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Die Elfenkönigin von Shannara

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Die Elfenkönigin von Shannara
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Dann schoß der Wisteron aus dem Dunst heraus, verbrannt und rauchend und den sehnigen Körper ausgestreckt wie bei einem Wolf auf der Flucht. Er drang auf sie ein, und sie wurden alle zu Boden geschleudert. Wren richtete sich im Schatten des Monsters taumelnd auf Hände und Knie auf. Sie war halb betäubt und noch immer schwach und hatte Schlamm in den Augen und im Mund. Ihre Beschützer kämpften verzweifelt darum, sie zu retten. Garth stand breitbeinig über ihr und schwang das Breitschwert in tödlichem Bogen. Teile des Wisteron flogen umher, als er den großen Fahrenden zurückdrängte. Dann griff Triss an, schlug wild um sich und schnitt eines der Beine des Monsters unter ihm heraus, wobei das Knirschen der Knochen zu hören war. Rufe und Schreie erfüllten die übelriechende Luft.

Aber der Wisteron war der größte und stärkste aller Dämonen von Morrowindl, das gewaltigste aller Schattenwesen, die durch den fehlerhaften Gebrauch der Elfenmagie entstanden waren. Er konnte sich mit ihnen allen messen. Er wehrte sich mit einem Schlag seines Schwanzes gegen Triss und stieß ihn dreißig Fuß weit fort, wo er zusammengekrümmt liegenblieb. Als Garth ein schneller Streich auf den Kopf des Wisteron mißlang, schlitzte die Bestie seine Kleidung und Haut mit einer schwarzen Klaue auf und stieß das Breitschwert fort. Garth hatte sofort sein Kurzschwert zur Hand, aber ein zweiter Stoß ließ ihn zurücktaumeln, wobei er über Wren stolperte und hilflos auf dem Rücken landete.

Ohne Faun wären sie verloren gewesen. In panischer Angst um Wren, die jetzt ungeschützt vor dem Wisteron lag, warf sich der Baumschreier in das Gesicht des Monsters, ein schreiender Fellball, dessen winzige Hände an der Bestie zogen und rissen. Der Wisteron war überrascht und benommen von dem Angriff, wich instinktiv aus und zog sich zurück. Er griff nach dem Baumschreier, um diesen unbedeutenden Angreifer zu zerquetschen, aber Faun war zu schnell und kletterte bereits über seinen gefurchten Rücken hinab. Der Wisteron fuhr erzürnt herum und versuchte ihn zu fangen.

Steh auf! befahl Wren sich und kämpfte um festen Stand. Die Elfensteine lagen weißglühend in ihrer geschlossenen Hand.

Dann war Garth zerrissen und blutend wieder zurück, und das Breitschwert schimmerte vor dem Licht. Ein schwerer Schlag warf den Wisteron auf zwei Beine zurück. Ein zweiter trennte ihm fast einen Arm ab. Die Bestie zischte und wand sich und rollte sich zusammen wie eine Schlange. Faun sprang herab und schoß davon. Garth schwang das Breitschwert in tödlichem Bogen, die Klinge senkte sich herab, stieß zu und zerschnitt die Luft.

Wren taumelte auf die Füße. Die weiße Glut der Elfensteine übertrug sich von ihrer Hand auf ihre Brust und drang dann tief in ihr Herz.

Vor ihr lag der Ruhkstab. Er war Garth aus der Hand gefallen.

Der Wisteron fuhr plötzlich herum und spie einen Strom flüssigen Giftes auf Garth. Dieses Mal war der große Mann nicht schnell genug, die Bestie traf ihn an der Brust, und es brannte wie Säure. Er fiel schmerzgequält in den Schlamm und rollte umher, um sich davon zu befreien.

Der Wisteron war sofort über ihm. Eines seiner Glieder mit Klauen nagelte ihn auf den Boden, und er begann zuzudrücken.

Beide Hände um die Elfensteine gewölbt, rief Wren das Feuer ein letztes Mal hervor. Es brach mit solcher Macht aus ihr heraus, daß es sie zurückstieß wie der Schlag einer Faust. Der Wisteron wurde direkt getroffen, wie totes Holz hochgerissen und hilflos fortgeschleudert. Feuer hüllte ihn ein und umgab ihn mit einem wütenden Inferno. Wren drängte vorwärts. Die weiße Glut der Magie spiegelte sich jetzt auch in ihren Augen. Noch immer kämpfte der Wisteron darum, wieder freizukommen, kämpfte darum, das Mädchen zu erreichen. Zwischen ihnen erhob sich Garth auf Hände und Knie. Blutüberströmt hielt er die zerbrochene Klinge seines Breitschwerts mit einer Hand umklammert. Für Wren verlangsamte sich alle Bewegung ringsum wie in einem Traum, der nur in ihrem Bewußtsein stattfand. Triss war ein vager Umriß, der aus dem Nebel herausstolperte, Stresa eine Stimme ohne Körper, Faun eine Erinnerung und die Welt ein wabernder, unendlicher Dunst. Garths dunkle Augen schauten aus seiner zerrissenen, zerbrochenen Gestalt zu ihr herauf. Zu ihren Füßen lag der Ruhkstab mit dem Loden, die letzte Hoffnung des Elfenvolkes, ihr schützender Behälter, ihre Chance zum Leben. Sie tat das alles achselzuckend ab und verbarg sich in der Macht der Elfensteine, in der Magie ihres Blutes, formte und lenkte sie und erkannte diesen dunklen Ort als ihre letzte Chance zu überleben.

Vor ihr kam der Wisteron schwankend wieder auf die Füße.

Hilf mir! schrie sie in der Stille ihres Bewußtseins auf.

Dann lenkte sie das Feuer auf den Morast, auf dem der Wisteron stand, und schmolz ihn zu einer trüben Lache, zu einem Sumpf, der so flüssig und nachgiebig war wie Treibsand. Der Wisteron machte eine Bewegung nach vorn und versank bis zu den Knien. Der Schlamm bildete Blasen, spuckte wie bei einem Ausbruch Killeshans und saugte an dem Wesen, das darin zappelte. Der Wisteron zischte und spie und kämpfte darum, wieder freizukommen. Aber sein Gewicht war zu groß und zog ihn hinab. Seine Beine konnten keinen Halt mehr finden. Die Elfensteine brannten um ihn herum, durchweichten den Schlamm tiefer und tiefer und hoben unter ihm eine bodenlose Grube aus. Der Wisteron schlug in Panik um sich, sank aber unaufhörlich weiter hinab. Er schrie, und dieser Klang ließ die Luft zu Stille gefrieren.

Dann schloß sich der Schlamm über ihm, die aufgewühlte Oberfläche glühte orange und gelb vom Feuer, und er war fort.

27

Wrens Finger schlössen sich über den Elfensteinen, aber ihr war, als gehörten sie jemand anderem. Das Feuer flackerte zur Antwort noch einmal auf und erstarb dann. Sie stand einen Moment lang erstarrt auf ihrem Platz, ohne die Kraft zu irgendeiner Bewegung aufbringen zu können – mit leichtem Geist, schwebend, einen halben Schritt außerhalb der Zeit. Die Magie spuckte und zischte in ihr und schlug leicht gegen ihre Arme und Beine, so daß sie keuchte und zitterte. Sie hatte Mühe zu atmen, ihre Brust war zusammengepreßt, und ihre Kehle war trocken und rauh.

Vor ihr sanken die Flammen, die die Oberfläche der schlammigen Ebene versengt hatten, zu kleinen blauen Zungen zusammen und erstarben im Dampf. Garth kauerte noch immer auf Händen und Knien, den Kopf gesenkt, und seine Brust hob und senkte sich schwer. Überall um sie herum war der In Ju hohl und still.

Dann schoß Faun aus dem Nichts heran, kletterte ihren Arm hinauf und rieb sich an ihrem Nacken und ihrer Schulter, wobei er leise quiekte. Sie schloß die Augen, genoß sein warmes Fell, erinnerte sich daran, wie das kleine Wesen sie gerettet hatte, und dachte, was für ein Wunder es war, daß sie alle noch lebten.

Schließlich bewegte sie sich, zwang sich, einen Schritt nach dem anderen zu machen. Sie wurde getrieben von ihrer Angst um Garth und von dem Anblick des vielen Blutes. Sie schob die letzten Spuren der heiteren Gelassenheit, die die Magie in ihr zurückgelassen hatte, beiseite und tastete sich an der Versuchung vorbei, die Macht erneut schmecken zu wollen. Schließlich ließ sie die Elfensteine in ihre Tasche gleiten und kniete sich schnell neben ihren Freund. Garth hob den Kopf, um sie anzusehen. Sein Gesicht war so schlammverschmiert, daß man ihn kaum erkannte, aber seine dunklen Augen schauten sie strahlend und sicher an.

»Garth«, flüsterte sie.

Er war auf der linken Seite von der Schulter bis zu den Rippen aufgeschlitzt worden, und seine Brust war von dem Gift schwarz verbrannt. Festgebackener Schlamm hatte den Blutfluß eingedämmt, aber die Wunden mußten gesäubert werden, damit sie sich nicht infizieren konnten.

Sie setzte Faun sanft ab, legte dann ihre Arme um Garth und versuchte ihm aufzuhelfen. Sie konnte ihn jedoch kaum bewegen.

»Wartet«, rief eine Stimme. »Ich helfe euch.«

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