Die Elfenkönigin von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Erbe von Shannara #3
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Переводчик: Karin Konig
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfenkönigin von Shannara». Краткое содержание книги:
Die Erschütterungen setzten sich, eine nach der anderen, die ganze Nacht lang fort wie donnernde Hustenanfälle und heftige Krämpfe. Sie drohten Morrowindl von einem Ende zum anderen aufzureißen. Feuer brannten auf den Höhen des Killeshan, als die Lavaströme ihren Abstieg zum Meer begannen. Klippen rutschten mit dem Getöse brechenden Gesteins ab, und Lawinen gingen nieder und rissen ganze Berghänge los. Riesige Bäume zerbrachen wie totes Holz und stürzten zu Boden.
Wren schloß die Augen und versuchte vergeblich zu schlafen. Als die Dämmerung nahte, erhob sich Stresa, um das Gelände um sie herum zu erkunden, und Triss übernahm von ihm die Wache. Wren blieb mit Garth allein. Der große Mann schlief unruhig, sein Gesicht war schweißgebadet, und sein Körper wurde von Krämpfen geschüttelt. Er hatte hohes Fieber, und die Hitze seines Körpers war deutlich spürbar. Während sie ihn beobachtete, wie er mit seinem kranken Körper kämpfte, dachte sie an all das, was sie zusammen durchgemacht hatten. Sie hatte sich schon zuvor Sorgen um ihn gemacht, aber niemals so große Sorgen wie jetzt. Zum Teil wurde dies Gefühl durch das Bewußtsein ihrer Hilflosigkeit vergrößert. Morrowindl war ihr fremd, und ihr Wissen darüber war zu gering. Sie mußte immer wieder daran denken, daß es noch mehr geben müßte, was sie für ihren großen Freund tun konnte, wenn sie nur wüßte, was das war. Sie wurde daran erinnert, daß Ellenroh von einem ähnlichen Fieber erfaßt worden war, einem Fieber, das niemand von ihnen kannte. Sie hatte ihre Großmutter verloren. Sie wollte nicht auch noch ihren besten Freund verlieren. Sie versicherte sich wieder und wieder, daß Garth stark war. Er konnte alles überstehen, das hatte er immer getan.
Es wurde hell, und sie hatte gerade ihre Augen ein wenig gegen ihre Müdigkeit und Verzweiflung geschlossen, als der große Mann sie damit überraschte, daß er sie sanft am Arm berührte. Als sie den Kopf hob, um ihn anzusehen, begann er ihr Zeichen zu machen.
Ich möchte, daß du etwas für mich tust.
Sie nickte, und ihre Finger wiederholten ihre Worte. »Was?«
Es wird schwer für dich sein, aber es ist notwendig.
Sie versuchte ihm in die Augen zu sehen, aber sie konnte es nicht. Er war zu tief in den Schatten verborgen.
Ich möchte, daß du mir vergibst.
»Was soll ich dir vergeben?«
Ich habe dich bezüglich einer Sache belogen. Ich habe wiederholt gelogen. Die ganze Zeit über, seitdem ich dich kannte.
Verwirrt, ängstlich und bis auf die Knochen erschöpft, schüttelte sie den Kopf. »Worüber hast du mich belogen?«
Sein Blick schwankte nicht. Über deine Eltern. Über deine Mutter und deinen Vater. Ich habe sie gekannt. Ich wußte, wer sie waren und woher sie kamen. Ich wußte alles.
Sie sah ihn an, war jedoch noch unfähig, zu glauben, was sie hörte.
Hör mir zu. Deine Mutter verstand die Bedeutung von Eowens Prophezeiungen weit besser als die Königin. Eine Prophezeiung besagte, daß du von Morrowindl fortgebracht werden müßtest, um zu überleben, sie besagte aber auch, daß du eines Tages zurückkehren würdest, um die Elfen zu retten. Deine Mutter hat das richtig eingeschätzt. Welche Rettung auch immer du deinem Volk bringen würdest, sie würde auf irgendeine Weise eine Konfrontation mit dem Bösen, das sie geschaffen hatten, mit sich bringen. Ich wußte das damals noch nicht, ich habe es aber seither vermutet. Ich wußte nur, daß deine Mutter entschlossen war, dich dazu erziehen zu lassen, stark genug zu werden, um jeder Gefahr zu trotzen, jedem Gegner, jeder Prüfung, die von dir gefordert würde. Darum hat sie dich meiner Obhut übergeben.
Wren war wie betäubt. »Dir? Direkt dir?«
Garth bewegte sich. Er richtete sich halb auf und gab seinen Händen somit mehr Bewegungsspielraum. Er stöhnte unter der Anstrengung. Wren konnte Blut durch die Verbände über seinen Wunden sickern sehen.
Sie kam mit ihrem Mann zu den Fahrenden, Die Flugreiter hatten sie geschickt. Sie kam zu uns, weil man ihr gesagt hatte, wir seien das stärkste der freien Völker und wir würden unsere Kinder von Geburt an darauf vorbereiten zu überleben, weil das Überleben der schwerste Teil im Leben jedes Fahrenden ist. Wir waren schon immer ein Außenseitervolk und hatten es als solches immer für nötig befunden, stärker zu sein als jeder andere. Also kamen deine Mutter und dein Vater zu uns, zu meiner Familie, einem Stamm mit ein paar hundert Mitgliedern, die auf den Ebenen unterhalb des Myrian lebten. Sie fragten, ob es unter uns jemanden gäbe, dem man die Ausbildung ihrer Tochter anvertrauen könne. Sie wollten, daß sie wie eine Fahrende erzogen würde, daß sie, sobald sie alt genug sei, lernen sollte, wie man in einer Welt überleben kann, in der jeder und alles ein potentieller Feind ist. Ich wurde ihnen empfohlen. Wir sprachen miteinander, deine Eltern und ich, und dann übernahm ich diese Aufgabe.
Er hustete. Es war ein tiefes, qualvolles Geräusch, das aus den Tiefen seiner Brust drang. Sein Kopf senkte sich kurze Zeit, während er nach Atem rang.
»Garth«, flüsterte sie erschrocken. »Erzähle mir später davon, wenn du dich ausgeruht hast.«
Er schüttelte den Kopf. Nein. Ich will das jetzt zu Ende bringen. Ich habe es schon zu lange mit mir herumgetragen.
»Aber du kannst kaum atmen, du kannst kaum...«
Ich bin stärker, als du glaubst. Seine Hand umschloß kurz die ihre und ließ sie dann wieder los. Hast du Angst, ich könnte sterben?
Sie schluckte gegen ihre Tränen an. »Ja.«
Erschreckt dich das so? Nach allem, was ich dir beigebracht habe?
»Ja.«
Er blinzelte und sah sie aus seinen dunklen Augen mit einem seltsamen Blick an. Dann werde ich nicht sterben, bis du dazu bereit bist, daß ich es tue.
Sie nickte schweigend, ohne zu verstehen, was er damit meinte, hütete sich vor dem Blick und war nur besorgt, daß er leben möge, welchen Handel auch immer das erfordern mochte.
Dann atmete er mit lautem Rasseln wieder aus. Gut. Dann zu deiner Mutter. Sie war genauso, wie man es dir erzählt hat – stark, freundlich, entschlossen, und sie liebte dich sehr. Aber sie hatte den Entschluß gefaßt, zu ihrem Volk zurückzukehren. Sie hatte diesen Entschluß schon gefaßt, bevor sie Morrowindl verließ, glaube ich. Dein Vater nahm es hin. Ich kenne den Grund für ihre Entscheidung nicht. Ich weiß nur, daß deine Mutter auf vielfältige Weise an ihre eigene Mutter und an ihr Volk gebunden war und daß dein Vater sie verzweifelt liebte. Auf jeden Fall stimmte man darin überein, daß du zu den Ohmsfords in Shady Vale gesandt werden solltest, bis du fünf Jahre alt wärest – das Anfangsalter für die Ausbildung eines Kindes der Fahrenden. Dann solltest du wieder zu mir gebracht werden. Man sollte dir sagen, daß deine Mutter eine Fahrende gewesen sei und dein Vater ein Ohmsford und daß deine Vorfahren Elfen gewesen seien. Mehr sollten wir dir nicht erzählen.
Wren schüttelte ungläubig den Kopf. »Warum, Garth? Warum sollte das alles vor mir geheimgehalten werden?«
Weil deine Mutter verstanden hatte, daß es sehr gefährlich geworden wäre, die Zukunft entgegen einer Prophezeiung zu beeinflussen. Sie hätte versuchen können, dich in Sicherheit zu bringen und dich daran zu hindern, nach Morrowindl zuriickzukehren. Sie hätte bei dir bleiben und dir berichten können, was vorausgesagt worden war. Aber welchen Schaden hätte sie angerichtet, wenn sie so gehandelt hätte? Sie wußte genug über Prophezeiungen, um die Bedrohung zu erkennen. Es war besser, so glaubte sie, daß du zur Frau aufwachsen konntest, ohne die Einzelheiten dessen zu kennen, was Eowen vorausgesagt hatte. Sie glaubte, daß du deine Bestimmung selbst herausfinden solltest, wie auch immer sie aussehen würde. Es wurde mir überlassen, dich darauf vorzubereiten.