Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Wren spürte, wie sich Garths Hand auf ihre Schulter legte. Sie schaute hinüber und sah, daß er auf etwas zeigte.
Gavilan Elessedil hing ausgebreitet in einem Netz ihnen gegenüber. Seine blauen Augen waren leblos und starr, sein Mund in stummem Schrei geöffnet. Er war ausgeweidet, sein Rumpf war von der Brust zum Bauch aufgeschlitzt worden. In der leeren Höhlung schimmerten schwach seine Rippen. All seine Körperflüssigkeit war abgesaugt worden. Übriggeblieben war kaum mehr als eine Hülle, das groteske, erschreckende Zerrbild eines Menschen.
Wren hatte in ihrem kurzen Leben schon viel vom Tod gesehen, aber hierauf war sie nicht vorbereitet. Schau nicht hin, sagte sie sich wild. Behalte ihn nicht so in Erinnerung! Aber sie schaute hin und wußte dabei, daß sie dies Bild nie vergessen würde.
Garth berührte sie ein zweites Mal und deutete hinunter in die Schlucht. Sie spähte hinab, konnte zuerst nichts erkennen, und erblickte schließlich den Ruhkstab. Er lag genau unter dem, was von Gavilan übriggeblieben war, er ruhte dort auf einem Teppich alter Knochen. Orps krochen unbekümmert über ihn hinweg. Der Loden war noch immer an seiner Spitze befestigt.
Wren nickte als Antwort und fragte sich sofort, wie sie den magischen Stab erreichen konnten. Ihr Blick schweifte umher und suchte noch nach etwas anderem.
Wo war der Wisteron?
Dann sah sie ihn. Er hing hoch oben in den Zweigen der Bäume am Rande der Schlucht in einem seiner eigenen Netze bewegungslos im Dunst. Er war zu einem riesigen Ball zusammengerollt, hatte seine Beine unter sich geschlagen und sah merkwürdigerweise aus wie eine schmutzige Wolke. Er war mit stacheligem Haar bedeckt und kaum von dem Dunst ringsum zu unterscheiden. Er schien zu schlafen.
Wren kämpfte gegen den Ansturm von Angst an, den sein Anblick bei ihr hervorrief. Sie schaute schnell zu den anderen hinüber. Sie alle beobachteten ihn. Plötzlich bewegte sich der Wisteron – ein Aufrichten seines überraschend hageren Körpers, ein Strecken mehrerer Beine, Klauen blitzten auf, und ein schreckliches, insektenartiges Gesicht mit einem seltsamen, saugenden Rachen wurde sichtbar. Dann rollte er sich wieder zusammen und wurde ruhig.
In Wrens Hand begannen die Elfensteine zu brennen.
Sie richtete einen letzten verzweifelten Blick auf Gavilan, gab dann den anderen Zeichen und trat unter den Bäumen hervor. Wortlos verfolgten sie ihre Spuren zurück durch die Senke, bis sie den Schutz der Akazien erreicht hatten, wo sie sich eng zusammenkauerten.
Wren suchte ihre Augen. »Wie können wir an den Stab herankommen?« fragte sie leise. Das Bild von Gavilan war in ihr Bewußtsein eingebrannt, und sie konnte kaum an etwas anderes denken.
Garth hob die Hände und signalisierte: Einer von uns wird in die Schlucht hinabsteigen müssen.
»Aber der Wisteron wird es hören. Diese Knochen klingen sicher wie Eierschalen, wenn man darauf tritt.« Sie setzte Faun neben sich. Seine dunklen Augen schauten instinktiv hinauf in die ihren.
»Könnten wir jemanden hinunterlassen?« fragte Triss. »Phfffft! Nicht ohne Geräusche und Bewegungen«, sagte Stresa barsch. »Der Wisteron schläft – ssstttt – nicht. Er tut nur so. Er wird es mitbekommen!«
»Wir könnten warten, bis er endlich schläft«, fuhr Triss fort. »Oder warten, bis er auf die Jagd geht, bis er sein Lager verläßt, um seine Netze zu überprüfen.«
»Mir ist nicht bekannt, daß wir genug Zeit dafür hätten...« begann Wren.
»Hssstt! Es spielt keine Rolle, ob wir genug Zeit haben oder nicht!« unterbrach Stresa sie hitzig. »Wenn er fortgeht, um zu jagen oder seine Netze zu überprüfen, wird ihm unser Geruch auffallen! Er wird wissen, daß wir hier sind!«
»Beruhige dich«, besänftigte Wren ihn. Sie beobachtete, wie das stachelige Wesen mit gefurchtem Katzengesicht einen Schritt zurücktrat.
»Es muß einen Weg geben«, flüsterte Triss. »Alles, was wir brauchen, sind eine oder zwei Minuten, um dort hinein und wieder heraus zu steigen. Vielleicht gelingt es, wenn wir ihn ablenken.«
»Vielleicht«, stimmte Wren zu und versuchte erfolglos, etwas Derartiges zu ersinnen.
Faun schnatterte leise auf Stresa ein, der ihm gereizt antwortete. »Ja, Schreier, der Stab! Was glaubst du? Phffft! Jetzt sei ruhig, damit ich nachdenken kann!«
Benutze die Elfensteine, signalisierte Garth plötzlich.
Wren atmete tief ein. »Als Ablenkung?« Sie waren wieder an dem Punkt angelangt, zu dem sie kommen mußten. Sie hatte es die ganze Zeit gewußt. »In Ordnung. Aber ich möchte nicht, daß wir uns trennen. Wir würden uns niemals wiederfinden.«
Aber Garth schüttelte den Kopf. Nicht als Ablenkung. Als Waffe.
Sie sah ihn an.
Töte ihn, bevor er uns töten kann. Ein schneller Streich.
Triss sah die Unsicherheit in ihren Augen. »Was schlägt Garth vor?« fragte er.
Ein schneller Streich. Garth hatte natürlich recht. Sie würden den Ruhkstab nicht ohne Kampf zurückbekommen. Es war lächerlich, etwas anderes zu denken. Warum sollte man dann nicht den Vorteil eines Überraschungsangriffs ausnutzen und einen Streich auf den Wisteron ausführen, bevor er einen Streich auf sie ausführen konnte? Sie könnte ihn töten oder zumindest kampfunfähig machen, bevor er eine Chance hatte, sie zu verletzen.
Wren atmete tief ein. Sie konnte es natürlich tun, wenn sie es mußte. Sie war deswegen auch bereits zu einem Entschluß gekommen. Doch sie war sich absolut nicht sicher, ob die Magie der Elfensteine ausreichen würde, etwas so Großes und Räuberisches wie den Wisteron zu überwältigen. Die Magie hatte unmittelbar mit ihr zu tun. Wenn ihr die notwendige Kraft fehlte, wenn sich der Wisteron als zu stark erwies, wären sie alle zum Tode verurteilt.
Andererseits, welche andere Möglichkeit gab es denn? Es gab keine bessere Chance, den Stab zu bekommen.
Sie streckte abwesend die Hand aus, um Faun zu streicheln, und konnte ihn nicht finden. »Faun?« Ihre Augen lösten sich von Garths Blick, doch ihre Gedanken waren noch immer mit dem vorrangigen Problem beschäftigt. Orps schossen davon, als sie sich bewegte. Wasser sammelte sich in den Kuhlen, die ihre Stiefel hinterlassen hatten.
Aus dem Schutz der Bäume, zwischen denen sie knieten, über die morastige Senke hinweg sah sie den Baumschreier in die Schlucht hinabsteigen.
Faun!
Auch Stresa entdeckte ihn. Der Stachelkater fuhr herum, und seine Stacheln ragten in die Höhe. »Dummer – ssstttt – Schreier! Er hat dich gehört, Wren von den Elfen! Er fragte, was du vorhast. Ich habe nicht aufgepaßt – phffft –, aber...«
»Der Stab?« Wren sprang auf, Entsetzen umwölkte ihre Augen. »Du meinst, er will den Stab holen?«
Sie lief sofort los und rannte von den Bäumen über die Senke. Sie bewegte sich so leise wie sie konnte. Sie hatte vergessen, daß Faun sich mit ihnen verständigen konnte. Es war lange her, daß der Baumschreier es versucht hatte. Ihre Brust wurde ihr eng. Sie wußte, wie treu ergeben ihr das kleine Wesen war. Er würde alles für sie tun.
Er war gerade dabei, es zu beweisen.
Faun! Nein!
Sie atmete keuchend. Sie wollte schreien, um den Baumschreier zurückzurufen. Aber sie konnte es nicht. Ein Schrei würde den Wisteron aufwecken. Sie erreichte den jenseitigen Rand der Senke, Orps rasten in alle Richtungen davon wie dunkle Blitze vor der Feuchtigkeit. Sie konnte Garth und Triss hinter sich hören, auch ihr Atem klang rauh. Stresa war jetzt wieder irgendwie vor sie gelangt. Der Stachelkater war wieder einmal schneller, als sie erwartet hatte. Er tauchte bereits zwischen den Bäumen hindurch. Sie folgte ihm und kroch eilig hinterher. Ihr Atem stockte ihr in der Kehle, als sie herauskam.