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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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»Er will uns etwas zu essen besorgen«, erklärte Dorrien.

Sie nickte, dann gähnte sie und rieb sich das Gesicht. Als sie Dorrien wieder ansah, beobachtete er sie immer noch mit versonnener Miene.

»Was denkst du?«, fragte sie.

Er wandte den Blick ab und lächelte schief. »Mir ist nur durch den Kopf gegangen, dass ich dich aus der Gilde hätte entführen sollen, solange ich noch die Chance dazu hatte.«

Ein vertrautes Schuldgefühl zuckte in ihr auf. »Die Gilde hätte es nicht zugelassen. Ich hätte es nicht zugelassen.«

Er zog eine Augenbraue in die Höhe. »Nein?«

»Nein.« Sie wich seinem Blick aus. »Es musste viel passieren, bevor ich wirklich entschieden hatte, dass ich bleiben und Magie studieren wollte. Es würde noch viel mehr dazugehören, um mich dazu zu bringen, meine Meinung zu ändern.«

Er zögerte kurz. »Glaubst du… glaubst du, du wärst in Versuchung gewesen?«

Sie dachte an den Tag zurück, den sie gemeinsam an der Quelle verbracht hatten, und an Dorriens Kuss, und sie konnte sich eines Lächelns nicht erwehren. »Ein wenig. Aber ich kannte dich damals kaum, Dorrien. Einige wenige Wochen sind nicht genug, um sich eines Menschen sicher sein zu können.«

Sein Blick wanderte über ihre Schulter. Sie drehte sich um und sah, dass Akkarin auf sie zugeritten kam. Mit seinem kurzen Bart und in der einfachen Kleidung würde ihn niemand erkennen. Aber bei genauerem Hinsehen war leicht feststellbar, dass er viel zu gut ritt. Darauf würde sie ihn hinweisen müssen.

»Und seiner bist du jetzt sicher?«

Sie wandte sich wieder zu Dorrien um. »Ja.«

Er stieß langsam die Luft aus und nickte dann. Sonea blickte sich wieder zu Akkarin um.

Seine Miene war grimmig und hart.

»Obwohl es viel gebraucht hat, ihn von mir zu überzeugen«, fügte sie hinzu.

Dorrien gab einen erstickten Laut von sich. Sonea verfluchte sich im Stillen für diese gedankenlose Bemerkung, doch im nächsten Moment brach Dorrien in lautes Gelächter aus.

»Armer Akkarin!«, sagte er kopfschüttelnd. »Du wirst eines Tages eine beeindruckende Frau sein.«

Sonea starrte ihn an, dann spürte sie, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg. Sie suchte nach einer Erwiderung, aber ihr wollte einfach nichts einfallen. Dann hatte Akkarin sie erreicht, und sie gab es auf.

Als er ihr ein Stück Brot reichte, sah Akkarin sie forschend an, und die Röte ihrer Wangen vertiefte sich noch. Er zog die Augenbrauen in die Höhe, dann musterte er Dorrien nachdenklich. Der Heiler lächelte und gab seinem Pferd die Sporen.

Sie ritten los und verzehrten ihr Brot im Sattel. Eine Stunde später kamen sie in ein kleines Dorf. Sonea und Akkarin saßen ab und gaben Dorrien die Zügel ihrer Pferde, und der Heiler ging davon, um ihnen frische Reittiere zu besorgen.

»Also, worüber hast du vorhin mit Dorrien diskutiert?«, fragte Akkarin.

Sie drehte sich zu ihm um. »Diskutiert?«

»Vor dem Bauernhaus, während ich das Essen gekauft habe.«

»Oh. Da. Nichts.«

Er nickte lächelnd. »Nichts. Wirklich ein hochinteressantes Thema. Man erzielt damit immer faszinierende Reaktionen.«

Sie musterte ihn kühl. »Vielleicht ist es einfach eine höfliche Art, zum Ausdruck zu bringen, dass es dich nichts angeht.«

»Wenn du das sagst.«

Der wissende Ausdruck auf seinem Gesicht ärgerte sie ungemein. War sie so leicht zu durchschauen? Aber wenn ich inzwischen seine Stimmungen erahnen kann, geht es ihm umgekehrt wahrscheinlich genauso.

Er gähnte, dann schloss er die Augen. Als er sie wieder öffnete, wirkte er ein wenig wachsamer. Wann haben wir das letzte Mal geschlafen? überlegte sie. An dem Morgen, nachdem wir den Pass durchwandert hatten. Und davor? Einige wenige Stunden Schlaf jeden Tag. Und während der ersten Hälfte unserer Reise hat Akkarin überhaupt nicht geschlafen…

»Du hattest keine Albträume mehr«, sagte sie plötzlich.

Akkarin runzelte die Stirn. »Nein.«

»Wovon handelten diese Träume eigentlich?«

Er sah sie scharf an, und sie bereute die Frage sofort.

»Entschuldige«, sagte sie, »ich hätte nicht fragen dürfen.«

Akkarin holte tief Luft. »Nein, ich sollte es dir erzählen. Ich träume von Dingen, die geschehen sind, als ich ein Sklave war. Die meisten dieser Dinge betreffen eine einzige Person.« Er hielt inne. »Eine junge Frau. Sie war Dakovas Sklavin.«

»Die Frau, die dir am Anfang geholfen hat?«

»Ja«, erwiderte er leise. Er hielt inne, dann wandte er den Blick ab. »Ich habe sie geliebt.«

Sonea blinzelte überrascht. Akkarin und die Sklavin? Er hatte sie geliebt? Er hatte eine andere geliebt? Ärger und Unsicherheit stiegen in ihr auf, gefolgt von Schuldgefühlen. War sie eifersüchtig auf eine Frau, die vor Jahren gestorben war? Das war einfach lächerlich.

»Dakova wusste es«, fuhr Akkarin fort. »Wir haben es nicht gewagt, einander zu berühren. Hätten wir es getan, hätte er uns getötet. Es machte ihm Spaß, uns zu quälen, wo er nur konnte. Sie war seine… seine Lustsklavin.«

Sonea schauderte, als ihr langsam klar wurde, was das bedeutet haben musste. Einander täglich zu sehen und doch niemals berühren zu dürfen. Zusehen zu müssen, wie der andere gequält wurde. Sie konnte sich nicht vorstellen, was das für ein Gefühl für Akkarin gewesen sein musste, zu wissen, was das Mädchen durchmachte.

Akkarin seufzte. »Früher habe ich jede Nacht von ihrem Tod geträumt. In meinen Träumen sage ich ihr, dass ich Dakova ablenken würde, damit sie fliehen kann. Ich sage ihr, dass er sie nicht finden würde, weil ich es verhindern werde. Aber sie beachtet mich nie. Sie geht immer zu ihm zurück.«

Sonea griff nach seiner Hand. Seine Finger schlossen sich um ihre.

»Sie hat mir erklärt, dass die Sklaven es als Ehre erachteten, einem Magier zu dienen. Sie meinte, das Ehrgefühl der Sklaven mache ihnen das Leben erträglicher. Ich konnte verstehen, dass sie so dachten, solange sie keine andere Wahl hatten. Vollkommen unbegreiflich fand ich es dagegen, wenn sie sich so verhielten, obwohl sie eine Wahl gehabt hätten – oder wenn sie wussten, dass ihre Herren sie ohnehin zu töten beabsichtigten.«

Sonea dachte an Takan, der Akkarin stets »Meister« genannt hatte; und als er Akkarin das Messer des Ichani gereicht hatte, hatte sie den Eindruck gehabt, als biete er Akkarin mehr an als nur die Klinge. Was vielleicht auch so gewesen war.

»Takan hat nie aufgehört, so zu denken, nicht wahr?«, fragte sie leise.

Akkarin sah sie an. »Nein«, sagte er. »Er ist mit dieser Einstellung groß geworden und konnte sie später nicht mehr abschütteln.« Er lachte leise. »Ich denke, dass er während der letzten Jahre nur deshalb auf den Ritualen bestanden hat, um mich zu ärgern. Ich weiß, dass er niemals freiwillig zu diesem Leben zurückkehren würde.«

»Aber er ist bei dir geblieben, und er hat nicht zugelassen, dass du ihn in Magie unterweist.«

»Nein, aber dafür gab es praktische Gründe. Takan konnte der Gilde nicht beitreten, weil man ihm zu viele Fragen gestellt hätte. Selbst wenn wir eine Vergangenheit für ihn erfunden hätten, wäre es schwierig für ihn gewesen, die Unterrichtsstunden zu meiden, in denen andere Magier in seine Gedanken eingedrungen wären. Und es wäre zu riskant gewesen, ihn heimlich Magie zu lehren. Wenn er nach Sachaka zurückgekehrt wäre, hätte er dort nur überlebt, wenn er schwarze Magie beherrscht hätte. Ich glaube nicht, dass er sich selbst genug vertraute, um als schwarzer Magier in diesem Land zu leben. In Sachaka gibt es nur Sklaven und Herren. Um als Herr zu überleben, hätte er seine eigenen Sklaven besitzen müssen.«

Sonea schauderte. »Sachaka muss ein grausames Land sein.«

Akkarin zuckte die Achseln. »Nicht jeder Herr ist grausam. Die Ichani sind Ausgestoßene. Sie sind die Magier, die der König aus der Stadt verbannt hat – und nicht nur wegen ihres übertriebenen Ehrgeizes.«

»Wie hat der König es geschafft, sie wegzuschicken?«

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