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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Die Punkte, die den Tod bedeuten.

Der Tod ist für die Computer ein statistischer Begriff. Für dich bedeutet er das Überleben.

Der Mönch.

Der Mönch?

Und dann kam wieder das Licht, blendete ihn einen Augenblick lang, er hatte den Fuß auf dem Pflaster, den Blick auf den grauen Citroen gerichtet, der hundert Meter entfernt stand. Aber das Sehen bereitete ihm Schwierigkeiten; warum war es so schwierig? Dunst, Nebel… Jetzt nicht Finsternis, sondern undurchdringlicher Nebel. Ihm war heiß; nein, ihm war kalt. Kalt! Sein Kopf fuhr ruckartig in die Höhe, plötzlich war ihm wieder bewußt, wo er war und was er tat. Er hatte das Gesicht gegen das Glas gepreßt; sein Atem hatte die Scheibe beschlagen.

«Ich steige gleich aus«, sagte Borowski.»Bleiben Sie hier.«

«Den ganzen Tag, wenn Sie wollen, Monsieur.«

Jason klappte sich den Mantelkragen hoch, schob sich den Hut in die Stirn und setzte die Schildpattbrille auf. Er ging an einem Ehepaar vorbei, auf einen Kiosk zu, stellte sich hinter eine Mutter, die mit ihrem Kind vor der Theke stand. Er konnte jetzt den Citroen gut sehen; das Taxi, das man zum Parc Monceau gerufen hatte, war nicht mehr da, Villiers' Frau hatte es weggeschickt. Wieso eigentlich, dachte Borowski; man fand hier nicht so leicht ein Taxi.

Drei Minuten später war ihm der Grund klar… er beunruhigte ihn. Villiers' Frau kam aus der Kirche, sie ging schnell, und ihre hochgewachsene, statuenhafte Gestalt erregte bewundernde Blicke der Passanten. Sie ging direkt auf den Citroen zu, sagte etwas zu den Männern auf den Vordersitzen und öffnete dann die hintere Türe.

Eine Handtasche. Eine weiße Handtasche! Villiers' Frau trug jetzt die Tasche, die noch vor wenigen Minuten Jacqueline Laviers Hand umkrampft hatte. Sie stieg auf den Hintersitz des Citroen und zog die Türe zu. Der Motor wurde angelassen und heulte dann auf. Ein Vorspiel zu einer schnellen, plötzlichen Abfahrt. Als der Wagen davonrollte, wurde der glänzende Metallstab, der die Antenne des Wagens darstellte, kürzer und kürzer, zog sich in den Kofferraum zurück.

Wo war Jacqueline Lavier? Warum hatte sie ihre Handtasche Villiers' Frau gegeben? Borowski wollte sich schon in Bewegung setzen, blieb dann aber stehen, von einem Instinkt gewarnt. Eine Falle? Wenn man der Lavier folgte, war es durchaus möglich, daß diejenigen, die sie beobachteten, ihrerseits beobachtet wurden — und zwar nicht durch ihn.

Er blickte die Straße hinauf und hinunter, studierte die Fußgänger auf dem Bürgersteig, dann jeden Wagen, jeden Fahrer und jeden Passagier, und hielt Ausschau nach einem Gesicht, das nicht hierher gehörte, so wie Villiers gesagt hatte, daß die zwei Männer in dem Citroen nicht in den Parc Monceau gehört hatten.

Aber da war nichts, das die Parade störte, keine unsteten Augen, keine Hände, die sich in überdimensionierten Taschen versteckt hielten. Er übertrieb seine Vorsicht; Neuilly-sur-Seine war keine Falle für ihn. Er entfernte sich von der Theke und ging auf die Kirche zu.

Dann blieb er stehen, so, als wären seine Füße plötzlich im Pflaster verwurzelt. Ein Priester kam aus der Kirche, ein Priester in einem schwarzen Anzug mit gestärktem weißen Kragen und einem schwarzen Hut, der sein Gesicht teilweise verdeckte. Er hatte ihn schon einmal gesehen. Nicht vor langer Zeit, nicht in einer lang vergessenen Vergangenheit, sondern erst vor kurzem, vor ganz kurzer Zeit. Tage… Stunden vielleicht. Doch wo war das gewesen? Wo? Er kannte ihn! Alles an ihm war ihm vertraut, sein Gang, die Art, wie er den Kopf etwas zur Seite neigte, die breiten Schultern, die zu den fließenden Bewegungen seines Körpers paßten. Er war ein Mann mit einer Pistole! Doch wo war das gewesen?

Zürich? Das >Carillon du Lac<? Es waren zwei Männer, die sich den Weg durch die Menge bahnten. Einer trug eine goldgeränderte Brille; das war er nicht. Jener Mann war tot. War es jener andere Mann im >Carillon du Lac<? Oder am Mythen-Quai? Ein Tier, das unartikuliert stöhnte, und dessen Augen von der wilden Leidenschaft verzerrt waren. War er es? Oder jemand anderer? Ein Mann in einem dunklen Mantel im Korridor der >Auberge du Coin<, wo die Lichter plötzlich verloschen und der Lichtschein vom Treppenhaus die Falle beleuchtete. Eine umgekehrte Falle, wo jener Mann in der Dunkelheit seine Waffe auf Umrisse abgefeuert hatte, die er für menschlich hielt. War es jener Mann? Borowski wußte es nicht, er wußte nur, daß er den Priester schon einmal gesehen hatte, aber nicht als Priester. Als einen Mann mit einer Waffe.

Der Killer im Priesteranzug erreichte das Ende des Plattenweges und bog am Sockel des Betonheiligen nach rechts. Einen kurzen Augenblick lang fiel ein Sonnenstrahl auf sein Gesicht. Jason erstarrte; die Haut. Die Haut des Killers war dunkel, nicht von der Sonne gebräunt, sondern von Geburt an. Eine südländische Haut, deren Färbung über Generationen entstanden war, der Abkömmling von Leuten, die immer am Mittelmeer gelebt hatten. Vorfahren, die über den Erdball gewandert waren… über die Meere.

Borowski begriff plötzlich, er war vor Schreck wie erstarrt. Der dort vor ihm stand, war kein anderer als Iljitsch Ramirez

Sanchez.

Carlos. Carlos in die Falle locken. Cain ist für Charlie und Delta ist für Cain.

Jason riß an seinem Jackett, seine rechte Hand umfaßte den Kolben der Pistole, die in seinem Gürtel steckte. Er fing an, aufs Pflaster hinauszurennen, stieß mit den Passanten zusammen, stieß mit der Schulter einen Straßenhändler zur Seite, taumelte an einem Bettler vorbei, der in einem Abfallkorb — der Bettler! Die Hand des Bettlers tauchte in seine Tasche; Jason wirbelte gerade noch rechtzeitig herum, um den Lauf einer Automatic unter dem abgewetzten Mantel hervorlugen zu sehen, die Sonnenstrahlen spiegelten sich in dem Metall. Der Bettler hatte eine Pistole! Seine hagere Hand hob sie, hielt die Waffe ganz gerade, sah ihn voll an. Jason warf sich auf die Straße, prallte von einem kleinen Wagen ab. Er hörte die Kugeleinschläge rings um ihn, jenes endgültige Geräusch. Schreie, schrill und schmerzerfüllt, kamen von unsichtbaren Leuten auf dem Bürgersteig. Borowski duckte sich zwischen zwei Wagen und rannte durch den Verkehr auf die andere Straßenseite. Der Bettler rannte weg; ein alter Mann mit Augen aus Stahl rannte in die Menge hinein, ins Vergessen.

Carlos. Carlos in die Falle locken. Cain ist…!

Wieder wirbelte Jason herum und taumelte erneut, warf sich nach vorne, schob alles weg, das sich ihm in den Weg stellte, um den Killer zu verfolgen. Er blieb atemlos stehen, verwirrt und irgendwie wütend. Plötzlich verspürte er einen bohrenden Schmerz an den Schläfen. Wo war er? Wo war Carlos! Und dann sah er ihn; der Killer hatte sich hinter das Steuer einer mächtigen schwarzen Limousine gesetzt. Borowski rannte wieder auf die Straße zurück, rempelte Fußgänger an, lädierte Kotflügel und Motorhauben. Plötzlich versperrten ihm zwei Wagen den Weg, die miteinander kollidiert waren. Seitwärts sprang er über die ineinander verkeilten Stoßstangen. Doch dann blieb er wieder stehen, und seine Augen füllten sich mit Tränen über das, was er sah; gleichzeitig wußte er, daß es sinnlos war, weiterzugehen. Er war zu spät gekommen. Die große schwarze Limousine hatte eine Lücke im Verkehr entdeckt, und Iljitsch Ramirez Sanchez jagte davon.

Die Lavier! Borowski fing wieder zu rennen an, auf die Kirche des Geheiligten Sakraments zu. Er erreichte den Plattenweg unter den Augen des Betonheiligen und bog nach links, rannte auf die mächtigen, mit Skulpturen versehenen Flügel und die marmorne Treppe zu. Er jagte hinauf, rannte in die gotische Kirche, sah sich ganzen Regalen mit flackernden Kerzen gegenüber, während sich aus den Mosaikglasfenstern hoch ober in den finsteren Steinmauern ineinander verschmolzene Strahlen farbigen Lichts ergossen. Er ging den Mittelgang hinunter und starrte die Gläubigen an, hielt Ausschau nach einem Kopf mit dunklem Haar, das von silbernen Strähnen durchzogen war, und unter dem ein totenbleiches Gesicht zur Maske erstarrt schien.

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