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Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]

Электронная книга - «Die Jahre des Schwarzen Todes [Doomsday Book - de]». Краткое содержание книги:

Eine faszinierende Reise in die finsterste Zeit des Mittelalters.
Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 — dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …
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Der Ausdruck war wie Finchs Liste der Variationen mit Zahlenkolonnen bedeckt und ebenso unverständlich. »Von irgendwo muß der Erreger aber doch gekommen sein.«

»Nicht unbedingt. Ungefähr alle zehn Jahre gibt es eine größere antigene Verlagerung mit epidemischen Potential, also könnte der Erreger in Badri seinen Ursprung haben.« Sie nahm den Ausdruck zurück. »Wissen Sie, ob er in der Nähe von Bauernhöfen mit Viehhaltung lebt?«

»Viehhaltung? Er lebt in einer Wohnung in Headington.«

»Mutationen entstehen bisweilen durch die Kreuzung bei Vögeln vorkommender Arten mit solchen, die mehr auf Menschen spezialisiert sind. Das Grippezentrum wünscht, daß wir mögliche Kontakte mit Vögeln und Einwirkung von Röntgenstrahlen überprüfen. Virale Mutationen werden manchmal durch Röntgenbestrahlung verursacht.« Sie studierte den Ausdruck, als ergäbe er einen Sinn. »Es ist jedenfalls eine ungewöhnliche Mutation. Es gibt keine Rekombination der Hämagglutinin-Gene, nur eine extrem große Punktmutation.«

Kein Wunder, daß sie Gilchrist nicht verständigt hatte. Er hatte angekündigt, daß er das Laboratorium öffnen würde, sobald die genetische Entschlüsselung der Viren gelungen und ein Impfstoff hergestellt sei, aber diese Nachricht würde ihn nur in seinen lächerlichen Theorien bestärken.

»Wann wird es ein Gegenmittel geben?«

»Sobald ein Analogon hergestellt werden kann. Und ein Impfstoff. Die Arbeit am Prototyp hat bereits begonnen.«

»Wie lang wird es dauern?«

»Drei bis fünf Tage, um einen Prototyp hervorzubringen, dann mindestens weitere fünf für die Herstellung, vorausgesetzt, es entstehen keine Schwierigkeiten bei der Duplizierung der Proteine. Um den 10. Januar herum sollten wir in der Lage sein, mit Impfungen zu beginnen.«

Um den 10. Januar herum. Und das wäre erst der Anfang der Immunisierung. Wie lange würde es dauern, die gesamte Quarantänezone zu immunisieren? Eine Woche? Zwei? Bis Gilchrist und die Protestler es für ungefährlich hielten, das Laboratorium zu öffnen?

»Das ist zu lang«, sagte er.

Mary seufzte. »Ich weiß. Man darf nicht daran denken, wie viele Fälle wir bis dahin haben werden. Heute morgen hat es bereits fünf neue gegeben.«

»Glauben Sie, daß es eine mutierte Art ist?«

Sie dachte darüber nach. »Nein. Ich halte es für viel wahrscheinlicher, daß Badri den Erreger bei dieser Tanzveranstaltung in Headington von jemandem einfing. Es können Jaina oder Leute der Earth First-Bewegung oder andere dagewesen sein, die von antiviralen Mitteln und der ganzen modernen Medizin nichts halten. Die kanadische Gänseinfluenza von 2010 wurde, wenn Sie sich erinnern, zu einer landwirtschaftlichen Genossenschaft zurückverfolgt, die von einer strikt antimodernistischen christlichen Sekte betrieben wird. Es gibt eine Quelle, und wir werden sie finden.«

»Und was soll inzwischen mit Kivrin geschehen? Wie, wenn die Quelle bis zum Rückholtermin nicht gefunden wird? Kivrin soll am 6. Januar zurückkommen. Werden Sie die Quelle bis dahin gefunden haben?«

»Ich weiß nicht«, sagte sie müde. »Vielleicht mag sie nicht in ein Jahrhundert zurück, dessen Entwicklung rasch in die Richtung auf eine Einstufung in Klasse 10 geht. Vielleicht bleibt sie lieber im Mittelalter.«

Er ging hinauf, Badri zu besuchen. Soweit dem Personal bekannt war, hatte er seit Heiligabend nicht mehr von Ratten gesprochen und auch keine auffallende Unruhe gezeigt. »Laboratorium?« murmelte er, als er Dunworthy sah. Er versuchte ihm mit zittriger Hand eine Notiz zu geben, dann schien er in erschöpften Schlaf zu sinken.

Dunworthy blieb nur ein paar Minuten und suchte dann Gilchrist auf.

Es regnete wieder, als er das Brasenose College erreichte. Die Demonstranten hatten bis jetzt ausgehalten und standen mit eingezogenen Schultern fröstelnd und naß unter ihrem Spruchband.

Der Portier war gerade dabei, den Weihnachtsschmuck von seinem kleinen Christbaum zu nehmen. Als er Dunworthy sah, zeigte er sich alarmiert. Dunworthy ging an ihm vorbei und durch das Tor.

»Sie können nicht hinein, Mr. Dunworthy!« rief ihm der Pförtner nach. »Das College ist gesperrt.«

Dunworthy kümmerte sich nicht darum und ging in den Hof. Gilchrists Räume waren in dem Gebäude hinter dem Laboratorium. Er beschleunigte seinen Schritt, da er vermutete, daß der Pförtner ihm nachlaufen und versuchen würde, ihn aufzuhalten.

Am Eingang des Laboratoriums war ein großes gelbes Schild mit der Aufschrift: »Gesperrt. Kein Zutritt ohne Genehmigung.« Die Tür war mit einer elektronischen Alarmanlage versehen.

Gilchrist schritt durch den Regen auf ihn zu. Der Portier mußte ihn alarmiert haben. »Mr. Dunworthy. Das Laboratorium ist gesperrt und nicht zugänglich.«

»Ich wollte Sie sprechen«, sagte Dunworthy.

Der Portier kam herbeigeeilt. »Soll ich den Ordnungsdienst der Universität rufen, Mr. Gilchrist?«

»Das wird nicht erforderlich sein. Kommen Sie mit hinauf«, sagte er zu Dunworthy. »Ich habe etwas, das ich Ihnen zeigen möchte.«

Er führte Dunworthy in sein Büro, setzte sich an den mit Papieren beladenen Schreibtisch und setzte eine komplizierte Schutzmaske mit besonderen Filtern auf.

»Ich habe eben mit dem Grippezentrum gesprochen«, sagte er. Seine Stimme klang hohl und gedämpft, wie aus einiger Entfernung. »Der Erreger ist ein bisher genetisch nicht entschlüsseltes Virus, dessen Ursprung unbekannt ist.«

»Seine genetische Struktur ist inzwischen entschlüsselt«, sagte Dunworthy, »und Analogon und Impfstoff werden innerhalb weniger Tage zur Verfügung stehen. Dr. Ahrens hat veranlaßt, daß Brasenose mit Vorrang immunisiert wird, und ich versuche einen Techniker ausfindig zu machen, der die Fixierung lesen kann, sobald eine Immunisierung stattgefunden hat.«

»Ich fürchte, das wird nicht so einfach sein«, erwiderte Gilchrist. »Ich habe mich mit dem Auftreten der Influenza in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts beschäftigt. Es gibt klare Hinweise, daß in den ersten Jahrzehnten nach 1300 eine Serie von Influenzaepidemien die Bevölkerung schwächte und dadurch ihre Widerstandsfähigkeit gegen den Schwarzen Tod verminderte.«

Er nahm ein Buch vom Schreibtisch, das wie eine alte Chronik aussah. »Ich habe sechs verschiedene Hinweise auf Ausbrüche zwischen Oktober 1318 und Februar 1321 gefunden.« Er blickte kurz zu Dunworthy auf und begann zu lesen: »Nach der Erntezeit kam über ganz Dorset ein so heftiges Fieber, daß viele daran starben. Dieses Fieber begann mit Schmerzen im Kopf und den Gliedern, mit Verwirrung und Schwäche. Man suchte die Krankheit durch Aderlässe, Umschläge und Kräuteraufgüsse zu heilen, aber viele starben trotzdem.«

Ein Fieber. In einem Zeitalter von Fieberkrankheiten wie Typhus und Cholera und Masern, die allesamt ähnliche Symptome zeigten.

Gilchrist hob ein anderes Buch in die Höhe. »1319. Die Sitzungen des Geschworenengerichts in Bath mußten abgesagt werden. Eine Krankheit der Brust befiel das Gericht, so daß niemand, weder Richter noch Geschworene, übrig blieben, die Fälle zu verhandeln.« Gilchrist blickte Dunworthy mit hochgezogenen Brauen an. »Sie erklärten, daß die Befürchtungen der Öffentlichkeit wegen einer Infektion über das Netz hysterisch und unbegründet seien. Es scheint jedoch, daß sie auf handfesten historischen Tatsachen beruhen.«

Auf handfesten historischen Tatsachen. Hinweise auf Fieber und Krankheiten der Brust, die alles sein konnten, Lungenentzündung oder Typhus oder hundert andere namenlose Infektionen. Alles das ging an der Sache vorbei.

»Das Virus kann nicht durch das Netz gekommen sein«, sagte er. »Es wurden Absetzoperationen in Seuchenzeiten und auf Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges durchgeführt, wo Senfgas eingesetzt wurde, nach Tel Aviv. Der Fachbereich 20. Jahrhundert schickte Meß- und Untersuchungsinstrumente zwei Tage nach einem oberirdischen Atomtest zum Explosionsort. Nichts kommt durch.«

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