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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)

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Das flammende Kreuz: Roman (German Edition)
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Dann machte er kehrt und trat vom Feuer zurück. Dabei sah er sich nach Roger um. Roger nickte ihm zu, schluckte, um den Hals freizubekommen, und begann im Dunkeln leise das Lied zu singen, das Jamie sich zum Abschluss des Zeremoniells gewünscht hatte – »The Flower of Scotland«.

»O flower of Scotland,

When will we see your likes again?

You fought and died for

Your wee bit hill and glen…«

Keins von den Liedern, die Brianna kriegstreiberisch fand. Es war ein ernstes, melancholisches Lied. Dennoch war es kein Lied der Trauer, sondern eins der Erinnerung, des Stolzes, der Entschlossenheit. Es war nicht einmal ein echtes, altes Lied –- Roger kannte den Mann, der es geschrieben hatte, in seiner eigenen Zeit –, doch Jamie hatte es bei ihm gehört, und da er die Geschichte Stirlings und Bannockburns kannte, war die Aussage des Liedes ganz in seinem Sinne.

»And stood against him,

Proud Edward’s army,

And sent him homeward,

Tae think again

Die Schotten in der Menge ließen ihn die Strophen allein singen, doch beim Refrain fielen die Stimmen erst leise, dann lauter ein.

»And sent him ho-omeward

Tae think again

Ihm fiel etwas ein, das Brianna ihm letzte Nacht im Bett erzählt hatte, während der wenigen Minuten, die sie beide noch bei Bewusstsein waren. Sie hatten sich über die Menschen dieser Zeit unterhalten und sich überlegt, ob sie wohl eines Tages Männern wie Jefferson oder Washington persönlich begegnen würden; es war eine aufregende – und alles andere als undenkbare – Vorstellung. Sie hatte John Adams erwähnt und etwas zitiert, wovon sie gelesen hatte, dass Adams es im Lauf der Revolution gesagt hatte – oder vielmehr sagen würde:

»Ich bin ein Krieger, auf dass mein Sohn ein Kaufmann werden kann – und sein Sohn ein Poet

»The hills are bare now,

And autumn leaves lie thick and still,

O’er land that is lost now,

Which those so dearly held.

That stood against him,

Proud Edward’s army,

And sent him homeward,

Tae think again

Es war nicht mehr Edwards Armee, wie in dem Lied, sondern Georges Armee. Und doch war es die gleiche, stolze Armee. Er erspähte Claire, die abseits bei den anderen Frauen stand, ganz am Rand des Lichtkreises. Ihre Miene war abwesend, und sie stand bewegungslos, während das Haar ihr lose das Gesicht umwehte und ein innerer Schatten ihre goldenen Augen verdunkelte – die auf Jamie gerichtet waren, der ruhig an ihrer Seite stand.

Dieselbe stolze Armee, in der sie einst gekämpft hatte; die stolze Armee, in der sein Vater gestorben war. Er spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte, zwang die Luft aus der Tiefe hindurch und sang mit aller Kraft weiter. Ich bin ein Krieger, auf dass mein Sohn ein Kaufmann werden kann – und sein Sohn ein Poet. Weder Adams noch Jefferson hatten je gekämpft, und Jefferson hatte keine Söhne gehabt. Er war der Poet gewesen, dessen Worte durch die Jahre weiter gehallt hatten, Armeen zusammengetrommelt hatten, in den Herzen jener gebrannt hatten, die bereit waren, für diese Worte zu sterben und für das Land, das sich auf sie gründete.

Vielleicht liegt es ja an seinem Haar, dachte Roger voller Ironie – er sah den rötlichen Schimmer, als Jamie, der schweigend über das Unterfangen wachte, das er begonnen hatte, eine Bewegung machte. Eine Spur von Wikingerblut, die diesen hochgewachsenen, flammendroten Männern die Gabe verlieh, andere zum Krieg anzustiften.

»You fought and died for

Your wee bit hill and glen…«

Das hatten sie getan, für ihre Täler und Hügel gekämpft, und sie würden es wieder tun. Denn das war es doch immer, wofür Männer kämpften, nicht wahr? Ihre Heime und Familien. Wieder schimmerte rotes Haar auf, lose im Feuerschein neben dem Skelett des Schweins. Brianna, Jemmy auf dem Arm. Und wenn Roger jetzt auch der Barde eines Highlandhäuptlings war, musste er doch auch versuchen, ein Krieger zu werden, wenn die Zeit kam – um seines Sohnes willen und all derer, die nach ihm kommen würden.

»And sent him homeward

Tae think again.

Tae think … again

Kapitel 25

Der Segen der Engel

Trotz der späten Stunde schliefen wir in unausgesprochenem Einverständnis miteinander, denn wir sehnten uns beide nach der beruhigenden Zuflucht, die der Körper des anderen bot. Allein in unserem Schlafzimmer, die Fensterläden fest gegen die Geräusche vor dem Haus verschlossen – auf allgemeinen Wunsch sang der arme Roger immer noch –, konnten wir die Nöte und die Erschöpfung des Tages abstreifen – zumindest für eine kleine Weile.

Hinterher hielt er mich fest, sein Gesicht in meinem Haar vergraben, und umklammerte mich wie einen Talisman.

»Es wird alles gut«, sagte ich leise, strich über sein feuchtes Haar und grub meine Finger fest in die Stelle, wo Hals und Schulter aufeinander trafen. Der Muskel unter seiner Haut war so hart wie Holz.

»Aye, ich weiß.« Er lag ein paar Minuten still und ließ sich von mir massieren, und die Verspannungen in seinem Hals und seinen Schultern ließen allmählich nach. Sein Körper wurde schwerer auf dem meinen. Er spürte, wie ich unter ihm Luft holte, und rollte sich auf die Seite.

Sein Magen knurrte laut, und wir lachten beide.

»Keine Zeit zum Abendessen gehabt?«, fragte ich.

»Unmittelbar vorher kann ich nichts essen«, antwortete er. »Dann bekomme ich Magenkrämpfe. Und hinterher hatte ich keine Zeit. Wir haben nicht zufällig etwas Essbares hier oben?«

»Nein«, bedauerte ich. »Ich hatte ein paar Äpfel, aber die Chisholms haben sie erwischt. Tut mir leid, ich hätte daran denken sollen, etwas für dich mitzunehmen.« Ich wusste, dass er nur selten »vorher« aß – vor Kämpfen, Konfrontationen oder anderen, gesellschaftlich fordernden Situationen –, war aber nicht auf den Gedanken gekommen, dass er vielleicht hinterher keine Gelegenheit mehr zum Essen gehabt hatte, weil ihn alle Welt »nur einen kleinen Moment« sprechen wollte.

»Es war ja nicht so, als hättest du keine anderen Probleme, Sassenach«, antwortete er trocken. »Mach dir keine Sorgen; ich werd’s bis zum Frühstück überleben.«

»Bist du sicher?« Ich ließ meinen Fuß aus dem Bett hängen und machte Anstalten aufzustehen. »Es ist noch reichlich da, und wenn du nicht nach unten gehen möchtest, könnte ich gehen und –«

Er gebot mir Einhalt, indem er mir die Hand auf den Arm legte, dann zog er mich wieder unter die Bettdecke, schmiegte sich an meinen Rücken und schlang den Arm um mich, um sicher zu gehen, dass ich blieb, wo ich war.

»Nein«, sagte er bestimmt. »Dies ist vielleicht für einige Zeit die letzte Nacht, die ich in einem Bett verbringe. Ich habe vor, darin zu bleiben – mit dir.«

»Na gut.« Ich kuschelte mich gehorsam unter sein Kinn und lehnte mich entspannt an ihn. Ich hatte nichts dagegen zu bleiben. Ich verstand ihn; solange kein Notfall eintrat, würde zwar niemand kommen und uns holen, doch sein oder mein bloßer Anblick würde unten auf der Stelle zu einem Ansturm von Leuten führen, die dieses oder jenes brauchten, gern eine Frage stellen wollten, uns ihren Rat anbieten wollten oder denen etwas fehlte … viel besser, hier zu bleiben, gemütlich und friedvoll, zusammen.

Ich hatte die Kerze gelöscht, und das Feuer war weit heruntergebrannt. Ich fragte mich kurz, ob ich aufstehen und neues Holz auflegen sollte, entschied mich aber dagegen. Sollte es doch ausglühen, wenn es wollte; wir würden bei Tagesanbruch fort sein.

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