nahm einen anderen Geist wahr und gewann eine Ahnung davon, was dieses seltsame Ritual bedeutete. Sein Bewusstsein war jetzt mit dem Glas verbunden und mit jedem, der es berührte. Kariko hatte die Absicht, daraus einen Ring zu machen und…
Plötzlich brach die Verbindung ab. Kariko lächelte und drehte sich um. Rothen spürte, wie die Kraft, die ihn an die Wand presste, verebbte. Plötzlich brannte seine Schulter vor Schmerz, und er keuchte auf. Dann beobachtete er ungläubig, wie der Sachakaner durch den in Trümmern liegenden vorderen Teil des Hauses zu dem zerstörten Wagen hinüberging.
Er hat mich leben lassen.
Rothen dachte an die kleine Glaskugel. Lord Sarrins kurze Erklärungen über die Anwendungszwecke von schwarzer Magie kamen ihm in den Sinn, und er begriff, dass Kariko soeben einen Blutstein geschaffen hatte.
Draußen ertönten Stimmen, und ein eisiger Schauer überlief Rothen. Ich muss weg von hier, dachte er, solange ich es noch kann. Er wandte sich ab, hastete durch das Haus zur hinteren Tür und taumelte in die Nacht hinaus.
Während Cery Sonea betrachtete, überkam ihn unerwartete Ruhe.
Als er ihr in dem Stall begegnet war, hatte er mit widerstreitenden Gefühlen gerechnet. Aber der Kitzel der Erregung, den er in früheren Jahren bei ihrem Anblick verspürt hatte, war ausgeblieben, ebenso wie die quälende Sehnsucht jener Zeit, als sie der Gilde beigetreten war. Die vorherrschenden Gefühle waren Zuneigung – und Sorge.
Ich nehme an, dass ich mir immer aus dem einen oder anderen Grund Sorgen um sie machen werde. Während er sie nun beobachtete, fiel ihm auf, dass ihre Aufmerksamkeit immer wieder zu Akkarin zurückkehrte. Er lächelte. Zunächst hatte er angenommen, der Grund für ihr Verhalten sei in der Tatsache zu finden, dass Akkarin ihr ehemaliger Mentor war und sie sich daran gewöhnt hatte, jedem seiner Befehle zu gehorchen, aber jetzt war er sich dessen nicht mehr so sicher. Sie hatte nicht gezögert, ihn zur Rede zu stellen, weil er seine Verbindung zu Cery vor ihr geheim gehalten hatte. Und ihr trotziges Aufbegehren hatte auch Akkarin nicht allzu sehr bekümmert.
Sie sind keine Magier der Gilde mehr, rief Cery sich ins Gedächtnis. Wahrscheinlich mussten sie sich dieses ganze Theater um Mentoren und Novizen aus dem Kopf schlagen.
Aber ihm dämmerte langsam, dass mehr dahintersteckte.
»Hast du mein Messer?«, fragte Akkarin seinen Diener.
Takan nickte, erhob sich und verschwand in einem der Schlafzimmer. Kurz darauf kehrte er mit einem Messer zurück, das in einer Scheide an einem Gürtel steckte, und hielt es Akkarin mit gesenktem Kopf hin.
Akkarin nickte ernst, nahm die Waffe entgegen und legte sich den Gürtel über die Knie. Dann blickte er plötzlich zur gegenüberliegenden Wand. Gleichzeitig sog Sonea scharf den Atem ein.
Stille senkte sich über den Raum. Cery beobachtete, wie die beiden Magier ins Leere starrten. Akkarin zog die Brauen zusammen und schüttelte den Kopf; Soneas Augen weiteten sich.
»Nein!«, stieß sie hervor. »Rothen!« Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht, dann vergrub sie das Gesicht in den Händen und begann zu schluchzen.
Cerys Herz krampfte sich zusammen vor Sorge, und er sah den gleichen Ausdruck in Akkarins Zügen. Der Magier schob den Gürtel beiseite und ließ sich von seinem Stuhl gleiten, um sich neben Sonea hinzuknien. Er zog sie an sich und hielt sie fest umschlungen.
»Sonea«, murmelte er. »Es tut mir leid.«
Offenkundig war etwas Schreckliches geschehen. »Was ist los?«, fragte Cery.
»Lord Yikmo hat soeben gemeldet, dass all seine Männer getötet worden sind«, erklärte Akkarin. »Rothen, der vor mir Soneas Mentor war, war unter ihnen.« Er hielt inne. »Yikmo ist schwer verletzt. Er hat davon gesprochen, dass es ihnen gelungen sei, das Fortkommen der Ichani zu verzögern. Ich denke, das war vielleicht der Grund, warum sie sie in einen Hinterhalt gelockt haben, aber mir ist nicht klar, warum die Gilde diese Verzögerung benötigt.«
Soneas Schluchzen nahm jetzt etwas Krampfhaftes an. Offensichtlich versuchte sie, ihrem Weinen Einhalt zu gebieten. Akkarin blickte auf sie hinab, dann sah er Cery an.
»Wo können wir schlafen?«
Takan deutete auf einen Raum. »Dort drüben, Meister.« Cery registrierte, dass der Diener für die beiden das Zimmer mit dem großen Bett ausgesucht hatte.
Akkarin erhob sich und zog Sonea auf die Füße. »Komm, Sonea. Wir haben seit Wochen keine volle Nacht mehr geschlafen.«
»Ich kann nicht schlafen«, sagte sie.
»Dann leg dich hin und wärme das Bett für mich.«
Nun, das lässt keinen Zweifel mehr, dachte Cery.
Sie gingen in das Schlafzimmer. Kurz darauf kam Akkarin zurück.
Cery erhob sich.»Es ist schon spät«, sagte er. »Ich werde morgen früh zurückkommen, damit wir über die Versammlung sprechen können.«
Akkarin nickte. »Ich danke dir, Ceryni.« Er kehrte in das Schlafzimmer zurück und zog die Tür hinter sich zu.
Cery betrachtete die geschlossene Tür. Akkarin, hm? Eine interessante Wahl.
»Ich hoffe, das bekümmert dich nicht allzu sehr.«
Cery drehte sich zu Takan um. Der Diener deutete mit dem Kopf auf das Schlafzimmer.
»Diese beiden?« Cery zuckte die Achseln. »Nein.«
Takan nickte. »Das dachte ich mir, da du ja jetzt mit einer anderen Frau beschäftigt bist.«
Cery gefror das Blut in den Adern. Er sah Gol an, der die Stirn runzelte. »Woher weißt du davon?«
»Ich habe es von einer meiner Wachen gehört.« Takan blickte zwischen Cery und Gol hin und her. »Dann sollte diese Geschichte also ein Geheimnis bleiben?«
»Ja. Es ist nicht immer ungefährlich, mit einem Dieb befreundet zu sein.«
Der Diener wirkte ehrlich besorgt. »Sie kannten ihren Namen nicht. Von einem jungen Mann wie dir erwartet man, dass er eine Frau hat – oder viele Frauen.«
Cery brachte ein grimmiges Lächeln zustande. »Vielleicht hast du Recht. Ich werde diesen Gerüchten nachgehen. Und jetzt gute Nacht.«
Takan nickte. »Gute Nacht, Dieb.«
31
Vorbereitungen auf den Krieg
Der Führer geleitete Lorlen in einen weitläufigen Raum.
Durch riesige Fenster auf der einen Seite fiel das Licht der frühen Morgensonne. Eine kleine Gruppe von Männern hatte sich um einen großen Tisch versammelt. Der König stand in der Mitte und Hauptmann Arin, sein militärischer Ratgeber, zu seiner Rechten. Die übrigen Anwesenden waren Hauptleute und Höflinge, einige davon Lorlen vertraut, andere nicht.
Der König begrüßte Lorlen mit einem Nicken, dann blickte er wieder auf eine vor ihm liegende Karte der Stadt.
»Und wie lange wird es noch dauern, bis die Torverstärkungen für die Äußere Mauer fertig gestellt sind, Hauptmann Vettan?«, fragte er einen grauhaarigen Mann.
»Die Tore im Norden und Westen sind bereits fertig. Die Arbeiten am Südtor werden heute Abend abgeschlossen«, antwortete der Hauptmann.
»Eine Frage, Euer Majestät?« Dies kam von einem elegant gekleideten jungen Mann, der auf der anderen Seite des Tisches stand.
Der König blickte auf. »Ja, Ilorin?«
Lorlen betrachtete den jungen Mann mit einiger Überraschung. Dies war der Vetter des Königs, ein Junge, der nicht älter war als ein Novize des ersten Jahrgangs und ein möglicher Erbe des Throns.
»Warum befestigen wir die Tore, wenn die Äußere Mauer rund um die Gilde verfallen ist?«, fragte der junge Mann. »Um das zu entdecken, brauchen die Sachakaner lediglich einen Späher rund um die Stadt zu schicken.«