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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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«Keine Ursache… mein Freund. «Marie legte auf. Sie war tief bewegt und in gleichem Maße beunruhigt. Sie war nicht überzeugt, daß Villiers den nächsten vierundzwanzig Stunden gewachsen sein würde. Und dann würde der Meuchelmörder wissen, daß er in der Falle saß, und befehlen, im Les Classiques zu räumen und zu verschwinden. Oder es würde zu einem Blutbad in Saint-Honore kommen.

Wenn das passierte, war es aus. Dann gab es keine Adresse in New York mehr, keine Botschaft mehr zu entziffern, keinen Sender zu finden. Der Mann, den sie liebte, wurde in das Dunkel, aus dem er kam, zurückgestoßen werden. Und er würde sie verlassen.

Kapitel 28

Borowski sah sie an der Ecke, sie ging im Schein der Straßenlaterne auf das kleine Hotel zu, in dem sie wohnte. Monique Brielle, Jacqueline Laviers rechte Hand, war eine härtere, sehnigere Ausgabe von Janine Dolbert; er erinnerte sich daran, sie im Laden gesehen zu haben. Ihr Schritt war der einer selbstbewußten Frau, die wußte, was sie wollte. Jason konnte gut verstehen, daß sie die rechte Hand der Lavier war. Ihre Begegnung würde kurz sein, seine Botschaft würde sie erschrecken und ihr bedrohlich vorkommen. Er blieb reglos stehen und ließ sie an sich vorbeigehen. Ihre Absätze klapperten auf dem Pflaster. Auf der Straße befanden sich vielleicht ein halbes Dutzend Leute. Man mußte sie von hier wegbringen. Höchstens dreißig Fuß vor dem Eingang des kleinen Hotels holte er sie ein; er verlangsamte seinen Schritt auf ihr Tempo und hielt sich an ihrer Seite.

«Sie müssen sofort mit der Lavier Verbindung aufnehmen«, sagte er in französischer Sprache und blickte starr nach vorne.

«Pardon? Was haben Sie gesagt? Wer sind Sie, Monsieur?«

«Bleiben Sie nicht stehen! Gehen Sie weiter. Am Eingang vorbei.«

«Sie wissen, wo ich wohne?«

«Es gibt sehr wenig, das wir nicht wissen.«

«Und wenn ich hineingehe? Es gibt einen Portier — «

«Es gibt auch die Lavier«, unterbrach Borowski.»Sie werden Ihre Stellung verlieren und auf der ganzen Rue Saint-Honore keine mehr finden. Und ich fürchte sogar, daß das das geringste Ihrer Probleme sein wird.«

«Wer sind Sie?«

«Nicht Ihr Feind. «Jason sah sie an.»Machen Sie mich nicht dazu.«

«Sie. Der Amerikaner! Janine… Claude Oreale!«

«Carlos«, ergänzte Borowski.

«Carlos? Was soll dieser Wahnsinn? Den ganzen Nachmittag nichts als Carlos! Und Nummern! Jeder hat eine Nummer, von der noch nie jemand gehört hat! Und all das Gerede von Fallen und von Männern mit Waffen! Verrückt ist das!«

«Ist aber Realität. Gehen Sie weiter. Bitte. Um Ihrer selbst willen.«

Sie gehorchte, aber ihr Schritt war jetzt weniger sicher, ihr Körper steif, eine starre Marionette, die ihrer Fäden unsicher war.»Jacqueline hat mit uns gesprochen«, sagte sie mit eindringlicher Stimme.»Sie hat uns gesagt, es sei alles

Wahnsinn, daß — Sie — sich vorgenommen hätten, Les Classiques zu ruinieren. Daß eines der anderen Häuser Sie dafür bezahlt haben muß, um uns zu ruinieren.«

«Was haben Sie denn erwartet, daß sie sagt?«

«Sie sind ein bezahlter Provokateur. Sie hat uns die

Wahrheit gesagt.«

«Hat Sie Ihnen auch gesagt, daß Sie den Mund halten sollen? Daß Sie zu niemandem etwas davon sagen dürfen?«

«Natürlich.«

«Und ganz besonders«, fuhr Jason fort, als hätte er sie nicht gehört,»dürfen Sie keine Verbindung mit der Polizei aufnehmen, was unter den gegebenen Umständen ja eigentlich das logischste wäre. In mancher Hinsicht sogar das einzig mögliche.«

«Ja, natürlich…«

«Nicht natürlich«, widersprach Borowski.»Hören Sie, ich bin nur ein Verbindungsmann, ich stehe wahrscheinlich nicht viel höher in der Hierarchie als Sie selbst. Ich bin nicht hier, um Sie zu überzeugen, ich bin hier, um eine Nachricht zu übermittlen. Wir haben mit der Dolbert einen Versuch gemacht; wir haben ihr falsche Informationen eingetrichtert.«

«Janine?«Monique Brielle war perplex, und dazu kam noch, daß ihr alles immer verwirrender vorkam.»Was sie gesagt hat, war unglaublich! Ebenso unglaublich wie Claudes hysterisches Geschrei. Aber jeder von ihnen sagte etwas anderes.«

«Das wissen wir; war auch unsere Absicht. Sie hat mit Azur gesprochen.«

«Dem House of Azur?«

«Das können Sie ja morgen überprüfen. Sie müssen sie einfach zur Rede stellen.«

«Sie zur Rede stellen?«

«Ja. Interpol einschalten.«

«Was? Das ist alles verrückt! Ich weiß nicht, wovon Sie reden!«

«Die Lavier weiß es, nehmen Sie sofort mit Ihr Verbindung auf. «Sie näherten sich dem Ende des Häuserblocks; Jason berührte ihren Arm.»Ich werde Sie hier an der Ecke verlassen. Gehen Sie zu Ihrem Hotel zurück und rufen Sie Jacqueline an. Sagen Sie ihr, die Sache hätte sich zugespitzt. Es droht Gefahr. Und am allerschlimmsten, jemand wäre abgesprungen. Nicht die Dolbert, keine der Verkäuferinnen, sondern jemand viel weiter oben. Jemand, der alles weiß.«

«Abgesprungen? Was bedeutet das?«

«Es gibt einen Verräter in Les Classiques. Sagen Sie ihr, sie soll vorsichtig sein. Allen gegenüber. Wenn sie das nicht ist, könnte das unser aller Ende bedeuten. «Borowski ließ ihren Arm los und verließ den Bürgersteig, überquerte die Straße. Auf der anderen Seite fand er eine etwas zurückliegende Türnische und stellte sich hinein.

Er schob sein Gesicht bis zum Rand und spähte hinaus, blickte zu der Straßenecke hinüber. Monique Brielle hatte bereits die Hälfte des Weges zurückgelegt, rannte auf den Eingang ihres Hotels zu. Die Jagd hatte begonnen; jetzt war es Zeit, Marie anzurufen.

«Ich mache mir um Villiers Sorgen, Jason. Er verliert fast den Verstand. Der Schock sitzt ihm noch zu sehr in den Knochen.«

«Er wird damit fertig werden«, sagte Borowski und beobachtete den Verkehr auf den Champs-Elysees aus dem Inneren der verglasten Telefonzelle und wünschte, er könne in bezug auf Andre Villiers mehr Zuversicht empfinden.»Wenn nicht, habe ich ihn getötet. Ich will nicht mein Gewissen belasten, aber ich werde mich schuldig fühlen. Ich hätte meinen verdammten Mund halten und sie mir selbst vornehmen sollen.«

«Das hättest du nicht geschafft. Du hast ja d'Anjou auf der Treppe gesehen; du hättest nicht hineingehen können.«

«Ich hätte mir irgend etwas überlegen können.«

«Aber was du jetzt tust ist besser! Du erzeugst Panik, zwingst die Leute, die Carlos' Befehle ausführen, dazu, sich zu zeigen. Bald wirst du es wissen, Jason. Du wirst ihn kriegen! Ganz bestimmt!«

«Hoffentlich! Ich weiß genau, was ich tue, aber dann werde ich immer wieder…«Borowski hielt inne. Er sagte das ungern, aber er mußte es — er mußte es zu ihr sagen.»Dann werde ich verwirrt. Es ist, als bestünde ich aus zwei Teilen, wobei ein Teil von mir sagt >du mußt dich selbst retten<, und der andere Teil… Gott helfe mir… sagt mir >du mußt Carlos fertigmachen<.«

«Das hast du doch von Anfang an getan, oder?«sagte Marie mit leiser Stimme.

«Carlos ist mir gleichgültig!« schrie Jason und wischte sich den Schweiß von der Stirn und merkte, daß es kalter Schweiß war.»Es macht mich wahnsinnig«, fügte er hinzu und war nicht sicher, ob er die Worte laut ausgesprochen oder nur gedacht hatte.

«Darling, komm zurück.«

«Was?«Borowski sah das Telefon an und wußte wieder nicht, ob er die Worte tatsächlich gehört hatte, oder ob sie nur in seinen Gedanken existierten. Jetzt geschah es wieder. Die Realität löste sich auf. Der Himmel draußen vor einer Telefonzelle auf den Champs-Elysees war dunkel. Einmal war es hell gewesen, so hell, so blendend.

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