Der Borowski-Betrug
- Автор: Ладлэм Роберт
- Язык: немецкий
- Переводчик: Heinz Nagel
- Жанр: Триллеры
Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:
Falsch! Verdammt, falsch!
Du mußt Treadstone finden. Eine Nachricht finden. Einen Mann finden.
Kapitel 29
Jason machte sich auf dem Rücksitz ganz klein, als sich das Taxi dem Haus von Villiers in Parc Monceau näherte. Er musterte die Wagen, die die Bürgersteige säumten; da stand kein grauer Citroen mit dem Nummernschild, das die Anfangsbuchstaben NYR trug.
Aber da war Villiers. Der alte Soldat stand alleine an der Straße, vier Türen von seinem Haus entfernt.
Zwei Männer… in einem Wagen, vier Häuser von dem meinen entfernt.
Villiers stand jetzt dort, wo jener Wagen gestanden hatte; das war ein Signal.
«Halten Sie bitte an«, sagte Borowski zu dem Fahrer.»Ich möchte mit dem alten Herrn da drüben sprechen. «Er kurbelte das Fenster herunter und lehnte sich nach vorne. »Monsieur?«
«Reden wir englisch«, erwiderte Villiers und ging auf das Taxi zu, ein alter Mann, den ein Fremder herbeigerufen hat.
«Was ist geschehen?«fragte Jason.
«Ich konnte alle beide nicht aufhalten.«
«Alle beide?«
«Meine Frau ist mit der Lavier weggefahren. Ich war allerdings hartnäckig. Ich habe ihr gesagt, sie solle im George V. auf meinen Anruf warten. Es sei eine Angelegenheit von höchster Wichtigkeit, und ich brauchte ihren Rat.«
«Was hat sie gesagt?«
«Sie wäre nicht sicher, ob sie im George V. sein würde. Ihre Freundin bestünde darauf, einen Priester in Neuilly-sur-Seine aufzusuchen, in der Kirche des Geheiligten Sakraments. Sie sagte, sie fühlte sich verpflichtet, sie zu begleiten.«
«Haben Sie Einwände vorgebracht?«
«Mit einer Heftigkeit, die ihr merkwürdig vorkam. Denn sie hat zum erstenmal in unserem gemeinsamen Leben die Gedanken ausgesprochen, die mich bewegten. Sie sagte: >Wenn es dein Wunsch ist, mir nachzuspionieren, Andre, kannst du ja die Pfarrei anrufen. Ich bin sicher, daß jemand mich erkennt und zu einem Telefon führt.< Ob sie mich damit auf die Probe stellen wollte?«
Borowski versuchte nachzudenken.»Vielleicht. Sicher wird sie dafür sorgen, daß jemand sie dort sieht. Aber sie zu einem Telefon führen, ist wieder etwas ganz anderes. Wann sind die beiden weggefahren?«
«Vor weniger als fünf Minuten.«
«Mit Ihrem Wagen?«
«Nein. Meine Frau hat ein Taxi gerufen.«
«Die zwei Männer in dem Citroen sind ihnen gefolgt.«
«Ich fahre hin«, sagte Jason.
«Das habe ich schon vermutet«, sagte Villiers.»Ich habe die Adresse der Kirche nachgesehen.«
Borowski ließ eine Fünfzigfranc-Banknote über die Rücklehne des Vordersitzes fallen. Der Fahrer schnappte danach.»Es ist sehr wichtig für mich, daß ich so schnell wie möglich nach Neuilly-sur-Seine komme. Die Kirche des >Geheiligten Sakraments<. Wissen Sie, wo die ist?«
«Aber natürlich, Monsieur. Das ist die schönste Pfarrei in der ganzen Gegend.«
«Sehen Sie zu, daß wir schnell hinkommen, dann bekommen Sie noch einmal fünfzig Francs.«
«Wir werden auf den Flügeln von Engeln fliegen, Monsieur!«
Und sie flogen, wobei sie sich unterwegs eine Unzahl keineswegs heiliger Gedanken von Fahrern anderer Fahrzeuge zuzogen.
«Dort sind die Türme das >Geheiligten Sakraments<, Monsieur«, sagte der siegreiche Fahrer zwölf Minuten später und deutete durch die Windschutzscheibe auf drei hochragende Steintürme.»Eine Minute, zwei vielleicht, wenn diese Idioten, die man eigentlich von der Straße fernhalten müßte…«
«Nur langsam«, unterbrach Borowski, dessen Aufmerksamkeit nicht den Türmen der Kirche, sondern einem Wagen galt, der einige Wagenlängen vor ihnen fuhr. Sie waren um eine Ecke gerollt und er hatte ihn dabei entdeckt; es war ein grauer Citroen, und auf dem Vordersitz saßen zwei Männer.
Sie kamen an eine Verkehrsampel; die Fahrzeuge hielten an. Jason ließ die zweite Fünfzigfrancnote über den Sitz fallen und öffnete die Tür.»Ich bin gleich wieder da. Wenn die Ampel wechselt, fahren Sie langsam weiter, dann springe ich herein.«
Borowski stieg aus, rannte geduckt zwischen den Wagen nach vorne, bis er die Buchstaben sehen konnte. NYR; die Ziffern dahinter waren 768, aber für den Augenblick waren sie bedeutungslos. Der Taxifahrer hatte sich sein Geld verdient.
Die Ampel schaltete um, und die Reihe von Automobilen ruckte nach vorne wie ein in die Länge gezogenes Insekt, das seine einzelnen Panzerteile in Bewegung setzt. Das Taxi kam; Jason öffnete die Tür und stieg ein.»Sie machen gute Arbeit«, sagte er zu dem Fahrer.
«Ich bin mir wirklich nicht sicher, daß ich die Arbeit auch kenne, die ich hier leiste.«
«Eine Angelegenheit des Herzens. Man muß den Betrüger auf frischer Tat ertappen.«
«In der Kirche, Monsieur? Die Welt dreht sich zu schnell für mich.«
«Aber nicht im Verkehr«, sagte Borowski. Sie näherten sich der letzten Straßenkreuzung vor der Kirche des >Geheiligten Sakraments<. Der Citroen bog ab, zwischen ihm und dem Taxi war noch ein einziger Wagen, dessen Passagiere nicht zu erkennen waren. Irgend etwas störte Jason. Die Überwachung seitens der zwei Männer war zu deutlich, viel zu offensichtlich. Es war gerade, als wollten die Soldaten Carlos', daß jemand in dem Taxi wußte, daß sie da waren.
Natürlich! Villiers' Frau war in dem Taxi. Mit Jacqueline Lavier. Und die beiden Männer in dem Citroen wollten, daß Villiers' Frau wußte, daß sie hinter ihr her waren.
«Wir sind da«, sagte der Fahrer und fuhr in die Straße, wo die Kirche sich in mittelalterlichem Prunk inmitten eines kurzgeschorenen Rasens erhob, der von plattenbelegten Wegen durchkreuzt und mit Statuen geschmückt war.»Was soll ich jetzt tun, Monieur?«
«Halten Sie dort«, befahl Jason und deutete auf eine Lücke in der Reihe parkender Fahrzeuge. Das Taxi mit Villiers' Frau und der Lavier hielt vor einem Fußweg, der von einem Heiligen aus Beton bewacht wurde. Villiers' Frau stieg als erste aus und streckte Jacqueline Lavier die Hand hin, die aschfahl aus dem Wagen stieg. Sie trug eine große, orangegeränderte Sonnenbrille und eine weiße Handtasche, aber ihre ganze Eleganz war verflogen. Die Krone ihres mit silbernen Strähnen durchzogenen Haares fiel gerade und formlos über die kalkweiße Totenmaske ihres Gesichts. Ihre Strümpfe waren zerrissen. Sie war wenigstens dreihundert Fuß entfernt, aber Borowski hatte das Gefühl, ihren stockenden Atem hören zu können, der die zögernden Bewegungen ihrer einst königlichen Gestalt begleitete.
Der Citroen war ein Stück weitergefahren und näherte sich jetzt ebenfalls dem Randstein. Keiner der beiden Männer stieg aus, aber aus dem Kofferraum schob sich jetzt ein dünner Metallstab, der das Sonnenlicht reflektierte. Die Radioantenne wurde eingeschaltet, über eine Geheimfrequenz ging ein Codespruch hinaus. Jason war wie hypnotisiert, nicht von dem, was er sah und dem Wissen, was hier geschah, sondern von etwas anderem. Worte flogen ihm zu, er wußte nicht, woher, aber sie waren da.
Delta an Almanach, Delta an Almanach. Wir werden nicht antworten. Wiederhole, negativ, Bruder.
Almanach an Delta. Sie werden wie befohlen antworten. Aufgeben, aufgeben. Das ist endgültig.
Delta an Almanach. Du bist endgültig, Bruder. Geh und flck dich selber. Delta Ende, Gerät beschädigt.
Plötzlich umgab ihn wieder die Dunkelheit, das Licht der Sonne war verschwunden. Da waren keine hochragenden Türme einer Kirche mehr, die nach dem Himmel griffen; statt dessen waren da schwarze Umrisse von unregelmäßigem Blattwerk, das im Licht irisierender Wolken schauderte. Alles war in Bewegung, alles war in Bewegung; und er mußte sich der Bewegung anschließen. Reglos bleiben, hieß sterben. Bewegen! Um Himmels willen, beweg dich!
Und hol sie heraus. Einen nach dem anderen. Du mußt näher herankriechen, die Angst überwinden — die schreckliche Angst — und ihre Zahl verringern. Das war alles, worum es ging. Die Zahl reduzieren. Der Mönch hatte das ganz klargemacht. Messer, Draht, Knie, Daumen; du kennst doch die Punkte, wo man Schaden anrichten kann.