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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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›Es ist der Ripper!‹ Mehrere Männer beteiligten sich an der Jagd, dann gesellten sich andere dazu, und die Nachricht verbreitete sich, der Ripper sei es, den der Wachtmeister da verfolgte. Der Mob wollte Blut sehen – nichts Geringeres als ein Lynchmord hätte ihn zufrieden gestellt. Der Dieb und der Wachtmeister mussten sich schließlich in einem Gebäude verbarrikadieren, bis Hilfe kam.« Edward schüttelte betrübt den Kopf.»Die Welt ist verrückt geworden.« «Deshalb komme ich ja zu Ihnen, Herr Pfarrer«, sagte Inspector Abberline.»Sie können dabei helfen, die Leute zu besänftigen. Sie können zu ihnen sprechen, sie überzeugen, sich doch wieder zu beruhigen. Ihre Anwesenheit auf der Straße wird die Leute bis zu einem gewissen Grad beruhigen.« «Selbstverständlich«, sagte Edward knapp.»Sollen wir gleich gehen? Ich hole nur meinem Mantel.« Der Inspector wandte sich mir zu.»Danke für den Tee, Mrs. Wickham. Wir müssen jetzt los. «Ich brachte die beiden Männer zur Tür.

Der Inspector wusste nicht, dass er vorhin eine der Auseinandersetzungen zwischen meinem Mann und mir unterbrochen hatte, die in letzter Zeit immer häufiger auftraten. Ich wollte den Streit jedoch nicht wieder aufgreifen, wenn Edward zurückkehrte. Der Schatten dieser beiden neuen Morde hatte sich wie ein Leichentuch über alle anderen Sorgen gelegt. Ich zog mich in meine Nähstube zurück, wo ich versuchte, mein Gemüt durchs Gebet zu beruhigen. Man konnte einfach nicht nüchtern bleiben beim Gedanken an diesen Unbekannten, der durch die Straßen des Londoner East End streifte, einen Mann, der Frauen so abgrundtief hasste, dass er ihnen die Körperteile abschnitt, die seine Opfer als Frauen kenntlich machten. Ich versuchte, für ihn zu beten, für seine verlorene Seele. Gott möge mir vergeben, ich konnte es nicht.

Pfarrhaus von St. Juda, 1. Oktober 1888 Am nächsten Morgen in der Frühe lag so dichter Nebel über dem Pfarrhaus, dass die Gaslaternen auf der Straße noch brannten. Wie üblich bewiesen sie ihre Effizienz, indem sie die Spitzen der Pfosten beleuchteten; die Straße selbst sah ich nicht, als ich aus unserem Schlafzimmerfenster hinunterblickte.

Nach unserer morgendlichen Bibellesung lenkte Edward meine Aufmerksamkeit noch auf eine andere Stelle.»Da du ja nun Bescheid weißt, was der Ripper mit seinen Opfern macht, wird es dir zum Nutzen gereichen, das Folgende zu hören, Beatrice. Merke auf. ›Dass die Brust aufgerissen werde und Herz und Gedärme daraus genommen werden und über die Schulter geworfen.‹« Ekel überkam mich.»So wurden Annie Chapman und die anderen umgebracht.« «Stimmt«, bestätigte Edward mit einem triumphierenden Unterton in der Stimme.»Dies sind die Worte Salomos, mit denen er die Hinrichtung von drei Mördern verfügt.

Ich frage mich, ob Inspector Abberline schon auf diese Stelle hingewiesen wurde? Sie könnte bei der Ermittlung der Beweggründe von Nutzen sein, die hinter diesen Morden stehen, vielleicht etwas vom Geisteszustand des Mörders enthüllen …«Er erging sich noch eine Weile in Vermutungen.

Ich faltete die Wäsche, während ich Edward zuhörte. Als er eine Atempause machte, fragte ich ihn nach seinem Hemd aus feinem Baumwollstoff.»Das habe ich seit zwei Wochen nicht mehr gesehen.« «Wie? Das taucht schon wieder auf. Sicher hast du es irgendwohin gesteckt.« Ich war mir ebenso sicher, dass ich nichts dergleichen getan hatte. Sodann brachte ich mit einer gewissen Beklommenheit unsere Auseinandersetzung vom Vorabend wieder zur Sprache.»Edward, könntest du dir vorstellen, dir die Sache mit den wohltätigen Spenden noch einmal zu überlegen? Wenn die Gemeindemitglieder sich nicht einmal Hilfe suchend an ihre Kirche wenden können — « «Erlaube mir, dass ich dich unterbreche, meine Liebe«, sagte er.

«Ich bin überzeugt, dass die Not sich nicht durch wahlloses Verteilen von Geld lindern lässt, sondern nur durch die realistische Beurteilung der Probleme jedes Einzelnen. Solange die unteren Schichten sich darauf verlassen, dass man ihnen mit milden Gaben über Notzeiten hinweghilft, werden sie es nie lernen, zu sparen und möglichst vernünftig mit ihrem Geld zu haushalten.« Edwards» realistische Beurteilung «individueller Probleme endete immer auf die gleiche Weise, nämlich mit kurzen Vorträgen über die sparsame Wirtschaft.»Aber in Fällen von höchster Not«, wandte ich ein,»wäre eine kleine Spende ihrem zukünftigen Wohlergehen doch nicht abträglich.« «Aha, aber wie sollen wir beurteilen, wer wirklich in Not ist? Die lügen doch wie gedruckt, bloß um ein paar Münzen zu ergattern, die sie dann umgehend für Schnaps ausgeben. Und uns wird dann gedroht, wenn die Münzen ausbleiben! Dieses Erbe haben wir meinem Vorgänger in St. Juda zu verdanken, diese Erwartungshaltung, dass die Kirche ihnen Wohltätigkeit schuldig ist!« Das stimmte. Das Pfarrhaus war schon mehr als einmal mit Steinen beworfen worden, wenn Edward Bittsteller abwies.»Aber die Kinder, Edward — den Kindern können wir doch helfen! Sie sind doch nicht schuld an der Verschwendungssucht ihrer Eltern.« Edward setzte sich neben mich und nahm meine Hand.

«Du hast ein weiches Herz und ein großzügiges Gemüt, und ich verehre diese Eigenschaften in dir, Beatrice. Dein natürlicher Hang zur Wohltätigkeit gehört zu deinen bewundernswertesten Zügen. «Er lächelte betrübt.»Und doch, wie sollen diese armen, jämmerlichen Geschöpfe denn je lernen, selbst für ihre Kinder zu sorgen, wenn wir es ihnen abnehmen? Und noch eins: Ist dir schon einmal der Gedanke gekommen, dass Gott vielleicht uns prüfen will? Wie einfach wäre es doch, ein paar Geldstücke zu verteilen und uns einzureden, damit hätten wir unsere Christenpflicht erfüllt! Nein, Beatrice, Gott verlangt von uns mehr als das. Wir müssen standhaft bleiben in unserer Entschlossenheit.« Ich fügte mich, da ich keine Möglichkeit sah, gegen diese unerschütterliche Gewissheit anzukommen, Gott selbst hätte uns diesen Weg diktiert. Außerdem war Edward Wickham mein Ehemann, und ich schuldete ihm Gehorsam, auch wenn mein Herz beunruhigt und voller Ungewissheit war. Er hatte die Entscheidung zu fällen, nicht ich.

«Rechne nicht vor dem Abendbrot mit mir«, sagte Edward, während er sich erhob und seinen Mantel holen ging.»Mr.

Lusk bat mich, an einem Treffen des Bürgerwehr-Komitees von Whitechapel teilzunehmen, und danach muss ich noch meine üblichen Besuche machen. Geh heute lieber nicht aus dem Haus, meine Liebe, wenigstens bis Inspector Abberline diese Unruhen unter Kontrolle hat. «Wegen seiner vielfältigen Verpflichtungen blieb Edward dem Pfarrhaus immer häufiger fern. Manchmal kehrte er erst im Morgengrauen zurück, niedergeschlagen und erschöpft nachdem er versucht hatte, einem Mann bei der Arbeitssuche zu helfen oder für eine obdachlose Witwe und ihre Kinder eine Bleibe zu finden. Bisweilen schien er sich gar nicht zu erinnern, wo er eigentlich gewesen war. Ich machte mir Sorgen um seine Gesundheit und sein geistiges Wohlergehen.

Als er wegging, begann sich der Nebel allmählich zu lichten, doch ich konnte immer noch nicht weit sehen – außer vor meinem inneren Auge. Wenn man die Commercial Street hinunterginge und dann der Aldgate, der Leadenhall und Cornhill folgte bis zu der Stelle, wo bei einem Standbild des Herzogs von Wellington sechs Straßen aufeinander treffen, stünde man direkt vor der imposanten Londoner Börse, deren üppige Wandgemälde und Mosaikböden im Innenraum die passende Umgebung für die dort ablaufenden Transaktionen bilden. Jenseits der Threadneedle Street erheben sich schließlich die beeindruckenden Fassaden der Bank von England mit ihren fensterlosen unteren Stockwerken sowie der klobigen Wertpapierbörse. Wenn man sich dann in die entgegengesetzte Richtung wendete, wurde man mehrerer anderer Bankinstitute ansichtig, die sich um das Mansion House, den Amtssitz des Lord Mayor drängen. Ich finde es immer noch verblüffend, dass sich der Reichtum der Nation an dieser Stelle konzentriert, auf so einer kleinen Fläche … in nächster Nähe zu den schlimmsten Elendsvierteln im ganzen Land.

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