Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Es war Triss, der aus dem Nebel herausgestolpert kam und kaum besser aussah als Garth. Er war mit Schlamm und Sumpfwasser bespritzt. Sein linker Arm hing lahm herab, und eine Seite seines Gesichts war blutüberströmt. Sein Kurzschwert hielt er noch immer in seiner rechten Hand. Der Hauptmann der Leibgarde schien sich seiner Verletzungen überhaupt nicht bewußt zu sein. Er legte sich Garths Arm um die Schultern und hob den großen Mann mit Schwung hoch. Wren stützte ihn auf der anderen Seite, und so überquerten sie die morastige Senke und gelangten zurück zu den uralten Akazien.
Auch Stresa kam langsam aus seinem Versteck hervor, seine Stacheln standen noch immer in alle Richtungen ab. »Hier entlang! Phffft! Hier hinein! In den Schatten!«
Sie trugen Garth zu einem Flecken trockener Erde neben einigen Baumwurzeln und legten ihn dort nieder. Wren schnitt schnell seine Tunika auf. Sie hatte nur noch wenig frisches Wasser übrig, verbrauchte aber fast alles, um seine Wunden zu reinigen. Den Rest gab sie Triss für sein Gesicht. Sie nahm einen Nähfaden und eine Nadel, um die klaffende Wunde zu schließen, und verband den großen Mann mit Stoffstreifen, die sie von ihrer Zusatzkleidung abriß. Garth betrachtete schweigend und regungslos ihr Werk, als versuche er, sich ihr Gesicht einzuprägen. Sie signalisierte ihm ein- oder zweimal etwas, aber er nickte nur und antwortete nicht. Ihr gefiel nicht, was sie sah.
Dann behandelte sie auch Triss. Die Wunde in seinem Gesicht war nur oberflächlich, aber sein linker Arm war gebrochen. Sie richtete ihn ein, schnitt aus totem Holz eine Schiene und band sie mit seinem Gürtel fest. Er zuckte ein- oder zweimal zusammen, während sie ihn versorgte, aber er schrie nicht auf. Als sie fertig war, dankte er ihr ernst und verlegen, und sie lächelte ihn an.
Erst dann erinnerte sie sich an den Ruhkstab, der noch immer irgendwo dort draußen im Schlamm lag. Hastig eilte sie zurück, verließ den Schutz der alten Bäume und durchquerte die Senke erneut. Als sie sich näherte, schossen Orps davon, wie blitzende Funken silbrigen Lichts. Die Luft war leer und ruhig, aber das Rumpeln des Killeshan echote bedrohlich von jenseits der Nebelwand, und die Erde erzitterte als Antwort. Sie fand den Ruhkstab dort, wo er hinuntergefallen war, und hob ihn auf. Der Loden funkelte wie eine Ansammlung kleiner Sterne. So viel war dafür gegeben worden, dachte sie, für das Elfenvolk, das darin gefangen war. Sie fühlte einen finsteren Moment lang tiefes Bedauern und einen plötzlichen Drang, ihn fortzuwerfen und so tief in den Schlamm zu versenken wie den Wisteron. Die Elfen, die mit ihrer Magie soviel Schaden angerichtet hatten, die mit ihrem Ehrgeiz die Schattenwesen erschaffen hatten und die Vier Länder aus Gründen im Stich gelassen hatten, für die sie selbst verantwortlich waren, sollten besser verschwinden. Aber sie hatte ihre Entscheidung wegen der Elfen schon getroffen. Und außerdem wußte sie, daß es nicht der Fehler dieser Elfen gewesen war, nicht dieser Generation, und daß es ohnehin falsch wäre, ein ganzes Volk für die Taten einiger weniger zur Verantwortung zu ziehen. Allanon hatte wohl damit gerechnet, daß sie so denken würde. Er mußte vorhergesehen haben, daß sie die Wahrheit entdecken und selbst über die Weisheit seiner Aufgabe befinden würde. Finde die Elfen, und bringe sie in die Vier Länder zurück. Sie hatte sich viele Male gefragt, warum sie das tun sollte. Allmählich glaubte sie zu verstehen. Wer wäre besser in der Lage, das wieder geradezurücken, was falsch gemacht worden war, als die Elfen? Wer wäre besser dazu geeignet, den Kampf gegen die Schattenwesen zu führen?
Sie schleppte sich durch die Senke zurück. Empfindungslosigkeit setzte sich in ihr fest, und die letzten Spuren der heiteren Entspanntheit, die die Magie in ihr bewirkt hatte, verblaßten. Sie war müde und traurig und fühlte sich seltsam verloren. Aber sie wußte, daß sie diesen Gefühlen nicht nachgeben durfte. Sie hatte den Ruhkstab zurückbekommen, und die Reise zum Strand und die Suche nach Tiger Ty lagen noch vor ihr. Und es gab noch immer Dämonen.
Stresa wartete am Rande des Wäldchens auf sie. Seine rauhe Stimme flüsterte warnend. »Hsstt. Dein großer Freund ist schwer verletzt, Wren von den Elfen. Sei gewarnt. Das Gift ist eine schlimme Sache. Phffft. Vielleicht kann er nicht mit uns kommen.«
Mit hastigen Bewegungen rauschte sie verwirrt an dem Stachelkater vorbei. »Er wird es schaffen«, fuhr sie ihn an.
Mit Triss’ Hilfe hob sie Garth erneut hoch, und dann brachen sie auf. Mittag war schon vorbei, und das Licht drang schwach und dunstig durch den Schirm aus Vog, die Hitze bedeckte sie mit schwüler Feuchtigkeit. Stresa ging voraus und bahnte sich verbissen seinen Weg durch das Labyrinth des Dschungels, wobei er einen Pfad wählte, der es den Menschen, die ihm folgten, möglich machte, mit Garth hindurchzugelangen. Der In Ju schien wie ausgestorben. Es war, als habe der Tod des Wisteron auch alles andere getötet, was darin gelebt hatte. Aber die Stille war wohl eher eine Antwort auf das Beben der Erde, dachte Wren. Die Lebewesen auf Morrowindl spürten, daß nichts mehr war wie bisher, und zumindest im Augenblick hatten sie ihre normalen Aktivitäten eingestellt und sich verborgen. Sie warteten ab, was geschehen würde.
Sie beobachtete Garths Gesicht, während sie weitergingen, sah die Anspannung in seinen Augen, die Maske des Schmerzes, die seine Züge straffte. Er sah sie nicht an, sondern hielt seinen Blick bewußt auf den Weg vor ihnen geheftet. Er hielt sich nur durch seine große Entschlossenheit aufrecht.
Als sie schließlich aus dem In Ju heraustraten und in die bewaldete Hügelgegend kamen, war es bereits dämmerig. Sie fanden eine Lichtung mit einer Quelle, und dort reinigte sie erneut die Wunden ihres großen Freundes. Sie hatten nichts zu essen, denn alle ihre Vorräte waren verbraucht oder verloren gegangen, und sie waren sich nicht sicher, welche der Wurzeln und Früchte der Insel ungefährlich waren. Sie mußten sich mit Quellwasser begnügen. Triss fand genug trockenes Holz, um ein Feuer zu entfachen, aber es begann gleich darauf zu regnen, und innerhalb von Sekunden war alles um sie herum durchweicht. Sie drängten zurück in den Schutz eines Koabaums mit breiten Zweigen, wo sie sich Schulter an Schulter für die hereinbrechende Dunkelheit rüsteten. Nach einiger Zeit begab sich Stresa hinaus zu einer Stelle, wo er Wache halten konnte. Er murmelte dabei etwas, daß er der einzige sei, der noch zu dieser Arbeit tauge. Wren diskutierte nicht über diesen Punkt, denn sie war fast geneigt, ihm zuzustimmen. Das Licht verblaßte beständig, wandelte sich von Silber zu Grau und dann zu Schwarz. Der Wald veränderte sich und war plötzlich voller Bewegung, als das Bedürfnis nach Nahrung seine Bewohner zur Jagd hinaustrieb. Aber keines der Wesen, die vorbeizogen, machte Anstalten, sich ihrem Versteck zu nähern. Nebel sickerte in trägen Rinnsalen durch die Bäume und Gräser. Wasser troff langsam von den Blättern. Faun entwand sich Wrens Armen und kuschelte sich an ihre Schulter.
Um Mitternacht brach der Killeshan aus. Feuer schoß in einem Schauer aus Funken und brennenden Trümmern empor, und Asche und Rauch wurden ausgespien. Dabei wurde ein erschreckendes Brüllen laut, das die nächtliche Stille erschütterte und jedermann ruckartig aufweckte. Die anfängliche Explosion verwandelte sich schnell in eine Reihe von Erschütterungen, die sich aufeinander aufbauten, bis die ganze Insel erbebte. Sogar für sie, die so weit von dem Vulkan entfernt waren, wurde der Ausbruch erkennbar. Sie sahen ein tiefrotes Glühen vor der Dunkelheit, das sich himmelwärts hob und dort zu hängen schien. Ganz in der Nähe öffneten sich kleine Risse in der Erde, und zischend stieg Dampf in Geysiren empor. In den Schatten um sie herum rannten die Geschöpfe der Insel wild umher, flohen ohne Richtung und Sinn voller Entsetzen über die Stärke der Erschütterungen, voller Angst vor den Geräuschen und dem glühenden Rot. Die Freunde drängten sich um den Koabaum zusammen und bekämpften den Drang, den Geschöpfen des Waldes zu folgen. Aber Flucht würde in solcher Dunkelheit gefährlich sein, das wußte Wren, und Stresa erinnerte sie außerdem daran, daß sie bis zum Tagesanbruch verborgen bleiben mußten.