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Der Borowski-Betrug

Электронная книга - «Der Borowski-Betrug». Краткое содержание книги:

Er wurde aus der See gezogen — mehr Leichnam als Mann. An seinen Namen kann er sich nicht erinnern. Er ist ein Mensch ohne Vergangenheit und ohne Zukunft — gejagt von mächtigen Feinden; geliebt von einer schönen Frau, die nicht glauben kann, daß er wirklich das ist, was sich langsam herauskristallisiert: Ein Berufsmörder!
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Philippe d'Anjou. Der Name sagte ihm nichts, aber Borowski stand unter einem inneren Zwang. Er wiederholte den Namen in Gedanken immer wieder und versuchte, ein Bild heraufzubeschwören… weil das Gesicht des grauhaarigen Mannes an der Telefonvermittlung in ihm so gewalttätige Bilder von Finsternis und Lichtblitzen hervorrief. Philippe d'Anjou… Da war doch etwas gewesen, etwas, wobei sich Jasons Magen verkrampfte, das seine Muskeln straffte… die Dunkelheit.

Er saß am Fenster gleich neben der Türe eines Cafes an der Rue Racine, bereit, aufzustehen und das Lokal zu verlassen, sobald er die Gestalt von Claude Oreale an der Türe des alten Gebäudes auf der anderen Straßenseite auftauchen sah. Sein Zimmer befand sich im fünften Stock in einer Wohnung, die er mit zwei anderen Männern teilte, und die man nur über eine ausgetretene Treppe erreichen konnte. Wenn er eintraf, würde er ganz bestimmt nicht im Schritttempo erscheinen, dessen war Borowski sicher.

Er wußte das deshalb so sicher, weil Claude Oreale, der auf einer anderen Treppe in Saint-Honore so eindringlich auf Jacqueline Lavier eingeredet hatte, von seiner Zimmerwirtin per Telefon beschimpft worden war. Er solle dafür sorgen, zeterte sie, daß das Geschrei und das Zerschlagen von Möbeln aufhörte, das aus seiner Wohnung im fünften Stock zu hören war. Entweder sorgte er, daß das aufhörte, oder man würde die Polizei rufen; er hatte zwanzig Minuten Zeit.

Er brauchte nur fünfzehn. Seine schlanke Gestalt, in einen Pierre-Cardin-Anzug gehüllt — die Rockschöße im Wind flatternd — kam aus dem nächsten Metro-Ausgang gerannt. Er wich Kollisionen mit der Agilität eines abgemagerten Rugbyspielers aus, den das Bolschoi-Ballett ausgebildet hatte. Er hatte den dünnen Hals ein paar Zoll vor den mit einer Weste bedeckten Brustkasten ausgestreckt, und sein langes, dunkles Haar flog wie eine Mähne parallel zum Pflaster. Er erreichte den Eingang, packte das Treppengeländer und jagte die Stufen hinauf, warf sich förmlich in die finsteren Schatten des Vestibüls.

Jason eilte aus dem Cafe und lief über die Straße. Drinnen rannte er auf die alte Treppe zu und stieg dann die knarrenden Stufen hinauf. Vom vierten Stock konnte er hören, wie über ihm gegen die Türe gehämmert wurde.

«Macht die Türe auf! Schnell, um Gottes willen!«Oreale erstarrte plötzlich. Das Schweigen drinnen war vielleicht noch erschreckender als alles andere.

Borowski stieg die letzten paar Stufen hinauf, bis er Oreale zwischen dem Geländer und dem Boden sehen konnte. Der zerbrechliche Körper des Verkäufers war gegen die Türe gedrückt, die Hände zu beiden Seiten von ihm, die Finger gespreizt, das Ohr gegen die Türfüllung gepreßt, das Gesicht gerötet. Jason schrie mit gutturaler Stimme in bürokratischem Französisch während er weiterrannte:»Sürete! Bleiben Sie genau wo Sie sind, junger Mann! Wir wollen doch keinen Ärger haben. Wir haben Sie und Ihre Freunde beobachtet. Wir wissen über die Dunkelkammer Bescheid.«

«Nein!«schrie Oreale.»Das hat nichts mit mir zu tun, das schwöre ich. Dunkelkammer?«

Borowski hob die Hand.»Seien Sie still, schreien Sie nicht so!«Er trat an das Geländer, beugte sich darüber und blickte nach unten.

«Sie können mich da nicht hineinziehen!«fuhr der Angestellte fort.»Ich habe nichts damit zu tun! Ich habe denen immer wieder gesagt, sie sollen das alles wegschaffen. Eines Tages bringen die sich noch um. Drogen sind doch für Idioten! Mein Gott, das ist so still, vielleicht sind die tot!«

Jason löste sich vom Geländer und kam mit erhobenen Handflächen auf Oreale zu.»Ich habe Ihnen doch gesagt, Sie sollen still sein«, flüsterte er heiser.»Gehen Sie hinein und seien Sie ruhig! Das war nur für diese alte Schachtel dort unten.«

Der Verkäufer war wie erstarrt, seine Panik ging in lautlose Hysterie über.»Was?«

«Sie haben doch einen Schlüssel«, sagte Borowski.»Machen Sie auf und gehen Sie hinein.«

«Da ist verriegelt«, erwiderte Oreale.

«Um diese Zeit ist es hier immer verriegelt.«

«Sie verdammter Narr, wir mußten Sie erreichen! Wir mußten Sie hierherholen, ohne daß jemand den Grund erfuhr. Öffnen Sie jetzt. Schnell!«

Wie das erschreckte Kaninchen, das er in Wirklichkeit war, fummelte Claude Oreale in der Tasche herum und fand den Schlüssel. Er schloß die Türe auf und spähte vorsichtig in den Raum, wie ein Mann, der eine Stahlkammer betritt, und annimmt, daß sie mit verstümmelten Leichen gefüllt ist. Borowski schob ihn durch die Tür, folgte ihm und schloß sie dann.

Was von der Wohnung zu sehen war, strafte den Rest des Gebäudes Lügen. Das geräumige Wohnzimmer war mit teurem, geschmackvollem Mobiliar gefüllt, Dutzende roter und gelber Samtkissen lagen auf Sesseln, Diwans und dem Boden herum. Es war ein erotischer Raum, ein luxuriöser Zufluchtsort inmitten von Unrat und Zerfall.

«Ich habe nur ein paar Minuten«, sagte Jason.»Jetzt ist nur Zeit für das Geschäftliche.«

«Geschäftlich?«fragte Oreale, dessen Gesicht zu einer Maske erstarrt war.»Diese… diese… Dunkelkammer? Was für eine Dunkelkammer?«

«Das können Sie vergessen. Sie hatten da etwas viel Besseres.«

«Was für Geschäfte?«

«Wir haben Nachricht aus Zürich bekommen und wollen, daß Sie das an Ihre Freundin Lavier weitergeben.«

«Madame Jacqueline? Meine Freundin?«

«Wir vertrauen nicht auf das Telefon.«

«Was für ein Telefon? Was haben Sie erfahren?«

«Carlos hat recht.«

«Carlos? Carlos und wie noch?«

«Der Meuchelmörder.«

Claude Oreale schrie. Seine Hand fuhr an seinen Mund. Er biß auf den Knöchel seines Zeigefingers und schrie:»Was sagen Sie da?«

«Seien Sie still!«

«Warum sagen Sie das mir?«

«Sie sind Nummer Fünf. Wir rechnen auf Sie.«

«Fünf was? Wozu?«

«Daß Sie Carlos helfen, aus dem Netz zu entkommen. Die Widersacher rücken immer näher. Morgen, am Tag darauf, vielleicht noch einen Tag später. Er soll sich fernhalten; er muß sich fernhalten. Die werden den Laden umstellen, Scharfschützen alle zehn Fuß. Das Sperrfeuer wird mörderisch sein; wenn er drinnen ist, könnte es zu einem Massaker kommen. Und das würde keiner von Ihnen überleben.«

Wieder schrie Oreale, sein Fingerknöchel war rot.»Hören Sie doch endlich auf! Ich weiß nicht, wovon Sie reden! Sie sind verrückt, und ich will kein Wort mehr hören — ich habe nichts gehört. Carlos, Sperrfeuer… Massaker? Mein Gott, ich ersticke… ich brauche Luft!«

«Sie werden Geld bekommen. Eine ganze Menge, stelle ich mir vor. Die Lavier wird Ihnen danken. Und d'Anjou auch.«

«D'Anjou? Der verabscheut mich! Er nennt mich einen Pfau, beleidigt mich jedesmal, wenn er dazu Gelegenheit bekommt.«

«Natürlich, das ist seine Tarnung. Tatsächlich hat er Sie sehr gerne — vielleicht mehr als Sie ahnen. Er ist Nummer Sechs.«

«Was sind das für Nummern? Hören Sie auf, von Nummern zu sprechen!«

«Wie sollten wir denn sonst zwischen Ihnen unterscheiden, Ihnen Aufträge zuteilen? Wir können keine Namen gebrauchen.«

«Wer kann das nicht?«

«Wir alle, die wir für Carlos arbeiten.«

Der Schrei war ohrenbetäubend, und von Oreales Finger tropfte Blut.»Ich höre jetzt nicht mehr zu! Ich bin Couturier,

Künstler!«

«Sie sind Nummer Fünf. Sie werden genau das tun, was wir sagen, oder Sie werden dieses Liebesnest hier nicht mehr zu sehen bekommen.«

«Auuuhhh!«

«Hören Sie zu schreien auf! Wir haben Verständnis für Sie. Wir wissen, daß Sie alle unter schrecklichem Druck stehen. Übrigens, wir vertrauen dem Buchhalter nicht.«

«Trignon?«

«Nur Vornamen. Es ist wichtig, daß alles geheim bleibt.«

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