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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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»Sie läuten einen Stedman oder was.«

Sie schaute gereizt aus dem Bildschirm. »Wenn die Lage so schlecht ist, warum tun sie nicht etwas Nützliches? Hier draußen hätte ich jede Menge Arbeit für sie.« Sie sah beinahe so müde aus wie Mary. »Ich hatte wirklich gehofft, die Quarantäne sei aufgehoben worden, dann könnte ich ein paar Helfer hierher bringen. Wie lange, meinen Sie, wird es noch dauern?«

Zu lange, dachte er und sah dem Regenwasser zu, das zwischen den Planen durch und in die Ausgrabung plätscherte. Du wirst die Hilfe, die du brauchst, niemals rechtzeitig bekommen.

»Ich brauche Information über Basingame und Badri Chaudhuri«, sagte er. »Wir versuchen den Ursprung des Erregers festzustellen und müssen wissen, mit wem Badri Kontakt hatte. Er arbeitete am 18. und am Vormittag des 19. in Ihrer Ausgrabung. Wer war außer ihm noch dort?«

»Ich.«

»Wer noch?«

»Niemand. Es war schrecklich schwierig, im Dezember Hilfe zu bekommen. Meine Studenten fuhren alle nach Haus, als die Ferien anfingen, und ich mußte Freiwillige zusammenkratzen, wo ich konnte. Aber wer hat eine Woche vor Weihnachten schon Zeit?«

»Sie sind sicher, daß sie nur zu zweit dort waren?«

»Ja. Ich weiß es, weil wir am Samstag den Sarkophag öffneten und soviel Mühe hatten, den Deckel zu heben. Gillian Ledbetter war für die Arbeit am Samstag mit eingeteilt, aber sie sagte in letzter Minute ab. Sie habe eine Verabredung.«

Mit William, dachte Dunworthy. »War am Sonntag noch jemand da?«

»Er war nur am Vormittag hier, und wir waren wieder allein. Dann mußte er nach London. Aber ich muß jetzt gehen. Wenn ich nicht bald Hilfe bekomme, muß ich eben selbst versuchen, die Ausgrabung vor dem Absaufen zu bewahren.« Sie nahm den Hörer vom Ohr.

»Warten Sie!« rief Dunworthy. »Hängen Sie nicht ein.«

Sie schürzte ungeduldig die Lippen, legte aber den Hörer wieder ans Ohr.

»Ich muß Ihnen noch einige Fragen stellen. Es ist sehr wichtig. Je eher wir diesem Virus auf die Spur kommen, desto eher wird die Quarantäne aufgehoben und Sie können Helfer für Ihre Ausgrabung bekommen.«

Das ließ sie unbeeindruckt, aber sie drückte einen Code, hängte ein und sagte: »Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn ich arbeite, während wir sprechen?«

»Nein, keineswegs«, sagte Dunworthy erleichtert.

Sie entfernte sich aus dem Bild, kam zurück und drückte etwas anderes am Apparat. »Tut mir leid, es klappt nicht mit der Reichweite«, sagte sie, und der Bildschirm zeigte verschwommene, bewegte Konturen, während sie das Telefon anscheinend zu ihrem Arbeitsplatz trug. Als das Bild sich wieder klärte, kauerte Montoya in einer verschlammten Grube vor einem Steinsarkophag. Wahrscheinlich war es der gleiche, dessen Deckplatte sie und Badri mit soviel Mühe abgenommen hatten.

Der Deckel trug die in Stein gemeißelte Darstellung eines Ritters in voller Rüstung, die Hände auf der gepanzerten Brust gefaltet und das Schwert an der Seite. Er lehnte in gefährlicher Schräglage an der Seite des Sarkophags, und von den kunstvoll gemeißelten gotischen Buchstaben der Randinschrift konnte er nur »Requiesc« sehen. Requiescat in pace. »Ruhe in Frieden«, ein Segenswunsch, der dem Ritter offensichtlich nicht gewährt worden war. Sein schlafendes Gesicht unter dem Helm blickte streng und mißbilligend.

Montoya hatte eine dünne Plastikfolie über den offenen Sarkophag gelegt. Sie war mit Regenwasser beperlt. Dunworthy fragte sich, ob die andere Seite des Sarkophags vielleicht eine Reliefdarstellung von Tod und Verwesung zeigte, wie die Beispiele in Colins Buch, und ob sie so gräßlich sei wie die Wirklichkeit. Von der Planenabdeckung troff Regenwasser herab in den Sarkophag und zog die Plastikfolie hinab.

Montoya richtete sich auf, einen flachen Kasten in der Hand, der mit Schlamm gefüllt schien. Sie legte ihn schräg über die Ecke des Sarkophags. »Nun, was ist?« fragte sie. »Sie sagten, Sie hätten weitere Fragen?«

»Ja«, sagte er. »Sie sagten, außer Ihnen sei sonst niemand hier gewesen, als Badri Ihnen half.«

Sie wischte sich mit dem Handrücken Schweiß von der Stirn. »Richtig. Hui, es ist dumpfig hier unter der Plane.« Sie zog die Jacke aus und hängte sie über den Sarkophagdeckel.

»Was ist mit Einheimischen? Leuten, die nicht mit der Grabung in Verbindung stehen?«

»Wenn jemand dagewesen wäre, hätte ich ihn rekrutiert.« Sie durchsuchte den Schlamm im Kasten mit den Fingern und brachte mehrere braune Steine zum Vorschein. »Der Deckel wog eine Tonne, und wir hatten ihn kaum heruntergeschoben, als der Regen anfing. Mir wäre jede Hilfe recht gewesen, das können Sie mir glauben, aber die Ausgrabung ist zu weit draußen, als daß jemand zufällig vorbeikommen würde.«

»Und das Personal vom Denkmalschutzamt?«

Sie hielt die Steine unter ein Wasserrinnsal, um sie zu reinigen. »Die Leute sind nur den Sommer über hier.«

Er hatte gehofft, daß jemand an der Ausgrabungsstelle sich als der Ursprung des Erregers erweisen würde, daß Badri mit einem Einheimischen in Berührung gekommen sei, einem Beauftragten des Denkmalschutzamtes oder einem Entenjäger. Aber Myxoviren hatten keine Infektionsträger. Der geheimnisvolle Einheimische hätte die Krankheit selbst haben müssen, und die Gesundheitsbehörden hätten von jedem in England auftretenden Fall benachrichtigt werden müssen. Bisher waren außerhalb des Quarantänebereiches keine Fälle aufgetreten.

Montoya hielt die Steine nacheinander unter das Batterielicht, das an eine der Stützen geklemmt war, drehte sie im Licht zwischen den Fingern und untersuchte die noch lehmbehafteten Ränder.

»Was ist mit Vögeln?«

»Vögeln?« Sie blickte verständnislos auf, und er begriff die Doppeldeutigkeit dessen, was er gesagt hatte. Sie schüttelte den Kopf und begann zu grinsen.

»Der Erreger kann durch Vögel verbreitet worden sein. Enten, Gänse, Hühner«, sagte er rasch, obwohl er nicht sicher war, daß Hühner als Reservoir in Betracht kamen. »Gibt es welche im Umkreis der Ausgrabung?«

»Hühner?« sagte sie und fuhr fort, die Steine zu untersuchen.

»Virusmutationen entstehen manchmal durch die Kreuzung tierischer und menschlicher Viren«, erläuterte er. »Geflügel ist das verbreitetste Reservoir, aber auch Fische kommen in Frage. Oder Schweine. Gibt es Schweine dort bei der Ausgrabung?«

Sie sah ihn an, als zweifle sie an seinem Verstand.

»Die Ausgrabungsstätte liegt auf dem Gelände einer Museumsfarm, nicht wahr?«

»Ja, aber die ist drei Kilometer weit entfernt. Wir sind mitten in einem Gerstenfeld. Es sind keine Schweine in der Nähe, auch keine Vögel oder Fische.«

Keine Vögel. Keine Schweine. Keine Einheimischen. Der Ursprung des Erregers war auch nicht hier am Ausgrabungsort. Möglicherweise war er nirgendwo, und Badris Influenza ging auf eine spontane Mutation zurück, die, so Mary, gelegentlich vorkam und in diesem Fall wie aus heiterem Himmel über Oxford hereingebrochen war, ganz wie die Pest über die ahnungslosen Bewohner dieses Friedhofs hereingebrochen war.

Montoya hielt die Steine wieder ins Licht, kratzte mit den Fingernägeln an anhaftendem Lehm und rieb an der Oberfläche, und er erkannte plötzlich, daß es Knochen waren, die sie untersuchte. Rückenwirbel vielleicht, oder die Zehenknochen des Ritters. Requiescat in pace.

Einer von ungleichmäßiger Form und der Größe einer Walnuß, mit gekrümmter Seite, schien ihr Interesse zu finden. Sie tat die anderen zurück in den Kasten, zog eine Zahnbürste mit kurzem Stiel aus der Tasche ihrer Jacke und putzte stirnrunzelnd die konkaven Ränder.

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