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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Und heiß, nicht kalt. Mit kreischenden Vögeln und pfeifenden Metallstücken…

«Jason!«

«Was?«

«Komm zurück. Darling. Bitte, komm zurück.«

«Warum?«

«Du bist müde. Du brauchst Ruhe.«

«Ich muß Trignon erreichen. Pierre Trignon. Er ist der Buchhalter.«

«Tu es morgen. Es hat Zeit bis morgen.«

«Nein. Morgen kommen die Kapitäne dran.«Was sagte er da? Kapitäne. Truppen, die in Panik kollidieren. Aber das war jetzt die einzige Möglichkeit. Die einzige Möglichkeit. Das Chamäleon war ein… Provokateur.

«Hör mir zu«, sagte Marie mit eindringlicher Stimme.»Mit dir ist etwas nicht in Ordnung. Das ist mir schon früher aufgefallen; das wissen wir beide, mein Liebster. Und dann mußt du aufhören, das wissen wir auch. Komm zum Hotel zurück. Bitte.«

Borowski schloß die Augen, der Schweiß begann zu trocknen, die Geräusche des Verkehrs außerhalb der Telefonzelle verdrängten das Kreischen in seinen Ohren. Er konnte die Sterne am kalten Nachthimmel sehen. Kein blendendes Sonnenlicht mehr, keine unerträgliche Hitze. Es war vorübergegangen.

«Ich bin wieder in Ordnung. Wirklich, alles okay.«

«Jason?«Marie sprach ganz langsam, zwang ihn, ihr zuzuhören.»Was war los?«

«Ich weiß nicht.«

«Du hast gerade diese Brielle gesehen. Hat sie etwas zu dir gesagt? Etwas, das Erinnerungen in dir weckte?«

«Ich weiß nicht.«

«Denk nach, Liebster!«

Borowski schloß die Augen, versuchte sich zu erinnern. War da etwas gewesen? Etwas, das beiläufig ausgesprochen worden war, oder so schnell, daß es ihm im Augenblick gar nicht aufgefallen war.»Sie hat mich einen Provokateur genannt«, sagte Jason und begriff nicht, warum das Wort zu ihm zurückkam.»Aber das bin ich ja schließlich, nicht wahr? Das ist es doch, was ich tue.«

«Ja«, gab Marie ihm recht.

«Ich muß weiter«, fuhr Borowski fort.»Trignons Wohnung ist nur ein paar Häuserblocks von hier entfernt. Ich will vor zehn Uhr bei ihm sein.«

«Sei vorsichtig!«Marie sprach, als wären ihre Gedanken anderswo.

«Das bin ich. Ich liebe dich.«

«Ich glaube an dich«, sagte Marie St. Jacques.

Die Straße war still, der Block eine seltsame Mischung aus Geschäften und Wohnungen, typisch für das Zentrum von Paris; am Tag voller aufgeregter Geschäftigkeit, nachts verlassen.

Jason erreichte das kleine Appartementhaus, wo sich Pierre Trignons Wohnung befand. Er stieg die Treppe hinauf und betrat das saubere, schwach beleuchtete Foyer. Zur Rechten gab es eine Reihe von Bronzebriefkästen, jeder über einem kleinen, mit Speichen versehenen Kreis, der Sprechanlage. Jason fuhr mit dem Finger über die gedruckten Namen unter den Schlitzen: M. PIERRE TRIGNON — 42. Er drückte den kleinen schwarzen Knopf zweimal; zehn Sekunden später war ein knatterndes Geräusch zu hören, das die Stimme halb übertönte.

«Ja?«

«Monsieur Trignon?«

«Jawohl.«

«Telegramm, Monsieur. Ich bin in Eile und kann mein Fahrrad nicht im Stich lassen.«

«Ein Telegramm, für mich?«

Pierre Trignon war kein Mann, der häufig Telegramme erhielt; das war an seiner überraschten Stimme zu merken. Der Rest seiner Worte war kaum zu verstehen, aber eine Frauenstimme im Hintergrund wirkte geradezu verstört, vermutete schon allerlei mögliche Katastrophen.

Borowski wartete vor der Milchglastüre, die ins Innere des Appartementhauses führte. Binnen Sekunden hörte er das schnelle Klappern von Schritten immer lauter werden, als jemand — offensichtlich Trignon — die Treppe heruntergeeilt kam. Die Tür flog auf, verbarg Jason; ein kräftig gebauter Mann, dem schon die meisten Haare ausgegangen waren, mit Hosenträgern, die das Fleisch unter dem vorquellenden weißen Hemd einzwängten, ging auf die Briefkästen zu und blieb bei Nummer 42 stehen.

«Monsieur Trignon?«

Der kräftig gebaute Mann fuhr herum, sein joviales Gesicht wirkte völlig hilflos.»Haben Sie mir ein Telegramm gebracht?«rief er.

«Ich bitte um Entschuldigung für die kleine Lüge, Trignon, aber ich habe das Ihretwegen getan. Ich dachte, Sie würden nicht gerne vor Ihrer Frau und Ihrer Familie verhört werden.«

«Verhört?« rief der Buchhalter aus, und seine dicken, vorstehenden Lippen kräuselten sich verwundert, seine Augen blickten verängstigt. »»Mich? Wozu? Was soll das? Warum sind Sie hier in meinem Haus? Ich bin ein anständiger Bürger und habe nur nie etwas zuschulden kommen lassen!«

«Sie arbeiten in der Rue Saint-Honore? Für eine Firma, die sich Les Classiques nennt?«

«Ja. Wer sind Sie?«

«Wenn Sie es vorziehen, können wir in mein Büro gehen«, sagte Borowski.

«Wer sind Sie?«

«Ich führe eine Sonderuntersuchung für die Steuerbehörde durch, Abteilung für Betrugsfälle. Kommen Sie mit — mein Dienstwagen steht draußen.«

«Draußen? Mitkommen? Ich habe keine Jacke, keinen Mantel! Meine Frau. Sie ist oben und wartet auf mich, wartet, daß ich ein Telegramm bringe. Ein Telegramm!«

«Sie können ihr ja eines schicken, wenn Sie wollen. Kommen Sie jetzt mit. Ich war den ganzen Tag mit dieser Geschichte beschäftigt und möchte das jetzt abschließen.«

«Bitte, Monsieur«, protestierte Trignon.»Was fällt Ihnen ein? Sie sagten, Sie hätten Fragen zu stellen. Stellen Sie Ihre Fragen und lassen Sie mich wieder hinauf. Ich will nicht in Ihr Büro.«

«Es dauert nur ein paar Minuten«, sagte Jason.

«Ich werde meiner Frau erklären, daß es sich um einen Irrtum gehandelt hat. Das Telegramm ist für den alten Gravet; er wohnt hier im Erdgeschoß und kann kaum lesen. Das wird sie verstehen.«

Madame Trignon verstand das nicht, aber ihre schrillen Einwände wurden von einem noch schrilleren Monsieur Trignon zum Schweigen gebracht.»Da sehen Sie es«, sagte der Buchhalter und richtete sich von dem Briefschlitz auf. Borowski konnte sehen, daß die Haarsträhnen über seinem kahlen Schädel vom Schweiß naß waren.»Es gibt keinen Anlaß, irgendwohin zu gehen. Was sind schon ein paar Minuten im Leben eines Mannes? Die Fernsehshows werden in ein oder zwei Monaten ja ohnehin wiederholt. Also, was in Gottes Namen soll das alles, Monsieur? Meine Bücher sind in Ordnung. Da gibt es nichts! Natürlich bin ich nicht für die Arbeit des Buchhalters verantwortlich. Das ist eine separate Firma; er ist eine separate Firma. Offen gestanden, habe ich ihn nie gemocht; er flucht die ganze Zeit, wenn Sie wissen, was ich meine. Aber wer bin ich schon, um etwas dagegen zu sagen?«Trignon streckte seine Hände mit gespielter Verzweiflung aus, das Gesicht zu einem unterwürfigen Lächeln verzogen.

«Zunächst einmal«, sagte Borowski und tat die Proteste ab, als hätte er sie nicht gehört,»dürfen Sie die Stadtgrenzen von Paris nicht verlassen. Wenn Sie aus irgendeinem Grunde persönlich oder beruflich aufgefordert werden sollten, das zu tun, müssen Sie uns verständigen. Um es offen zu sagen, Sie werden keine Genehmigung bekommen.«

«Sie scherzen, Monsieur!«

«Das tue ich ganz bestimmt nicht.«

«Ich habe keinen Grund, Paris zu verlassen — und auch nicht das Geld dazu — aber es ist unglaublich, daß man zu mir so etwas sagt. Was habe ich getan?«

«Das Bureau wird Ihre Bücher morgen früh beschlagnahmen. Seien Sie darauf vorbereitet.«

«Beschlagnahmen? Aus welchem Grund? Worauf vorbereitet?«

«Zahlungen an sogenannte Lieferanten, deren Rechnungen betrügerisch sind. Die Ware ist nie entgegengenommen worden

— war nie dazu bestimmt, entgegengenommen zu werden — und die Zahlungen sind statt dessen auf eine Bank in Zürich geleitet worden.«

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